Alice Cooper: „Paranormal“ – Besser denn je

„Paranormal ist wie zwölf gute Episoden von The Twilight Zone“, lacht Alice Cooper. „Jeder Song erzählt seine eigene, verdrehte Geschichte.“
Ja, der einzigartige King of Shock Rock meldet sich nach sechs Jahren mit einem Album voller brandneuer Tracks zurück. Es ist eine verrückte und gleichzeitig großartige Kollektion aus Gitarren-getriebenen Klängen – aber was würde man anderes von dem Komponisten von Klassikern wie „Under My Wheels“, „I’m Eighteen“ und „Billion Dollar Babies“ erwarten?

Film-Blog.tv meint:
Seit 1968 steht er auf der Bühne: Alice Cooper. Und nicht nur ich bin der Meinung: Nie war er besser als heute. Wobei die aktuelle Doppel-CD „Paranormal“ im besten Sinne des Wortes „altmodisch“ klingt. Fast wie eine Zeitreise in die frühen 70iger, als handgemachter Rock’n Roll noch täglich aus den Radiolautsprechern klang, Alice und wir noch jung und frisch waren.
Nur: Alice hat sich den Sound erhalten – er klingt heute noch so frisch wie einst. Er hat’s halt drauf. Danke für diese Zeitreise!

Produziert von dem renommierten Bob Ezrin (Pink Floyd, Deep Purple) und unterstützt durch Größen wie ZZ Tops-Gitarrist Billy Gibbons, U2-Drummer Larry Mullen, Deep Purple-Bassist Roger Glover und der Ursprungsbesetzung der Alice Cooper Band, ist Paranormal eine wahre Überraschung mit fesselnden Wendungen.

„Meine Definition von ‚paranormal‘ ist etwas, das ‚anders als normal‘ ist oder ‘Seite an Seite mit dem normalen‘ geht“, erklärt Cooper. „Man könnte sagen, dass meine ganze Karriere so verlief. Ich habe geguckt, was normal ist und trat dann einen Schritt zur Seite. So bekommt man die Aufmerksamkeit der Leute. Sie alle haben unsere Musik gehört und unsere Show gesehen und sagten ‚Das ist so verrückt… oh ja, das ist so Alice‘.“

Ganz seiner Leidenschaft des Unerwarteten folgend, hat sich der Sänger dagegen entschieden, ein weiteres Konzeptalbum wie „Welcome 2 My Nightmare“ (2011) zu erschaffen und fokussierte sich stattdessen darauf, eine explosive Mischung aus unvergesslichen und für sich alleine stehende Songs zu kreieren.

„Bob Ezrin und ich wollten aus dem Gerüst ausbrechen“, sagt Alice. „Ich habe vorgeschlagen, dass wir 20 verschiedene Ideen aus 20 verschiedenen Orten sammeln, unseren Dreh daraus machen und dann nehmen, was am besten klingt.“
Aus 20 Liedern wurden zwölf für die Ewigkeit ausgewählt, die für Nervenkitzel, Gänsehaut aber auch für einen Lacher sorgen. „Dynamite Road“ erzählt die Geschichte einer Band, die einen tödlichen Pakt mit dem Teufel schließt. In „Fireball“ hat Alice Cooper einen schlimmen Traum über das Ende der Welt und merkt nach dem Aufwachen, dass sein Traum Wirklichkeit geworden ist. „Genuine American Girl“ handelt von einem harten Transgender-Kerl, der sich nicht davor scheut, dies in die Welt hinaus zu tragen. Der Titelsong des Albums wiederum ist die liebevolle Geschichte eines Mädchens und ihres besten Freundes – der ein Ghul ist.

„Alice hat kein Problem damit, unheimlich zu sein“, sagt Cooper über sein Rock and Roll-Ich. „Er mag es, der Schurke zu sein, aber er hat auch eine komische Seite. Er droht, deine Kehle aufzuschlitzen und rutscht danach auf einer Bananenschale aus.“
Bananenschalen beiseite, die wahrscheinlich größte Überraschung auf Paranormal ist die historische Mini-Reunion mit den ehemaligen Bandkollegen, Gitarrist Michael Bruce, Bassist Dennis Dunaway und Drummer Neal Smith.

„Als die Erstbesetzung der Band sich 1975 trennte, gab es kein böses Blut“, erklärt Cooper. „Es gab keine Gerichtsverfahren – wir haben nur einfach den kreativen Prozess ausbrennen lassen. Wir sind zusammen auf die High School gegangen und haben etwa fünf Platin-Alben am Stück zusammen aufgenommen. 10 Jahre lang hatten wir keine einzige ruhige Minute ohne einander – danach war es einfach an der Zeit, dass jeder seinen eigenen Weg geht. Neal, Dennis und ich standen all die Jahre immer in Kontakt. Mike hat sich für eine Weile zurückgezogen und Glen Buxton starb 1997, was für uns alle ein großer Schock war.“

„Letztes Jahr rief Neal mich an und sagte ganz einfach: ‚Ich hab ein paar Songs‘. Ich antworte ihm nur: ‚Toll, bring sie rüber‘. Mike schloss sich uns an und ich lud die beiden zu mir ein. So kam es, dass wir einfach einige Woche lang an ein paar Sachen arbeiteten. Dann rief auch noch Dennis an und meinte ebenso: ‚Ich hab ein paar Songs!‘ Also dachte ich hey, lass uns das machen! Wenn man sich die Aufnahme anhört, merkt man, da passt einfach alles.“

Man könnte behaupten, die zwei Songs „Genuine American Girl“ und der Who-inspirierte Song „You And All Your Friends“ passen mehr als nur rein. Gang im Gegenteil, sie stechen durch ihren unverwechselbaren Sound sofort raus.

Wie jeder gute Entertainer versucht Alice Cooper immer mehr als 100% zu geben. Zusätzlich zu den 12 neuen Songs, enthält die Bonus-CD mörderische Live-Versionen von The Coop’s Greatest Hits, gemeinsam mit seiner aktuellen Band: u.a. Knaller wie „No More Mr. Nice Guy“, „Billion Dollar Babies“ und „School’s Out“. Man kann es als Vorgeschmack auf die Alice Cooper-Tour 2017 sehen. In den USA tourt Alice Cooper übrigens mit der ebenso legendärer Band Deep Purple als Co-Headliner durch Nordamerika.

„Dieses Album ist wie eine Zirkusvorstellung – allerdings nicht die im Hauptzelt“, fährt Cooper fort. „Sie ist ein bisschen gruselig; es gibt einen dreiköpfigen Affen und eine Schlangenfrau, und man bleibt fasziniert zurück. Genau dort ist Alice anzutreffen und genau dies ist der Ort, am dem Alice sich bereits seit 50 Jahren aufhält.“

„Paranormal“ von Alice Cooper wird am 28. Juli 2017 von earMUSIC a project of Edel Germany GmbH auf Vinyl-LP, CD und als Download veröffentlicht.
Das Rezensionsexemplar wurde von earMUSIC a project of Edel Germany GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Webseite von Alice Cooper