Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen: Gewalt ist immer eine Lösung

der-große_coverNewnan ist ein verschlafenes Provinzstädtchen in Georgia. Dies ändert sich an dem Tag, als mehrere Bewohner glauben, ein Ufo gesehen zu haben. Sheriff Craft versteht die Aufregung nicht. Er glaubt nicht an Außerirdische – zumindest bis er dem Kleinen H7-25 begegnet. Der sieht zwar aus wie ein kleiner Junge, verfügt aber über äußerst ungewöhnliche und ganz und gar nicht irdische Fähigkeiten. Für den außergewöhnlichen Jungen interessiert sich auch schon bald die militärische Abwehr unter Führung von Captain Briggs. Nun muss der Große wieder zu seinen schlagkräftigen Argumenten greifen, um seinen kleinen Freund vom anderen Stern zu beschützen…

Film-Blog.tv meint:
Zumindest in Spencer-Filmen ist Gewalt immer eine adäquate Lösung. Es dauert auch hier nur wenige Minuten, bis der Antagonist Raimund Harmstorf seine Faust in Richtung Spencers fliegen lässt, die dieser lässig abfängt. Womit wir die Identifikationsfigur schon einmal geklärt hätten. Und auch die außer Kontrolle geratene Softeismaschine stoppt Spencer mit einem Faustschlag. Und schon sind wir zuhause, im Simpelklamauk der 1970er. Geht doch. Ansonsten gibt es noch einen kleinen Jungen aus dem Weltraum und viele böse Menschen, die hinter ihm und seiner Wunderwaffe her sind. Aber dazu müssen sie an Bud Spencer vorbei!

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt

Paff. Peng. Klatsch. So schnell könnte die typische Beschreibung eines Bud Spencer-Films aussehen. Aber dies wird der Legende Carlo Pedersoli nicht gerecht. Filme mit dem ehemaligen Olympia-Schwimmer waren während meiner Kindheit in den 1970er-Jahren einfach ein Muss. Und man sollte diese Klassiker auch im Spiegel ihrer Zeit sehen und nicht allein an heutigen Maßstäben der Unterhaltung messen.

Ach ja, die Handlung: Spencer ist hier der schlagkräftige Gesetzeshüter in Newnan, einer Kleinstadt im Süden der USA. Dort trifft er auf H7-25 (Cary Guffey), einen kleinen außerirdischen Jungen, der in der Transmissionskapsel seines Raumschiffes gespielt hat und dabei versehentlich auf die Erde geriet. Nach Georgia, um genau zu sein. Hier lokalisierten die italienischen Produzenten die Handlung.

E. T.’s humanoider Bruder bringt ein Universalwerkzeug namens Photonenkanone mit. Damit manipuliert er durch „biomagnetische Energie“ Gegenstände in seiner Umgebung, und das faszinierte uns bereits vor 35 Jahren im Kino. Natürlich auch, weil sie Tiere sprechen lässt und dabei fiept wie ein Physikbaukasten am Starkstromanschluss.

In guter Absicht bringt der Sheriff den Kleinen zur Luftwaffe, damit diese seinen Schützling nach Hause führt. Leider erweist sich diese Institution als böse. Nun gut, das ist ja das typische Muster solcher Filme, warum sollte es H7-25 hier besser gehen als seinen Seelenverwandten von E. T. bis Species. Der Sheriff nutzt die Photonenkanone für Klamauk und die Rettung seines extraterrestrischen Schützlings. In einer anschließenden Prügelei in einem Supermarkt entfaltet der Film seine ganze Schönheit. Nicht nur, dass Spencer bei der Verteidigung des Jungen die gesamte Luftwaffe zu Klump haut und Harmstorf als Finale mit einem Schlag auf den Kopf durch den Boden schlägt. Die, durch die Photonenkanone, mehrfach wiederholten Bewegungsfolgen bieten tolle Möglichkeiten, die Produktplatzierung noch intensiver zu gestalten. Möchte noch jemand eine Coca Cola? Und wo gibt es eigentlich den sehr prominent in Szene gesetzten William Lawson’s-Whiskey? In der Art des „Mickey Mousings“ sind die Schlägereien mit Vogelzwitschern und Flötentönen unterlegt, die die Wahrnehmung der Verprügelten auch akustisch dramatisieren.

