Der ganz große Traum: Kicken für den Kaiser

traum_coverDer junge Lehrer Konrad Koch soll in einem altehrwürdigen deutschen Gymnasium im Jahr 1874 Englisch unterrichten. Um die Schüler für die fremde Sprache zu begeistern, greift er zu ungewöhnlichen Mitteln und bringt ihnen einen seltsamen Sport nahe, den er aus England kennt: Fußball. Doch mit seiner unkonventionellen Art macht sich Koch bald auch Feinde: seine Kollegen, die nur auf preußischen Drill und Gehorsam setzen, genauso wie einflussreiche Eltern und Würdenträger der Stadt. Sie wollen Koch um jeden Preis loswerden. Doch jetzt ergreifen die Schüler die Initiative…

Film-Blog.tv meint:
Hat das erste Länderspiel mit deutscher Beteiligung wirklich schon 1874 stattgefunden? Haben „wir“ damals England mit 2:1 geschlagen? Im Braunschweiger Stadtpark? Naja. Im Vorspann steht dann auch ganz eindeutig: „Frei nach wahren Begebenheiten“. „Der ganz große Traum“ ist größtenteils Fiktion. Ein Spielfilm darf das sein. Als Spielfilm darf er auch an die ganz großen Gefühle appellieren, die der Fußball in uns auslöst. Dass der Film dabei kein Klischee auslässt und einige Vorbilder – von der „Feuerzangenbowle“ bis zum „Club der toten Dichter“ – mehr als nur zitiert, wen stört’s? Hier wird das Kaiserreich vom ollen Wilhelm wieder lebendig. Mir hat’s Spaß gemacht!

Die Bundesligasaison 2013/2104 ist vorbei. Lediglich das Pokal-Endspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund steht uns noch bevor. Mit dem Club aus Nürnberg und Eintracht Braunschweig sind zwei Traditionsclubs abgestiegen. Während Nürnberg die meisten Fußballfans noch mit einem Traditionsverein in Verbindung bringen, ist das bei Brauschweig schon etwas schwieriger. Was die wenigsten außerhalb der Stadtgrenzen wissen: Hier war die Wiege des Fußballsports in Deutschland!

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Vor der WM in Brasilien, die in wenigen Wochen beginnt, werden wir den einen oder anderen Fußballfilm hier vorstellen. Beginnen wir mit dem 99. Beitrag seit Bestehen unseres Blogs: „Der ganz große Traum“.

Konrad Koch gab es wirklich, er hat neben dem Fußball noch weitere Ballsportarten nach Deutschland gebracht. Unter anderem Handball. Er war allerdings kein Englisch-Lehrer und in England war er selbst erst wesentlich später. Doch erkannte er schon früh, dass Mannschaftsport wesentlich die Persönlichkeitsentwicklung, die Fairness und den Teamgeist weiterentwickeln können.

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Links, zwo, drei, vier: Der Turnunterricht bei Doktor Jessen besteht aus Exerzieren und Geräteturnen. Im Geschichtsunterricht bei Doktor Bosch lernt die Klasse haarklein den Verlauf der Schlacht von Sedan. Es ist 1874, und in der Untertertia des Braunschweiger Gymnasiums Martino-Katharineum geht alles seinen gewohnten Gang. Wie überall in den Schulen im deutschen Kaiserreich.

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Doch da trifft eine Postkutsche in der Stadt ein, und der Passagier wird dafür sorgen, dass in der Untertertia nichts so bleibt, wie es ist. In der Kutsche sitzt der junge Lehrer Konrad Koch, der nach vier Jahren in England in seine Heimatstadt zurückkehrt. Koch bringt neue Ideen mit. Und einen Lederball: In England hat er eine ganz neue, in Deutschland völlig unbekannte Sportart namens Fußball kennen und lieben gelernt. Der reformfreudige Schulleiter Merfeld hat Koch als einen der ersten Englischlehrer überhaupt an einem deutschen Gymnasium angeheuert, um etwas frischen Wind in seine verstaubte Lehranstalt zu bringen.

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Wie nötig das ist, erlebt Koch gleich in seiner ersten Unterrichtsstunde. Alles, was die Jungen über England wissen, sind angelernte Vorurteile. Was die Umgangsformen in der Schule betrifft, setzt Dr. Bosch Koch umgehend ins Bild: Er züchtigt den Schüler Joost Bornstedt, der angeblich einen Zeigestock angesägt haben soll. Dabei war es sein Mitschüler Felix Hartung, der Wortführer der Klasse, der Bornstedt eine Säge in den Tornister geschmuggelt hatte.

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Bei einer Abendgesellschaft lernt Koch auch Felix’ Vater kennen und eckt sofort an. Während Koch von der Fantasie der jungen Leute schwärmt, zählen für Hartung Senior, einen erfolgreichen Geschäftsmann, der auch Vorsitzender des Fördervereins der Schule ist, nur Zucht, Disziplin und Gehorsam. Und wenn es nach Hartung ginge, wäre auch kein Platz an der Schule für einen „Proletarier“ wie Joost, dessen Mutter Klara Fabrikarbeiterin ist und der nur dank eines Förderprogramms die Schule besuchen kann.

