Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück: Das richtige Leben

captain-fantastic_coverDer hochgebildete Ben lebt aus Überzeugung mit seinen sechs Kindern in der Einsamkeit der Berge im Nordwesten Amerikas. Er unterrichtet sie selbst und bringt ihnen nicht nur ein überdurchschnittliches Wissen bei, sondern auch wie man jagt und in der Wildnis überlebt. Als seine Frau stirbt, ist er gezwungen mitsamt der Sprösslinge seine selbst geschaffene Aussteigeridylle zu verlassen und der realen Welt entgegenzutreten. In ihrem alten, klapprigen Bus macht sich die Familie auf den Weg quer durch die USA zur Beerdigung, die bei den Großeltern stattfinden soll. Ihre Reise ist voller komischer wie berührender Momente, die Bens Freiheitsideale und seine Vorstellungen von Erziehung nachhaltig infrage stellen…

Film-Blog.tv meint:
Wer aufgrund des Trailers eine nette – aber letztendlich harmlose – Aussteigerkomödie erwartet, wird schon in der ersten Szene von „Captain Fantastic“ in die raue Realität der Wildnis geholt: Wenn Bodevan, der älteste Sohn von Ben, als Initiationsritual einen Hirsch mit bloßen Händen jagt, mit einem Schnitt durch die Kehle erlegt und noch am Ort des Geschehens die warmen Innereien roh verspeist. Ben trainiert seine Kinder. Verlangt ihnen körperlich und geistig einiges ab. Deren Mutter war das offensichtlich zu viel, sie beging in einer Klinik Selbstmord. Die Reise zur Beerdigung, im klapprigen Bus „Steve“, gerät nicht nur zu einem physischen Ortswechsel sondern lässt vor allem die Lebenseinstellungen aufeinander prallen. Hier die Konsumorientierte Gesellschaft der amerikanischen Mittelschicht und dort die „edlen Wilden“, die in Askese den Traum ihres Vaters verwirklichen sollen. Und, Zug um Zug, den Verlockungen des Wohlstands zu erliegen drohen. Trotz reichlich komischer und zum Teil abstrusen Szenen ist „Captain Fantastic“ deshalb für mich keine Komödie, sondern ein ernst zu nehmendes Drama, das man erst richtig einordnen kann, wenn die gesellschaftliche Situation in den USA bekannt ist. Offen bleibt die Frage: Was ist es denn nun, das „richtige Leben“? Aber das muss sich bekanntlich jeder selbst beantworten …

Ben Cash, das Familienoberhaupt in „Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“, erzieht seine Kinder in den Wäldern des pazifischen Nordwestens, so weit weg von den Einflüssen der modernen Konsumkultur wie irgend möglich. Er füllt ihre Tage mit strengem Unterricht, forderndem Körpertraining und intensiven Unterweisungen darin, wie man in der Wildnis überlebt. Ben zieht eine Familie von „Königen der Philosophie“ heran, mit der Muskelkraft und Ausdauer von Elite-Athleten, sowie einem Verständnis für klassische Texte, das weit über das Fassungsvermögen ihrer Altersgenossen hinausgeht.

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Für Matt Ross, den Autor und Regisseur von „Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“, geht es bei der Geschichte um die Erforschung der Entscheidungen, die Eltern für ihre Kinder treffen. „Ich bin fasziniert von all den Problemen, die bei der Kindererziehung auftauchen“, stellt Ross fest. „Ben hat die normale Welt mit all ihren Ambitionen aufgegeben, um sich ausschließlich darauf zu konzentrieren, der beste Vater für seine Kinder zu sein. Es stellt sich die Frage: Ist er wirklich der beste oder eher der schlimmste? Ist er ein wahnsinnig gutes Familienoberhaupt oder schlicht des Wahnsinns?“

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Manches an der Geschichte basiert auf Kindheitserfahrungen des Regisseurs. „Meine Mutter interessierte sich für alternative Lebensentwürfe“, führt Ross aus. „Als ich jung war lebten wir in Kommunen in Nordkalifornien und Oregon. Wir hausten mitten im Nirgendwo, ohne Fernsehen und ohne die meisten modernen Technologien.“

Ähnlich der Familie in „Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“ war auch Ross‘ Leben sowohl ein einziges Abenteuer, als auch eine verwirrende Erfahrung für ein Kind. „Während der Pubertät wurde es besonders schwierig“, stellt Ross fest. „Ich war von gleichaltrigen Jugendlichen getrennt, als ich begann mich für das andere Geschlecht zu interessieren. Meine Freunde waren weit weg. Ich wollte aber sozialen Austausch in meinem Leben. Der älteste Sohn der Cash Familie, Bo, ist an diesem Punkt, während seine Geschwister das Leben in Isolation noch immer beglückend finden.“

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Ross gibt zu, dass er sich beim Erstellen des Skripts auch mit seinen eigenen Fragen darüber, was es bedeutet ein guter Vater im Amerika von heute zu sein, auseinandergesetzt hat. „Ist es klug, Kindern zu erlauben, permanent elektronisch verbunden zu sein? Man könnte sich ebenso fragen, ob es eine gute Idee ist, sein Kind Football spielen zu lassen, so wie ich es tat in meiner Jugend. Man muss nicht in der Einöde leben und mit seinen Kindern Berge besteigen, um sich einem Risiko auszusetzen“, erläutert Ross.