Kurz darauf überwältigen die Streitkräfte den Sheriff zwar mit einem Betäubungsgewehr, aber auch langsam eindösend verhaut er noch eine Reihe von Soldaten einhändig, bevor er schließlich zu Boden sinkt. Danach allerdings ist der Junge nun erst einmal weg und in den Händen der Bösen, die sich die Macht der Photonenkanone zunutze machen wollen. Dabei verhalten sie sich fies und kein bisschen kindgerecht. Spencer also rein, es setzt weitere Kopfnüsse, fröhliche Musik, und mit dem kleinen Kerl wieder raus. Die Bösen hinterher, und die Fäuste fliegen in einer weiteren mehrminütige Prügelei. Und schon sind wir fast am Happy End angelangt.

3L-Homevideo legt „Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen“ nun als neu abgetastete und restaurierte deutsche Kinofassung vor. Die ungeschnittene Version kommt auf Blu-ray-Disc(TM) in 1080p HD und DVD.

Der Ton in DTS-HD Master Audio 2.0 kann aus heutiger Perspektive nicht überzeugen und kommt, seiner Zeit entsprechend, dumpf und wenig dynamisch. Visuell ist die Neuabtastung des Ausgangsmaterial jedoch ein großer Wurf. Das zeigt vor allem ein in den Extras enthaltener Vergleich, der die matschige und farbig künstlich wirkende SD-Version den neu generierten HD-Bildern gegenüberstellt. Alle Achtung, hier wurde ein wirklicher Mehrwert erzielt, der die Neuversion klar empfiehlt.

Wer eine Bud Spencer-Disc einlegt, der erwartet keine tiefgründige Handlung und keine Metaebenen. All dies will „Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen“ auch nicht leisten und bringt vor allem die Nostalgie ins Wohnzimmer. Dies, einen Film, der unterhalten will, und keinen Fatz mehr.

Ein sehr präsenter Hauptdarsteller und ein Tonassistent, der im Studio zwei Balken aufeinanderschlägt um so die Geräuschkulisse für Faustschläge zu erzeugen – damit erinnern wir uns an die Kinobesuche der siebziger Jahre. Und so funktioniert‘s auch heute in 1080p. Der poppige Titelsong von Guido und Maurizio De Angelis (Oliver Onions) wird immer wieder eingesetzt und verkündet zu launigen Klängen eigentlich nur „Ich bin der Sheriff, ja, du bist der Sheriff“. So ist es, Carlo Pedersoli, der bist du in diesem Film, und in dieser Rolle unterhältst du uns so einfach und wirkungsvoll wie eine deiner Kopfnüsse!

3L Vertriebs GmbH & Co. KG präsentiert „Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen“ auf Blu-ray und DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von 3L Vertriebs GmbH & Co. KG zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Uno sceriffo extraterrestre – poco extra e molto terrestre
Land / Jahr: Italien / 1979
Genre: Komödie, Action
Darsteller: Bud Spencer: Sheriff, Cary Guffey: H7-25, Raimund Harmstorf: Captain Briggs, Joe Bugner: Brennan, Luigi Bonos: Allan, Riccardo Pizzuti: Soldat von Captain Briggs, Carlo Reali: Lt. Turner, Harold E. Finch: General der US Air Force u.a.
Regie: Michele Lupo
Drehbuch: Marcello Fondato, Francesco Scardamaglia
Produktion: Elio Scardamaglia, Leone Film Rom
Kamera: Franco di Giacomo
Musik: Guido & Maurizio De Angelis (Oliver Onions)
Schnitt: Eugenio Alabiso
FSK: 12

Blu-ray
Laufzeit: ca. 93 Min. + Bonus
Bildformat: Widescreen 1.85:1 (1080 p / 24)
Tonformat: DTS-HD Master Audio 2.0
Sprachen: Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch (bei italienischer Tonspur nicht ausblendbar)
Extras: Weltweit exklusiv: Die ungeschnittene, neu abgetastete u. restaurierte deutsche Kinofassung in 1080p HD (Ton DTS 2.0 Deutsch) ca. 94 Min., Deut. Original Kinotrailer (ca. 3 Min. / SD), US-Original-trailer (ca. 3 Min. / SD), Erweiterte Aus-hangbilder- u. Artworkgalerie, Bildvergleich SD / HD, Werbetafel mit allen bisher erhältl. 3L Spencer-Hill BDs