Der Tatortreiniger 6: Bjarne Mädel wieder in Topform

Gewinnspiel_rotMord, Sadisten, dreckige Partys – wo es für andere übel endet, beginnt für den Tatortreiniger Schotty die Arbeit. Doch während die Flecken kommen und gehen, bleiben die großen Fragen des Lebens: Darf man als Tatortreiniger Angst vor einem Blasensprung haben? Was tun, wenn man einem unfähigen Clown den Selbstbewusstseins-Todesstoß versetzt? Wie sehen Selbstoptimierungs-Strategien für einen Tatortreiniger aus?

Film-Blog.tv meint:
Machen wir uns nichts vor: Drei Folgen sind untypisch wenig für eine Serienstaffel. „Der Tatortreiniger“ der Autorin Mizzi Meyer nimmt sich Zeit und vermittelt Qualität statt Masse; die Fans sind sich dessen bewusst.
Das Hamburger Kammerspiel führt den blutschrubbenden Alltagsphilosophen Heiko Schotte zunächst in die Unternehmensberatung Grimmehein-Consult. Der Anschein der Mitarbeiter-Wertschätzung, den der Chef vermittelt, stellt sich sehr schnell aus Fassade heraus. Er setzt seine Berater wie seine loyale Sekretärin erheblichem Psychoterror aus, indem er ihr Engagement und ihr Pflichtbewusstsein gegen sie einsetzt und unter anderem mit einer Zeitmessung der Toilettenbenutzung immanenten Gruppendruck erzeugt. Heiko Schotte widersteht der verquerten Logik des Beraters lange, tappt ihm in die Falle, als Grimmehein ihm suggeriert, das Schottys Chef Lausen die Performance seines Mitarbeiters bei Grimmehein-Consult messen lassen und danach über seine Weiterbeschäftigung entscheiden möchte. Damit treibt er Schotty in immer absurdere Aufgaben, bis dieser zufällig einen Weg findet, den Spieß umzudrehen und die Situation geradezurücken…

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Menschlicher wird es, als Tatortreiniger Heiko Schotte in einer weit abgelegenen Pension auf die hochschwangere Silke trifft. Die einsetzenden Wehen und ihr Blasensprung lassen Schotty panisch 112 wählen, doch die werdende Mutter lehnt dieses von ihr als patriarchalisch-übergriffig empfundene Verhalten ab und besteht vehement darauf, dass eine Hebamme eine Heimgeburt durchführt. Als Schotty ungläubig erfährt, dass die norddeutsche Frau ihren Sohn Özgür nennen möchte, entspannt sich eine angeregte Diskussion um Vorurteile, Träume und verdeckte Wünsche.

Bei einem Reinigungsjob im Kleinkunstverein trifft Schotty auf Steffen, der als Clown engagiert wurde. Steffen spielt seinem unfreiwilligen Zuschauer im Blaumann seinen Akt vor und bittet ihn um eine ehrliche Kritik „ohne Schleifchen“. Der geradlinige Schotty antwortet dann auch direkt: Die Nummer ist der letzte Mist und kein bisschen lustig. Aber darf sich Kunst nicht Freiheiten nehmen, fragt Steffen? Soll der Künstler nicht auch fordern? Muss er sich dem Publikumsgeschmack beugen? Schotty sagt „Nein“, vor allem, wenn der Künstler wie Steffen seinen Job aufgegeben hat und nun nicht einmal ein günstiges Mittagessen bezahlen kann. Steffen droht am geweckten Zweifel zu zerbrechen, doch das kann Schotty nicht zulassen. Er muss sich etwas einfallen lassen, um den eben demontierten Kleinkünstler wieder aufzurichten…

Die sechste Staffel schafft es, viele bewährte Erfolgselemente fortzuführen. Dazu gehören die Einstellungen: Eric Ferranti findet mit der Kamera erneut spannende Perspektiven außerhalb der Sehgewohnheiten, und trägt etwa in der Eingangssequenz der Folge „Sind Sie sicher?“ dazu bei, die Stimmung zu etablieren, in dem er das Gebäude des Consultingunternehmens anonym und beliebig, aber auch kafkaesk-labyrinthär zeigt. Die Verworrenheit, die seine Bilder zeigen, reflektieren die Prozesse im Unternehmen.
Der Motor der Serie sind natürlich weiter die Dialoge, und diese sind auf unverändert hohem Niveau. Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr: Die Autorin berichtet dem „Hamburger Abendblatt“ im Interviews, dass sie beim Schreiben die Silben zählt, um einen guten Rhythmus zu finden. Der so entspannt wirkende Charakter des Schotty wird von Bjarne Mädel präzise angelegt und authentisch mit Leben gefüllt.
Wer die bisherigen Staffeln schätzt, wird auch mit Ausgabe sechs zufrieden sein.

Bemerkenswerte Doku zeigt die realen Menschen hinter dem Beruf

Neben einer Trailershow erhalten die „Zusatzstoffe“, das Bonusmaterial, nur ein Element – und dies allein ist bereits ein Highlight der Serie. In der knapp einstündigen Dokumentation „Den Tod auf der Schippe – Die wahren Tatortreiniger“ erzählt Bjarne Mädel sensibel die Geschichte der wahren Tatortreiniger. Die Menschen, die diesen Beruf in Berlin, Los Angeles, Kapstadt und Mexiko City ausüben, berichten aus ihrer Arbeit und skizzieren die wahre Seite dieser Profession fernab des Rampenlichts, oft von der Gesellschaft mit großer Distanz betrachtet.