Die Figur des Ben ist für Ross richtungsweisend. „Ich wünschte ich wäre mutig und selbstlos genug, um meine kreativen Ziele und meine Karriere für meine Kinder aufzugeben“, meint er dazu. „Egal was Ben vorher gemacht hat, alles wird zur zweiten Geige, wenn es um seine Kinder geht. Er bringt ein Opfer und das ist es, worum es in dem Film geht.“

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Bens Entscheidungen sind viel extremer, als sich das durchschnittliche Eltern jemals vorstellen könnten. Für zehn Jahre lebt er mit seiner Familie in unzugänglichem Gelände fernab der Zivilisation, sich als Selbstversorger nur von der Jagd und dem Anbau von Gemüse ernährend. Ben und seine Frau Leslie haben beschlossen, ihre Kinder so weit entfernt von jeder Norm aufzuziehen, dass man sich fragen muss, ob hier der Zweck wirklich die Mittel heiligt. „Ben tut Dinge, bei denen man ohne weiteres argumentieren könnte, dass sie das Leben der Kinder gefährden“, merkt Ross an. „Die Fragen, die entstehen, bezüglich der richtigen Erziehung der Kinder, haben einen sehr realen Hintergrund.“

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Trotz dieser schwerwiegenden Fragen ist „Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“ ein aufregendes, anrührendes, oftmals sogar komisches Abenteuer. Es ist teils im ländlichen Wunderland der Familie Cash angesiedelt, wo die Kinder ihre ungewöhnlichen Erfolge feiern, sei es die Meisterschaft in der Kampfkunst oder die Demonstration erstaunlichen Wissens über die amerikanische Politik. „Den Film sowohl unterhaltsam, als auch ehrlich und ernsthaft zu gestalten, war immer unsere Priorität,“ führt Produzentin Lynette Howell Taylor aus.

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Als Ben sein Anwesen verlässt, wird er unmittelbar mit den Verführungen der modernen Welt konfrontiert, von Fastfood bis zu medialer Unterhaltung. Als er versucht, seine Kinder gegen die Verführungen abzuschirmen, und zu Treue gegenüber ihren Prinzipien zu bringen, stößt er auf Widerstand bei seinen Schwiegereltern, Jack und Abigail, sowie bei seiner Schwester Harper und ihrem Mann Dave.

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Harper, Bens jüngere Schwester, gibt alles, um zwischen Ben und der Welt zu vermitteln. „Er lebt in so einer wunderhübschen Blase mit seiner Familie“, ergänzt Hahn. „Harper bewundert ihn dafür. Der Moment, wenn Leslie stirbt, ist kritisch. Ben muss sie gehen lassen und seine Kinder ebenso. Das ist seine Lektion.“

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Das Bild der Blu-ray Disc™ sind auf aktuellem Stand der Technik. Auch bei Großprojektion ist es stets scharf, kontrastreich und fein aufgelöst. Dem stet der Ton in keiner Weise nach, die Boxen des Surroundsystems warden fleißig beschickt und sorgen für viel Atmosphäre.

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Universum Film GmbH präsentiert „Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“ ab 27. Dezember 2016 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio der Universum Film GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Captain Fantastic
Land / Jahr: USA / 2016
Kinostart: 8. Juli 2016 (USA), 18. August 2016 (D)
Genre: Drama, Familie, Komödie
Darsteller: Viggo Mortensen: Ben, George MacKay: Bodevan, Samantha Isler: Kielyr, Annalise Basso: Vespyr, Nicholas Hamilton: Rellian, Shree Crooks: Zaja, Charlie Shotwell: Nai, Kathryn Hahn: Harper, Trin Miller: Leslie, Steve Zahn: Dave, Elijah Stevenson: Justin, Teddy Van Ee: Jackson, Erin Moriarty: Karin, Frank Langella: Jack u. a.
Regie: Matt Ross
Drehbuch: Matt Ross
Produzenten: Monica Levinson, Jamie Patricof, Shivani Rawat, Lynette Howell Taylor
Kamera: Stéphane Fontaine
Schnitt: Joseph Krings
Musik: Alex Somers
FSK: 12

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 119 Min. + Bonus
Bildformat: 2,40:1 / 16:9
Tonformat: DTS-HD 5.1 Master Audio
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making Of, B-Roll

Webseite zum Film: Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück