Der Bomber: So wie Rocky. Nur mit Klamauk und Mafia.

bomberNachdem der alte Seebär Bud Graziano – genannt der Bomber – von seinem alten Schiff geworfen wurde und nirgendwo eine neue Heuer zu kriegen ist, versucht er sich als Boxtrainer einer absolut hoffnungslos unbegabten Truppe. Diese versucht, um ihre Schulden loszuwerden, ein von der Mafia gesponsertes Spitzensportlerteam zu schlagen. Als selbst Buds größte Kämpfer-Hoffnung sich als Geldeintreiber auf die Seite der Mafia schlägt, bleibt dem Bomber keine Wahl: Er selbst steigt wieder in den Ring… und seinen schlagenden Argumenten ist niemand gewachsen!

Film-Blog.tv meint:
Im „Bomber“ wird schnell deutlich, dass der Film auf der Metaebene die Ambivalenz zwischen Wahrnehmung und Sein in das Zentrum rückt. Diese Dualität im metaphysischen Sinn zeigt… Halt, bleibt hier! Ich mache doch nur Spaß. Der „Bomber“ ist ein Spencer in Reinkultur. Man wundert sich heute, wie simpel diese damals sehr erfolgreichen Filme produziert sind. Der ruhige Hauptdarsteller ist ethisch immer sauber unterwegs und verprügelt alles und jeden außerhalb dieser Norm. Gleich zu Beginn setzt er ein Zeichen, in dem er ein halbes Schiff durch einen einzigen Schlag mit dem 5-Kilo-Hammer zerlegt. Die Deppen sind hier so hemmungslos tolpatschig gezeichnet dass sich wirklich jeder Zuschauer überhöhen kann. Die Bösen sind eindeutig böse, und dazu arrogant: Da geht der Zuschauer doch gerne mit, wenn Buddy sie verhaut. Wohl selten sind Farbfilme so schwarz-weiß wie die Spencer-Streifen aus den siebziger und achtziger Jahren.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Jerry hat ein Problem. Er wirkt in seinem Buggy mit riesiger Stereoanlage im Heck stilistisch arg neben der Spur und merkt es nicht. Nebenbei sind ihm noch einige große Jungs auf den Fersen, die ihm an’s Leder wollen. Bud Spencer stellt sich den Verfolgern in den Weg, und da haben wir die Sache doch auch schon geklärt. Jerry stellt sich als Betreiber einer Boxschule heraus, der gerne ein Talent aufbauen möchte. Regisseur Michele Lupo hat nicht die geringsten Hemmungen, seine Boxschüler als Vollfreaks zu präsentieren. Bud Spencer als Bud Graziano ist ein ehemaliger Profiboxer und hat auch gerade Zeit, denn sein Schiff hat er als Kapitän soeben verloren. Aber er hat kein Interesse, sich wieder dem Boxsport zuzuwenden. Bis er erfährt, dass der konkurrierende Boxstall zur US Army gehört und von Rosco Dunn geleitet wird. Dunn besiegte Graziano im Ring, worauf dieser seine spektakuläre Karriere als „Der Bomber“ bendete.

Graziano hilft dem erfolglosen Boxstallbetreiber und findet bei einer Kneipenschlägerei in Giorgi Desideri auch schnell ein Talent. Im Ring gewinnt Desideri seinen ersten Kampf, den zweiten verliert er überraschend. Er gesteht Graziano, dass er dafür bezahlt wurde zu fallen. Die Zusammenarbeit endet und Graziano beginnt Geld einzutreiben. Als er dies bei Graziano versucht, verprügelt ihn der ehemalige Profiboxer und nimmt das junge Talent zurück in den Boxstall. So löst man in einem Spencer-Film Probleme und begründet Freundschaften.

Einfach feste drauf! Sein nächster Gegner im Ring ist Dunn. Der junge Italiener setzt seine starke rechte Hand nicht ein und gerät in Bedrängnis. Graziano reißt ihm in einer Kampfpause den Boxhandschuh von der Hand und sieht, dass die Mafia vor dem Kampf seine Hand zerschnitten hat. Das tat man auch Graziano vor seiner Begegnung mit Dunn an. Graziano tritt in den Ring, reißt dem Amerikaner beide Handschuhe herunter und schlägt ihn nieder. Dabei macht es den Produzenten Spaß, den niedergeschlagenen Boxer immer wieder aufstehen zu lassen, damit sich der Zuschauer am nächsten Schlag und Fall erfreuen kann.

