Eddie The Eagle – Alles ist möglich: Dabei sein ist alles!

eddie_coverInspiriert von wahren Ereignissen erzählt „Eddie The Eagle“ die Geschichte über Michael „Eddie“ Edwards, einen ungewöhnlichen aber überaus mutigen britischen Skispringer, der niemals aufhört, an sich selbst zu glauben – obwohl eine ganze Nation ihn bereits als Versager abgestempelt hat. Mit Hilfe eines rebellischen und charismatischen Trainers überwindet er alle Hürden und erobert durch seine legendäre Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in Calgary (1988) die Herzen der Fans auf der ganzen Welt.

Film-Blog.tv meint:
Obwohl ich mich nie besonders für die Olympischen Spiele, schon gar nicht im Winter und Skispringen, interessiert habe: „Eddie The Eagle“ ist mir, zumindest vom Namen her, ein Begriff. Auch heute noch. Fast 30 Jahre nach dessen großen – und einmaligen (wörtlich!) – Auftritt in Calgary. Aber deswegen gleich einen Film drüber machen? Ich gebe zu: Meine Erwartungen waren nicht all zu hoch. Bis mir dann unser Kollege Chris Kurbjuhn davon vorschwärmte. Und auf die Tipps von Chris kann man sich immer verlassen. So auch hier. Auch wenn es das Drehbuch nicht allzu genau mit der wahren Geschichte nimmt, der Streifen macht Spaß. Von der ersten Minute an. Bis zur letzten …

Der kleine Michael „Eddie“ Edwards ist nicht grade das, was man als sportlich bezeichnen kann: Sehr weitsichtig, dicke Brille und weiche Knie. Weshalb er auch ein ganzes Jahr im Krankenhaus verbringen und eine Spezialschiene tragen muss. Um die Zeit zu vertreiben, bekommt er ein Buch über die Olympischen Spiele 1972. Womit niemand gerechnet hat: Eddie entwickelt fortan einen großen Ehrgeiz, das unmögliche Ziel zu erreichen. Er will zu Olympia.

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Sein Pech: „Luftanhalten in der Badewanne“ ist keine Sportart, schon gar nicht olympisch. Seine sportlichen Leistungen in den Disziplinen Speerwurf, Stabhochsprung und Gewichtheben erinnern dabei aber eher an Slapstick als an einen künftigen Goldmedaillengewinner. Er ist schon so weit aufzugeben und zusammen mit seinem Vater als Verputzer zu arbeiten. Bis er, ironischer Weise am ersten Arbeitstag, gegenüber der Baustelle eine Sommer-Skianlage sieht. Jetzt ist ihm klar: Er will zu den Winterspielen.

Er bringt sich selbst das alpine Skifahren bei. Nach ersten Rutschversuchen sehen seine Schwünge gar nicht so übel aus. Wenngleich er auch meilenweit vom Können seiner Vorbilder Pirmin Zurbriggen, Peter Müller oder Franck Piccard entfernt ist, die als Poster in seinem Zimmer hängen. In den englischen Olympiakader schafft er es jedenfalls nicht. Wer Google bemüht, wird herausfinden, dass der Brite Martin Bell es 1988 in Calgary immerhin auf den 8. Platz geschafft hat …

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Durch Zufall erfährt Eddie, dass er beim Skifliegen der einzige englische Teilnehmer wäre. Da das britische OK nicht mit Teilnehmern in dieser Disziplin gerechnet hatte, war die Anforderung zur Olympia-Qualifikation im Bereich des Machbaren.

Eddie holte also seine Alpin-Ski vom Dachboden und machte sich auf die Reise nach Garmisch, um das Skifliegen zu erlernen. Nach anfänglichen Problemen – vor allem die Mitglieder der norwegischen Teams zeigten sich als extrem unsportlich – schaffte es Eddie mit seiner Hartnäckigkeit den ehemaligen Skiflugstar – und jetzt, ständig besoffenen, Pistenbullifahrer – Bronson Peary als Trainer zu bekommen. Der hat zwar viel Arbeit vor sich, schafft es dann aber doch irgendwie, dass Eddie die, nachträglich hochgesetzte, Qualifikationsweite von 61 Metern springt. Der Weg zu Olympia ist frei!

