Backcountry – Gnadenlose Wildnis: Archaisch und mitreißend

Gewinnspiel_rotbackcountry_coverEigentlich sollte es ein romantisches Camping-Wochenende in der Wildnis werden, so hatte es sich Alex für seine Verlobte Jenn ausgedacht. Raus aus der Großstadt, rein in den Nationalpark, eine Wanderung ohne Landkarte und technische Hilfsmittel. Die junge Anwältin Jenn lässt ihr geliebtes Smartphone jedoch nur widerwillig zurück und auch der Park-Ranger warnt die beiden vor der gnadenlosen Wildnis. Nach drei Tagen Fußmarsch wird klar: Jenn und Alex haben sich hoffnungslos verlaufen, ihre Vorräte sind fast verbraucht. Die Situation wird immer unheimlicher. Haben die beiden ohne es zu wissen das Revier eines gefährlichen Schwarzbären betreten? Und was hat der merkwürdige Fremde in dem Waldgebiet verloren?

Film-Blog.tv meint:
Autor und Regisseur Adam MacDonald legt mit seinem Erstlingswerk einen schnörkellosen und ehrlichen Film vor, der seine Zuschauer in die Handlung zieht und schon bald nicht mehr loslässt. Die realistischen Probleme seiner beiden Camper Jenn und Alex auf einem schlecht geplanten Trail führen den Zuschauer schnell in die Handlung. Schon bald treten die Beziehungsprobleme des jungen Paares hinter die Angst, als sie in der weiten kanadischen Wildnis die Orientierung verlieren. Und werden zu einem nackten Überlebenskampf, als ein Schwarzbär angreift. „Basierend auf einer wahren Geschichte“, sagt das Cover, und bezieht sich auf Ereignisse wie 2005 im kanadischen Missinaibi Lake Provincial Park, in dem die dreißigjährige Jacqueline Perry von einem Bär tödlich verletzt wurde. Neben der realistischen Inszenierung und guten Hauptdarstellern gewinnt „Backcountry“ durch eine Kameraführung und Effekte, die den Zuschauer tief in den archaischen Überlebenskampf ziehen. Nachdem MacDonald die Handlung langsam zum Angriff des Raubtieres führt, lässt das letzte Drittel den Zuschauer nicht mehr los. „Backcountry“ ist weniger ein klassischer Horrorfilm als ein drastischer Abenteuerfilm aus dem Alltag durchschnittlicher Menschen heraus. Wer packende Spannung schätzt und Blut und Schreie nicht scheut, der darf „Backcountry – Gnadenlose Wildnis“ nicht verpassen.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Jenn und Alex sind auf dem Weg zum Nibookaazo Provincial Park, zu einem Trek durch die kanadische Wildnis. Als Carl, der Ranger des Parks, ihnen eine Karte anbietet, lehnt Alex dankend ab, er kenne den Park wie seine Westentasche. Wirklich nicht?, fragt der Ranger, das Wetter könne jetzt am Saisonende schnell umschlagen. Doch Alex ist sicher, dass er auf dem Blackfoot Trail keine Hilfe nötig hat.

Mit dem Kanu geht es in die Wälder, für Jenn ist die Natur eine neue Erfahrung. Bei der Vorbereitung des Nachtlagers treffen die beiden den erfahrenen Outdoorman Brad, dem Alex mit Skepsis begegnet. Am nächsten Tag trennen sich die Wege. Alex bemerkt den Abdruck einer Bärentatze, doch er macht seine Freundin nicht darauf aufmerksam. Als sie einen abgebrochenen Ast sieht, ahnt sie, dass etwas großes nah ist und möchte umkehren, doch Alex stimmt sie um: sie hätten solange auf den Trip gewartet. Und in seiner Tasche steckt ein Verlobungsring, den er ihr in einem romantischen Moment später überreichen möchte. Erneute Zweifel stellen sich schon bald ein, und diesmal wird die Gefahr plastischer: auf ihrem Weg liegt ein gerissenes Reh.

