Apocalypto: „Ein von Stein gemachter Platz, dessen Erde blutet“

Gewinnspiel_rotApocalypto_coverMenschenjäger überfallen im Regenwald die Siedlung des Jägers „Pranke des Jaguars“. Nach einem Kampf gerät er zusammen mit weiteren Mitgliedern seines Stammes in Gefangenschaft und wird in eine Stadt mit einer Stufenpyramide gebracht, wo er um sein und das Leben seiner Stammesmitglieder fürchten muss. Mit Einsetzen einer plötzlichen Sonnenfinsternis entsteht der Kampf ums Überleben und womöglich der Untergang einer ganzen Kultur…

Film-Blog.tv meint:
Filmisch ein Geniestreich, wissenschaftlich umstritten, in der Botschaft diffus: „Apocalypto“ ist kein Familienfilm im Mainstream. Mel Gibson zeigt den Überlebenskampf mesoamerikanischer Menschen vor rund 500 Jahren und setzt Filmideen kreativ um. Während er außergewöhnlich und mitreißend erzählt, setzt er die Entwicklung szenischer Gewaltdarstellung in seiner Filmographie einmal mehr fort und entlässt den Zuschauer mit einer Frage aus der Produktion aus 2006: soll das nun Zivilisationskritik sein, aus der wir wirksame Lehren für die Gegenwart ziehen könnnen?

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Mesoamerika im 16. Jahrhundert, kurz vor der Ankunft der spanischen Konquistadoren. Angehörige eines Maya-Volkes erlegen einen Tapir. Bei der Verteilung der Innereien legen sie einem ihrer Mitglieder nah, die angeblich potenzfördernden Hoden zu verspeisen. Nachdem er dies angewidert tut, beginnen sie zu lachen: es war nur ein Spaß. Doch die Harmonie im Regenwald hält nicht lange an. Das Dorf wird von Kriegern angegriffen, es kommt zu einem grausamen Gemetzel. Die Überlebenden werden verschleppt, es beginnt eine blutige Serie von Menschenopfern. Der verschleppte Krieger „Pranke des Jaguars“ kann nach einer Sonnenfinsternis während des Rituals fliehen, und es beginnt ein dramatischer Wettlauf um sein Leben, und das seiner schwangeren Frau, die sich in ihrem Heimatdorf vor den Angreifern verstecken konnte…

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Holla. Mel Gibson zeigt sich erneut als sehr mutiger und konsequenter Regisseur, der den Zuschauern nach einem epischen Braveheart mit viel Blut und dem kontroversen Erfolg der „The Passion of the Christ“ nun erneut eine drastische Darstellung präsentiert.

Gibson zeichnet die dörflichen Maya in ihrem Verhalten sehr vertraut. Die Jäger wirken unschuldig und spielerisch, sie sind nicht weit von uns entfernt. Der Angriff der städtischen Menschen, die Verschleppung in ihre anonyme, erbarmungslose Gesellschaft zeigt, dass Mel Gibson hier, in der Zivilisation, das wirklich wilde sieht, viel mehr als im Dschungeldorf mit seinen zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Ankunft der Spanier am Filmende erscheint hier wie eine Befreiung, auch wenn „Jaguar Paw“ ihnen nach seinem Erlebnis mit Fremden nicht traut. Wieviel Gutes die Konquistadoren brachten und wieviel Leid, das kann sicher kritisch abgewogen werden.

„Apocalypto“ will die spannenden Kulturen in Mesoamerika nicht dokumenteren, stellt aber eine zeitlose Frage nach dem Umgang von Zivilisationen miteinander. Mel Gibson und sein Mit-Autor Farhad Safinia machen sich wenig Mühe zu erklären. Es sollen den Produzenten nach wohl Holcano-Mayas sein, deren Schicksal hier fiktiv gezeichnet wird, vielleicht mit Elementen von Azteken oder Tolteken. Der Film lässt dies offen und die Völker namenlos. Die Zeit kann über das ersten Auftauchen der Spanier in Mittelamerika mit dem Jahr 1517 eingeordnet werden. Es soll ohnehin keine Geschichtsdokumentation sein: „A lot of it, story-wise, I just made up“, zitiert Rüdiger Suchsland in Telepolis den Produzenten und Autor Gibson.

