Der blinde Fleck – Täter, Attentäter, Einzeltäter?: Rechts vor links

blind_cover„Der blinde Fleck“ erzählt die Geschichte des BR-Hörfunk-Reporters Ulrich Chaussy. Er bekommt den Auftrag, über das Oktoberfest-Attentat, bei dem am 26. September 1980, 13 Menschen starben und mehr als 200 verletzt wurden, zu berichten. Zunächst plant er nur einen kleinen Beitrag, doch dann stößt er auf Widersprüche und Ungereimtheiten. So erfährt er beispielsweise im Gespräch mit Zeugen, dass diese mehrere Personen am Tatort gesehen haben. Von offizieller Seite scheinen bestimmte Hinweise aber nicht weiter verfolgt zu werden und später verschwinden Beweismittel aus der Asservatenkammer. Fortan verwendet Chaussy all seine Energie darauf, den Geschehnissen auf den Grund zu gehen und die Wahrheit ans Licht zu bringen und macht dies zu seiner Lebensaufgabe. Unterstützt wird er dabei von Werner Dietrich, dem Anwalt der Opfer. Auch er glaubt nicht, dass ein Einzeltäter für den Anschlag verantwortlich gewesen sein soll.

Film-Blog.tv meint:
Wer sich wundert, wie es zur Mordserie der „NSU“ über viele Jahre, mitten in Deutschland, kommen konnte, findet hier eine plausible Antwort. Das erschreckende dabei: Dieser Thriller ist nicht erfunden, er beruht auf Tatsachen. „Der blinde Fleck – Täter. Attentäter. Einzeltäter?“ ist eine wahre Geschichte, die der Journalist Ulrich Chaussy erlebt und recherchiert hat. Ein Film, an dem sich die Geister scheiden. Wer sich für die Hintergründe des Terrors von rechts interessiert, wird begeistert sein. Wer dagegen eher unterhalten werden will, wird nicht umhin kommen, einige Längen zu bekritteln.
Unser Fazit: Der Film sollte zum festen Unterrichtsstoff der 10. Klasse an allen deutschen Schulen gehören.

Ein deutscher Film über Terrorismus. Na klar, Christian Klar. „Deutscher Herbst“, RAF, Bader-Meinhof und so weiter. Alles längst erzählt und tausend mal gesehen. War das wirklich alles?

Freitag, der 26. September 1980. Da war ich auch in München. Berufsschule im BBZ. Nicht weit von der Theresienwiese. Zusammen mit ein paar Klassenkameraden wollte ich auch auf’s Oktoberfest. Wenn man schon mal da ist …. Es wurde dann doch nichts aus unserem Wies’n-Bummel. Durch einen Zufall haben wir das größte Attentat, das Deutschland bis dato nach dem 2. Weltkrieg erleben musste, verpasst.

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Die politische Stimmung war in München zu dieser Zeit extrem aufgeheizt. Franz Josef Strauß war der Kanzlerkandidat der Union, der gegen Helmut Schmidt antrat. Über FJS kann man denken, wie man will. Mit dem Satz: „Strauß ist ein Kraftwerk. Leider ohne Sicherungen“ hat ihn ein Mitstreiter wohl ganz gut beschrieben. Dass ein Attentat, mitten in München, nur das Werk von Linksextremen sein könne, war für den bayrischen Ministerpräsidenten keine Frage. Was er auch in Statements kurz nach der Explosion in den Medien zum Besten gab. Er versprach sich davon den letzten Zulauf, der ihm den Wahlsieg bringen sollte.

Als dann jedoch schnell klar wurde, dass mit Gundolf Köhler ein Mitglied der rechtextremen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ die Bombe gezündet hat, durfte nicht wahr sein, was nicht wahr sein konnte: Es gibt in Deutschland organisierten Terror von rechts. Deshalb wurden von Seiten der Staatsanwaltschaft gezielt eindeutige Beweise zurück gehalten und sogar Zeugen kalt gestellt und bedroht, die das Bild vom „verwirrten Einzeltäter“ in Frage stellten. Eine Politik des Wegsehens, die letztendlich erst die Mordserie der NSU möglich gemacht hat.

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Ulrich Chaussy hat aus seinen Erfahrungen ein Buch geschrieben, auch am Drehbuch war er maßgeblich beteiligt. Der Thriller ist dabei fast schon als Dokumentation zu werten. Unnötige „Tricks“, eine oberflächliche Spannung aufzubauen, fehlen fast völlig. Der Film lebt von der Geschichte, die es nicht nötig hat, durch Tricks und Effekte Aufmerksamkeit zu erhaschen. Wer sich dagegen nicht für die Hintergründe interessiert, wird sich wahrscheinlich schnell langweilen. Politik ist nun mal ein etwas sperriges Thema.

Die Qualität der Blu-ray ist auf dem Stand moderner, internationaler Produktionen. Zeitgenössische Einspielungen aus den frühen 80iger Jahren einmal ausgenommen, präsentieren sich Bild und Ton auf dem Niveau, das man heute gewohnt ist. Bei Großprojektion und hochwertigem Soundsystem darf man sich auf ein scharfes, detailreiches Bild und besten Surroundklang freuen.

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Ascot Elite Home Entertainment GmbH präsentiert „Der blinde Fleck – Täter. Attentäter. Einzeltäter?“ auf Blu-ray Disc™, DVD und VOD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Ascot Elite Home Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Der blinde Fleck – Täter. Attentäter. Einzeltäter?
Land / Jahr: D / 2013
Genre: Politthriller
Darsteller: Benno Fürmann: Ulrich Chaussy, Nicolette Krebitz: Lise Chaussy, Heiner Lauterbach: Dr. Hans Langemann, Jörg Hartmann: Werner Dietrich, August Zirner: „Meier“, Udo Wachtveitl: Werner Winter, Miroslav Nemec: Kurt Rebmann, Walter Hess: Gerhard Tanner, Anna Grisebach: Gisela Lehmannu.a.
Regie: Daniel Harrich
Drehbuch: Ulrich Chaussy, Daniel Harrich
Kamera: Tobias Corts, Walter Harrich
Musik: Ian Honeyman
Schnitt: Georg Michael Fischer
FSK: 12

Blu-ray
Laufzeit: ca. 95 Min.
Bildformat: 2,35:1 / 16:9 (1080p/24 HD)
Tonformat: Dolby Digital 5.1 Audiodeskription
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Making of, Interviews, Kinotrailer, Trailershow

Webseite zum Film: Der blinde Fleck – Täter, Attentäter, Einzeltäter?