Der Iran Job: Sport und Annäherung der Kulturen

iran_coverDer amerikanische Basketballspieler Kevin Sheppard nimmt 2008 das Angebot an, in der Iranian Super League zu spielen: Er soll das neu gegründete blutjunge Team A.S. Shiraz in die Playoffs führen. Während die Spannungen zwischen dem Westen und dem Iran zunehmen und eine Eskalation absehbar scheint, versucht Kevin, zwischen Sport und Politik zu trennen. Er muss jedoch schnell feststellen, dass dies im Iran unmöglich ist: Er macht die Bekanntschaft dreier unabhängiger und selbstbewusster Iranerinnen, durch die Kevins Wohnung zu einem Ort offener Diskussionen über Politik, Religion und Geschlechterrollen wird. Kevins Saison im Iran gipfelt schließlich in etwas Größerem als Basketball: in der aufkommenden und anschließenden Unterdrückung der „grünen Revolution“ im Iran.

Film-Blog.tv meint:
Im Vordergrund stehen die Begegnung der Kulturen und der Umgang mit den Restriktionen. Der amerikanische Profisportler wandelt das Team, die Erfahrungen mit der iranischen Kultur und der Dialog mit den Menschen verändern ihn. „I realized it’s bigger than basketball“, fasst er seine Sicht zusammen.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt

Einspieler aus den CNN-Nachrichten dieser Zeit erinnern an die gegenseitigen Drohkulissen. Unter der strikten Führung von Mahmoud Ahmadinejad droht der Irak mit der Vernichtung Israels. Präsident George W. Bush und Hillary Clinton erwidern die Drohung und kündigen für diesen Fall einen vernichtenden Vergeltungsschlag an. Keine angenehme Atmosphäre für einen US-Amerikaner, der seinen Wirkungskreis in dieses Land verlegt.

iran_03

Kevin begegnet eine fremde Welt: eine fremde Sprache, eine fremde Schrift, und eine grundlegend andere Kultur. Sein Mitbewohner und Teamkollege stammt aus Serbien. Er erinnert sich an den Bunker, in dem er Schutz vor amerikanischen Luftangriffen suchte. Zwei ausländische Spieler je Team sind zugelassen. Deren Bezahlung ist doppelt so hoch wie die der nationalen Spieler: Geld soll die Angst kompensieren. Kevin ist nicht naiv. Er tritt an mit dem Vorsatz, Sport und Politik strikt zu trennen: „Politics is a very dangerous game, stay away“. Die Menschen begegnen ihm nicht feindselig, eine gegenseitige vorsichtige Neugier bestimmt die Annäherung. Während Sheppard das junge Team und die Popularität seines Sports im Iran kennenlernt, baut er sich mit Skype eine Verbindung zu seiner Freundin und die ihm vertraut Welt auf.

iran_04

Im Spiel begegnet dem Amerikaner ein ungewohntes Bild, die Zuschauer sind nach Geschlechtern getrennt. Während das Team und Kevin sich annähern, erinnert uns der Regisseur mit weiteren CNN-Einspielern an die fortgesetzte Drohkulisse, die der iranische Präsident aufbaut. Die Möglichkeit einer Eskalation schwebt greifbar über der vordergründig ruhigen Welt.

iran_02

In der Physiotherapie lernt Kevin eine junge Therapeutin kennen, die ihn und seinen serbischen Mitbewohner später mit zwei Freundinnen in deren Wohnung besuchen. Nach anfänglichem Zögern legen die Besucherinnen ihre Kopftücher ab. Ein mutiger Schritt im strikt islamisch geprägten Land. Frauen haben das Wahlrecht erfährt er, aber sehen sich vielfachen Restriktionen ausgesetzt.

iran_05

Die Regie blendet Obamas Rede zu seinem Amtseintritt ein, und die folgende Kairo-Rede, mit der er sich an die muslimische Welt richtet. Sie soll einen Neuanfang der Beziehungen markieren.

