Alois Nebel: Leben in Weißbach

nebel_coverGewinnspiel_rot Herbst 1989. Alois Nebel ist Fahrdienstleiter an einem kleinen Bahnhof in Bílý Potok, einem abgelegenen Ort an der tschechoslowakisch-polnischen Grenze, dem früheren Sudetenland. Das einzige Hobby des Einzelgängers ist das Sammeln alter Fahrpläne. Doch wenn sich der Nebel über die Bahnstation legt, sieht Alois Züge mit Geistern und Schatten aus der dunklen Vergangenheit Mitteleuropas: dem Zweiten Weltkrieg, der Vertreibung der Deutschen, der sowjetischen Besatzung. Alois Nebel wird diese Alpträume nicht los und endet schließlich in einer Nervenheilanstalt. Dort lernt er „den Stummen“ kennen, der bei dem Versuch, die Grenze zu überqueren, verhaftet worden ist. Dieser wird zum unfreiwilligen Auslöser für Alois‘ Entschluss, den Kampf gegen die Dämonen aufzunehmen, die ihn nächtlich heimsuchen. Er macht sich auf den Weg und findet Freunde, eine Geliebte und Weggefährten. Langsam erwacht Alois Nebel aus dem Albtraum der Vergangenheit und sieht in die Zukunft mit klarem Blick.

Film-Blog.tv meint:
Das Schicksal der Sudetendeutschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden, kennen wir bestenfalls aus der Perspektive der Flüchtlinge. Meine Großeltern, meine Mutter und ihre beiden Schwestern waren auch davon betroffen. Deren spärliche Erzählungen aus der Heimat, von Flucht und Vertreibung prägten mein Bild vom Sudetenland und den Tschechen.
Dass das Vorgehen der tschechischen Landsleute auch bei ihnen selbst zu traumatischen Situationen geführt hat, unter denen sie auch noch nach Jahrzehnten leiden, zeigt „Alois Nebel“. Sie verloren durch die Vertreibung der Sudetendeutschen ihre Freunde und Nachbarn.
„Alois Nebel“ ist ein mutiger, trauriger und vor allem: Sehr, sehr tief beeindruckender und persönlicher Film über ein Stück europäische Geschichte.

Wenn man das deutsche Wort „Nebel“ rückwärts liest, entsteht ein komplett neues Wort: „Leben“. Und das Leben des Protagonisten „Alois Nebel“ wird von einem Nebel von Gefühlen und düsteren Erinnerungen verborgen, denen er zu entfliehen sucht.

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Es ist das Ende des Sommers im Jahr 1989. Alois Nebel arbeitet als Fahrdienstleiter eines kleinen Bahnhofs im Sudetenland, einer kleinen verlassenen Gemeinde mitten in den Bergen. Er ist ein Eigenbrötler, der alte Fahrpläne den Menschen vorzieht und die Einsamkeit des Bahnhofs als ruhig und entspannend empfindet – außer wenn der Nebel kommt. Denn dann fängt er an zu halluzinieren, Geister zu sehen sowie Schatten aus der dunklen Vergangenheit dieser Gegend, in der nach dem Zweiten Weltkrieg brutale Rache an der deutschen Bevölkerung geübt wurde.

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Alois wird diese Alpträume nicht los und durch Zutun des Bahnangestellten Wachek, der Alois um seinen Job bringen will, landet er eines Tages in einem Sanatorium. Dort lernt er „den Stummen“ kennen: Ein mysteriöser Mann, der ein altes Foto bei sich trägt und der von der Polizei nach Überschreitung der Grenze festgenommen wurde. Nicht einmal die Elektro-Schocks bringen ihn zum Reden und die Polizei kann nicht herausfinden, warum er in das Sudetenland gekommen ist oder wonach er gesucht hat. Eines Tages ergreift er seine Chance und flüchtet in die Wälder.

