Episodes 2: Oberflächlich, verlogen, erfolgreich

episodes2_coverVier Monate nachdem der Pilotfilm zu “Pucks!” vielversprechend angelaufen ist, wurde die erste Staffel der Serie produziert. Die Ehe der Erfolgsautoren Beverly und Sean liegt wegen Beverlys Affäre mit Hauptdarsteller Matt LeBlanc allerdings in Trümmern. Als die Sitcom schließlich auf Sendung geht, sind die Drei gezwungen, wieder zusammenzuarbeiten. Der anfängliche Erfolg von „Pucks!“ bricht schnell ein, weil ein Konkurrenzsender zeitgleich die außerordentlich beliebte Serie „Talking Dog“ zeigt. Ausgerechnet eine von den Produktionen, die Studioboss Merc Lapidus zuvor abgelehnt hatte. Um die Quote zu verbessern soll Matt LeBlanc einen ehemaligen „Friends“-Kollegen für einen Gastauftritt gewinnen, erhält aber nur Absagen. Jeder Beteiligte scheint auf seine Art mit den einbrechenden Quoten umzugehen: Beverly versucht die Ehe mit Sean zu retten, Matt gewinnt das Vertrauen von Sean und Beverly zurück, Sean schläft mit einer attraktiven Darstellerin der Serie, Carol trifft sich weiterhin mit Merc, während Matt eine Affäre mit Mercs Frau Jamie hat. Wie soll es weitergehen? Wie wird das TV-Network auf Mercs Pleite reagieren? Und warum haben scheinbar alle noch einen Draht zu den alten „Friends“ außer „Joey“?

Film-Blog.tv meint:
Wenn im Opener einer jeden Episode eine Taube abgeschossen wird, die aus Drehbuchseiten gebildet in den Himmel steigt, dann symbolisiert das auch den Inhalt der zweiten „Episodes“-Staffel sehr gut: Die Serie zeigt augenzwinkernd, wie sich die Medienschaffenden in Hollywood gegenseitig demontieren. Eitelkeit, Betrügereien, Seitensprünge und eine mächtige Verlogenheit bestimmen die Produktion der TV-Serie „Pucks!“, und dank des cleveren Buchs von David Crane und Jeffrey Klarik geschieht dies für uns höchst unterhaltsam. „Episodes“ profitiert zudem vom gesamten Ensemble, das eine hohe Spielfreude mitbringt. Vor allem Tamsin Greig als Beverly Lincoln und Stephen Mangan als ihr Mann spielen die trockenen Briten im Sumpf von Hollywood sehr amüsant; Matt LeBlanc schafft es, sein strahlendes Serien-Alter Ego als herrlichen Gegenpol daneben zu platzieren. Dank der flotten Schreibe und des herrlichen Schauspiels macht „Episodes“ vor allem im „Binge watching“ großen Spaß — mit einer größeren Zahl von Episoden in Folge.


(Die DVD von Studio Hamburg Enterprises hat natürlich eine deutsch synchronisierte Tonspur)

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Merc Lapidus liebt seine Show „Pucks!“. Der Präsident des Senders sieht das Format damit deutlich anders als die Kritiker und die Zuschauer, und der ausbleibende Erfolg beim Publikum setzt die Produzenten unter Druck. Das britische Autorenehepaar Beverly und Sean Lincoln belastet noch ein ganz anderes Problem: Nach einem Seitensprung zwischen Beverly und dem Hauptdarsteller Matt LeBlanc orientieren sich beide mehr oder weniger halbherzig in andere Richtungen. Und dann passieren ausgerechnet an der sensibelsten Stelle des Produktionskosmos Unglücke: dem Aussehen der Darsteller. Matts Gewichtszunahme wird kritisch beäugt, und Hauptdarstellerin Morning Randolph sieht sich mit den Folgen einer nicht optimalen kosmetischen Operation konfrontiert. Währenddessen läuft „Talking Dog“ „Pucks!“ den Rang ab; die Show um einen sprechenden Hund lehnte Merc ab, als ihm das Konzept vorgestellt wurde. Nun punktet damit die Konkurrenz, während die „Pucks!“-Quote in den Keller rauscht. Als sein Chef Elliot Salad aus dem Vorstand eigens aus New York einfliegt, um einige Dinge geradezurücken, rollen Köpfe. Aber manch einer, der wichtige Akteure feuert, ist sich nicht bewusst, dass er selbst gerade seine Stellung verloren hat…

