Crowdinvesting: Filmförderung mit Gewinn

cinedime_coverNormalerweise besprechen wir auf unserem Film-Blog.tv nur DVDs und Blu-rays. Aber es gibt keine Regeln ohne Ausnahmen, weswegen wir uns in diesem Beitrag als kleinen Exkurs dem Thema Crowdinvesting von Filmen widmen.

Bevor der Film auf DVD und Blu-ray veröffentlicht wird, durchläuft er einige Produktionsschritte. Wenn das Drehbuch steht, folgt als nächstes die Organisation der Finanzierung. Die muss vollständig geregelt sein, bevor der Film produziert werden kann. In Deutschland funktioniert die Filmfinanzierung in dem man bei den verschiedenen Filmförderungen sowie beim Verleih als auch bei den Fernsehsendern Gelder beantragt. Der Produzent muss zudem einen Eigenanteil leisten, der mindestens 5% der Herstellungskosten ausmachen muss. Der Eigenanteil unterteilt sich wieder in Eigenmittel und Fremdmittel. Die Eigenmittel müssen bar vorhanden sein und entsprechen der Hälfte des Eigenanteils, (5% Eigenanteil, 2,5% Eigenmittel).
Hier greift nun das Crowdinvesting von Kinofilmen. Der Produzent hat die Möglichkeit damit sein Produktionsvorhaben zu realisieren. Die Investments gehören zur Summe der Eigenmittel. Dafür kann sich der Produzent eine der drei existierenden Crowdinvesting-Plattformen suchen, die sich auf die Finanzierung von Filmen spezialisiert haben. Da CINEDIME bisher die einzige Plattform ist, die bereits ein Filmprojekt online hat, kann anhand von deren Beispiel die Finanzierung besser erklärt werden.

Ein Gastbeitrag von Chantal Albert.

Wenn der Film für das Crowdinvesting freigeschaltet ist und die Finanzierungsphase beginnt, hat dann jeder ab 18 Jahren die Möglichkeit sich ab 100 € (in 100er Schritten) finanziell an dem Film zu beteiligen. Crowdinvesting ist nicht zu verwechseln mit Crowdfunding. Beim Crowdfunding „spendet“ der Geldgeber sein Geld und erhält z.B. ein T-Shirt als Dankeschön. Doch beim Crowdinvesting investiert man sein Geld und wie bei jedem anderen Investment, da auch die Chance auf Rendite besteht. Der Gewinn ergibt sich aus dem Anteil der Produzentenerlöse. Wenn die Eigenmittel des Produzenten 200.000 € ausmachen und 1.000 € investiert werden, ist man mit 0,5% an den Erlösen des Produzenten beteiligt. Unabhängig von der Größe der Investition befindet sich der Investor auf dem gleichen Rang bei der Gewinnbeteiligung wie der Produzent selber. Denn bei der Gewinnausschüttung werden die Eigenmittel vorrangig zurückgeführt.

Wenn die Gelder für die Produktion bereit stehen, kann der Film produziert werden.
Nach der Produktion folgt die Veröffentlichung im Kino, ca. drei Monate danach im Home Entertainment Bereich wie DVD und Blu-ray und Weltvertrieb. Als Investor ist man automatisch an den ganzen Produzentenerlösen der Verwertungskette des Films beteiligt.

Im Vergleich der zwei momentan zugänglichen Plattformen Filmkraut und CINEDIME sieht man, dass Filmkraut bei der Filmauswahl sehr flexibel ist. Der Produzent kann nahezu alle Formate über deren Plattform finanzieren lassen. CINEDIME hingegen neigt eher dazu, dass es finanziell erfolgversprechende Filme sind, die für Crowdinvesting bereitgestellt werden. Schließlich ist es auch für den Investor wichtig, dass das Projekt einen Gewinn erzielt, sonst lohnt sich die Investition nicht. Die Wirtschaftlichkeit, und somit das Potential eines Films, wird nach Genre, Story, Trackrecord des Regisseurs und Besetzung bewertet. Dennoch kann es passieren, dass ein Film floppt, wie man am Beispiel von „Der Rote Baron“ feststellen kann. Bekannter Regisseur, historische Story und Star-Besetzung haben nicht ausgereicht. Aber aufgrund der Verwertungskette wird es immer irgendwelche Erlöse geben und wenn der Film in Deutschland ein Misserfolg sein sollte, so gibt es immer noch den Weltmarkt. Im schlimmsten anzunehmenden Fall ist die Investition „verloren“, aber das kann auch bei Börsen-Spekulationen passieren. Falls die Finanzierung des Films innerhalb der Finanzierungsphase nicht zustande kommt, erhält der Investor sein Geld vollständig zurück. Auch wie bei anderen Crowdinvestings ist es sinnvoll hier seine Investitionen zu streuen, sprich mehrere kleine Investments in verschiedene Projekte zu tätigen, als ein großes Investment in einziges Projekt.

