11.6.: Ein leiser Thriller

11.6_coverToni Musulin ist Wachmann beim Sicherheitsdienst IBRIS, Einzelgänger und für die meisten in seiner Umgebung ein ewiges Rätsel. Als er eines Tages seinen Chef zur Rede stellt, weil er zu wenig Gehalt bekommen hat und dieser ihn noch weiter demütigt, ist für Toni der Zeitpunkt der Abrechnung gekommen.

Film-Blog.tv-Fazit:
„11.6“ ist kein Action-Spektakel. Wer ruhige, fast schon dokumentarische Thriller mit eher düsterem Hintergrund mag, kommt voll auf seine Kosten.

Nach außen hin ist Toni eher introvertiert. Lässt niemanden an sich heran kommen, lebt sehr sparsam und bescheiden, fast schon geizig. Fährt mit einem alten Fahrrad zur Arbeit, die einfache, kleine Wohnung ist sehr spartanisch eingerichtet. Das einzige Hobby scheinen die regelmäßigen Besuche im Fitnesscenter zu sein. Zum Leben braucht er nicht viel. Seine Gratis-Mahlzeiten nimmt er im Bistro seiner Freundin ein, bei der er auch meist übernachtet. Er gibt sich eher unnahbar. Lediglich in einer eher unbedeutenden Szene wird erwähnt, dass er seinem Arbeitskollegen einen größeren Geldbetrag geliehen hat, damit dieser die Tierarzt-Rechnung für dessen Hund bezahlen kann.

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Niemand ahnt, dass sich Toni im Laufe der Jahre einen größeren Geldbetrag zusammen gespart hat, um sich seinen Traum zu erfüllen. Bei einer Versteigerung bekommt er den Zuschlag für ein rotes Ferrari-Cabriolet. Seiner Freundin gegenüber erwähnt er, dass er an einem Autoverleih beteiligt sei und sich den Wagen manchmal übers Wochenende ausborgen könne. Sie genießt die Spritztour nach Monaco. Und ist baff erstaunt, als er von ihr dann eine Beteiligung an den Spritkosten einfordert.

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Er besucht Verwandte und Freunde, vor allem sein Cousin ist mächtig beeindruckt von dem roten Renner aus Maranello. Auch die nächtlichen Streifzüge durch Discos lässt er sich nicht entgehen, wenngleich sich der „einsame Wolf“ dort nicht sehr wohl fühlt.
Im krassen Gegensatz zum „Jet-Set-Leben“ mit dem Ferrari steht die tägliche Arbeit als Fahrer des Geldtransporters. Das Verhältnis zum Vorgesetzten ist schon schlecht und wird auch nicht besser, als ihm ein Urlaubstag verweigert wird, an dem zur Beerdigung einer nahe stehenden Person will. Als er dann feststellt, dass Überstunden bei der Lohnabrechnung nicht berücksichtigt wurden, fasst er einen folgenschweren Entschluss ….

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Wer auf harte Action steht und von einem Film mindestens ein Gemetzel mit ein paar hundert Leichen erwartet, wird sicher enttäuscht sein. 11.6 – das hat übrigens nichts mit einem Datum zu tun, so viel sei verraten – ist französisches Erzählkino in Reinkultur. Die Spannung baut sich langsam, fast bedächtig auf. Und dennoch ist von der ersten Minute an zu spüren, dass bald etwas passiert. Was geschehen wird, ist auch ziemlich schnell klar. Die Frage ist das „wie“. Und der Ausgang.

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Philippe Godeau setzt auf dunkle, kühle Farben. Der ganze Film, auch die Szenen im lichtdurchfluteten Monaco, sind blaustichig. Das mag ein probates Stilmittel sein, aber mittlerweile hat man das schon ein wenig zu oft gesehen. Auch wenn’s hier passt: Liebe Regisseure und Kameraleute, lasst Euch mal was neues einfallen! Ansonsten ist das Bild scharf und zeigt auch bei Großprojektion keine Schwächen. Der Ton fängt die meist gedrückte Stimmung gut ein, das Surround-System hat gut zu tun. Im Sound sehr eindrucksvoll, natürlich, die Szenen in der Großstadt-Diskothek. Aber auch der Ferrari darf so klingen, wie es der Motorsportfreund erwartet.
Auch die Schauspieler geben sich keine Blöße. Als Zuschauer hat man nie das Gefühl, da hätte einer seinen Text nur auswendig gelernt. Die Rollen werden nicht gespielt, sie werden verkörpert.

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EuroVideo Medien GmbH „11.6 – The French Job“ ab dem 23. Januar 2014 auf Blu-ray Disc™, DVD und zum Download. Das Rezensionsexemplar wurde von EuroVideo Medien GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: 11.6 – The French Job
Land/Jahr: Frankreich / 2013
Genre: Thriller
Darsteller: François Cluzet, Bouli Lanners, Corinne Masiero, Lionnel Astier, Johan Libéreau
Regie: Philippe Godeau
FSK: 12

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 102 Min. + Bonus
Bildformat: HD 1080/24p (16:9)
Seitenformat: 2,40:1
Tonformat: Deutsch und Französisch DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel: Deutsch (ausblendbar)