Am Ende der Milchstraße – Stoisch in Meck-Pomm

milchstrasse_cover„Am Ende der Milchstraße“ porträtiert eine Dorfgemeinschaft in Mecklenburg-Vorpommern, deren Zuhause ein Ort der Einsamkeit und der Schönheit ist. Zwischen sozialer Schrumpfung und blühenden Landschaften zeigen die Regisseure Leopold Grün und Dirk Uhlig Menschen, die mit Eigensinn und trockenem Humor aus der Not eine Tugend machen und längst verloren geglaubte Werte wiederbeleben.

Film-Blog.tv meint:
„Komme ich heute nicht, komme ich morgen“. So, erzählte meine Oma aus der Erfahrung ihrer Jugend, handelt der Mecklenburger. Nach vielen Jahren eben dort wird sie gewusst haben, wovon sie sprach, und das „Ende der Milchstraße“ gibt ihr recht.
Der gut 90-minütige Film führt uns in die Welt Mecklenburg-Vorpommerns ein. Dort, wo Detlev Buck mit der nordischen Ruhe und ihren Eigenheiten spielt, sie in leise Komik verwandelt, verfolgt die Dokumentation von Leopold Grün und Dirk Uhlig einen anderen Ansatz. Wir gewinnen einen Einblick in die Landschaften, das wenige Gewerbe. Aber vor allem in den Alltag der Menschen.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt

Ein kleines Dorf in den Weiten Mecklenburgs. Geprägt vom politischen Wandel der letzten Jahrzehnte lebt hier eine Gemeinschaft und tut, was Menschen eben tun müssen: sie gestalten ihre Umwelt, schreiben sich in die Landschaft. Die 50-Seelen-Kommune atmet jenseits der Gezeiten, die den Wert des Westens bestimmen.

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Die Menschen leben am Rand des Existenzminimums, angewiesen auf die Natur und gegenseitige Hilfe. Ihr Alltag ist geprägt von Arbeit, Erinnerungen und von Verlust. Und doch haben sich der kräftige Bauer Maxe, seine Freundin Cordula, die der Liebe wegen bei ihm auf dem Land lebt, der Zugezogene Harry, der von weißen Nächten am Nordkap träumt, der Melker Oli, der bald heiraten wird, und die fünffache Mutter Gabi, deren Söhne arbeitssuchend heimgekehrt sind, eine wunderbare Gemeinschaft geschaffen: eine Idylle, der immer auch ein Abgrund eingeschrieben ist.


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Ländliche Besiedlung und dazwischen viel wenig: das ist das nordöstliche Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Wie leben die Menschen dort, bekannt für ihre eigene Art? Wie wirken sich die bis heute spürbaren Folgen der Wende auf das Zusammenleben aus? Die Reportage kommentiert nicht, sie zeichnet auf. Und sie lässt es zu, dass sich der Mecklenburger Geist vor uns Zuschauern entfaltet.


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Dieses Leben ist von Ruhe und Bodenständigkeit geprägt. Die Kamera beobachtet passiv, und sie interviewt. In den Stimmen spiegeln sich Wärme, Desillusioniertetheit, Humor und Resignation. Die strukturelle Schwäche der Region zeichnet die Dörfer, und sie prägt die Menschen, die beschlossen haben, in ihrer nördlichen Heimat verwurzelt zu bleiben.

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Maxe, Cordula, Harry, Olli und Gabi – sie leben ihren Zusammenhalt in diesem eigenen Kosmos namens Mecklenburg-Vorpommern.

„Wir saufen gerne, wir sitzen gerne viel zusammen. […] Wenn zwei sitzen, dann sitzen da nachher drei; und dann können nachher auch vier sitzen, oder fünf, und dann dauert’s immer länger. Und dann passt dat eben so”.
Was will man diesem Originalton, der das Leben in einem kleinen Dorf in Mecklenburg pointiert, noch hinzufügen?

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Neue Visionen Medien präsentiert „Am Ende der Milchstraße“ auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Neue Visionen Medien zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Am Ende der Milchstraße
Land / Jahr: D / 2012
Genre: Dokumentation
Darsteller: Maxe, Cordula, Nicole, Gabi, Maik, Ulli, Harry, Oli, Ronald Ziegenhagen u.a.
Buch und Regie: Leopold Grün, Dirk Uhlig
Prozent(en): Benny Drechsel, Karsten Stöter
Produktionsleitung: Ricardo Brunn
Kamera: Börres Weiffenbach
Ton: Klaus Barm
Schnitt: Dirk Uhlig, Leopold Grün
Musik: Olivier Fröhlich und Jan Weber (Monomango)

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DVD
Laufzeit: ca. 97 Min.
Bildformat: 16:9 (1,77:1)
Tonformat: Dolby Digital 2.0 / 5.1
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Englisch
Bonus: Wendecover, Trailer
FSK: 12

Webseite zum Film: Am Ende der Milchstraße