Episodes: „No one’s here to have fun!“

episodes_coverSean und Beverly sind glücklich verheiratet und Drehbuchautoren einer erfolgreichen britischen Sitcom. Alles scheint perfekt. Doch dann erhalten sie von Merc Lapidus, Boss eines amerikanischen TV-Networks, das Angebot, ihre Show für das amerikanische Fernsehen neu aufzulegen und nach LA zu ziehen. Er verspricht Sean und Beverly natürlich auch, dass nichts an ihrem Konzept verändert wird. Voller Tatendrang finden sich die beiden in Hollywood wieder. Doch schon beim Casting gibt es die ersten Schwierigkeiten. Lapidus findet den eigentlich vorgesehenen Hauptdarsteller zu “britisch” und möchte diesen ersetzen – durch Matt LeBlanc! Sean und Beverly sind entsetzt: Für die Rolle ihres weisen und eloquenten Direktors einer Elite-Schule will das Studio ausgerechnet ‘Joey’?!
Episodes gewährt einen Blick hinter die Kulissen der irrsinnigen Hollywood-Maschinerie. Sie werden sich TV Shows nie wieder auf die gleiche Art und Weise ansehen.

Film-Blog.tv meint:
Die 2011 von David Crane und Jeffrey Klarik gestartete Serie „Episodes“ persifliert selbstironisch die TV-Industrie. Sean und Beverly, die Macher der britischen Erfolgsserie „Lyman’s Boys“, lassen sich nach Hollywood locken, um dort ein Remake ihres Formats zu produzieren. Sie finden sich in einem Geflecht aus Unzuverlässigkeit, Überheblichkeit und Intrigen wieder, die zunächst ihre Show und schon bald ihre stabile Beziehung zu ruinieren drohen. Die Soap über eine Sitcom profitiert von einem amüsanten Buch und dem schönen Timing seiner Hauptdarsteller. Dank dieser Elemente läuft die Serie in Großbritannien und den USA sehr erfolgreich, Staffel 5 wurde beauftragt. Matt LeBlanc erhielt für seine Rolle, in der er sich selbst spielt, den Golden Globe-Award. Wer pfiffige Soaps und Humor mit gutem Timing schätzt, kommt mit dieser britisch/us-amerikanischen Produktion auf seine Kosten.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Sean und Beverly Lincoln produzieren eine erfolgreiche britische Sitcom, die erneut mit dem begehrten BAFTA-Award ausgezeichnet wird. Auf der Verleihung spricht sie der amerikanische Medienmann Merc Lapidus begeistert an: er sei ein Riesenfan von „Lyman’s Boys“. Wirklich? Ja, so sehr, dass er „Liebe damit machen möchte“. Er möchte das erfolgreiche Format unbedingt in Hollywood nachproduzieren, und wer anders als die beiden Erfinder könnte das für ihn tun? Sean und Beverly zögern. Es läuft zuhause fantastisch, aber… Hollywood! Sie wagen den Sprung in die für sie neue Welt und werden dort von einer herrlichen Villa empfangen. Die Säulen stellen sich zwar als federleichte Requisite heraus, und die traumhaft schöne Wanne mit bodenebenem Einstieg ist auch nach Minuten noch nicht annähernd gefüllt, aber hey — Hollywood!

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Im Studio angekommen stellen sie überrascht fest, dass Merc ihre Show, von der er so enthusiastisch sprach, noch nie gesehen hat. Und dass die bewährte Besetzung der Hauptrolle neu diskutiert wird: der etablierte Darsteller Julian muss nach vier Jahren erfolgreicher Besetzung für seine eigene Rolle in das Auditioning. Bei dem er durchfällt, mit dem lapidaren Urteil „too English“. Auch sein Sprachwechsel in perfektes amerikanisches Englisch überzeugt die neuen Entscheider nicht. Sean und Beverly sind schockiert, als sie ihren Freund und Hauptdarsteller entlassen müsssen, und noch mehr, als ihnen der Ersatz präsentiert wird: Matt LeBlanc, „Joey“ aus „Friends“, soll den wichtigen Part der Show übernehmen. Und wird dann gleich einmal Hockey-Coach anstelle des Headmasters einer Boarding School, während der Serientitel schnell noch zu „Pucks!“ geändert wird.

