Big Business – Außer Spesen nichts gewesen: Flugelschlagen!

business_coverDan Trunkman, der hart arbeitende Besitzer eines kleinen Unternehmens, und seine beiden Mitarbeiter reisen nach Europa, um das wichtigste Geschäft ihres Lebens abzuschließen. Doch was als ein Routine-Businesstrip beginnt, gerät in jeder vorstellbaren – und unvorstellbaren – Art und Weise aus den Fugen, inklusive einer ungeplanten Teilnahme an einem Fetisch-Event und eines globalen Wirtschaftskongresses.

Film-Blog.tv meint:
Ken Scotts Produktion aus 2015 unterhält mit drei ungleichen Männern, die auf einer Europareise versuchen, ihr Unternehmen über Wasser zu halten. Für Eigentümer Dan steht die Existenz auf dem Spiel, und seine Bestimmtheit zusammen mit der Kulisse des anderen Kontinents und dessen abweichender Kultur bieten Anknüpfungspunkte für eine unterhaltsame Handlung. Von der vorherrschenden Skepsis der Kritiker sollte man sich nicht verunsichern lassen: „Big Business“ unterhält solide mit Humor und Familiensinn. Vor allem Vince Vaughn als Unternehmer und Dave Franco als sein eher schlichter, aber sehr naiv-herzlicher Mitarbeiter spielen sehenswert.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

5% weniger Provision soll Dan Trunkman in Zukunft erhalten, eröffnet ihm Sales Manager Chuck Portnoy. Auf eine provokante Art, denn seine Chefin möchte klarmachen, wer den Ton angibt. Das ist nicht das, was der langjährige Verkäufer hören möchte, der gerade mehrere Tage auf Dienstreise war und nicht einmal Zeit zum Essen fand. So nimmt er die Provokation zum Anlass, sich selbstständig zumachen. Niemand seiner Kollegen möchte sich dem spontan gegründeten Unternehmen anschließen, doch zwei Männer sind neben ihm, als er auf dem Parkplatz ankommt. Tim McWinters musste mit 67 Jahren das Unternehmen verlassen, Mike Pancake hat sich erfolglos dort beworben. Tim fühlt sich noch jung genug, und Mike hat sogar Vertriebserfahrung. Bei Foot Locker. Ohne Dienstreisen, ergänzt er auf Nachfrage, und erklärt, die Kunden kamen zu ihm. „Apex Select“ ist geboren, mit Dan als Unternehmer und seinen beiden Mitarbeitern.

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Nach einem Jahr Vorbereitung möchte Dan mit seinem eigenen Unternehmen einen großen Deal zum Abschluss bringen, doch während der Präsentation erleidet er einen Schwächeanfall. Nachdem er gerade die hohen Fixkosten erwähnt hatte, als er zusammensackt und nun nicht mehr auf die Amortisation eingehen kann, ist das Timing schlecht. Blöd auch, dass seine frühere Chefin Charlie mit Dans Unternehmen im Wettbewerb steht und mit dem potentiellen Auftraggeber Jim Spinch geschlafen hat. Und Mike eröffnet ihm kurz darauf, dass das Ithaka College in seinem Lebenslauf eine Einrichtung für betreutes Wohnen ist, wo aber ebenfalls Wissen vermittelt wird; etwa wie man bügelt. Immerhin, ergänzt Mike, war er dort Counselor, ein Schüler mit Unterstützungfunktion für die Betreuer.

Dan benötigt den Auftrag dringend. Sein übergewichtiger Sohn Paul wird in der Schule und in sozialen Netzwerken gehänselt und soll auf eine Privatschule wechseln, die 19.000$ pro Jahr kostet. Also bleibt nur der Weg, mit den Zulieferern zu verhandeln um Kosten zu senken. Das Trio reist nach Hamburg, um mit der Geschäftspartnerin Helen Harlmann zu sprechen. In der Sauna erzielt Dan einen Verhandlungserfolg; Helen willigt ein, die Hälfte der Kosten in das Folgejahr zu verschieben. Die nächste Reise führt nach Berlin, um Jims Chef Dirk Austerlitz dort die aktualisierten Angebotszahlen zu präsentieren.

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Die Hotelsuche gestaltet sich schwierig, denn ein G8-Gipfel, ein Oktoberfest und das „Filson Festival“ haben alle Zimmer gefüllt. Dan kommt in einem Zimmer unter, das ihn als Teil einer Kunstausstellung als lebendes Exponat in seinem Habitat präsentiert, als „American Businessman 42“. Tim und Mike landen in einer Jungendherberge, in der Tim aufgrund seines Alters kein Bett bekommt.