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Alois geht es besser und er darf das Sanatorium verlassen. Aber die Dinge hinter den Wänden der Anstalt haben sich verändert. Die Berliner Mauer und das Kommunistische Regime in Tschechien sind gefallen. Alois weiß nicht, was er tun soll, denn er hat weder eine Arbeit, noch einen Ort zum Wohnen. Er entscheidet sich, beim Prager Hauptbahnhof um Hilfe zu bitten. Dort trifft er die Liebe seines Lebens: Květa, die Toilettendame. Daraufhin kehrt er in die Berge zurück, um „den Stummen“ zu treffen und um die Geister, die ihn so lange Zeit verfolgt haben, zu besiegen.

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Wenn man das deutsche Wort „Nebel“ rückwärts liest, entsteht ein komplett neues Wort: „Leben“. Und das ist es, wofür unsere Graphic Novel-Trilogie „Alois Nebel“ steht: Ein Leben umgeben von dem Nebel der Gefühle und Erinnerungen. Der Titel ist auch der Name unseres Protagonisten, ein Fahrdienstleiter in seinen Fünfzigern, jedoch in vielerlei Hinsicht noch ein Jugendlicher. Er arbeitet in Bílý Potok, früher Weißbach, ein kleines verlassenes Lager mitten in den Bergen.

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„Alois Nebel“ entstand im Jahr 2003, als das erste Buch der Graphic Novel „Bílý Potok“ herauskam. Zwei weitere folgten: „Central Station“ (2004) und „Zlate Hory“ (2005). 2006 wurden dann die drei Titel in einem Band zusammengefasst und nach der Hauptfigur benannt. Aus dieser Sammlung entstand die Geschichte, die die Basis des Drehbuchs liefert.

Der Handlungsstrang spielt sich in dem Gebirge von Jesenik ab, dort wo sich heute die tschechisch-polnische Grenze, früher bekannt als das Sudetenland, befindet. Der Illustrator und Co-Drehbuchautor des Films, Jaromir 99, kommt aus dieser Gegend. Die Region – und auch die Welt der Züge – ist ebenso dem anderen Co-Drehbuchautor und Autor der ursprünglichen Graphic Novel – Jaroslav Rudis – wohl bekannt. Sein Großvater, Alois, arbeitete als ein Weichenwächter in einem ähnlichen Bahnhof wie in der Geschichte, vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. In vielerlei Hinsicht war er die Inspiration für die Hauptfigur.

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Kaum ein anderer Ort in Zentral-Europas zerstörender Geschichte der letzten hundert Jahre, birgt eine Vergangenheit mit einer derartigen Heftigkeit und Brutalität, wie das Sudetenland. Ursprünglich war es ein Teil von Tschechien, doch nach dem „Münchener Abkommen“ im Jahr 1938 geriet es in die Hände der Nazis, also des Dritten Reichs. Nach dem Krieg, auf Erlass der Regierung sozusagen, wurde die gesamte deutsche Bevölkerung vertrieben. Dieses schreckliche Trauma, welches immer noch diese Gegend prägt und noch nicht von der tschechischen Bevölkerung aufgearbeitet wurde, ist eines der wichtigsten Themen des Films „Alois Nebel“. Der Charakter Nebel ist geplagt von immer wieder erscheinenden Visionen der tragischen Ereignisse und von seiner persönlichen Erinnerung an die Vertreibung. Er muss versuchen diese zu verstehen, wenn er jemals inneren Frieden finden will.

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Die Eisenbahn beziehungsweise der Bahnhof, Nebels Arbeitsplatz, steht für ein Symbol Zentral Europas, als Vernetzung und Zusammenhalt der Staaten. Die Eisenbahn war so gesehen ein „Zeuge“ und auch „Mitwirkender“ aller schlimmen Vorkommnisse der letzten hundert Jahre – Züge brachten Millionen von Soldaten in Kriegsgebiete der Region und sie transportierten Millionen von normalen Bürgern in ihren Tod oder ins Exil – wie auch während der Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland.

