Einer nach dem Anderen: Weiß wie Schnee, Rot wie Blut

Gewinnspiel_rotenda_coverNils räumt so akribisch Schnee, dass er dafür zum Bürger des Jahres gewählt wird. Doch schon kurz darauf verkehren sich die Vorzeichen von Nils‘ Ordnungsliebe: Als sein Sohn zufällig Opfer einer fatalen Verwechslung der Mafia wird, gerät der beste Bürger in einen ausschweifenden Drogenkrieg. Nils will seinen Sohn rächen und bringt einen Auftragskiller nach dem nächsten so akribisch um wie er einst seine Mitbürger von unerwünschten Schneemassen befreit hatte. Doch je mehr Gangster er aus der Welt schafft, desto verwundbarer wird das System.
Bandenführer Papa, der mit der Drogenmafia auf Kriegsfuß steht, wittert neue Chancen, die ungeliebten Konkurrenten ein für allemal aus dem Weg zu räumen. Es entspinnt sich ein kaum zu entwirrender, aber dafür umso komischerer Drogenkrieg, in dessen Zentrum Nils noch für so manche Überraschung sorgt.

Film-Blog.tv meint:
Skandinavischer Humor ist etwas besonderes, und hier macht auch Hans Petter Molands schwarze Komödie „Einer nach dem anderen“ keine Ausnahme. Stellan Skarsgård als Schneepflugfahrer Nils auf seinem Rachefeldzug gegen die Drogenmafia enthält herrliche Situationskomik in Szene, Gestik und Wort. Die schrägen Charaktere schaffen es, die sehr blutige Handlung in eine herrliche Parodie auf Gangster- und Rächerfilme zu lenken. Wer trockenen Humor und Satire schätzt und sich dabei an szenischer Gewalt nicht stört, wird hier auf seine Kosten kommen. Skandinavienfans nehmen die Kulisse als satten Bonus mit.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Nils Dickman ist Stoiker. Mit dem Schneepflug zieht er seine Bahnen, Tag für Tag. Der wortkarge Einwanderer aus Schweden wird in seinem norwegischen Dorf zum Bürger des Jahres gewählt, Senterpartiet (die Zentrumspartei) mit ihren agrarischen Wurzeln will ihn anwerben. Doch Nils will keine Politik, er will Ruhe, Klarheit und Ordnung. Seine strukturierte Welt wird jedoch jäh zerbrochen, als sein Sohn Ingvar aufgrund einer Verwechslung von der Drogenmafia umgebracht wird. Die Mörder lassen es nach einer Überdosis aussehen, doch anders als seine Frau und die Polizei glaubt Nils nicht daran, dass sein Sohn Drogen konsumierte.

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Als er sich in der Werkstatt einen Gewehrlauf in den Mund steckt, wird er auf Finn aufmerksam, der sich dort versteckt. Der Freund seines Sohnes bestätigt ihm, dass Ingvar irrtümlich in die Fänge der Verbrecher geriet. Und er nennt Nils eine Spur zur Bande: Jappe. Den spürt Nils auf, schlägt ihn nieder und erwürgt ihn kurzerhand. Jedoch nicht, ohne ihm zuvor den nächsten Namen eines der Mörder entlockt zu haben, Ronaldo. Auch der stirbt kurz nach der Begegnung mit dem kräftig gebauten Vater auf Rachefeldzug. Nachdem Nils mit seinem Schneepflug das Auto Strikes rammt, der dritte Verbrecher entlang der Spur zum Mord, schlägt er ihn nieder und erschießt ihn. Hier verläuft sich die Spur zu weiteren Tätern; doch nun entwickelt sich eine eigene Dynamik im Milieu: der „Graf“, Chef der Drogenmafia, führt das Verschwinden seiner drei Mitarbeiter auf die konkurrierenden Serben zurück, mit denen er die Routen und den Markt aufgeteilt hat. In der nun beginnenden Fehde stirbt „einer nach dem anderen“, und auch der ruhig voranpreschende Nils ist wieder im mörderischen Geschäft…

