Den Menschen so fern: Zwei Männer, ein Weg

Gewinnspiel_rotsofern_cover1954: Als sich im Tal eine Rebellion zusammenbraut, fliehen zwei komplett gegensätzliche Männer gemeinsam über das algerische Atlasgebirge. Mitten im eiskalten Winter soll der zurückgezogen lebende Lehrer Daru den wegen Mordes beschuldigten Bauern Mohamed zu seiner Verurteilung eskortieren.
Verfolgt von Reitern und Dorfbewohnern, die Blutrache geschworen haben, schlagen sie sich durch das Gebirge, um gemeinsam für ihre Freiheit zu kämpfen.

Film-Blog.tv meint:
Seit „Den Menschen so fern“ im „Heute Journal“ des ZDF als Kino-Tipp vorgestellt wurde, wartete ich ungeduldig auf den Home Entertainment-Start. Der Trailer und der Kommentar von Klaus Kleber zum Film ließen wirklich großes erwarten. Um es kurz zu machen: Ja, alle Lobeshymnen, Preise und Auszeichnungen sind berechtigt. Als „Western“ im algerischen Atlas Gebirge ausgelegt, bringt David Oelhoffen eine bildgewaltige Parabel auf die Leinwand, die die Ursachen für die französische – und übrigens auch aktuell Weltpolitischen – Situation erahnen lässt. Eine Story, die es auf den Punkt bringt, eine karge Landschaft, ein paar Männer, wenige Dialoge und einen großartigen Soundtrack. Mehr braucht’s nicht für ein Meisterwerk. Danke dafür.

„Schon als ich die Kurzgeschichte „Der Gast“ von Camus zum ersten Mal las, stellte ich mir einen Western vor. Einen unkonventionellen Western, der auf der europäischen Geschichte basiert und im nordafrikanischen Gebirge spielt, aber ein Western. Dem Genre gemäß gibt es Kolonialherren und Kolonialisierte, ein Gefangener muss begleitet werden, es entwickelt sich eine Gewaltspirale. Die Kollision zwischen zwei Gesetzgebungen ist das Herz der Geschichte und der Beziehung der Protagonisten. Wir werden Zeuge, wie zwei Kulturen und Moralvorstellungen durch die Geschichte zur Koexistenz gezwungen werden. Ich habe davon geträumt, dass Viggo Mortensen dabei ist, durch seine Einzigartigkeit ist er perfekt für die Rolle des Daru. Reda Kateb ist sein idealer Widerpart. Die Wüstenlandschaft übernimmt die Rolle eines weiteren Protagonisten. Das nordafrikanische Licht war ein schöner, aber unvorhergesehener Begleiter.

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„Der Gast“ von Albert Camus ist ein umwerfender Text. Die 13 Seiten der Kurzgeschichte konzentrieren sich auf eine Nacht und drei Charaktere: Daru, einen Schullehrer, Balducci, einen Polizist, und Mohamed, einen jungen algerischen Gefangenen, der seinen Cousin getötet hat. Der Polizist, überwältigt von dem beginnenden Aufstand, übergibt Daru den Gefangenen und befiehlt ihm, Mohamed zur nächsten Stadt zu eskortieren, um dort verurteilt zu werden.

Daru ist glücklich in seiner Schule auf dem Hochplateu, abgeschieden von der Welt. Er versucht, den jungen Dorfbewohner zu retten, unter dem Risiko seine Anstellung zu verlieren und damit alles, was ihm wichtig ist, da er es nicht verantworten kann einen Menschen der sicheren Exekution durch die Franzosen auszuliefern. Er begleitet Mohamed und bietet ihm eine Möglichkeit zu fliehen, aber der Gefangene besteht darauf, sich selbst bei den Behörden zu stellen. Als Daru in die Schule zurückkommt, findet er auf der Tafel eine Nachricht, dass er für die Auslieferung Mohameds an die Polizei bestraft werden wird.

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Diese Geschichte fürs Kino zu adaptieren bedeutete, die Charaktere zu erweitern und das Erzählte dichter zu gestalten. Dafür benutzte ich zum einen den geschichtlichen algerischen Kontext und den Beginn des Unabhängigkeitskrieges. Aber der größte Wechsel bestand darin, die Beziehung zwischen Daru und dem jungen Algerier zu verändern, was sich in einem deutlich anderen Ende des Films als in dem der Erzählung von Camus spiegelt.