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Die anderen Sportler, auch aus dem eigenen Team, begegnen Eddie sehr distanziert, er wird aktiv gemobbt. Sie haben in ihren Disziplinen hart gearbeitet, um in Calgary dabei zu sein. Eddie ist für sie nur ein Clown, der den Sport ins Lächerliche zieht. Die Funktionäre schließen ihn sogar vom gemeinsamen Abend-Diner mit dem eigenen Team aus. Dass er auch noch zum absoluten Liebling der Medien und des Publikums wird, vergrößert die Kluft zusätzlich. Hilft ihm aber auch bei der Akzeptanz bei den Verantwortlichen, die auf Sponsorengelder und positive PR angewiesen sind.
Erstaunlicherweise ist es ausgerechnet der Finne Matti Nykänen, Olympiasieger, der den Ehrgeiz und die Ernsthaftigkeit von Eddies Ambitionen erkennt und ihm Mut zuspricht.

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Das Ende der Geschichte ist bekannt, da gibt es nichts zu spoilern: Eddie The Eagle springt sogar noch von der 90-Meter-Schanze. Er wird zwar letzter, doch reichen seine Leistungen, den englischen Olympiarekord im Skifliegen aufzustellen und bis heute zu halten. Was sicher auch (oder vor allem) an der fehlenden Konkurrenz in dieser Disziplin liegt …

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„Eddie The Eagle – Alles ist möglich“ ist ein wenig rührselig. Die „Du schaffst es, wenn Du nur wirklich willst“-Stimmung wird übertrieben. Das „Allein gegen den Rest der Welt“ ist viel zu dick aufgetragen. Und dennoch: Es ist ein schöner, sehr menschlicher „Feelgood-Film“ für die ganze Familie.
Taron Egerton und Hugh Jackman machen ihre Sache gut. Wer Egerton in „The Kingsmen“ gesehen hat, wird sich über die Wandelbarkeit des britischen Schauspielers freuen. Christopher Walken bekommt am Ende seinen Kurzauftritt, der arg übertrieben schmalzig rüberkommt. Was am Drehbuch liegt, denn Walken macht das Beste draus. Ach ja, „unsere“ Iris Berben darf auch mitspielen. Sie erledigt das routiniert. Leider hat der Regisseur  ihre Auftritte in „Sketch Up“ nicht gesehen. Denn dann hätte er etwas mehr Vertrauen in ihr komödiantisches Talent gehabt – sie kommt arg mütterlich rüber. Da hilft auch ihre plumpe und unrealistische Anmache in der Einführungsszene der Figur nicht weiter. Schade, hier wurde einiges Potenzial verschenkt.

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Ganze Arbeit hat George Richmond an der Kamera geleistet. Seine Bilder, der hervorragende Ton (auch in der deutschen Synchro) und die Leistungen von Egerton und Jackman sind es, die das, zweitweise übertriebene, Pathos des Drehbuchs ausgleichen. Und letztendlich einen launigen und sehenswerten Film aus der Story machen.

20th Century Fox Home Entertainment GmbH präsentiert „Eddie The Eagle – Alles ist möglich“ ab dem 08. September 2016 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von 20th Century Fox Home Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Eddie The Eagle
Land / Jahr: Vereinigtes Königreich, Deutschland, USA / 2016
Genre: Biopic, Kommödie
Darsteller: Taron Egerton: Eddie „The Eagle“ Edwards (erwachsen), Tom Costello Jr.: Eddie (als 10järiger), Jack Costello (II): Eddie (als 15järiger), Hugh Jackman: Bronson Peary, Keith Allen: Terry Edwards, Jo Hartley: Janette Edwards, Iris Berben: Petra, Christopher Walken: Warren Sharp, Dustin Target: Tim McInnerny, Ania Sowinski: Carrie, Daniel Ings: Zach, Edvin Endre: Matti Nykänen, Mads Sjogard Pettersen: Erik Moberg: Marc Benjamin: Lars Holbin, Graham Fletcher-Cook: Appleby, Mark Benton: Richmond, Rune Temte: Bjørn, norwegischer Coach, Dickon Tolson: Arzt, Jim Broadbent: Sportkommentator u. a.
Regie: Dexter Fletcher
Drehbuch: Sean Macaulay, Simon Kelton
Romanvorlage: „Eddie The Eagle“ von Simon Kelton
Produktion: Matthew Vaughn, Adam Bohling, David Reid, Rupert Maconick, Valerie van Galder
Kamera: George Richmond
Schnitt: Martin Walsh
Musik: Matthew Margeson
FSK: 0

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 106 Min. zzgl. Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (2,39:1)
Tonformat: Englisch DTS HD Master Audio 7.1, Deutsch DTS 5.1
Untertitel: Englisch, Deutsch, u.a.
Extras: Lasst die Spiele beginnen: Fliegen mit Eddie the Eagle; Alles oder nichts: Das Herz eines Helden; Eine ungleiche Freundschaft: Eddie & Peary; Die Skisprünge und wie sie gefilmt wurden; Bildergalerie; Original Kinotrailer, Wendecover

Webseite zum Film: Eddie The Eagle – Alles ist möglich