Dark Skies: Galaktisch guter Grusel

Dark Skies_coverDie Barretts sind eine typisch amerikanische Familie in einem typisch amerikanischen Vorort. Das ändert sich drastisch, als unerklärliche Phänomene das Leben von Lacy und Daniel sowie das ihrer beiden Söhne aus den gewohnten Bahnen werfen. Schlafwandel und Erinnerungslücken sind nur der harmlose Anfang. Was als „paranormale Aktivitäten“ beginnt, nimmt bald schon lebensbedrohliche und möglicherweise extraterrestrische Ausmaße an, in dieser mehr als nur unheimlichen Begegnung der dritten und vierten Art.

Film-Blog.tv meint:
Jawoll! So geht Unterhaltung im Horror-Genre. Das Thema „Entführung durch Außerirdische“ wird in der 2013er-Produktion von Scott Stewart (Buch und Regie) gekonnt bedient, und vermeidet alle Klippen, die dieses oft zitierte Motiv in die Beliebigkeit abrutschen lassen könnten. Die Familie Barrett reißt uns unaufhaltsam mit in ihren Albtraum, und mit ihr versuchen wir, die Ungeheuerlichkeit der Geschehnisse zu verneinen. Dabei sind ihre Probleme zunächst sehr irdisch: Jobsorgen, Geldprobleme und Ehekrach. Wenn das Paranormale in ihren Alltag eindringt, wehren wir uns mit ihnen dies zu akzeptieren. Und dank packender Kamera und genialer Soundeffekte steigt auch unser Puls, wenn die Bedrohung unaufhaltsam näherrückt. Großes Horrorkino!

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

„Two possibilities exist… Either we are alone in the universe or we are not. Both are equally terrifying.“ Eine positive Weltsicht, mit einem halbvollen Glas? Nein. Gleich zu Beginn macht „Dark Skies“ mit einem Zitat von Arthur C. Clarke klar, dass die nächsten gut eineinhalb Stunden keine Lebenshilfe sind. Dabei könnte schon die Exposition der Werbefilm eines Bauunternehmers sein, der eine neue Vorstadt schafft; so idyllisch und harmonisch zeichnet die Kamera Bilder des ruhigen Kleinstadtlebens. Aber Komponist Joseph Bishara unterlegt die Vorstadtidylle mit horrorinspirierter Musik, deren dramatischer Höhepunkt mit der Grillflamme um einen Burger koinzidiert. Uns ist klar: hier soll kein neuer Gasgrill verkauft werden, auch wenn das bei fröhlicher Musik passieren könnte.

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Mitten in diesem Vorstadtparadies lebt Daniel Barrett, und er hat ein Problem. Sein Vorstellungsgespräch verläuft erfolglos, und in der Post steckt die letzte Mahung für die Hauskreditrate. Seiner Frau Lacy verschweigt er den Mißerfolg, die Anspannung führt später zum Streit zwischen den Partnern. Die Kinder sorgen sich um die Beziehung ihrer Eltern.

Als seien diese greifbaren Probleme nicht genug, häufen sich mysteriöse Ereignisse. Nachts räumt jemand den Kühlschrank aus und verteilt den Inhalt auf dem Fußboden. Ein anderes Mal sind alle abgepackten Lebensmittel in der Küche gestapelt, und an der Decke findet sich ein mysteriöses Lichtmuster.

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Die Polizei findet keine Einbruchsspuren, rät aber zu einem Alarmsystem. Nachts schlagen dann auch alle Sensoren an. Ein Fehlalarm, vermutet die Wachfirma. Aber wenn kein Fremder im Haus war, wo sind dann die aus den Rahmen entfernten Familienfotos?

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Auch außerhalb des Hauses beginnen auffällige Geschehnisse. Sammy, der jüngste Sohn, nässt sich beim Fußballtraining ein und kreischt aus Leibeskräfte. Zuhause schmettern hunderte von Vögeln an die Scheiben der Fenster. Lacy verliert ihre Stimme, und beginnt ihren Kopf an eine Tür zu schlagen. Installierte Überwachungskamera zeigen, wie sich unscharf abgebildete Wesen über die Betten aller schlafenden Familienmitglieder beugen. Recherchen zu den Phänomenen weisen auf Außerirdische, und diese Wesen finden sich auch auf Zeichnungen der Barrett-Kinder.