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„Alex, where’s the lake?“ Statt des erwarteten Anblicks, der die Verlobungskulisse bilden sollte, stellt sich nur Wald dar, und Alex muss eingestehen, dass er die Orientierung verloren hat. Das letzte Mal ist er den Trail in der High School gegangen, gibt er zu. Jenn sucht panisch ihr Telefon, doch Alex hat es heimlich aus ihrem Rucksack genommen und im Auto zurückgelassen. Er wollte ungestört mit ihr in der Natur sein.

Die Vorräte sind bald verbraucht, etwas hat in der Nacht zuvor den vor dem Zelt aufgehängten Beutel zerrissen. Die Nacht bricht herein. Doch die beiden nun verlobten machen sich in ihrer Verzweiflung Mut: „Could be worse, at least we’re together“, sagt Jenn. Doch als am nächsten Morgen ein gewaltiger Schwarzbär vor dem Zelt auftaucht und angreift, treten alle anderen Probleme in den Hintergrund. Tief in der kanadischen Wildnis beginnt ein Kampf um Leben und Tod, der alles auf das nackte Überleben reduziert…

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Wow. Die drei Punkte am Ende der Inhaltsangabe sind sehr dick, denn vor allem im letzten Drittel des Films lässt der Überlebenskampf den Zuschauer nicht eine Sekunde los. Das bedeutet keineswegs, dass die Hinführung langatmig ist, im Gegenteil: Adam MacDonald leitet intelligent zur Klimax, in dem er seine Protagonisten alltäglich in ihren Trip aufbrechen lässt und dem Zuschauer eine Identifikationsbasis bietet. Das Bewusstsein, tief in den Wäldern verloren zu sein, hält die Spannung bereits hoch und wird durch die Darsteller wie durch die Kameraarbeit glaubwürdig inszeniert. Die Hinweise auf die Gefahr durch etwas großes verdichtet der Regisseur geschickt und lässt die Ahnung hinter dem wie vor dem Bildschirm zunehmend wachsen.

Adam MacDonald setzt an einigen Stellen Horrorelemente ein. Dazu gehört bereits das Titelinsert, das in eine Szene mit dem im Auto fröhlich herumalbernden Paar wie ein Prankenschlag schlägt, und der schockierten Frage Jenns, wo der erwartete See ist, folgt Horrormusik. In der Nacht ohne Orientierung zieht theatralischer Donner auf. Doch Adam MacDonalds Drama hat keine solchen Effekte nötig. Aus dem Alltag heraus führt er sein Paar auf Abenteuerurlaub subtil und konsequent in die Misere, und nutzt stille Zeichen wie einen Tatzenabdruck, einen gebrochenen Ast vor dem Zelt und geplünderte Vorräte als Zeichen einer Bedrohung, die größer und gefährlicher ist als alles, was den jungen Stadtmenschen bisher begegnete. Eine Gefahr, die Alex seiner Freundin gegenüber nicht eingestehen will: „It was a raccoon last night, I saw the little shit“, wiegelt er ab, als der Vorratsbeutel vor dem Zelt am Morgen zerrissen ist. Doch die Bilder lassen ahnen, dass sehr viel mehr als ein Waschbär die unerfahrenen Hiker bedroht.

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Eine starke Wirkung entfaltet sich durch die Kameraführung, als das Raubtier erstmals verborgen von der Zeltplane wahrnehmbar wird und dann durch den Zeltreißverschluss sichtbar wird. Die hilflose Gegenwehr gegen den angreifenden Bär wird von einer unruhigen Kamera und Stille mit einem Tinnitusgeräusch begleitet. Erneut kommt ein hochfrequentes Pfeifen über Stille zusammen mit einer Unschärfe des Bilds zum Einsatz, als Jenn auf der panischen Flucht um ihr Leben gegen einen Baum schlägt.

Christian Bielz setzt seine Kamera bedeutungsvoll ein. Die Fotografie lässt den malerischen Wasserfall zur lebensgefährlichen Hürde für die Getriebenen werden, und bereits als die beiden gestrandeten Hiker ihre Orientierung verlieren, zeigen Luftaufnahmen einen dichten Wald drehend aus der Luft und verdeutlichen die Dimension der Wildnis. Aus der Bodenperspektive verdeutlicht Christian Bielz den Effekt, in dem er seine Kamera nach oben fährt, entlang riesiger Baumstämme.

