Der Medicus: Bildgewaltiges Historienspektakel

medicus_coverEngland, 11. Jahrhundert: Rob Cole hat eine außergewöhnliche Gabe – als kleiner Junge fühlt er, dass seine kranke Mutter sterben wird, und muss hilflos zusehen, wie sich seine Vorahnung erfüllt. Auf sich allein gestellt, schließt er sich einem fahrenden Bader an, der ihm neben allerlei Taschenspielertricks auch die Grundlagen der mittelalterlichen Heilkunde nahebringt. Um seiner Bestimmung zu folgen, begibt Rob sich auf eine magische Reise ins persische Isfahan. Dort lässt er sich von dem berühmten Universalgelehrten Ibn Sina zum Medicus ausbilden.

Film-Blog.tv meint:
Der Bestseller von Noah Gordon wurde von einer deutschen Produktion unter Beteiligung der ARD verfilmt. Dennoch kann „Der Medicus“ durchaus mit internationalen Filmen mithalten. Optisch opulent, gehört er auf die große Leinwand. Der Handlungsstrang ist dafür ein wenig zu durchschaubar. Da wäre sicherlich mehr drin gewesen, zumal das Werk mit knapp zweieinhalb Stunden viel Zeit dafür bietet.

Europa im tiefsten Mittelalter. Von der Heilkunst der Antike geriet alles in Vergessenheit. Die Rolle der Ärzte übernahmen die Bader. Fahrende Marktschreier, deren medizinisches Können sich eigentlich auf’s Zähne ziehen und Aderlassen beschränkte. Der Rest war Quacksalberei.

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Rob Cole verlor als Heranwachsender seine Mutter an der „Seitenkrankheit“ – was nichts anderes als eine Blinddarmentzündung ist. Doch in einer Zeit, als – übrigens bei allen Religionen – Obduktionen als Gotteslästerung mit der Hinrichtung bestraft wurden, war an Operationen nicht zu denken. Selbst heute harmlose Krankheiten waren im 12. Jahrhundert das Todesurteil.

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Der junge Cole schließt sich einem Bader an, der ihn widerwillig aufnimmt und schließlich in seine Geheimnisse einführt. Als der Bader kurz vor dem Erblinden ist, rettet ihm eine Operation das Augenlicht. Durchgeführt wird diese von jüdischen Ärzten. Rob erfährt von ihnen, dass es weit im Morgenland einen Universalgelehrten Namens Ibn Sina gibt, der in seiner Universität die Heilkunst des Orients lehrt. Cole macht sich bald auf die Reise nach Isfahan.

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Auf der über ein Jahr andauernden Reise lernt er unterwegs die spanische Jüdin Rebecca kennen, die in Isfahan einen reichen jüdischen Kaufmann heiraten soll. Da im Orient Christen verfolgt, Juden aber geduldet waren, beschneidet sich Rob selbst um nicht aufzufallen.

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Am Ziel angekommen schafft es Cole, von Ibn Sina aufgenommen zu werden. In der Uni herrscht ein relativ polyglottes Klima, Moslems und Juden studieren friedlich gemeinsam. Doch die, für damalige Verhältnisse, weltoffene Haltung des Herrschers Shah Ala ad-Daula ist den Mullahs ein Dorn im Auge. Sie lassen keine Gelegenheit aus, gegen die jüdischen Mitbürger und den Shah zu hetzen …

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„Der Medicus“ ist ein bildgewaltiges Historienspektakel. Optisch opulent inszeniert, mit einer gehörigen Überdosis Herzschmerz soll der Film vor allem die weiblichen Zuschauer anlocken. Dass historische Tatsachen der Dramaturgie geopfert werden – dass die Pest von Ratten und Flöhen übertragen wird, fand Paul-Louis Simond erst 1899 und nicht Rob Cole im 11. Jahrhundert heraus – sei verziehen.

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Bild und Ton entsprechen dem aktuellen Stand der Technik. Auch bei Großprojektion gibt es keinen Grund zur Klage.

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UNIVERSAL PICTURES GERMANY GmbH© präsentiert „Der Medicus“ auf Blu-ray Disc™, DVD und als Download.
Das Rezensionsexemplar wurde von UNIVERSAL PICTURES GERMANY GmbH© zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Der Medicus
Land / Jahr: D / 2013
Genre: Drama, History
Darsteller: Tom Payne: Rob Cole, Emma Rigby: Rebecca, Stellan Skarsgård: Bader, Ben Kingsley: Ibn Sina, Olivier Martinez: Shah Ala ad-Daula, Elyas M’Barek: Karim, Fahri Yardım: Davout Hossein, Michael Marcus: Mirdin u. a.
Regie: Philipp Stölzl
Drehbuch: Jan Berger
Buchvorlage: Noah Gordon
Produktion: Wolf Bauer, Nico Hofmann
Kamera: Hagen Bogdanski
Musik: Ingo Ludwig Frenzel
Schnitt: Sven Budelmann

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 155 Min.
Bildformat: Full HD 16:9 (2,35:1)
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1 (D, GB), Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte DTS 2.0 (D)
Untertitel: D, D für Hörg.
Extras: Making-of „Der Medicus“, 13 Featurettes: Vom Buch zum Film • Die Produktion des Films • Am Set mit Tom Payne • Rob und der Bader • Rob und Rebecca: Eine Liebe über Grenzen hinaus • Weisheit des Orients: Ibn Sina • Rob, Karim und Mirdin: Drei Freunde aus unterschiedlichen Welten • Visual Effects: Die Erschaffung mittelalterlicher Welten • Bilder entstehen: Die Herausforderung der Kameraarbeit • Das Set-Design • Das Spezial-Make-up • Die Musik • Die Kostüme, Regisseur Philipp Stölzl im Gespräch mit Autor Noah Gordon: Über die Figuren • Über das Buch • Über Toleranz und Religionen, Original-Kinotrailer, die Premiere in Berlin
FSK: 12

Webseite zum Film: Der Medicus