Die Toten von Hameln: Auf den tödlichen Spuren der Vergangenheit

hameln_coverChorleiterin Johanna Bischoff fährt mit ihren Mädchen zu einem Konzert in ihre Heimatstadt Hameln. Da verschwinden bei einer Wanderung vier der Teenagerinnen und der Organist David in einer Höhle des Ith – jenem sagenumwobenen Berg, in den vor rund 750 Jahren der Rattenfänger die Kinder geführt haben soll. Johanna bittet ihren Ex-Freund, inzwischen Polizeirevierleiter der Stadt, um Hilfe. Eine fieberhafte Suche nach den Verschollenen beginnt. Johanna erkennt, dass das Rätsel um die Vermissten untrennbar mit ihrem eigenen tragischen Familiengeheimnis verbunden ist.

Film-Blog.tv meint:
In loser Anlehnung an die Rattenfängersage entfaltet sich eine spannende Geschichte rund um Traumata, Schuld und Tod. Im Zentrum steht eine in der Kindheit traumatisierte Chorleiterin, in deren Familie dunkle Geheimnisse verdrängt werden. Ein Unglück bei einer Chorfahrt reißt alte Wunden auf. „Die Toten von Hameln“ ist eine weitere Fernsehproduktion, die durch ein stimmiges Buch und überzeugendes Schauspiel überzeugt. Die malerische Kulisse der Rattenfängerstadt und der umgebenden Natur bereichern den sehenswerten Film. Sehr gute Unterhaltung!

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Der titelgebende Tod ist allgegenwärtig: bereits in der Eingangssequenz stirbt jemand, eine Gedenktafel erinnert an Tote zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Und eine Schülerin filmt, um für die Ewigkeit festzuhalten: „Damit der Tod seine Bedrohung verliert“. Sogar die Wässerung von Nieren erinnert an das blutige Sterben. Und mit all dem hatte der Hauptdarsteller Tod noch nicht einmal seinen großen Auftritt in der Handlung…

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Chorleiterin Johanna Bischoff fährt mit ihrer Klasse zu einem Auftritt. Der Weg führt in ihre Heimatstadt Hameln, und sie ist unruhig. Wiederkehrende Visionen eines sterbenden Mannes aus ihrer Kindheit lassen sie nicht los. Und auch ihr Vater, den sie dort besucht, ist angespannt. Bei einer Wanderung der Chorgemeinschaft auf der Ith verschwinden Schüler. Auf dem Berg, in den der Sage nach der Rattenfänger vor rund 700 Jahren Kinder geführt haben soll. Die anfängliche Beunruhigung weicht Panik, und die schnell angesetzte Suchaktion führt zu keinen Ergebnissen. Weder die Polizei unter der Leitung ihres Ex-Freundes Jan Faber, noch die Höhenrettung der Feuerwehr und des THW kommen weiter.

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Da erreicht Johanna ein abgehackter Anruf. „Sie sind alle tot!“, ruft eine der vermissten Schülerinnen in einem abgehackten Telefonat, dann bricht die Verbindung ab. Ihren Aufenthaltsort konnte sie nicht mehr nennen, und das Telefon lässt sich nicht orten.
Als Johanna eine Idee hat, an welchem Ort sich die Vermissten aufhalten könnten, öffnen sich Tore zur Vergangenheit. Tore, die für immer geschlossen bleiben sollten.

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Verrat, Massenmord, und jemand, der umgebracht wird, weil er Tote suchen will und dabei andere Ermordete finden könnte: das Buch von Annette und Christiane Hess ist nicht eben schüchtern, wenn es um menschlich Abgründe geht. Dennoch ist der Film als Psychodrama angelegt und feiert keine Gewaltexzesse. Was das Gewalterleben mit Menschen tut, wie Individuen ein Leben lang mit unscharfer Schuld umgehen und von ihr behrrscht werden; wie sich das Verdrängen frühkindlicher Traumata auswirkt und wie Menschen die Kontrolle entgleitet: das sind Themen, die die 2013er Produktion wirkungsvoll aufgreift.

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„Beim Anblick des Berg Ith fragt man sich zwangsläufig, ob die Rattenfänger-Sage ein Märchen ist – oder ob hier tatsächlich die 130 Kinder der Stadt Hameln verschwunden sind. Und ob deren Gebeine vielleicht heute noch im Berg zu finden sind. Aus dieser beklemmenden Frage entwickelten wir die Idee für ‚Die Toten von Hameln‘.“ sagt Autorin Annette Hess.

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Und entwarf zusammen mit Christiane Hess nicht wenige Handlungsfäden und Charaktere, die die Produktion früh eröffnet. Dass sich viele Aspekte erst am Ende auflösen und zusammenfließen, hält den Spannungsbogen bis zum Schluß konstant. Bis zum allerletzten Moment bleibt die Dramatik bestehen und lädt ein, den Film konzentriert anzusehen. Er verdient es.

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Studio Hamburg Enterprises GmbH präsentiert „Die Toten von Hameln“ auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio Hamburg Enterprises GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Die Toten von Hameln
Land / Jahr: Deutschland / 2013
Genre: Thriller
Darsteller: Johanna Bischoff: Julia Koschitz; Jan Faber: Bjarne Mädel; Dr. Georg Bischoff: Matthias Habich; Dr. Charlotte Bischoff: Ruth Reinecke; David Fernandez: Hannes Wegener; Franzi Meyer: Luise Befort; Ilka Peters: Lilli Fichtner; Lina Brennecke: Camille Dombrowsky; Marie Bellheim: Zita Aretz; Mareike Tauber: Charley Ann Schmutzler; Frau Grupe: Margot Gödrös; Heinz Sewening: Jörg Pose; Beate Lange: Annedore Kleist; Costa Albaretti: Stephan Grossmann; und andere
Regie: Christian von Castelberg
Drehbuch: Annette Hess und Christiane Hess
Produzenten: Prof. Regina Ziegler, Marc Müller-Kaldenberg
Kamera: Eeva Fleig
Schnitt: Clemens Grulich
Ton: Marcus Bock
Musik: Ralf Wienrich
FSK: 12

DVD
Laufzeit: ca. 88 Min.
Bildformat: 16:9
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Sprachen: Deutsch
Extras: Hörfilmfassung

Webseite zum Film: Die Toten von Hameln