Der Mörder des Klans: Deja-Vu 2015

moeder_coverNach einem Raubzug trifft sich die Hogan-Bande auf einer Ranch, um auf die Beute zu warten, die Hogans Freundin Daisy vorbeibringen soll. Plötzlich taucht auch noch ein mysteriöser Fremder namens John Webb auf, der ebenfalls einen Anteil haben möchte. Nachdem seine Familie vom Ku Klux Klan umgebracht wurde, sinnt er auf Rache. Doch zunächst bietet er Hogan und seiner Bande an, sie zur mexikanischen Grenze zu bringen. Es kommt zu einer großen Auseinandersetzung bei der es fast keine Überlebenden gibt …
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Film-Blog.tv meint:
Die Kritiken waren größtenteils durchwachsen, ins Kino kam „Der Mörder des Klans“ in Deutschland nie. Erst 1998 lief eine synchronisierte Fassung im deutschen Privat-TV. Und dennoch: Der Film hat einen prominenten Fan, der ihn sich offensichtlich ganz genau angeschaut hat. Knapp die erste Stunde von „Prega il morto e ammazza il vivo”, wie der Italo-Western im Original hieß, kann man getrost als Vorbild für “The Hateful 8” durchgehen lassen. Die nun vorliegende Blu-ray von Koch Media hat aus dem 45 Jahre alten Master das Bestmögliche herausgeholt: Auch bei Großprojektion ist das Bild sehr gut, am Ton gibt es ebenfalls wenig zu mäkeln. „Der Mörder des Klans“ ist für Fans von Tarantino sicherlich ein Muss, ebenfalls für Freunde des Italo-Westerns.

Die Blu-ray, die wir hier vorstellen, hat selbstverständlich eine deutsch synchronisierte Tonspur.

Wer „The Hateful 8“ gesehen hat, wird sich verwundert die Augen reiben: Alles schon mal da gewesen: In einer Blockhütte irgendwo im Nirgendwo treffen acht (sic!) Banditen und eine Gruppe Reisender in einer Postkutsche (na, schnackelt’s?) auf einen geheimnisvollen Fremden. Der kurz zuvor einen undurchsichtigen Schlepper kaltblütig gemeuchelt hat. Die bösen Buben um Dan Hogan (herrlich schräg, wie immer: Klaus Kinski) warten auf Daisy. Die ist die Mutti von Hogans kleinem Sohn und soll die Beute des Überfalls – ein paar Kisten mit Goldbarren – zur Schakal-Ranch bringen.

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Wie Frauen so sind, verspätet sich die Schöne gewaltig und die Jungs um Hogan werden unruhig. Was sich in der ersten Entladung von Gewalt auslebt. Leidtragende sind in erster Linie die Reisenden aus der Postkutsche, die eigentlich nur übernachten wollten. Es kommt zur Eskalation, die nächsten Leichen liegen herum. Hogan will mit der Beute schnellstmöglich nach Mexico. Und Webb bietet sich als Führer zur Grenze an. Als Honorar verlangt er die Hälfte des Goldes.

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Am nächsten Morgen macht sich die wenig illustre Reisegruppe auf den Weg durch die Wüste nach Süden. Bis jetzt sind gut zwei Drittel des Streifens vorbei, ebenso die Parallelen zu „Hateful 8“. Die Landschaft ist eintönig, etwas Farbe bringen die beiden Frauen in die Szene: Eine englische Lady, deren verarmter Adel sie zur Heirat mit einem amerikanischen Banker zwang und Santa. Hübsch, jung und die Enkelin des Ranch-Besitzers. Sie müssen als Geiseln mit reiten.

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Keiner der Gauner teilt gerne seine Beute. Und so kommt es, dass nicht nur das Misstrauen untereinander, in dem Maß zunimmt, in dem einer nach dem anderen ein unnatürliches Ende findet. Bis es zum Showdown zwischen Hogan und Webb kommt …

„Der Mörder des Klans“. Wem dieser dämliche Titel eingefallen ist, der sollte wegen Geschäftsschädigung fristlos vor die Tür gesetzt werden. Oder eine Nebenrolle im nächsten Tarantino-Western spielen dürfen. Ohne Platzpatronen … . „Prega il morto e ammazza il vivo” – Bete um den Tod und töte, was lebt – klingt jetzt zwar auch nicht viel intelligenter, ist aber zumindest mit dem Zeit-Couleur von 1971 entschuldigt. Aus heutiger Sicht sind es nicht nur die Psychospielchen im Drehbuch – die am Ende dann leider mit einem allzu schmalzigen Ritt ins Unendliche kolportiert werden – sondern auch die wirklich innovative Kameraführung. Wurde Robert Richardson für seine Kamera in „The Hateful 8“ sogar – und völlig zu Recht – für den Oscar nominiert, sieht man hier, wer ihn wahrscheinlich inspiriert hat. Manche Filme brauchen halt etwas Zeit und einen prominenten Fan, bis ihr Kultpotential erkannt wird. „Der Mörder des Klans“ gehört für mich dazu.

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Koch Media präsentiert „Der Mörder des Klans“ auf Blu-ray Disc™ und DVD. Das Rezensionsexemplar wurde von Koch Media zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Prega il morto e ammazza il vivo (Bete um den Tod und töte, was lebt)
Land / Jahr: Italien / 1971
Genre: Italo-Western
Darsteller: Klaus Kinski: Dan Hogan, Paolo Casella: John Webb / Paul Sullivan, Victoria Zinny: Elanor; Dino Strano: Reed / Dean Stratford; Dante Maggio: Jonathan / Dan May; Anna Zinnemann: Daisy; Adriana Giuffrè: Sandy; Aldo Barberito: Greene / Aldo Barber; Patrizia Adiutori: Santa; Goffredo Unger: Fred Skelton / Freddy Unger; Gianciacomo Elia: Dick / John Ely
Regie: Giuseppe Vari (als Joseph Warren)
Drehbuch: Drehbuch Adriano Bolzoni (als Mark Salter)
Produktion: Otello Cocchi
Kamera: Franco Villa
Schnitt: Giuseppe Vari
Musik: Mario Migliardi
FSK: 12

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 94 Min. zzgl. Bonus
Bildformat: 2.35:1 (16:9)
Tonformat: DTS-HD Master Audio 2.0
Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Trailer, Interviews mit den Kameramännern Franco Villa, Claudio Morabito und Filmhistoriker Fabio Melelli, Bildergalerie

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