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Wenn die Kamera zu Beginn auf Nils fährt, der mit seinem Mach3 ruhige Bahnen durch den Rasierschaum zieht, nimmt sie die gleichförmige Tätigkeit des Schneepflugfahrers vorweg. Regisseur Hans Petter Moland lässt seinen Hauptdarsteller in dessen Tätigkeit erfüllt aufgehen, der wortkarge Mann ruht ganz in sich. Das Buch nutzt die Falllhöhe, wenn mit dem unerwarteten Tod seines Sohnes Trauer und Emotion in sein vorhersehbares Leben einbrechen. Die Krimikomödie profitiert von seiner satten Portion Situationskomik, die in bester skandinavischer Manier trocken vorgetragen wird. Der Einwanderer aus Schweden wird in Norwegen für die Integration gelobt: das ist wie ein Deutscher in Österreich oder umgekehrt… Und schon „Dickman“ ist ein Nachname, der vor und hinter dem Bildschirm amüsiert.

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Die Art, wie die Tötung durch Nils inszeniert wird und auch seine Methode der Entsorgung von Gemeuchelten geht mit einem Augenzwinkern einher. Die kontrastierenden Morde duch Gangster werden hingegen häufig nur sehr flüchtig angedeutet. Das Dahinscheiden bleibt dem Zuschauer jedoch nie verborgen, denn schwarze Texttafeln, gestaltet wie Traueranzeigen, nennen den Namen des Gemeuchelten, mit dessen Symbol für die Religionszugehörigkeit. Schnell häufen sich die Einblendungen: Jappe, Ronaldo, Strike, versenkt im Wasser; der „Chinese“, ein dänischer Auftragskiller japanischer Abstammung; Nils‘ Bruder Egil, „Wingman“, die Gangster Junior und Svela; Sveiung, Hausmeister an Runes Schule, Finn Heimdahl — bald erwischt’s so ziemlich jeden, und Regisseur Hans Petter Moland macht sich einen großen Spaß aus der Frequenz. Gegen Filmende muss er neun „Traueranzeigen“ gleichzeitig auf dem Bildschirm unterbringen.

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Zum wortkargen Nils, der nur spricht, wenn er unbedingt muss, setzt das Buch von Kim Fupz Aakeson Gegenpole; etwa im veganen Drogenboss, der sich selbstverliebt gerne reden hört, mit Vorliebe über biologische Lebensmittel, oder in Killern, die tarantino-esque ausufernde Dialoge zum Beispiel über den Zusammenhang von kaltem Klima und Wohlfahrtslesitungen bringen. Und sich im Falle der serbischen Gang über die Norweger wundern, die sich, wie im Falle der Gangstergröße „der Graf“, das Sorgerecht teilen, und die Hinterlassenschaften ihrer Hunde aufheben. Merkwürdige Menschen, kommentieren die Südosteuropäer das Geschehen im Norden.

Daneben gefällt, dass nicht nur in der Art des Humors, sondern auch szenisch viel Norwegen gezeigt wird: Massenweise Schnee, klares Design in der Inneneinrichtung, große Weiten und… noch mehr Schnee.

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Die Originalsprache ist besonders reizvoll, macht es dem deutschen Zuschauer jedoch nicht leicht. Dialekte („ikje“), Gangster, die im Sterben röchelnd reden und ein Mafiaboss, der seine Verwünschungen und verbalen Attacken im Stakkato vorträgt. Auch sonst wird gerne genuschelt und die Umgangssprache bemüht. Nils und seine Frau sprechen Schwedisch, die Frau des Grafen, Marit, ist Dänin. Die deutschen Untertitel lassen sich in der Orginalfassung nicht ausblenden, ich hätte sie aber auch nicht missen wollen. Der weiße Text erscheint leider häufig kontrastarm vor hellem Hintergrund (wenig überraschend: viel Schnee). Bruno Ganz als rivalisierender Clanboss „Papa“ ist Serbe, und spricht wohl serbisch, teils Englisch, manchmal auch Deutsch. Auch hier werden die Untertitel wichtig für das Verständnis der Dialoge.