Der Alien-Spezialist Edwin Pollard identifiziert sie als „The Grays“, die am häufigsten beobachtete Alien-Spezies. Der Plan der Außerirdischen wird sein, den jüngsten Sohn Sammy zu entführen, ist der konsultierte Spezialist sicher. Fliehen? Die Eindringlinge sind Millionen von Lichtjahren gereist, ein Umzug in einen anderen Ort oder ein Motel wird sie nicht stoppen. Sein Rat an die bedrohte Familie: zusammenstehen, verteidigen, und hoffen, dass die Aliens sich danach einem anderen Opfer zuwenden.

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Die Warnung des alten Mannes stellt sich schon bald als berechtigt heraus: die verbarrikadierte Haustür wird von außen aus den Angeln gehoben, und gleißend helles Licht fällt in’s Haus. Daniel steht mit einer Schrotflinte bereit, an seiner Seite ein Wachhund.

Wird dies reichen, um sich gegen die außerirdischen Eindringlinge behaupten zu können? Sehr schnell eskaliert die Situation, und die schlimmsten Alpträume der Barretts werden wahr…

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Das Spiel mit der Invasion der Privatshäre gelingt Regisseur und Autor Scott Stewart blendend. Man spürt, wie die paranormalen Probleme die alltäglichen überlagern, und die Soundwall unterstützt dies prima. Ebenso die Effekte: Wenn ein Vogel laut gegen die Fensterscheibe knallt, hat das Soundsystem die Aufmerksamkeit der Zuschauer im Griff; und alle Augen auf dem Bildschirm, wenn kurz darauf ein Schwarm gegen alle Fenster des Hauses prasselt. 800, wie eine spätere Zählung im Film ergibt, und diese große Menge spürt der Zuschauer. Der Autor führt diese Ereignisse zurück in die Normalität, in dem er spielende Kinder die Kadaver vom Trampolin kicken lässt. Wie in der Realität versuchen wir, solche Ereignisse gemeinsam mit den Protagonisten zu verarbeiten – womit die nächsten paranormalen Szenen wieder ihre Wirkung entfalten können. In der angespannten Familie wird selbst das Telefonklingeln, vom Soundsystem laut in den Raum geworden, zum Schocker.


Daniel installiert Überwachungskamera im ganzen Haus, und sein Klicken durch die teils verzerrten aufgenommenen Bilder am nächsten Morgen führt dank der gekonnt inszenierten Soundkulisse erneut zu einer Anspannung. Die verschwommenen Gestalten im nächtlichen Haus wirken unterstützend durch ihre Unklarheit bedrohlich.

Durch die Invasion der „Grays“ in ihr Privatleben werden die Barretts selbst zu Aliens in der Gesellschaft, denn naturgemäß glaubt ihnen niemand; vor allem, wenn sie Zeichnungen auf dem Körper ihres Sohnes oder das Verschwinden eines Familienmitgliedes erklären müssen.

Scott Stewart gelingt es, dieses Erleben authentisch zu vermitteln und den Zuschauern gute neunzig Minuten gepflegten Horrors aus dem All auf die Erde zu holen.

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Dabei zeigt er uns technisch einwandfreie Bilder von hoher Dynamik und Klarheit und präsentiert einen satten, wirkungsmächtigen Ton sowie gut verständliche Dialoge. Die Geräuscheffekte sind teils deutlich lauter als die Gespräche, was den Zuschauer und manchmal auch den Nachbarn berührt.

Koch Media GmbH präsentiert „Dark Skies“ ab 29. Januar 2015 auf Blu-ray Disc™ und DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von der Koch Media GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Dark Skies
Land / Jahr: USA / 2013
Genre: Horror
Darsteller: Keri Russell als Lacy Barrett, Josh Hamilton als Daniel Barrett, Dakota Goyo als Jesse Barrett, Kadan Rockett als Sam Barrett, J. K. Simmons als Edwin Pollard, L. J. Benet als Kevin Ratner, Rich Hutchman als Mike Jessop, Myndy Crist als Karen Jessop, Annie Thurman als Shelly Jessop, Jack Washburn als Bobby Jessop, Ron Ostrow als Richard Klein, Cary Quattrocchi als Martin Haldeman, Brian Stepanek als Security System-Techniker, Judith Moreland als Janice Rhodes, Trevor St. John als Alex Holcombe, Alyvia Alyn Lind als junge Tochter
Regie: Scott Stewart
Drehbuch: Scott Stewart
Produzenten: Jason Blum
Kamera: David Boyd
Schnitt: Peter Gvodas
Musik: Joseph Bishara
FSK: 16

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 97 Min. + Bonus
Bildformat: 2,35:1 (16:9)
Tonformat: DTS HD-Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Extras: Audiokommentar mit Regisseur und Produzenten, alternative und geschnittene Szenen (ca. 15 Minuten), original Kinotrailer

Webseite zum Film: Dark Skies