Bob Dylan: Triplicate – Sentimental Journey

dylan_coverAm 31. März erscheint mit „Tripilicate“ das erste Dreifach-Studioalbum von Bob Dylan. Der Longplayer enthält dreißig neue Aufnahmen von Songs aus dem American Songbook. Jedes der Alben enthält unter einem separaten Titel eine Sequenz von zehn Stücken, die von einigen der einflussreichsten und wichtigsten Songwritern der Musikgeschichte stammen. Das 38. Bob Dylan-Album wurde von Jack Frost produziert und ist die erste neue Musik seit dem Album “Fallen Angels”, das Anfang 2016 erschien und das Platz sieben der deutschen und US-amerikanischen, sowie Platz fünf der britischen Charts erreichte.

Film-Blog.tv meint:
Kaum ein anderer Musiker hat die Szene so beeinflusst wie Bob Dylan. Er setzte Trends, viele seiner Lieder sind Klassiker. Nur wenige Komponisten wurden so oft gecovered wie er. Und jetzt das: „Triplicate“. Der Meister gibt sich die Ehre und interpretiert wieder mal seinerseits Titel, für die er selbst vor einigen Jahren wahrscheinlich nicht Mal ein müdes Lächeln übrig gehabt hätte: „As Time Goes By“, „P.S. I Love You“, „Sentimental Journey“ und so weiter. Fahrstuhlmusik. Dylan aus den Musak-Lautsprechern zur Beschallung im Supermarkt. Zwischen der Werbung für das „Sonderangebot der Woche“ und der neuen Scheibe von Helene Fischer fällt keiner der Titel von „Triplicate“ besonders auf.
Was will uns der Künstler damit sagen? Im besten Fall, dass ihm die Kritiker schon immer egal waren und er mit seinem Weg meist richtig lag. Oder musste er noch schnell ein Album veröffentlichen, um vertragliche Pflichten zu erfüllen? Für mich klingt „Triplicate“ eher danach …

Bob Dylan’s First Three-Disc Album — Triplicate
Ein Dreifach-Album. Wer hier wenigstens Masse erwartet: Jeder, der insgesamt 30, Titel ist um die drei Minuten lang. Sie hätten bequem auf eine Doppel-CD gepasst. In Zeiten von Downloads ist die Zählweise der implementierten Tonträger ohnehin obsolet. Also: Was soll das?

Each disc to be presented in a thematically-arranged 10-song sequence, illuminating compositions from great American songwriters interpreted by Dylan through his artistry as a vocalist, arranger and bandleader.
Was ist dabei herausgekommen? Belanglose Beschallung. Wie wir sie aus Wartesälen, Fahrstühlen und der Warteschleife von Telefon-Hotlines kennen. Im günstigsten Fall kann man’s noch als entspannten Bar-Jazz bezeichnen. Wer sich nun freut, dass wenigstens der Tontechniker sein Handwerk verstand: Akustisch klingen die Aufnahmen wirklich sehr gut. Leider sind deshalb auch stimmliche Schwächen von Dylan nicht zu überhören. Was einst sein Markenzeichen war, ist nun glatt gebügelt. Dylan hat Kreide gefressen. Klingt hart, ist aber so. Dass er immer wieder mal nicht den richtigen Ton traf, hat bei seinen eigenen Liedern nie gestört. Bei perfekt auf „Easy Listening“ arrangierten Mainstream-Titeln ist sowas peinlich. Das bringt (so ziemlich) jeder Alleinunterhalter beim Kaffeekränzchen im Seniorenheim besser hin.

Vor “Triplicate” hatte Bob Dylan mit “Shadows In The Night” (2015) und “Fallen Angles” (2016) bereits zwei Alben mit Songs aus dem American Songbook veröffentlicht. Beide Longplayer waren weltweit extrem erfolgreich und wurden in der Kategorie „Best Traditional Pop Vocal Album“ für einen Grammy nominiert. „Fallen Angels“ platzierte sich in einem Dutzend Länder in den Top Ten der Albumcharts, darunter Großbritannien, USA, Italien, Niederlande und Deutschland, für „Shadows In The Night“ stehen siebzehn Top-Ten-Chartentries zu Buche (u.a. Deutschland). In Großbritannien, Irland, Schweden und Norwegen rangierte der Longplayer nach der ersten Verkaufswoche auf Platz eins.
Dylan ist also Wiederholungstäter. Was bleibt, ist die Befürchtung, dass es ihm gefällt, uns in Zukunft nur noch Konserven aufzuwärmen. Wenn ihm der Erfolg recht gibt, warum nicht. Das erklärt dann vielleicht auch, warum ihm der Nobelpreis nicht mal die Reise wert war, um die – verdiente – Auszeichnung für sein literarisches Lebenswerk persönlich entgegen zu nehmen.

Freunde, versteht mich nicht falsch: Ich habe so ziemlich jedes Dylan-Album, höre seine Lieder seit ungefähr 40 Jahren. Gerne und oft. SEINE Titel. Für „Sentimental Journey“ & Co. ist in diesem Repertoire kein Platz. Aber was soll’s: Ihm wird’s egal sein und wir haben noch die alten Scheiben.

CD 1 „‚Til The Sun Goes Down“
01 I Guess I’ll Have to Change My Plans 2:26
02 September of My Years 3:25
03 I Could Have Told You 3:39
04 Once Upon a Time 3:37
05 Stormy Weather 3:05
06 This Nearly Was Mine 2:48
07 That Old Feeling 3:38
08 It Gets Lonely Early 3:09
09 My One and Only Love 3:23
10 Trade Winds 2:40

CD 2 „Devil Dolls“
01 Braggin‘ 2:44
02 As Time Goes By 3:22
03 Imagination 2:34
04 How Deep is the Ocean 3:23
05 P.S. I Love You 4:17
06 The Best Is Yet to Come 2:57
07 But Beautiful 3:22
08 Here’s That Rainy Day 3:27
09 Where Is the One 3:14
10 There’s a Flaw in My Flue 2:46

CD 3 „Comin‘ Home Late“
01 Day In, Day Out 3:01
02 I Couldn’t Sleep a Wink Last Night 3:15
03 Sentimental Journey 3:11
04 Somewhere Along the Way 3:18
05 When the World Was Young 3:46
06 These Foolish Things 4:10
07 You Go to My Head 3:06
08 Stardust 2:38
09 It’s Funny to Everyone but Me 3:22
10 Why Was I Born 2:49

„Triplicate“ erscheint am 31. März 2017 als Dreifach-CD, Dreifach-Vinyl und limitierte Dreifach-Deluxe-Vinyl-Edition in einer nummerierten Box.
Das Rezensionsexemplar wurde von Sony Music Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Webseite von Bob Dylan