Dessau Dancers – Akrobatischer Schautanz

dessau_coverDer 18-jährige Frank ist wie elektrisiert, als er im Sommer 1985 im Kino zum ersten Mal den Film „Beatstreet“ sieht. Ab sofort hat er eine neue große Leidenschaft: Breakdance. Mit gleich gesinnten Freunden gründet er in Dessau die „Break Beaters“. Die Truppe tanzt auf der Straße und bildet bald die Speerspitze der Breakdance-Bewegung in der DDR. Doch schneller als es ihnen lieb ist, wird auch die Staatsmacht auf die Straßentänzer aufmerksam. Und die behält gern die Kontrolle über die Freizeitaktivitäten ihrer Jugend. Denn was die DDR nicht verbieten kann, versucht sie zu kontrollieren. So wird aus Breakdance „akrobatischer Schautanz“ und die „Break Beaters“ werden als Vorzeigetruppe aufgebaut, durch das Land geschickt und bald gefeiert wie Rockstars. Doch der Ruhm hat seinen Preis und Frank wird langsam bewusst, dass dieser ganz schön hoch ist.

Film-Blog.tv meint:
Für mich, den in München geborenen „Wessi“, ist es natürlich nicht möglich, die Relevanz von „Dessau Dancers“ zu beurteilen. Die „Ostalgie Komödie“ zeigt die DDR-Funktionäre, die Stasi und die VoPo für meinen Geschmack ein wenig zu harmlos. Fast schon ein wenig vertrottelt. Und damit letztendlich schon wieder sympathisch. Sicher: Eine historisch korrekte Aufarbeitung des DDR-Regimes sieht anders aus, will der Film auch gar nicht sein. Ein wenig Liebe, ein wenig Komödie, fetzige Rhythmen und viele akrobatische Tanzeinlagen. Verpackt in eine Coming of Age im „Real existierenden Sozialismus“-Geschichte. Dass „Dessau Dancers“ dennoch Spaß macht, liegt an den guten Leistungen der Darsteller, einem witzigen Twist am Ende und der liebevollen Darstellung einer Gesellschaft, die es im Mangel immer wieder geschafft hat, das beste aus der Situation zu machen.

Wir schreiben den Sommer des Jahres 1985 in der Industriestadt Dessau. Dort lebt der 18-jährige Frank, der versucht, ohne viel Ehrgeiz und bisher auch erfolglos, eine sozialistische Persönlichkeit zu entwickeln. Als er zusammen mit seinem Vater eines Abends Westfernsehen guckt, traut er seinen Augen kaum: Während sein Vater noch glaubt, der Fernseher sei aufgrund der abgehackt wirkenden, ruckartigen Bewegungen des auftretenden Tänzers defekt, ist Frank von Mr. Robot wie elektrisiert. Schon am nächsten Abend kauft er sich eine Karte für den amerikanischen Film „Beatstreet“, der auch in den DDR-Kinos zu sehen ist. Durch den Kinobesuch steigert sich Franks Begeisterung für den Breakdance noch weiter. Auf dem Rückweg kopieren er und sein bester Freund Alex vor einer spiegelnden Schaufensterscheibe sofort einige der soeben gesehenen Tanzbewegungen.

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Es folgen weitere Kinobesuche von „Beatstreet“, bei denen Frank und Alex auf Gleichgesinnte treffen. Zusammen mit der erfolgreichen Turnerin Martina, genannt Matti, in die sich die beiden Freunde prompt verlieben, und dem schon vor längerem vom Breakdance-Virus infizierten Michel treffen sie sich immer wieder zum Tanzen auf der Straße. Davon bekommt auch die örtliche Kommission für Unterhaltungskunst unter ihrem Vorsitzenden Meinhart Wind, die das so gänzlich unsozialistische, da aus den USA stammende, Treiben unterbinden will.

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So ist es nicht verwunderlich, dass die Volkspolizei während eines Tanzbattles mit einer anderen Crew plötzlich einschreitet und alle Tänzer verhaftet. Auf dem Polizeirevier gibt sich das Quartett jedoch äußerst schlagfertig und kann Polizei und Stasi davon überzeugen, dass es sich beim Breakdance eigentlich um eine Bewegung des Aufbegehrens der Armen und Benachteiligten in den USA handelt und damit durchaus antikapitalistische Züge in sich trägt. So kommen die Breakdancer erstmal frei. Franks Vater ist von den scheinbar kriminellen Aktivitäten seines Sohns alles andere als begeistert und es kommt zum Streit zwischen den beiden.

