Club Las Piranjas: Genieß’et, Puschel, dat is‘ unser Urlaub

piranjas_coverUrlaubshungrige Menschen mit den unterschiedlichsten Erwartungen treffen im Ferienclub ‘Las Piranjas’ ein: Eine junge Tankwartsfamilie, eine fröhliche Rentnerin, eine Kosmetikverkäuferin mit Blick für das Männliche und ein gemütlicher Kassierer. Was sie dann im Club ‘Las Piranjas’ erwartet, sind vor allem die beiden Animateure Edwin und Biggi. Edwin, Stimmungsmacher und ständig bemüht, die Erwachsenen beisammenzuhalten, und Biggi, Basteltante und Spielkamerad für die Kinder. Sie nehmen ihre Sache ernst: Vom ‘Brennball zum Kennenlernen’ bis hin zu abendlichen Veranstaltungen mit Kostüm- und leider auch Teilnahmezwang – das hält keiner der Gäste lange aus. Die ersten wollen weg, doch irgendwie gelingt es ihnen nicht. Sie scheitern an der Club-Direktorin und vor allem an Edwin und Biggi, denen offenbar nichts entgeht. Ob sie hier je wieder rauskommen?

Film-Blog.tv meint:
Sie ignorieren sich, sie streiten sich, sie widern sich an: Es ist die schönste Zeit des Jahres. Der Urlaub führt sie in den „Club Las Piranjas“, und das sollen sie bitter bereuen… Hape Kerkelings Satire auf die Mitte der neunziger Jahre boomenden Pauschalreisen in ferne Länder wirkt auch zwanzig Jahre nach ihrer Entstehung unverändert charmant. Sein Talent, Menschen und ihr Miteinander zu beobachten und in Szene zu setzen, lässt auch die Club-Persiflage ausgesprochen kurzweilig sein. Ein Muss für alle Fans des Entertainers und eine eindeutige Empfehlung für alle Liebhaber unterhaltsamer Comedy.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

„Sehr geehrte Reiseveranstalter,
der Pool war leer, die Clubleiterin betrunken, die Zimmer dreckig und doppelt belegt, das Essen mies und gehetzt, das Klo demontiert. Die Animateure waren unfreundlich, haben die Ehefrauen der Gäste angebaggert und am schlimmsten: sie haben in einer Tour gesungen! Außerdem hat man uns die Pässe weggenommen und ließ uns das Gelände nicht verlassen.“

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Die Gäste im „Club Las Piranjas“ sind in Hape Kerkelings 1995er Urlaubskomödie schon arg gekniffen, und so ungefähr könnte ein Beschwerdebrief nach der Ferienclubhölle aussehen.

Autor und Hauptdarsteller Hape Kerkeling lässt kaum ein gutes Haar an den Ferienclubs für Pauschalurlauber. Er schlüpft hier in eine Rolle, in der man ihn in anderen seiner Filme nicht kennt: In die eines unsympathischen Kerls, der sich einen Dreck um die Gäste schert. Mit Ausnahme gutaussehender Frauen, ob nun verheiratet oder nicht. Rundum gebräunt und mit lockigen Haaren verbreitet er ein Dauergrinsen und vordergründig gute Laune, während er die Gäste verachtet.

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„Club Las Piranjas“ wäre kein Hape Kerkeling-Film, wenn nicht die Menschen und ihre Beziehungen zueinander im Vordergrund stehen würden. In seiner 1995er Satire lässt Kerkeling erholungsbedürftige Ruhrpotturlauber durch das Bild toben, mit Marotten und Allüren wie mit ganz normalen Einstellungen.

Seine Ferienanlage verortet er in einem Niemandsland mitten in der Gesteinswüste („Ihr hätter im Frühling kommen sollen, wenn hier alles blüht!“) und hermetisch von der Umgebung abgeschirmt. Die Sprache, in der er sich mit dem Busfahrer unterhält und in der er ihn anbrüllt, ist eine Mischung aus Spanisch und wohl einer Art Phantasiearabisch. Dass der fließend Spanisch sprechende Hape diese Sprache nicht einsetzt, soll wohl die Lokation offenlassen. Man darf annehmen, dass Kerkeling keine bestimmte Region bloßgestellen will, sondern eine spezielle Art des Cluburlaubs; und den Cluburlaubern darin.

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Kasernierung und hohe Zäune, uniformierte Einheits-T-Shirts („Ich bin ein Piranha“) mit Gruppenzwang, das Essen in Schichten und „Begrüßungs-Brennball“: Hapes Parodie ist ein flammender Appell für Individualreisen. Man kann den Film als Gesellschaftssatire sehen, in erster Linie unterhält er aber einfach sehr amüsant. Zu seiner Entstehungszeit hatten Pauschalreisen wie in die „Dom Rep“ gerade die Nordsee, den Gardasee und später Mallorca abgelöst. Die Ziele wurden vermehrt von Menschen aller Einkommensgruppen angeflogen, und diese Tendenz greift Hape hier persiflierend auf.

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Es bleibt den tollen Hauptdarstellern Hape Kerkeling und Angelika Milster zu wünschen, dass ihre für die Rolle zugelegte Turbobräune keine gesundheitlichen Schäden hinterlassen hat. Die Zuschauer nehmen in jedem Fall keinen gesundheitlichen Schaden, im Gegenteil: knapp 90 Minuten nach Aktivierung der Play-Taste geht es dem Rezipienten dank Kerkelings Talent bestens.

Studio Hamburg Enterprises präsentiert „Club Las Piranjas“ ab 23. Oktober 2015 auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio Hamburg Enterprises GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Club Las Piranjas
Land / Jahr: Deutschland / 1995
Genre: Komödie
Darsteller: Hape Kerkeling: Edwin; Angelika Milster: Biggi; Judy Winter: Clubdirektorin Dr. Renate Wenger; Michael Brandner: Karl-Heinz Schadletzki; Katharina Schubert: Hildegard Schadletzki; Tana Schanzara: Oma; Dorothea Walda: Herta Ludwig; Hildegard Krekel: Margot Kemper; Horst Krause: Kurt Becker; Wilhelm Wieben: Flughafensprecher u. a.
Regie: Ulli Baumann
Drehbuch: Hape Kerkeling, Doris J. Heinze
Produzent: Rainer Poelmeyer
Kamera: Axel Henschel
Schnitt: Birgit Levin, Sabine von Berlepsch
Musik: Achim Hagemann, Betti Hagemann
FSK: 0

DVD
Laufzeit: ca. 88 Min.+ 8 Min. Bonus
Bildformat: 4:3
Tonformat:Dolby Digital 2.0
Sprachen:Deutsch
Extras: Making Of, Trailer