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Der Film gewinnt vor allem mit dem Buch und der Darstellung. Autor und Regisseur Adam MacDonald zeigt Alex mit Machotendenzen: Er lässt seine männliche Hauptrolle stolz verkünden, Feuer ohne Streichhölzer machen zu können und zeigt ihn sich selbst überschätzend, immer versucht, seiner bald Verlobten zu imponieren. Die Begegnung mit Brad im Wald vertieft dies, Alex sieht seine Outdoor-Souveränität in Frage gestellt. Über Jenns Ausrüstung, Signallicht und „bear maze“ als Spray zur Abwehr von Bären, macht er sich lustig. Indem er die ungeübte Frau überredet, eine lange Tour mit ihm zu gehen und durch seinen Verzicht auf eine Karte bringt beide in große Gefahr; und als er ihr vor Aufbruch heimlich ihr Mobiltelefon abnimmt, verdeutlicht er seine Gedankenlosigkeit und Überheblichkeit. Vor allem Missy Peregrym als Jenn macht darstellerisch eine gute Figur, als sie den Wandel der attraktiven jungen Anwältin mit hoher Blackberry-Affinität zu einer archaischen Figur im Überlebenskampf in der Wildnis porträtiert.

Adam MacDonald kam der Gedanke zum Film, als er beim Camping mit seiner Frau Geräusche vor dem Zelt hörte. Bei seinen Recherchen fand der den Fall der dreißigjährigen Jacqueline Perry and Mark Jordan, die im Missinaibi Lake Provincial Park nördlich von Chapleau, Ontario 2005 von einem Bären angegriffen wurden. Jacqueline starb im Kanu an den tödlichen Verletzungen, in seiner Verzweiflung stach Mark mit seinem Taschenmesser auf den Bären ein. Das Kanumotiv hieraus war Adam MacDonald so wichtig, dass er es im Film aufgreifen wollte. Sein Anliegen war es, den Menschen, die von Bären angegriffen wurden, einen respektvollen, authentischen Umgang mit dem Thema zu bieten und die Ernsthaftigkeit der Situation zu zeigen, sagt er im Interview mit Perri Nemiroff für collider.com. Dazu gehört, dass er echte Bären anstelle von CGI verwendete.

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Bild und Ton präsentieren sich in der 2014er-Produkion einwandfrei, der Kamera gelingt eine fantastische Balance zwischen der Natur als romantischem, unberührtem Ort wie auch als lebensbedrohliche Kulisse. Die Soundmischung lässt die Effekte präsent kommen, ohne die Aussteuerung in den Actionszenen zu stark zu betonen.

Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
1.) Nennt uns Euren Lieblingsfilm zum Thema Camping! Schön wäre eine kurze Begründung, warum Euch ausgerechnet dieser Film so gut gefällt.
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Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

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Dazu habt ihr bis zum 15.08.2015 bis 24.00 Uhr Zeit.

Das Gewinnspiel wird von www.film-blog.tv veranstaltet, die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahre mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie von www.film-blog.tv dürfen nicht mitmachen. Gehen mehr richtige Antworten ein, als Preise zur Verfügung stehen, lassen wir das Los entscheiden, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Teilnehmerdaten werden nur für die Zustellung eines eventuellen Gewinns bis zum Einsendeschluss gespeichert und anschließend vollständig gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

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Pandastorm Pictures GmbH präsentiert „Backcountry – Gnadenlose Wildnis“ ab 10. Juli 2015 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensions- und die Verlosungsexemplare wurden von Pandastorm Pictures GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Backcountry
Land / Jahr: Kanada / 2014
Genre: Action, Drama, Horror
Darsteller: Missy Peregrym als Jenn; Eric Balfour als Brad; Nicholas Campbell als the Ranger; Jeff Roop als Alex u. a.
Regie: Adam MacDonald
Drehbuch: Adam MacDonald
Produzent: Thomas Michael
Kamera: Christian Bielz
Schnitt: Dev Singh
Musik: Frères Lumières
FSK: 16

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 92 Min.+ Bonus
Bildformat: 2,38:1 / 1080p24 / AVC
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen:Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras:Trailer, Trailershow

Webseite zum Film: Backcountry – Gnadenlose Wildnis