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In der ersten richtigen Englischstunde erkennt Koch endgültig, dass seine Arbeit nicht leicht wird. Die Klasse hat nicht nur extreme Schwierigkeiten mit dem Englischen – bei den Ausspracheübungen bekommt er stets „sie örs“ statt „the earth“ zu hören – sondern zeigt auch keinerlei Interesse am Erlernen der Sprache. So beordert der entschlossene Koch die Jungen in den Turnsaal und packt den Lederball aus. „This is a foot-ball“, doziert Koch und führt vor, wie man ein Tor schießt. Auch in der nächsten Englischstunde lernt die Klasse Fußball-Vokabular, und plötzlich gehen die Jungs begeistert mit.

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Bald schon tun sich Joost als Stürmer und der pummelige Otto, im Tor, als besonders begabt hervor. Doch Konrad Kochs ungewöhnliche Erziehungsmethoden werden vom Förderverein ausgekontert: Hartung Senior und die anderen Mitglieder der Fördervereins, die Koch auf dem Kieker haben, wollen eine seiner Stunden besuchen – und finden nur ein leeres Klassenzimmer vor.

Als die Delegation die Turnhalle betritt, bekommt unglücklicherweise Pastor Werners den Ball vors Gemächt. Ausgerechnet nach einem Schuss von Joost! Der wandert sogleich in den Karzer, als allerletzte Warnung vor dem Schulverweis. Nun hat Hartung endlich etwas gegen Koch in der Hand: Er droht ihm mit Rausschmiss, wenn nicht sofort der Fußball aus dem Unterricht verschwindet. Und auch Joosts Mutter stellt Koch zur Rede, weil der die Zukunft ihres Sohnes leichtfertig aufs Spiel setze.

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Aber so schnell gibt Konrad Koch seinen großen Traum nicht auf. In der Schule hält sich Koch an das Verbot, doch es gibt schließlich auch noch die Nachmittage…! In einem Braunschweiger Park kommt es so zum ersten Fußballmatch – und Joost kann sich als Erster in die Torschützenliste eintragen. Nach und nach wird die Klasse eine richtige Mannschaft. Aber können die Jungs auf Dauer dichthalten und das Spiel vor den zahlreichen Fußball-Gegnern in der Schule geheim halten? Und was soll aus Joost und aus Konrad Koch werden, wenn die nachmittäglichen Treffen auffliegen?

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Liebevoll und recht realistisch in Kostümen und Bauten wird das Kaiserreich wieder lebendig. Ob prachtvoll beim (Geld-)Adel oder mühsam bei den einfachen Leuten des Proletariats. Die hatten es seinerzeit nicht einfach. Die Arbeit in den ersten Fabriken war hart. Viele Mütter mussten die Kinder alleine erziehen, deren Väter wurden Opfer des letzten Kriegs gegen Frankreich. Das Deutsche Reich stand in voller Blüte. Disziplin und absoluter Gehorsam waren preußische Tugenden und oberstes Erziehungsziel. Diese Stimmung im Land wurde sehr atmosphärisch eingefangen, auch der 5.1-Surroundklang kommt sehr räumlich und gut verständlich aus den Boxen.

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Senator Entertainment AG präsentiert „Der ganz große Traum“ auf Blu-ray Disc™, DVD und VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von der Senator Entertainment AG zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Der ganz große Traum
Land / Jahr: Deutschland / 2011
Genre: Drama
Darsteller: Konrad Koch: Daniel Brühl, Gustav Merfeld, der Schuldirektor Burghartt Klaussner, Klara Bornstedt, die Mutter von Joost: Kathrin von Steinburg, Richard Hartung, der Vater von Felix: Justus von Dohnàni, Schricker Senior, der Turngerätefabrikant: Axel Prahl, Dr. Jessen, der Turnlehrer: Jürgen Tonkel, Dr. Roman Bosch, der Geschichtslehrer: Thomas Thieme, Felix Hartung, Streber: Theo Trebs, Joost Bornstedt, Schüler: Adrian Moore, Otto Schricker, Schüler: Till Valentin Winter u. a.
Regie: Sebastian Grobler
Drehbuch: Philipp Roth und Johanna Stuttmann nach einer Idee von
Sebastian Grobler und Raoul Reinert
Produktion: Anatol Nitschke / Deutschfilm und Raoul Reinert / Cuckoo Clock Entertainment
Kamera: Martin Langer
Musik: Ingo Ludwig Frenzel
Schnitt: Dirk Grau
Szenenbild: Thomas Freudenthal
Kostüme: Monika Jacobs

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 114 Min.
Bildformat: Full HD 16:9 (1,85:1)
Tonformat: DTS-HD 5.1
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Interviews, Making of, Trailer
FSK: 6

Webseite zum Film: Der ganz große Traum