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Wie schon Gibsons „Passion“ mit dem Aramäischen, Lateinischen und Hebräischen konfrontiert uns auch sein „Apocalypto“ mit Dialogen in einer nicht vertrauten Sprache. Der Zuschauer, der Màaya t’àan nicht beherrscht, muss sich auf Untertitel einlassen. Selbst wenn diese Einblendungen manchmal einen geringer Kontrast zum Hintergrund aufweisen, ist das nicht schlimm. Dialoge spielen vor allem zu Beginn eine Rolle, im späteren Verlauf bestimmen szenische Eindrücke die Wahrnehmung. Emotionen und Aktion treten eindeutig in den Vordergrund, der Zuschauer spürt um so mehr. Der szenenbetonte Film würde sogar ganz ohne Untertitel funktionieren; der Ton sollte aber anbleiben, damit der hörenswerte Score und die lebendige Geräuschkulisse ihre Wirkung entfalten können.

Inwieweit die Sprache authentisch ist, scheint unklar. „Die Dialoge klingen, als hätten Chinesen versucht, nach drei Wochen Crash-Kurs Französisch zu quasseln“ zitierte der „Focus“ 2007 den Sprachforscher Nikolai Grube zu den Dialogen in „Apocalypto“. Für Mel Gibson schien das keine große Rolle zu spielen. Und wenn wir ehrlich sind, muss es das für den sprachunkundigen Zuschauer auch nicht. Unverstanden ist unverstanden.

Die archaische Gewaltdarstellung stellt der Produzent auch hier wieder in das Zentrum seiner Erzählung. Abgeschlagene Köpfe, die Pyramidentreppe herunterrollen, pulsierende, herausgerissene Herzen, fliegenumschwärmte Leichenberge hinter einem Maisfeld, Blutwolken und Blut, das fontänenartig aus einem Kopf schießt: Gibson zelebriert die Gewalt ausgiebig. Soll das seine Botschaft nachhaltiger ezählen, oder ist das überwiegend obsessiver Voyeurismus? Kreative Wege geht er immerhin, wenn uns die Kamera das Geschehen einmal auch aus der taumelnden Sicht eines soeben Geopferten erleben lässt oder die Perspektive eines Mannes einnimmt, der auf der Flucht getötet wird.

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Focus-Redakteur Werner Siefer wirft dem Produzenten vor, einen „Blutigen Eintopf“ aufzutischen, eine Mixtur aus überzogenen Stammeskämpfen und Menschenopfer sowie einer romantisierten Rolle der Konquistadoren. Das spielt ohne Frage eine große, eine zu große Rolle, lässt aber außer Acht, dass eine sehr packende Dramatik gezeigt wird, die wohl nur wenige Regisseure so umsetzen können.

Insbesondere für eine Produktion aus 2006 erreicht das Bild eine beachtliche Schärfe und Detaillierung. Die natürlichen Farben und Lichter werden kontrastreich wiedergegeben, der Dschungel wird plastisch gezeigt. Der Ton ist räumlich und kraftvoll; die stimmige Hintergrundmusik harmoniert gut mit den präsenten Soundeffekten.

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Gewinnspiel
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Das Rezensions- und die Gewinnspielexemplare wurden von Koch Media GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Apocalypto
Land / Jahr: USA / 2006
Genre: Drama
Darsteller: Rudy Youngblood: Pranke des Jaguars, Dalia Hernández: Sieben, Jonathan Brewer: Von kleinem Geist, Morris Birdyellowhead: Blitzender Himmel, Carlos Emilio Baez: Schnelle Schildkröte, Raoul Trujillo: Leitwolf, Gerardo Taracena: Stirnauge, María Isidra Hoil: Das prophezeiende Mädchen u. a.
Regie: Mel Gibson
Drehbuch: Mel Gibson, Farhad Safinia
Produzenten: Mel Gibson, Bruce Davey
Kamera: Dean Semler
Schnitt: Kevin Stitt, John Wright
Musik: James Horner
FSK: 18

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 139 Min.+ Bonus
Bildformat: 16:9 – 1.77:1
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Mayathan
Untertitel: Deutsch
Extras: Audiokommentar von Mel Gibson und Farhad Safinia, Deleted Scene „Deer“ / „Hirsch“, Making of (ca. 25 Minuten)

Webseite zum Film: Apocalypto