Die Sprache des Herzens – Das Leben der Marie Heurtin: Sie wartet auf Worte

sprache_coverFrankreich, Ende des 19. Jahrhunderts: Marie wird von ihrem Vater in ein Kloster gebracht, weil er sich nicht zu helfen weiß, denn Marie kann weder hören noch sehen. Aber damit überfordert sie bald auch die Nonnen – bis auf Schwester Maguerite. Langsam nähert sie sich dem Mädchen und öffnet vorsichtig ein Fenster zu einer Welt, die Marie vorher verschlossen war. Doch Marguerite weiß, dass sie sich nicht ewig Zeit hat, um Marie auf ein selbstbestimmtes Leben vorzubereiten, denn sie ist krank …

Film-Blog.tv meint:
Wer beim deutschen Filmtitel zuerst eine Herz-Schmerz-Schmonzette ala “Rosamunde Pilcher” erwartet, wird sich nach den ersten Einstellungen verwundert die Augen reiben. Denn damit hat “Die Sprache des Herzens” so überhaupt nichts zu tun. Verfilmt wurde das Leben der tauben und blinden Marie Heurtin. Und das ist so eindrucksvoll, intensiv und persönlich gelungen, dass man jetzt schon von einem der Highlights des Jahres reden muss: Ganz großes Kino der Gefühle, völlig ohne jeden Kitsch, grundehrlich und poetitsch. Einfach wunderschön. Auch ohne “Happy End”. Oder grade deswegen.

Frankreich, Ende des 19. Jahrhunderts. Ein junges Mädchen und sein Vater sind auf einem Pferdefuhrwerk unterwegs, ihr Ziel ist das Institut Larnay in der Nähe von Poitiers. Dort angekommen hebt der Mann das Kind vom Wagen und bittet die Nonnen um Aufnahme für seine Tochter Marie. Doch kaum steht Marie auf ihren Beinen, reißt sie aus und klettert auf einen Baum. Die Mutter Oberin verweigert die Aufnahme des Mädchens. In Larnay ist man auf taube Kinder spezialisiert, nicht auf taubblinde, es ist nicht möglich, sich hinreichend um Marie zu kümmern. Der enttäuschte und verzweifelte Vater setzt Marie wieder auf das Fuhrwerk, es bleibt wohl nur die Unterbringung in einem Irrenhaus.

Schwester Marguerite hat die Begegnung mit Marie nachhaltig berührt. In ihrem Tagebuch schreibt sie: „Heute bin ich einer Seele begegnet (…) Einer Seele, die durch die Gitter ihres Gefängnisses wie tausend Lichter strahlte (…).“ Wie kann sie mit dem Mädchen, das in einer Welt der Dunkelheit und der Stille eingeschlossen ist, kommunizieren? Diese Frage lässt die junge Nonne nicht mehr los. Mit verbundenen Augen und Stöpseln in den Ohren macht sie Selbstexperimente, wie es ist, sich in totaler Dunkelheit und Abgeschiedenheit zu orientieren. In langen Verhandlungen ringt sie der Mutter Oberin schließlich doch die Erlaubnis ab, sich um Marie kümmern zu dürfen. Trotz ihres fragilen Gesundheitszustands, denn ihre Lungen sind schwach, jede Anstrengung könnte fatal sein.

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Zu Fuß macht sie sich auf den Weg, um Marie bei ihren Eltern abzuholen. Es wird ein Kampf – das Mädchen wehrt sich mit Händen und Füßen, nur mit Hilfe eines Lederriemens, mit dem es an Marguerite festgebunden wird, ist es zum Mitkommen zu bewegen. Die Mutter überreicht der Nonne Maries Lieblingsgegenstand: ein Taschenmesser. Die ersten Wochen in Larnay sind eine Geduldsprobe für Marguerite und ein Kampf für alle Beteiligten. Anziehen, waschen, kämmen, essen – alles lehnt Marie wütend ab und bringt das geordnete Klosterleben gehörig durcheinander. Nach vier Monaten hat Marie noch keine Fortschritte gemacht. Sie benimmt sich nach wie vor wie ein wildes Tier, zeigt keinerlei Interesse, etwas zu lernen. Positive Resonanz weckt nur ihr Taschenmesser. Einen Monat später hat sich ihr Zustand sogar verschlechtert.