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Ich bewegte mich weg von den Buchstaben des Textes, aber immer mit der Absicht eng an Camus‘ Intentionen zu bleiben, dessen Sorgen mir sehr zeitgemäß erscheinen: sorgen über die Humanität, der Denunziation von Ungerechtigkeit, und vor allem, die Schwierigkeit eines moralischen Engagements und Bewertung. …Für mich ist „Den Menschen so fern“ ein Film, der dem humanistischen Western näher ist einem historischen Film. Er gehört zur Familie der Western, die den Gründungsmythos attackieren oder unterwandern, anstatt ihn zu vergrößern – als entfernte Referenz: die proindianischen Western der 1950er wie „Fluch des Blutes“ von Anthony Mann und „The Big Sky – Der weite Himmel“ von Howard Hawks oder später einige Filme von Arthur Penn, Sydney Pollack und Clint Eastwood.“
David Oelhoffen, Drehbuch und Regie

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Da wartet man monatelang drauf, dass ein Film endlich in Deutschland rauskommt. Die Franzosen waren uns ja ein paar Monate voraus, da gibt es „Den Menschen so fern“ schon länger, sogar auf Blu-ray Disc™. Und dann das: Hier gibt’s „nur“ die DVD. Als französisch-arabische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Wenigstens etwas, dachte ich mir. Schau ich mir’s halt mal an. Und muss im Nachhinein sagen, ich bin dankbar dafür. Obwohl ich nicht Französisch kann. Die wenigen Dialoge kann man auch ablesen. Wenn (fast) jeder Film in der OV gewinnt, hier gilt es ganz besonders. Es ist ein intensives Kinoerlebnis, das Worte eigentlich überflüssig macht. Und dennoch durch die Stimmen und die Stimmung an Authentizität gewinnt. Und zwar immens. Wenn’s überhaupt was zu meckern gibt, dann dass die Untertitel fix eingeblendet sind und nicht abgewählt werden können.

Den Film auch hierzulande auf Blu-ray Disc™ zu veröffentlichen, dazu fehlte dem Verleih wahrscheinlich das Budget. Ist zwar schade, aber dank der sehr guten Bild- und Tonqualität der DVD – gesehen auf unserer drei Meter breiten Leinwand und gehört über unser Referenz-System von Canton – ist das zu verschmerzen.

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Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
1.) Nennt uns den Film im Western-Stil, der aber nicht im „Wilden Westen“ der USA spielt, der Euch am besten gefällt! Schön wäre eine kurze Begründung, warum Euch ausgerechnet dieser Beitrag so gut gefällt.
2.) Wie habt Ihr zu www.film-blog.tv gefunden?
Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

2x DVD „Den Menschen so fern“

Schickt einfach eine Mail mit der, hoffentlich richtigen, Antwort und Eurer Adresse an gewinnspiel@film-blog.tv

Dazu habt ihr bis zum 31.12.2015 bis 24.00 Uhr Zeit.

Das Gewinnspiel wird von www.film-blog.tv veranstaltet, die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahre mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie von www.film-blog.tv
dürfen nicht mitmachen. Gehen mehr richtige Antworten ein, als Preise zur Verfügung stehen, lassen wir das Los entscheiden, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Teilnehmerdaten werden nur für die Zustellung eines eventuellen Gewinns bis zum Einsendeschluss gespeichert und anschließend vollständig gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

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Arsenal Filmverleih GmbH / good!movies präsentiert „Den Menschen so fern“ ab dem 13. November 2015 auf DVD und als VoD.
Das Rezensions- und die Verlosungsexemplare wurden von Arsenal Filmverleih GmbH / good!movies zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel Loin des hommes
Land / Jahr: Frankreich / 2014
Genre: Drama, Western
Darsteller: Viggo Mortensen: Daru, Reda Katep: Mohamed, Djemel Barek: Slimane, Vincent Martin: Balducci, Nicolas Giraud: Leutenand Le Tallec, Jean-Jérome Esposito: Francis, Hatim Sadici: Abdelkader, Yann Goven: René, Antoine Régent: Claude, Sonia Amori: Prostituierte, Antoine Laurent: franz. Soldat, Angela Molina: Senorita Martinez u.a.
Regie: David Oelhoffen
Drehbuch: David Oelhoffen
Romanvorlage: frei nach der Novelle „L’Hote » von Albert Camus
Produzenten: Marc du Pontavice, Matthew Gledhill
Kamera: Guillaume Deffontaines
Schnitt: Juliette Welfing
Musik: Nick Cave, Warren Ellis
Label: Arsenal Filmverleih GmbH
FSK: 12

DVD
Laufzeit: ca. 97 Min. Bonus
Bildformat: 16:9 (2,35:1)
Tonformat: Dolby Digital 2.0 und 5.1
Sprachen: Arabisch, Französisch
Untertitel: Deutsch (nicht ausblendbar)
Bonus: Trailershow

Webseite zum Film: Den Menschen so fern