Mit Christian Heistermann aus Berlin kommt das Vorbild des Seriencharakters „Schotty“ zu Wort. Für ihn ist sein Beruf mehr mit dem Leben als mit dem Tod verbunden; er zeigt dies dem Zuschauer im Zusammenspiel mit einer Witwe, die nach dem Suizid ihres Partners mutig genug ist, die Begleitung des Doku-Teams zuzulassen. Während Heiko Schotte auf den Dialog aus ist, sieht sich Christian Heistermann als Zuhörer. Er weiß, dass seine Arbeit eine spirituelle Komponente trägt, eine „Bereinigung“ des letzten Weges ist und die Würde des Ortes wiederherstellt.

Auf der anderen Seite des Atlantiks, in Los Angeles, betreten Ethan Phearson und Lance Cole die „crime scene“, während die „first responders“ gehen. Die Kamera begleitet die beiden sensiblen Profis an ihrem Einsatzort, der durch den Mord einer siebenfachen Mutter mit einer Schusswaffe gezeichnet ist; der Täter, ihr Mann, erschoss sich danach selbst. Ethan sieht seine Aufgabe auch darin, die Angehörigen zu stützen, und wie sein Berliner Kollege möchte er die Würde des Ortes wiederherzustellen. Für ihn ist seine Arbeit ein wichtiger Teil der Trauerbewältigung, und seine Kunden sprechen im Interview darüber, wie hilfreich seine Leistung und sein Trost für sie sind. Auch Eric Rogers vom LAPD ist voll der Anerkennung für die Arbeit der beiden Tatortreiniger von der Westküste.

Dem Polizisten Mark Ross aus Kapstadt vom Forensic Pathology Service begegnete erst ein einziges Mal jemand, der den Beruf des Tatortreinigers ausübt: Es ist Petra van der Westhuizen, die vor der Tatortreinigung 25 Jahre lang wie er für die Polizei arbeitete. Für sie ist der Beruf seit jungen Jahren ein Traum, berichtet sie; es sei das Ergebnis, zu dem für sie Ziele. Spiritualität, Religion und auch der persönliche Dialog mit den Angehörigen gehören. Emotionen bei der Arbeit sind für sie fehl am Platz. Ihr 16-jähriger Sohn und ein Angestellter ihrer „Crime Scene Solutions“ begleiten sie bei der Arbeit, und ihr Sohn kann sich gut vorstellen, das Unternehmen eines Tages zu übernehmen.

In Mexiko City betritt Donovan Tavera im Anzug seinen Arbeitsort. Für den mittelamerikanischen Tatortreiniger ist dies ein Zeichen des Respekts und der Würde; Komponenten, die er an seinem Beruf für wichtig hält. Der zurückhaltend auftretende Mann beschreibt die Erfahrungen, die er mit den Angehörigen sammelt, als belastend.

Jeder der vorgestellten Tatortreiniger hat eigene Rituale; ist es bei Donovan Tavera Wagners „Tristan und Isolde“ bei der Arbeit, fährt Petra van der Westhuizen niemals ohne ihren beschützenden Teddy zum Einsatz. Für alle ist die Hygiene ein essentieller Bestandteil ihres Alltags geworden, bis zum Waschzwang, den Donovan Tavera beschreibt.

Das einfühlsame Portrait ehrt die wichtige Arbeit dieser Menschen in Deutschland, den USA, Mexiko und Südafrika. Es gelingt den Produzenten, den von vielen Menschen distanziert, teils angeekelt wahrgenommenen Beruf als wichtigen Beitrag für die Angehörigen zu vermitteln. Diese Reportage wertet die Zusammenstellung der sechsten Staffel sehenswert und bereichernd auf. Der Zuschauer sollte sich verdeutlichen, dass diese Handlungen real sind und das gezeigte Blut, anders als in Heiko Schottes fiktiver Welt, kein Theaterblut ist und keine gespielten Emotionen zum Einsatz kommen.

Ach ja, ein weiteres Extra kommt als Hardware in der Box. Die Fans haben ein Motiv gewählt, das nun in Form eines Aufklebers beiliegt: „We love Schotty“, postuliert der kleine Sticker, und nach Konsum der sechsten Staffel möchte man sich dieser Aussage erneut anschließen.

Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
1.) Nennt uns Eure Lieblingsfolge des Tatortreiniger! Schön wäre eine kurze Begründung.
2.) Wie habt Ihr zu www.film-blog.tv gefunden?
Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

1 x Blu-ray Disc™ „Der Tatortreiniger 6“

Schickt einfach eine Mail mit der, hoffentlich richtigen, Antwort und Eurer Adresse an gewinnspiel@film-blog.tv

Dazu habt ihr bis zum 15.12.2017 bis 24.00 Uhr Zeit.

Das Gewinnspiel wird von www.film-blog.tv veranstaltet, die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahre mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie von www.film-blog.tv
dürfen nicht mitmachen. Gehen mehr richtige Antworten ein, als Preise zur Verfügung stehen, lassen wir das Los entscheiden, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Teilnehmerdaten werden nur für die Zustellung eines eventuellen Gewinns bis zum Einsendeschluss gespeichert und anschließend vollständig gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

Studio Hamburg Enterprises präsentiert „Der Tatortreiniger 6“ ab 13. Oktober 2017 auf Blu-ray Disc™ und DVD.
Das Rezensions- und das Verlosungsexemplar wurden von Studio Hamburg Enterprises zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Der Tatortreiniger 6
Land / Jahr: Deutschland / 2017
Genre: TV-Serie, Thriller
FSK: 16

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 75 Min. + ca. 60 Min. Bonus
Bildformat: 16:9
Tonformat: DD 2.0 Stereo
Sprachen:Deutsch
Untertitel: Deutsch für Gehörlose
Extras: von Fans gewählter Sticker, Doku „Den Tod auf der Schippe – Die wahren Tatortreiniger“

Webseite zur Serie: Der Tatortreiniger