Marguerite zweifelt an ihrem Vorhaben und steht kurz davor, aufzugeben. Von Anfang an hat sie versucht, Gegenstände für Marie mit Zeichen zu verbinden, aber das Kind scheint nichts zu verstehen. Es dauert fast ein halbes Jahr, ehe sich Marie kämmen, baden und einkleiden lässt. Stolz befühlt sie ihre neuen, sauberen Kleider. Sie lässt sich sogar Schuhe anziehen.

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Stück für Stück fasst sie Vertrauen. Mit Hilfe ihres geliebten Taschenmessers gelingt schließlich der Durchbruch: Nach vielen Versuchen und Rückschlägen versteht Marie das Zeichen für Messer, das Marguerite immer wieder mit Maries übereinander gelegten Fingern symbolisiert: Schneiden. Jetzt ist Maries Wissensdurst geweckt: Brot, Gabel, Karotte, Apfel und vieles mehr lernt sie mit ihren Fingern zu symbolisieren.

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„Eine Explosion der Sprache“, notiert die die Lehrerin über ihre wissbegierige Schülerin ungefähr ein Jahr nach deren Ankunft. Marie will alles erkunden, verstehen. Das erste Wort war schwer, jetzt lernt sie Adjektive, Grammatik, sogar abstrakte Begriffe. Maries Eltern kommen zu Besuch und finden eine veränderte Tochter vor, die stolz ihr Wissen präsentiert. Zum ersten Mal überhaupt können die glücklichen Eltern mit ihrem geliebten Kind kommunizieren – mit einfachen Zeichen.

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Als die ältere Schwester Elisabeth stirbt, lernt Marie zu verstehen, was Sterben heißt. Marguerite bereitet sie darauf vor, dass sie ebenfalls bald sterben wird. Die Nonne erklärt ihr das Gottesprinzip – ein wichtiger Schritt, denn sie lebt schließlich in einem Kloster, und der Erfolg ihrer Arbeit wird auch an Maries Frömmigkeit gemessen. Als Marguerites Gesundheitszustand sich weiter verschlechtert, ist Marie an ihrer Seite …

Das Bild der Blu-ray ist, auch bei Großprojektion, scharf und sehr detailliert. Der Ton kommt wunderbar räumlich aus dem Surroundsystem. Die Stimmung vermittelt viel Atmosphäre.

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Concorde Home Entertainment GmbH präsentiert „Die Sprache des Herzens“ ab dem 21. Mai 2015 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Concorde Home Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Marie Heurtin
Land / Jahr: Frankreich / 2013
Genre: Drama
Darsteller: Isabelle Carré: Schwester Marguerite, Ariana Rivoire: Marie Heurtin, Brigitte Catillon: Mutter Oberin, Noémie Churlet : Schwester Raphaëlle, Gilles Treton : Monsieur Heurtin Laure Duthilleul: Madame Heurtin u.a.
Regie: Jean-Pierre Améris
Drehbuch: Jean-Pierre Améris, Philippe Blasband
Produktion: Denis Carot, Sophie Révil
Kamera: Virginie Saint-Martin
Schnitt: Anne Souriau
Musik: Sonia Wieder-Atherton
FSK: 6

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 95 Min. zzgl. Bonus
Bildformat: 1080p High Definition 1,85:1 (16:9)
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte (ausblendbar)
Extras: Deutscher und Original-Trailer, Programmtipps, Wendecover

Webseite zum Film: Die Sprache des Herzens