45 Minuten nach Ramallah: Mit einem Toten sehr lebendig unterwegs

ramallah_coverRafik spült lieber Teller in Deutschland als sich von seinem Vater tyrannisieren zu lassen.
Nur ungern kommt er zur Hochzeit seines Bruders nach Ostjerusalem; prompt trifft den
Vater bei einem Streit der Schlag. Sein letzter Wunsch: ein Grab in Ramallah, jenseits der
Grenze. Zähneknirschend packen die zerstrittenen Brüder die Leiche in den Kofferraum –
und haben bald israelische Grenzer, russische Autoschieber, palästinensische Terroristen
und eine durchtriebene Blondine am Hals…

Film-Blog.tv meint:
Mit schwarzem Humor und einem Augenzwinkern geht es mitten durch den Nahostkonflikt und vor allem um die Menschen, die sich in dieser nicht einfachen Welt arrangieren. Ohne jemals den Zeigefinger zu erheben regt dieser Film trotz der kurzweiligen Unterhaltung zum Nachdenken über den andauernden Konflikt in der Region an.
Der Wunsch eines in Israel lebenden Mannes, in seinem palästinensischen Heimatort bestattet zu werden, führt seine beiden Söhne von einem Abenteuer zwischen zwei Welten in das nächste. Regisseur Ali Samadi Ahadi nimmt uns mit auf eine 84-minütige Achterbahnfahrt zwischen Maschinengewehren, Bomben und einer attraktiven Autodiebin.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt

Rafik (Karim Saleh), ein Palästinenser aus Ostjerusalem, lebt lieber in Hamburg als in der Heimat fortgesetzt mit seinem Vater zu streiten. Die Hochzeit seines Bruders Jamal (Navid Akhavan) führt ihn zurück nach Israel, wo die nächste Auseinandersetzung mit seinem Vater nicht lange auf sich warten lässt. Diese bleibt nicht ohne Folgen: Rafiks Vater erleidet einen Schlag und verstirbt vor Ort mitten in der Hochzeitsfeier.

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Sein Wunsch, in seinem Geburtsort bestattet zu werden, stellt seine beiden Söhne vor ein Problem. Es sind zwar nur 45 Minuten bis Ramallah; aber dazwischen liegen zwei Checkpoints, denn dieser Ort liegt in den palästinensischen Autonomiegebieten im Westjordanland.

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Blöd, wenn schon am ersten ein Grenzposten mit einer vollautomatischen Waffe den Laderaum inspiziert, in dem der Verstorbene ruht. Und dieser dann nur 700 Schekel für die Klimaanlage bietet, die er im Laderaum entdeckt, für die unsere Brüder doch eigentlich 1.500 Schekel sehen wollten.

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Die beiden halten an, um der hübschen Olga zu helfen, die mit einer Autopanne liegengeblieben ist. Sie bedankt sich, in dem sie den Van stiehlt, mit der Leiche des Vaters darin. Die telefonischen Fragen der Mutter nach dem Stand der Dinge werden auch nicht einfacher zu beantworten, zumal, wenn man kurz darauf noch als Terrorismusverdächtiger verhaftet wird und sich nun mit russischen Autoschiebern auseiandersetzen muss, die immer wieder für eine Überraschung gut sind.

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Zwischen den Brüdern und einer würdigen Bestattung tun sich noch einige weiter Hindernisse auf, unter anderem mehr als eine Gefangennahme durch palästinensische Freiheitskämpfer, die die beiden als Verräter zu erschießen drohen, und es explodiert so einiges.

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Überleben die Brüder bis zur Bestattung? Und was wird Mama am Telefon sagen, wenn nicht?

Der dynamische Film verrät es, und es macht Spaß, sich die chaotische Achternbahnfahrt durch Hamburg, Israel und Palästina anzusehen um dies herauszufinden.

Der stimmige Soundtack mit swingendem orientalisch wirkenden Pop rundet diese dynamische Komödie ab.

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Zorro Filmverleih / good!movies film präsentiert „45 Minuten nach Ramallah“ auf DVD und VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Zorro Filmverleih / good!movies film zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: 45 Minuten nach Ramallah
Land / Jahr: D / 2013
Genre: Komödie
Darsteller: Navid Akhavan: Jamal, Julie Engelbrecht: Olga, Karim Saleh: Rafik u.a.
Regie: Ali Samadi Ahadi
Produktion: brave new work
Produzenten: Mohammad Farokhmanesh, Frank Geiger, Armin Hofmann
Co-Produzentin: Christine Strobl
Line-Producer: Donall McCusker
Redaktion: Hans-Wolfgang Jurgan, Roman Klink
Drehbuch: Gabriel Bornstein, Karl-Dietmar Möller-Naß
Autor der Romanvorlage: Gabriel Bornstein
Kamera: Wedigo von Schultzendorff
Ausstattung: Seth Turner
Ton: Jörg Krieger
Schnitt: Silke Olthoff, Frank Geiger
Mischung: Stephan Konken
Kostüm: Phaedra Dadaleh
Musik: Ali N. Askin
Eine Produktion der brave new work filmproductions in Ko-Produktion mit der ARD
Degeto und mit Unterstützung der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, dem
Deutschen Filmförderfonds und der Filmförderungsanstalt.

DVD
Laufzeit: ca. 87 Min. + Bounus
Bildformat: 16:9 (2,35:1)
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Bonus:
FSK: 12

Webseite zum Film: 45 Minuten bis Ramallah