Das Mädchen Wadjda: Kleine Freiheiten

wadjda_coverGewinnspiel_rotDer Schulweg der zehnjährigen Wadjda aus dem saudi-arabischen Riad führt sie an einem Spielzeuggeschäft vorbei, das ein grünes Fahrrad anbietet. Dabei schlägt ihr Herz stets höher, denn dieses Rad zu besitzen würde bedeuten, sich endlich gegen den Nachbarsjungen Abdullah durchsetzen zu können und ihm, schnell wie der Wind, davon zu flitzen. Obwohl es Mädchen untersagt ist Fahrrad zu fahren, heckt Wadjda einen Plan aus, wie sie auf dem Schulhof Geld für das Rad verdienen kann. Als Wadjdas Machenschaften auffliegen, droht ein Schulverweis und die Hoffnung auf das Geld ist dahin. Dem Mädchen bleibt nur eine Chance: Sie muss den hoch dotierten Koran-Rezitationswettbewerb der Schule gewinnen. Mit viel Eifer und Erfindungsgeist macht sie sich daran, fromm zu werden. Und so hat sie auch keine Augen für die Probleme der Mutter, die mit allen Mitteln zu verhindern versucht, dass ihr Mann sich eine zweite Frau nimmt. Ebenso wie ihre mutige Tochter erkennt aber auch Wadjdas Mutter, dass sie letztlich auf sich alleine gestellt ist und einen steinigen Weg beschreiten muss, um für sich und ihre Tochter eine selbstbestimmte, bessere Zukunft zu erkämpfen.

Film-Blog.tv meint:
Eigentlich ist „Das Mädchen Wadjda“ ein völlig unspektakulärer Film. Fast schon dokumentarisch. Und grade das macht ihn so interessant. Um nicht zu sagen explosiv. Da filmt doch glatt eine Frau in Saudi-Arabien (verboten!) andere Frauen (verboten!) beim ganz alltäglichen Leben. Und wie sich diese attraktiven, schlauen Frauen ein Stückchen Freiheit erkämpfen. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger, ganz ohne Voyeurismus und immer mit viel Würde. Und oft mit einem kleinen Augenzwinkern. Ein Kinderfilm? Ein Frauenfilm? Ja, auch. Aber bei weitem nicht nur.

Wadjda ist elf Jahre alt, ein sehr hübsches, aufgewecktes und etwas freches Mädchen. Ihre langen, schwarzen Locken muss sie auf der Straße verschleiern. Denn Wadjda lebt in einem Vorort von Riad in Saudi-Arabien. Wenn sie auf dem Schulhof mit anderen Mädchen spielt und von ferne auch nur der Schatten eines Mannes auf einem Balkon auftaucht, müssen alle verschwinden. Die Religionspolizei achtet drauf, und die strenge Schuldirektorin.

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Wadjda lebt mit ihrer Mutter. Der Vater ist nur selten zu Hause. Da Wadjdas Mutter keine Kinder mehr bekommen kann und der Vater seiner Familie einen männlichen Stammhalter präsentieren muss, hat er sich schon lange auf die Suche nach einer Zweitfrau gemacht. Ab und zu lässt er sich blicken. Dann wird er mit seinen Gästen bewirtet wie ein König. Was hinterher übrig bleibt, dürfen die Frauen essen.

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Es ist ein großer Verdienst der Regisseurin Haifaa al-Mansour, die auch das Drehbuch schrieb, dass das zwar fremd auf uns im Westen wirkt, aber keinesfalls anklagend oder gar bedrohlich. Die Frauen schaffen sich, bei aller Unterdrückung, immer wieder kleine Oasen der Freiheit. Nicht alles ist so ernst und bedrohlich, wie es uns auf den ersten Blick scheint. Wenn Wadjdas Mutter Suren aus dem Koran zitiert, berührt das jeden. Wer den Text versteht, erkennt jedoch die ganze Brisanz.

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Wadjda ist eine kleine Rebellin. Aufgrund Ihres Alters hat sie es natürlich auch leichter als ihre älteren Freundinnen und gar die Mutter. Den Schleier trägt sie nicht ganz so streng. Am Koranwettbewerb nimmt sie nur wegen des üppigen Preisgelds teil. Und dennoch: Sie ist Teil einer Gesellschaft, gegen die sie aufbegehrt. Das bringt sogar ihr, dem kleinen Mädchen, immer wieder Ärger ein. Doch sie schafft es jedes Mal, kleinere und größere Probleme mit einer guten Portion Schlauheit aus dem Weg zu räumen.

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Der Film hat stellenweise ein paar Längen, doch letztendlich sind alle Szenen wichtig für das Verständnis der Zusammenhänge. Da die Erzählweise dokumentarisch und chronologisch abläuft, ist es ganz gut, dass man als westlicher Betrachter immer wieder Zeit bekommt, das gesehene einzuordnen und dadurch zu verstehen.

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Bild- und Tonqualität der Blu-ray sind auf aktuellem Stand. Von den Schwierigkeiten mit denen Cast und Produktionsteam bei den Dreharbeiten vor Ort zu kämpfen hatten, ist nichts zu sehen. Der DTS HD-Master Audio 5.1-Ton kommt recht frontlastig aus dem Surroundsystem. Die Dialoge sind dadurch sehr gut zu verstehen. Wo es für die Atmosphäre wichtig ist, werden jedoch auch die Rear-Speaker angesprochen.

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Gewinnspiel
Folgende Frage gilt es zu beantworten: Nennt uns einen weiteren Film zum Thema „Fahrrad“!
Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

2 x Blu-ray „Das Mädchen Wadjda“

Schickt einfach eine Mail mit der, hoffentlich richtigen, Antwort und Eurer Adresse an gewinnspiel@film-blog.tv

Dazu habt ihr bis zum 15.04.2014 bis 24.00 Uhr Zeit. Gehen mehr als eine richtige Antworten ein, lassen wir das Los entscheiden. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie film-blog.tv dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Koch Media GmbH präsentiert „Das Mädchen Wadjda“ ab dem 20. März 2014 auf Blu-ray Disc™ und DVD.
Das Rezensions- und die Verlosungsexemplare wurden von Koch Media GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Wadjda (وجدة)
Land / Jahr: Saudi-Arabien, Deutschland / 2012
Genre: Drama, Familie
Darsteller: Reem Abdullah – Mutter von Wadjda, Waad Mohammed – Wadjda, Abdullrahman Al Gohani – Abdullah, Ahd Kamel – Schuldirektorin Frau Hussa, Sultan Al Assaf – Vater von Wadjda u.a.
Regie: Haifaa al-Mansour
Drehbuch: Haifaa al-Mansour
Produktion: Gerhard Meixner, Roman Paul
Musik: Max Richter
Kamera: Lutz Reitemeier
Schnitt: Andreas Wodraschke
Kinostart: 05. September 2013
FSK: 0

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Blu-ray
Laufzeit: ca. 96 Min.
Bildformat: HD 1.85:1 (16:9)
Tonformat: DTS HD-Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Arabisch, Deutsch für Blinde und Hörgeschädigte
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of (ca. 13 Minuten), Original Kinotrailer

Webseite zum Film: Das Mädchen Wadjda