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Man fragt sich natürlich, was es einem nützt einen Film finanziell zu unterstützen. Es gibt sehr viele verschiedene Gründe. Zum einen erscheint der Ausblick auf eine relativ hohe Rendite verlockend. Zum anderen gibt es auch emotionale Gründe. Aktuell sieht man bei dem Film „LenaLove“ auf der Facebook Seite der Hauptdarstellerin Emilia Schüle, dass ihre Fans sie wirklich gern unterstützen möchten, u.a. weil sie Emilia Schüle als gute Schauspielerin schätzen und zum anderen weil ihnen der Film thematisch zusagt: „LenaLove“ ist ein Jugendthriller und handelt über Cybermobbing und Social-Media-Missbrauch. Als Filmfan hat man so auch die Möglichkeit sich an einem Film zu beteiligen. Durch die Beteiligung ist man automatisch mit dem Film verbunden und interessiert sich natürlich auch wie es weitergehen wird und fiebert mit. Bei „LenaLove“ gibt es zusätzlich noch kleine „Gimmicks“, die sogenannten Produzentenprivilegien für die Investoren, so können diese z.B. Set-Requisiten, VIP-Premierenkarten oder ein exklusives Filmscreening mit der Hauptdarstellerin und der Crew gewinnen. Das sind Dinge, die einem sonst als Kinogeher nicht zugänglich sind.

Die Macht der Vielen hat sich schon bei einigen Crowdinvesting-Projekten in der Filmszene gezeigt. „Stromberg- Der Film“ ist im Jahr 2011 auch via Crowdinvesting finanziert worden. Die Fans haben es damals geschafft innerhalb der kurzen Zeit von einer Woche über eine Million Euro zu investieren, wodurch das Projekt realisiert werden konnte. Der Film war auch sehr erfolgreich mit einem Einspielergebnis von über 24 Millionen Euro weltweit. Davon profitierten auch die Investoren Anfang Oktober 2014: eine Summe von 170.000 € wurde bereits an diese ausgeschüttet.

Der Regisseur und Produzent Huan Vu wagte sich an die Verfilmung des Buches „Der Traumlande Zyklus“ von H.P. Lovecraft. Für die Finanzierung des Films wählte er ein Hybrid aus Crowdinvesting und Crowdfunding. So hat er 98.900 € via Crowdinvesting gesammelt und 45.000 € mit Hilfe von Crowdfunding. Durch noch andere Gelder ist sein Film nun erfolgreich finanziert und die Produktion kann starten. Auch eine weitere deutsche Produktion „Hotel Desire“ schaffte es via Crowdfunding das gewünschte Budget zu erhalten. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist die europäische Filmproduktion „Iron Sky“, die wie Stromberg bereits vor Kinostart im April 2012 eine beachtliche Fangemeinde hatte. Die Produktionskosten betrugen 7,5 Millionen Euro und davon wurden 900.000 via Crowdfunding und Crowdinvesting finanziert und die Crowdfunder erhielten dadurch Einblicke in die Produktion, die Crowdinvester erhielten eine Gewinnbeteiligung.

Es stellt sich natürlich die Frage: Warum tut sich ein Produzent das an? Huan Vus Film war den Filmförderungen zu sehr ein Nischengenre, sodass er keine gefunden hat. Zudem gibt es auch zahlreiche Probleme bei der Filmförderung. U.a. wurden die Förderungen gekürzt, wie z.B. der DFFF (Deutscher Filmförderfonds) und Vertreter der Fernsehsender sitzen teilweise in den Fördergremien. Crowdinvesting ist somit eine alternative Finanzierungsmöglichkeit für Produzenten. CINEDIME betont, dass vorerst über ihre Plattform nur eine Lückenfinanzierung stattfinden wird, wodurch die restlichen Gelder bereits vorhanden sein müssen. Aber vielleicht entwickeln sich die Crowdinvesting-Plattformen so gut, dass zukünftig eine Vollfinanzierung eines Films möglich sein wird.

Weitere Infos: Cinedime