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Peters Angeberecke: Der Originaltitel „Kraftidioten“ bedeutet auf Deutsch wörtlich übrigens „Der Kraftidiot“, nicht „(Die) Kraftidioten“. Ein angehängtes -en ist im Norwegischen der bestimmte Artikel für männliche Substantive, der auch für weibliche Substantive verwendet werden kann. Sinngemäß bedeutet das soviel wie „Vollidiot“. Originell ist auch der Titel dieser Produktion für den englischsprachigen Raum: „In Order of Disappearance“, „In der Reihenfolge des Abtretens“.

Das Bild ist brillant, und inszeniert die skandinavische Klarheit in den schneebedeckten Außendrehs ebenso wie beim einfangen des klaren skandinavischen Designs in der Inneneinrichtung. Nachtszenen sind für den Beleuchter kein Problem, hier gelingen klare Vordergründe bei satten Schwarzwerten. Der Ton ist gut balanciert, das Verhältnis der Dialoge zu den präsenten Effekten ausgewogen.

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Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
1.) Nennt uns Euren Lieblingsfilm mit Bruno Ganz! Schön wäre eine kurze Begründung, warum Euch ausgerechnet dieser Film so gut gefällt.
2.) Wie habt Ihr zu www.film-blog.tv gefunden?
Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

1 x Blu-ray „Einer nach dem anderen“

Schickt einfach eine Mail mit der, hoffentlich richtigen, Antwort und Eurer Adresse an gewinnspiel@film-blog.tv

Dazu habt ihr bis zum 15.05.2015 bis 24.00 Uhr Zeit.

Das Gewinnspiel wird von www.film-blog.tv veranstaltet, die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahre mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie von www.film-blog.tv
dürfen nicht mitmachen. Gehen mehr richtige Antworten ein, als Preise zur Verfügung stehen, lassen wir das Los entscheiden, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Teilnehmerdaten werden nur für die Zustellung eines eventuellen Gewinns bis zum Einsendeschluss gespeichert und anschließend vollständig gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

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Neue Visionen Medien / good!movies präsentiert „Einer nach dem anderen“ ab dem 24. April 2015 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensions- und das Verlosungsexemplar wurden von Neue Visionen Medien / good!movies zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Karftidioten
Land / Jahr: Norwegen/Schweden/Dänemark / 2014
Genre: Komödie
Darsteller: Stellan Skarsgård als Nils; Bruno Ganz als Papa; Birgitte Hjort Sørensen; Kristofer Hivju als Strike; Jakob Oftebro als Aron Horowitz; Pål Sverre Valheim Hagen als Greven; Tobias Santelmann als Finn; Sergej Trifunovic als Nebojsa; Anders Baasmo Christiansen als Geir; Stig Henrik Hoff als Polizist; Goran Navojec als Stojan; Atle Antonsen als Reddersen u. a.
Regie: Hans Petter Moland
Drehbuch: Kim Fupz Aakeson
Produzenten: Finn Gjerdrum, Stein B Kvae, Peter Garde
Kamera: Philip Øgaard
Schnitt: Jens Christian Fodstad
Musik: Brian Batz, Kaspar Kaae, Kåre Vestrheim
FSK: 16

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 117 Min.+ Bonus
Bildformat:2,39:1 / 16:9 – 1080 / 24p HD
Tonformat: Dolby Digital 2.0/5.1
Sprachen: Deutsch, Norwegisch
Untertitel: Deutsch (in der norwegischen Version nicht ausblendbar)
Extras:Trailer, Wendecover

Webseite zum Film: Einer nach dem anderen