Die Graphic Novel „Alois Nebel“ ist in einem rauen, scharfen, eckigen Schwarz-Weiß-Stil gezeichnet, welcher besonders augenscheinlich die ungemütliche Atmosphäre der Zeit und des Ortes widerspiegelt. Diese Herangehensweise des Künstlers Jaromir 99 wurde inspiriert durch die amerikanischen Comics der 50er Jahre, durch den sozialistischen Realismus und durch Motive traditioneller Zeitungsausschnitte, welche eine typische Kunstform der Menschen in der Region des Jesenik Gebirges ist.

„Alois Nebel“ wurde im Rotoskopie-Verfahren realisiert, einer besonderen Form der Animation bei der das Motiv mehrere Male über zuvor gedrehtes Filmmaterial Bild für Bild abgezeichnet wird. So verstärkt sich der Eindruck der zum Leben erweckten Graphic Novel und die starken Kontraste von Schwarz und Weiß verleihen dem Film die Stimmung eines Film Noir. Zuerst wird das Drehbuch aufgezeichnet, als sei es ein Live-Action-Film, mit realen Schauspielern, die in realen Orten oder Studios spielen.
Das Material wird dann komplett nachgezeichnet. Das entstandene Bild hat nun Ähnlichkeit mit einem klassischen, handgezeichneten Trickbild, wobei die Bewegungen viel flüssiger wirken und die Gesichtszüge der Schauspieler beibehalten werden können.

Schon das Bild der DVD ist, sogar bei Großprojektion, besser als viele Blu-rays, die wir im Archiv haben. Da „Alois Nebel“ 85 Minuten kurz ist und nur der S/W-Kanal benötigt wird, musste für die DVD nicht viel komprimiert werden. Das Ergebnis ist eine sensationelle Bildqualität, wie wir sie bei DVDs nur selten zu sehen bekommen. Auch der Ton ist über jeden Zweifel erhaben: Als Beispiel sei die Rasurszene genannt: Wer sich schon einmal mit einer Klinge nass rasiert hat, erkennt das Geräusch des schabenden Hobels sofort!

Gewinnspiel
Folgende Frage gilt es zu beantworten: Nennt uns einen weiteren Film, der im Rotoskopie-Verfahren realisiert wurde! Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

1 x Blu-ray „Alois Nebel“
1 x DVD „Alois Nebel“

Schickt einfach eine Mail mit der, hoffentlich richtigen, Antwort und Eurer Adresse an gewinnspiel@film-blog.tv

Damit Euer Gewinn noch vor Weihnachten bei Euch eintrifft, ist der Einsendeschluss der 15.12.2014 bis 24.00 Uhr. Gehen mehr als eine richtige Antworten ein, lassen wir das Los entscheiden. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie film-blog.tv dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Neue Visionen Medien präsentiert „Alois Nebel“ ab dem 28. November 2014 auf Blu-ray Disc™ und DVD.
Das Rezensions- und die Verlosungsexemplare wurden von Neue Visionen Medien zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Alois Nebel
Land / Jahr: Tschechien, Deutschland / 2013
Genre: Drama, Animation
Darsteller: Miroslav Krobot: Alois Nebel, Marie Ludvíková: Květa, Leoš Noha: Wachek, Karel Roden: der Stumme, Alois Švehlík: Wachek senior, David Švehlík: Wachek senior als junger Mann, Ondřej Malý: Olda, Ivan Trojan: ČSD-Direktor u.a.
Regie: Tomáš Luňák
Drehbuch: Jaroslav Rudiš, Jaromír Švejdík
Produktion: Pavel Strnad
Kamera: Jan Baset Střítežský
Schnitt: Petr Říha
Musik: Ondřej Ježek, Petr Kružík

Blu-ray
Laufzeit: ca. 85 Min.
Bildformat: DCP, 24 fps, 1:1,85, s/w
Tonformat: Dolby Digital 2.0 / DTS-HD 5.1
Sprachen: Deutsch, Tschechisch
Untertitel: Deutsch
Bonus: Making-of, Specials zum Rotoskopie-Verfahren, Videoclip mit Filmsong, herausgeschnittene Szenen, Audiokommentar
FSK: 12

Webseite zum Film: Alois Nebel