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Nachdem die Charaktere in der ersten Staffel etabliert wurden, fällt der Einstieg in „Episodes“-Staffel 2 leicht. Das Ensemble bleibt gegenüber dem Vorgänger nahezu unverändert, und das ist gut so; denn die kulturellen Unterschiede zwischen dem britischen Autorenpaar Beverly und Sean Lincoln und den us-amerikanischen Medienproduzenten treiben die Handlung unverändert humorvoll an. Doch gegenüber der Premierenstaffel steht Season 2 unter veränderten Vorzeichen. Die Beziehung der Erfolgsautoren liegt auf Eis, nachdem Beverly in der ersten Staffel mit Hauptdarsteller Matt LeBlanc im Bett landete. In der nun offenen Beziehung des Ehepaars ist die Gelegenheit für Affären in Hollywood nicht weit. Es schläft zwar nicht jeder mit jedem, aber so mancher mit vielen. Und so ändert Sean seinen Beziehungsstatus bei Facebook auf „It’s complicated“. Dabei sehen die Akteure ihre Seitensprünge locker: „You fucked my wife!“, erinnert Autor Sean seinen Hauptdarsteller Matt an die Ursache der zerrütteten Ehe. „Five months ago!“ relativiert der „Pucks“-Star die Tragweite des Ereignisses. Mit zwei geschenkten Sportwagen für Sean und Bev meint er ohnehin längst, den kleinen Zwischenfall aus der Welt geschaffen zu haben,

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Neben dem szenischen Humor und ausdrucksstarker Mimik insbesondere von Stephen Mangan als Sean Lincoln besticht der Dialogwitz und sein Vortrag. Etwa in einer Szene, in der Sean eine Nacht mit der gutaussehenden Morning verbracht hat: „Should we talk aout what happenend?“; „I had fun“; „Me too. That’s all?“…

Als er am nächsten Morgen am Set gutgelaunt davon berichtet, wie erfüllend es sei, einen lange gehegten Traum Realität werden zu sehen, der im Wirklichkeit werden fast genauso sei wie lange erträumt, und die dann folgende Erkenntis über die faktische Bedeutungslosigkeit des Realitätswerdens, das Zurückbleiben der Wirklichkeit hinter der Illusion das tatsächlich Erhebende sei, fassen seine Kollegen das Geschehene pointierter zusammen: „You got laid“, „Du wurdest flachgelegt“. Zwei Sichten auf ein Phänomen, und ein Beispiel für den Zusammenprall der Kulturen, den „Episodes“ unterhaltsam in Szene setzt.

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Während Tiefe nicht die Sache der Menschen in David Cranes und Jeffrey Klariks Hollywood ist, spielt der Körperkult eine umso größere Rolle. Die „Episodes“-Autoren spielen mit der Eitelkeit; beim vermeintlich übergewichtigen Matt LeBlob wird das Essen wie eine Alkoholabhängigkeit dargestellt, und die misslungene plastische Operation der „Pucks!“-Hauptdarstellerin Morning kommt einem Weltuntergang gleich.

Die Falschheit, die im Serienverlauf immer wieder eine hervorgehobene Rolle spielt, kumuliert sehenswert bei einem Charity-Event mit 10.000$ Reservierungsgebühr pro Tisch: Während Merc Lapidus bei seiner Rede Attribute wie Familie und Freundschaft für die Zusammenarbeit in der Produktionsfirma findet, packen zur gleichen Zeit Angestellte die persönlichen Gegenstände in seinem Büro in Kisten. Angeordnet von seinem Chef Elliot Salad, mit dem er sich gerade herzlich umarmte und ihn als Freund bezeichnete. Merc, der herzliche Mensch, der während der Beerdigung seines eigenen Vaters telefoniert, weil es geschäftlich wichtig ist…

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Bild und Ton der Staffel aus 2012 stellen sich einwandfrei dar; auch technisch kann sich die DVD-Box sehen lassen. Extras werden nicht mitgeliefert, der Inhalt beschränkt sich auf neun Episoden im englischen Original und in deutscher Synchro. Untertitel werden nicht angeboten. Normalhörige mit Englischkenntnissen brauchen sie auch in der Originalversion nicht, die Dialoge sind klar artikuliert und abgemischt.

Studio Hamburg Enterprises präsentiert „Episodes 2“ ab 11. September 2015 auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Studio Hamburg Enterprises zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Episodes 2
Land / Jahr: USA, UK / 2012
Genre: Comedy
Darsteller: Matt LeBlanc als Matt LeBlanc, Tamsin Greig als Beverly Lincoln, Stephen Mangan als Sean Lincoln, John Pankow als Merc Lapidus, Kathleen Rose Perkins als Carol Rance, Mircea Monroe als Morning Randolph, Genevieve O’Reilly als Jamie Lapidus, Joseph May als Andy Button, Daisy Haggard als Myra Licht u. a.
Regie: James Griffiths
Drehbuch: David Crane, Jeffrey Klarik
Produzenten: David Crane, Jeffrey Klarik
Kamera: Rob Kitzmann
Schnitt: Nigel Williams
Musik: Mark Thomas
FSK: 12

DVD
Laufzeit: ca. 270 Min.
Bildformat: 16:9 – 1.77:1
Tonformat: Dolby Digital 2.0 Stereo
Sprachen:Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Extras: keine