In Kevins weiteren Gesprächen mit den drei Frauen lernt er von zerbrochenen Träumen, dem väterlichen Verbot eine Schauspielkarriere zu beginnen. Die Besuche sind nicht ohne Risiko. Die Frauen verlassen das Haus durch einen Hintereingang, denn ihre Gesellschaft mit Männern würde nicht toleriert.

iran_01

Auch das Regime setzt neue Grenzen und verbietet Frauen generell, Sportveranstaltungen zu besuchen. Zwei Tage später wird dieses Verbot ohne Angabe von Gründen widerrufen.

Im Dialog mit den Frauen fragt der US-Bürger, ob sie erwägen das Land zu verlassen. Sie entgegnen bleiben zu wollen, um die Verhältnisse von innen zu ändern. Ihre Stärke und Offenheit zollt dem Athleten Respekt ab. Nicht zuletzt riskieren sie bei jeden Treffen mit den männlichen Spielern empfindliche Repressionen.

Bald darauf wird die junge Frau Nega Agha-Soltan als Unbeteiligte am Rand von Wahlkampfprotesten durch paramilitärische Regimeanhänger erschossen und so zum globalen Symbol des iranischen Protestes. Kevin Sheppard kehrt als veränderter Mensch in seine Heimat zurück. Die Perspektive wandelt sich. Nun spricht er über Skype mit seinen iranischen Freundinnen.

iran_06

Der verbindende sportliche Faden ist schnell erzählt. Der Profi aus den USA entwickelt das junge Team technisch weiter und bringt den Spielern bei, ihre Motivation und ihre Leistung konstant zu halten. Seine Erfolge führen A. S. Shiraz in die Playoffs, wo sie ausscheiden. Grafische Einblendungen erklären uns den Aufstieg und Fall des Teams.

Während mich die Machart an „Scripted reality“ denken ließ, an gespielte Szenen, die real wirken sollen, verrät das Begleitheft der DVD, dass Produzent Till Schauder vor Ort authentische Szenen gedreht hat. Dies geschah heimlich mit einer kompakten Kamera, die Aufnahmen musste er schmuggeln. Er hätte das Material nicht in die USA einführen dürfen. Damit sind die Personen und ihre Schicksale authentisch, und man darf anmerken, dass die Filmveröffentlichung die Sicherheit der drei porträtierten Frauen in erheblichem Maß gefährden dürfte. Denn die Aufnahmen dokumentieren mehrere und wiederholte Verstöße gegen dort geltendes Recht.

Der englischsprachige Film im Reportagestil erzählt aus der Ich-Perspektive. Dialoge in der Landessprache werden teils nicht übersetzt und unterstreichen das Gefühl der Fremde und Distanz für den Zuschauer. Die Verbindung in die Heimat USA beschränkt sich über die Bildtelefonie.

Als Afroamerikaner weiß der Hauptdarsteller um Diskriminierung, in einer weitgehend überwundenen Form. Im Iran begegnet ihm erneut die Ausgrenzung, hier nicht ethnisch bedingt, sondern aufgrund von Geschlechterrollen.

Der Film wird in englischer Originalsprache präsentiert. Man versteht sowohl Muttersprachler als auch die englischsprechenden Iraner gut. Die deutschen Untertitel lassen sich ausblenden.

Real Fiction / good!movies film präsentiert „Der Iran Job“ auf DVD und VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Neue Visionen Medien zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: The Iran Job
Land / Jahr: D, USA / 2012
Genre: Dokumentation
Darsteller: Kevin Sheppard u.a.
Regie: Till Schauder
Prozent(en): Sara Nodjoumi, Till Schauder
Drehbuch: Till Schauder
Kamera: Till Schauder
Ton: Adriam Baumeister
Schnitt: David Teague
Musik: Kareem Roustom

DVD
Laufzeit: ca. 91 Min. + Bounus
Bildformat: 16:9 (1,85:1)
Tonformat: Dolby Digital 2.0 / 5.1
Sprachen: Englisch
Untertitel: Deutsch
Bonus: Publikumsgespräch mit Till Schauder und Sara Nodjoumi, exklusive Bonusszenen, Booklet zum Film
FSK: 12

Webseite zum Film: Der Iran Job