Die (Hetz-)Jagd

die-jagd_cover „Kinder und Narren sagen die Wahrheit“ Immer?
Pädophilie und ihre Auswüchse sind alles andere als ein Kavaliersdelikt. Wer einigermaßen klar in der Birne ist, verurteilt jede Form von Gewalt an Kindern, erst Recht diese. Das ist eh klar. Aber wo sind die Grenzen? Als Kinder haben meine Schwester und ich es wirklich toll gefunden, mit Papa in der Badewanne zu planschen. Wenn das ein Vater heute macht, steht er mit einem Fuß im Gefängnis. Erst Recht der nette Freund der Familie, der mit seinem Patenkind „Hoppe Reiter“ spielt….

Film-Blog.tv meint:
Wenn ich überhaupt Kritik an diesem Film äußern kann, dann eigentlich nur am für meinen Geschmack etwas zu passiven Umgang von Lucas mit seiner Situation. Obwohl die Anschuldigungen schwer sind und seine Existenz Zug um Zug vernichtet wird, wehrt er sich zu keinem Zeitpunkt, z.B. indem er einen Anwalt oder Gegengutachter einschaltet.

Dass die Geschichte, die dem Film „Die Jagd“ zu Grunde liegt, nicht ganz an den Haaren herbeigezogen ist, musste ein Praktikant im Kindergarten unserer Kleinstadt vor ein paar Jahren am eigenen Leib erfahren. Weil er die Annäherungsversuche einer Erzieherin nicht erwiderte, streute sie das Gerücht, er sei wohl homosexuell und würde sich an den Kindern vergreifen. Die aufgebrachten Eltern und die örtliche Presse starteten damals eine schmutzige Kampagne, die dem jungen Mann heute noch anhängt. Obwohl die Angelegenheit recht zügig aufgeklärt wurde und er vollständig rehabilitiert wurde. Irgendwas bleibt halt immer hängen.

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Ähnlich ergeht es Lucas, hervorragend gespielt von Mads Mikkelsen. Ehrt introvertiert, ist er vom Glück nicht gerade verfolgt. Den Job als Lehrer verlor er, als die Schule geschlossen wurde. Er ist geschieden und leidet unter der Trennung von seinem 15 jährigen Sohn. Dennoch ist er in der Gemeinschaft der dänischen Kleinstadt voll akzeptiert. Grade als er sein Leben wieder langsam in den Griff bekommt – er arbeitet als Erzieher im Kindergarten, lernt eine nette Partnerin kennen und der Sohn will in wenigen Wochen zu ihm ziehen – geschieht das Unheilvolle.

Klara (5 Jahre), die Tochter seines besten Freundes, sieht auf dem IPad ihres pubertierenden Bruders ein paar Pornoszenen, die sie nicht verarbeiten kann. Am nächsten Tag bekommt sie einen Ehestreit ihrer Eltern mit. Sichtlich davon verwirrt, schenkt sie Lucas, den sie offensichtlich sehr gern mag und vertraut, ein Herz aus Bügelperlen und küsst ihn bei einer kleinen Rangelei mit anderen Kindern auf den Mund. Lucas weist die kleine Verehrerin freundlich, aber bestimmt, zurück. Klara ist davon so beleidigt, dass sie der Kindergartenleiterin erzählt, Lucas wäre ihr mit sexuellen Avancen näher gekommen.

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Was dann folgt, könnt Ihr Euch selbst ausmalen. Jeder der Erwachsenen tut nichts als seine Pflicht. Aus vagen Verdächtigungen werden Behauptungen. Und auch die zaghaften Versuche Klaras (grandios: Annika Wedderkopp), die Sache richtig zu stellen, können daran nichts ändern. Leise aber zielstrebig entwickelt sich ein Thriller, der keine Sekunde langweilig ist. Obwohl Regisseur Vinterberg die Geschichte eher ruhig erzählt, spannend bleibt es bis zum überraschenden Ende. Das teuflische daran: Der Zuschauer versteht zu jedem Zeitpunkt die Handlungen jeder Figur. Obwohl man es ja besser weiß. Irgendwie ist alles nachvollziehbar, jeder hat mit seinem Wissensstand irgendwo recht.

Mads Mikkelsen wurde für „Die Jagd“ bei den Filmfestspielen in Cannes 2012 mit dem Preis „Bester Darsteller“, der Film selbst mit dem „Preis der Ökumenischen Jury“ ausgezeichnet. Außerdem gewann der Film den „Europäischen Filmpreis“ für das beste Drehbuch und wurde in vier weiteren Kategorien nominiert. Für mich persönlich zählt „Die Jagd“ sicher in die Top Ten der besten Blu-ray / DVD-Veröffentlichungen des Jahres 2013.

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Darsteller: Mads Mikkelsen, Annika Wedderkopp, Thomas Bo Larsen, Susse Wold, Alexandra Rapaport, Anne Louise Hassing
Regisseur: Thomas Vinterberg
Format: Widescreen 2,35:1
Sprache: Dänisch (DTS-HD 5.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Universum Film GmbH
Produktionsjahr: 2012
Spieldauer: 115 Minuten (Blu-ray); 111 Minuten (DVD)
Extras: Interviews mit Mads Mikkelsen und Thomas Vinterberg, Outtakes, Trailer