Einen Spencer-Film kann man sich verlustfrei volltrunken ansehen, die simple Machart schrieb Filmgeschichte. Der Bomber steht am Ende einer Reihe, die mit diesem Ansatz Millionen von Fans begeisterte. Eine mehr oder weniger dramatische Handlung wird von auch hier von schrillen Gestalten bedient, in Form des ungeschickten Jerry mit seinem bemitleidenswerten Repertoire an Boxschülern sowie seiner albernden Schwester, die an Spencer einen Narren gefressen hat.

Dabei ist es außerordentlich leicht, dieses Schema als hemmungslos simpel herauszustellen. Man sollte dabei nicht übersehen, dass diese Einfachheit hier zu einer eigenen Kunstform entwickelt wurde. „Der Bomber“ lockte 1,6 Millionen deutsche Kinobesucher in die Säle (darunter auch mich als Dreizehnjähriger) und vereinte bei der Erstausstrahlung knapp 12 Millionen Zuschauer vor den Fernsehschirmen – entsprechend etwa 20% der Bevölkerung. Jeder Fünfte wollte Spencer prügeln sehen.

Auch wenn die unvorstellbar platten Dialogwitze in der deutschen Fassung von Rainer Brandt heute nicht mehr zünden, strahlt ein Teil des großen Charmes von damals nach. Einen Anteil an der Gesamtwirkung haben erneut die „Oliver Onions“, mit ihrem gewohnt eingängigen Popsong „Fantasy“, „It’s plain to see…“ singen sie. Ja, stimmt. Einfach zu sehen, was hier passiert. Ein Stückchen Filmgeschichte in einer besonderen Art.

Die nun von 3L präsentierte Neuauflage wurde vom Original-Negativ abgetastet. Im Bonusmaterial findet sich ein Vergleich der unbearbeiteten SD-Version mit der neu generierten HD-Fassung. Der Schärfeunterschied ist frappierend, und auch die Brillianz muss sich hinter aktueller Fotografie kaum verstecken. Technisch ist das ein großer Wurf und beantwortet die Frage, ob ein mehr als 30 Jahre alter Film auf BluRay-Disc Sinn hat, deutlich.

3L-Homevideo präsentiert „Der Bomber“ auf Blu-ray und DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von 3L-Homevideo zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Bomber
Land / Jahr: Italien / 1982
Genre: Komödie, Action
Darsteller: Bud Spencer: Bud Graziano; Jerry Calà: Jerry; Kallie Knoetze: Rosco Dunn; Stefano Mingardo: Giorgi Desideri; Gegia: Susanna; Valeria Cavalli: Claudia; Ferdinando Murolo: Krupp; Nando Paone: Ossario; Bobby Rhodes: Newman; Rik Battaglia: Dunns Trainer u.a.
Regie: Michele Lupo
Drehbuch: Marcello Fondato, Francesco Scardamaglia, Walter Patriarca
Produktion: Elio Scardamaglia
Kamera: Giorgio di Battista
Musik: Guido de Angelis, Maurizio de Angelis

Blu Ray-Disc ™
Laufzeit: ca. 95 Min. + Bonus
Bildformat: Widescreen 1.85:1 (1080p / 24)
Tonformat: DTS-HD Master Audio 2.0
Sprachen: Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch (Bei italienischer Tonspur nicht ausblendbar)
Bonus: Deutscher Original Kinotrailer (ca. 3 Min. SD), Italienischer Originaltrailer (ca. 4 Min. SD), Englischer Originaltrailer (ca. 4 Min. SD), Musikvideo Fantasy (ca. 2 Min. SD), Erweiterte Aushangbilder- und Artworkgalerie, Bildvergleich SD / HD-Fassung, Werbetafel mit allen bisher erhältlichen 3L Spencer-Hill BDs
FSK: 12

Webseite zum Film: Der Bomber