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Auch auf der nächsten Sitzung der „Kommission für Unterhaltungskunst“ ist der bei der Jugend immer populärer werdende Breakdance Thema. Es wird beschlossen, den „Breaktanz sozialistisch werden zu lassen“. So werden die „Break Beaters“, wie sich Frank, Alex, Matti und Michel mittlerweile nennen, aufgefordert, zu einem Einstufungstest vor einem entsprechenden Komitee vorzutanzen: Die vier Breakdancer treten vor den steifen Herren des Einstufungskomitees auf und performen so überzeugend, dass sie als Unterhaltungskünstler der obersten Kategorie anerkannt werden. Nun können sie das Tanzen, oder besser gesagt den „akrobatischen Schautanz“, wie der Breakdance offiziell in der DDR genannt wird, zu ihrem Beruf machen.

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Die Freude über diesen Erfolg lässt ihre Zweifel an der offensichtlichen Vereinnahmung durch die staatlichen Stellen in den Hintergrund treten. Mit dem Sporttrainer Hartmann Dietz bekommen sie sogar einen staatlichen Betreuer und künstlerischen Berater an die Seite gestellt. Und nun geht sie los, die sozialistisch gesteuerte Karriere der „Break Beaters“: In einem eigenen Bus touren sie quer durch die Jugendclubs der DDR und werden immer bekannter und berühmter. Bis zu tausend Besucher strömen zu ihren Darbietungen, sie geben Interviews und werden von Fans umlagert. Als Frank sich bei einem der ersten Auftritte den Fuß verstaucht, ist für ihn die Tournee jedoch schnell wieder beendet. So kann Alex Franks Abwesenheit ausnutzen, um Matti seine Liebe zu gestehen. Doch diese vertröstet ihn, da sie nach dem Ende ihrer letzten Beziehung noch nicht bereit ist.

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In der Zwischenzeit fällt dem verletzten Frank zu Hause die Decke auf den Kopf. Nach einer weiteren Auseinandersetzung mit seinem Vater, der mit Franks Breakdancer-Karriere alles andere als einverstanden ist, beschließt er, trotz verstauchtem Knöchel, wieder zu seinen Freunden zu fahren und jetzt erst recht mit ihnen weiter zu touren. Und so wird auch Frank von dem Rockstar-ähnlichen Leben, das die Breakdance-Crew mittlerweile führt, und den Privilegien, die sie genießt, überwältigt. Als er und Matti auch noch heimlich ein Paar werden, scheint das Glück perfekt.

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Doch der Preis, den die vier für ihren Ruhm zahlen müssen, ist hoch. Sie werden zu Marionetten des staatlichen Systems und deshalb von den anderen Breaker-Crews mittlerweile verachtet. Frank wird klar, dass er genau da gelandet ist, wo er eigentlich nie hinwollte und beschließt, auszusteigen. Als ihr Manager und Betreuer Hartmann ihnen einen Auftritt in der populären Fernsehunterhaltungsshow „Ein Kessel Buntes“ in Aussicht stellt, droht die Gruppe am Für und Wider dieses Schritts zu zerbrechen.

Nun spielt die Staatsmacht all ihre Muskeln, um die Truppe auf Kurs zu halten. Doch die „Break Beaters“ haben bereits ganz eigene Pläne…

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Wild Bunch Germany GmbH präsentiert „Dessau Dancers“ ab 30. Oktober 2015 auf DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von der Wild Bunch Germany GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Dessau Dancers
Land / Jahr: Deutschland / 2014
Genre: Komödie
Darsteller: Gordon Kämmerer: Frank Satzke, Sonja Gerhardt: Matti, Oliver Konietzny: Alex, Sebastian Jäger: Michel, Arved Birnbaum: Walter Satzke, Rainer Bock: Hartmann Dietz, Wolfgang Stumph: Meinhardt, Godehard Giese: Buchner, Hilmar Eichhorn: Liebert, Wolfgang Lippert: er selbst, Ramona Kunze-Libnow: Renate Fuchs, Bernd Stegemann: Rasche, Maximilian Wohlfahrt: Tim, Patrick Wudtke: Bastian u. a.
Regie: Jan Martin Scharf
Drehbuch: Ruth Toma
Story: Jan Martin Scharf, Janna Velber, Ruth Toma
Produzent(in): Janna Velber
Kamera: Felix Novo de Oliveira
Musik: Marc Collin
Schnitt: Martin Wolf

DVD
Laufzeit Kinofassung: ca. 87 min Min. + Bonus
Bildformat: 1:1,85 (16:9 anamorph)
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Trailershow, Wendecover
FSK: 0

Webseite zum Film: Dessau Dancers