Erneut scheitert der Abschluss, denn Dirk Austerlitz ist nun angeblich in Dans Heimat St. Louis, und sein Gesprächspartner in Berlin ist abermals Jim, der erneut ablehnt. Die Lage ist verzweifelt. Zwei Kunden sind insolvent, und weder im Juni noch im Juli gab es Zahlungseingänge. Dan weiß, dass er Erfolg haben muss. Auch, wenn der Weg durch einen Schwulenclub und zusammen mit stürmenden Demonstranten durch die Absperrung um das G8-Hotel führen muss…

Ken Scotts Produktion zeigt Elemente eines Buddyfilms und Partyszenen, sicher. Im Kern ist es jedoch eine typische Geschichte um Familienwerte, die Verantwortung und Beziehung zu seinen Kindern und die Schwierigkeit, ein ausreichendes Einkommen für die gute Versorgung der Familie zu erzielen. Uramerikanisch.

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Das bedeutet nicht, dass „Unfinsihed Business“ den Zeigefinger hebt oder hohe Moraldosen verströmt. Im Gegenteil: Die Handlung ist in ihrem Kern nachvollziehbar erzählt und durch die vielen humoristischen Elemente sehr unterhaltsam. Neben Garant Vince Vaughn überzeugt auch Dave Franco in seiner Rolle des einfachen, aber authentisch herzlichen Mike Pancake. Seine Darstellung des jungen Mannes, dessen Nachname große Heiterkeit bei allen Geschäftspartnern hervorruft und sie die Konzentration verlieren lässt, ist überzeugend und eigenständig. Dass Uwe Ochsenknecht als Dirk Austerlitz am Filmende auftritt ist eine schöne Überraschung.

Szenen wie die, in denen der in seiner Ehe frustrierte Tim sich eine „Sex Maid“ auf das Hotelzimmer bestellt, die versehentlich bei Dan auftaucht, während Tim die echte Zimmerfrau auf ihre Brüste anspricht, sind vielleicht nicht die hohe Schule des feinsinnigen Humors, doch recht unterhaltsam. Deutlich mehr punktet Dave Franco als Mike Pancake mit seiner Darstellung des naiv-schlichten Jungen, der Menschen mit mentalen Einschränkungen nicht diskreditiert und zwischen unfreiwilligem Humor und Wärme pendelt. In der englischsprachigen Originalversion tauchen noch einige Wörter Phantasiedeutsch auf, wie die Anweisung „Flugelschlagen“ des Navigationssystems, das Mike dann zu poetischen Interpretationen inspiriert; denn obwohl er kein Deutsch spricht, meint er, die Sprache „fühlen“ zu können. Die Sauna wird zu einem „Spritz“ und zugleich die Kulisse, vor der Helen den „Pilgern“ aus den USA Prüderie attestiert. Denn Anzug und Krawatte wirken in der gemischten Sauna dann doch etwas deplaziert.

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Der Originaltitel „Unfinished Business“ beschreibt mehrere Aspekte des Films recht treffend; den lange ausbleibenden Abschluss, den fortgesetzten Wettbewerb auch auf persönlicher Ebene zwischen Dan und Chuck, und die offenen Baustellen in der Familienbeziehung. Warum sich der deutsche Verleih für eine Variation zu „Big Business“ entschieden hat, sei dahingestellt; zumal die Unterzeile „Außer Spesen nichts gewesen“ weder die Handlung treffend beschreibt noch der Qualität gerecht wird. Auch wenn die Kritiker den Film überwiegend skeptisch sehen und die Einnahmen an der Kinoasse mit 14,4 Millionen Dollar weit hinter den Produktionskosten von 35 Millionen Dollar zurückblieben, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen: Vaugn und Franco spielen gut, und das Buch trägt die rund eineinhalbstündige Laufzeit unterhaltsam.

Technisch ist die Produktion auf der Höhe ihrer Zeit, mit einem scharfen Bild und gut abgestimmten Farben. Die bestimmenden Dialoge sind in beiden relevanten Versionen, Englisch und Deutsch, gut ausbalanciert und klar aufgenommen.

Twentieth Century Fox Home Entertainment präsentiert „Big Business – Außer Spesen nichts gewesen“ ab 10. Dezember 2015 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Twentieth Century Fox Home Entertainment zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Unfinished Business
Land / Jahr: USA / 2015
Genre: Komödie
Darsteller: Vince Vaughn als Daniel „Dan“ Trunkman; Tom Wilkinson als Timothy McWinters; Dave Franco als Mike Pancake; Sienna Miller als Charlene „Chuck“ Portnoy; June Diane Raphael als Susan Trunkman; Ella Anderson als Bess Trunkman; Britton Sear als Paul Trunkman; James Marsden als Jim Spinch; Nick Frost als Bill Whilmsley u. a.
Regie: Ken Scott
Drehbuch: Steven Conrad
Produzenten: Arnon Milchan, Todd Black, Steve Tisch, Anthony Katagas
Kamera: Oliver Stapleton
Schnitt: Michael Tronick, Jon Poll, Aaron Brock
Musik: Alex Wurman
FSK: 12

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 95 Min.+ Bonus
Bildformat:2,39:1 / 16:9 – 1080 / 24p HD
Tonformat:DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen:Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch
Extras: Entfallene und erweiterte Szenen, Die Entstehung des Films, Bildergalerie, Original Kinotrailer, Wendecover

Webseite zum Film: Big Business – Außer Spesen nichts gewesen