Es ist nicht nur die fehlende Kontrolle über ihr eigenes Produkt, die Sean und Bev herausfordert; Hollywoods Intrigen und Täuschungen sowie das allgegenwärtige Misstrauen färben auf die geradlinigen Briten ab, und ruinieren nicht nur das soziale Leben, sondern gefährden auch ernsthaft ihre lange Beziehung…

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Der Titel „Episodes“ ist doppeldeutig: er steht gleichermaßen für „Episoden“ im Sinne von Folgen als auch für Auffälligkeiten oder Zwischenfälle. Und diese begegnen dem britischen Produzentenpaar jenseits des Atlantiks zuhauf. Dabei fokussiert „Episodes“ weniger auf die vorhandenen kulturellen Unterschiede, als auf die Verlogenheit Hollywoods und die Menschen hinter unserem täglichen Medienkonsum. Wallace, der Pförtner ihrer elitären Wohnanlage in L. A., kennt sie nicht, und dies täglich erneut. Die Säulen in ihrer Villa sind Fake, und die luxuriöse Badewanne sieht gut aus, ist aber ausgesprochen unpraktisch konstruiert. „Episodes“ lässt den Humor oft aus Stille entstehen, und dem Anhalten von Momenten. Der romantische Augenblick im Bad des neuen Zuhauses, zu dem sich die Wanne im Zeitlupentempo füllt und die Nachricht, dass Matt LeBlanc der Hauptdarsteller des Remakes wird: wenn die Kamera auf den schweigenden Hauptdarstellern Tamsin Greig und Stephen Mangan verharrt, wirkt die Komik besonders stark. Ein Mitarbeiter, der auf Nachfrage seine Meinung sagt, wird von Merc fristlos gefeuert. Die Kamera bleibt etwa eine Minute bei ihm, als er sein Macbook herunterfährt („Goodbye!“), seine Papiere in die Tasche steckt und seine Stifte einsammelt. Seans Pointen funktionieren im Setting der Seriencharaktere meist nicht, unterhalten den Zuschauer aber um so mehr. Und auch Tamsin Greig beherrscht als Beverly den trockenen Humor sicher. Etwa nach einem Seitensprung: „I have to say I have a vague sense I am a terrible, terrible person.“; „In general or because of this?“; „Because of this.“. Das Timing ist bestens. Auch in der Retoure: „What are you gonna do? Unf*ck me?“. Szenischer Humor geht hier ebenfalls: die Schlägerei, die Sean danach anzettelt, hat hohen komödiantischen Wert.

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Wie die Säulen im neuen Wohnzimmer ist auch das Verhalten der neuen Kollegen „Fake“. Die Begeisterung der Menschen in der Produktionsfirma ist aufgesetzt, und die erratischen Entscheidungen ihres Chefs Merc führen zu gekünstelter Begeisterung bei seinen Mitarbeitern. Wie auch dessen Enthusiasmus für die britische Show, die er noch nicht einmal gesehen hat, und die nur aufgrund des renommierten BAFTA-Awards seine Aufmerksamkeit fand.

„Episodes“ erzählt, wie Sean und Beverly aufgrund dieser Oberflächlichkeit in einer neue, unvertraute Umgebung wechseln und begleitet sie bei Überraschungen, Enttäuschungen und dem einen ider anderen Schock. Klassische Soap-Elemente reichern die Erzählung an. Sean freundet sich mit Matt LeBlanc an, den seine Frau nicht ausstehen kann. Und auch zu Morning, Darstellerin der weiblichen Hauptrolle, entwickelt er eine Nähe, die seiner Ehe nicht besonders guttut.

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Die Serie von David Crane und Jeffrey Klarik lässt mehr schmunzeln als laut auflachen, und entwickelt die Handlung in einem eher moderaten Tempo; dies jedoch erfolgreich. Die Umsetzung gelingt Regisseur James Griffiths und seinem Cast sympathisch.

Seit 2011 schlägt sie sich in den USA auf Showtime und in Großbritannien auf BBC Two recht erfolgreich. Die Produktion einer fünften Staffel wurde bereits beschlossen. Matt LeBlanc gewann für die Darstellung seiner selbst den Golden Globe Award als „Best Actor – Television Series Musical or Comedy“ und wurde für drei Primetime Emmy Awards nominiert („Outstanding Lead Actor in a Comedy Series“). variety.com titelte 2011, dass die Serie in 186 Länder verkauft wurde.

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Die Bildqualität geht für eine TV-Produktion in Ordnung, eine High End-Umsetzung ist hier nicht zu erwarten. Die Tonspuren sind gut und klar aufgenommen und abgemischt. Die englischsprachige Originalfassung erschließt sich auch deutschen Ohren leicht.

Im etwa 18 Minuten laufenden „Making of“ sprechen die Produzenten über die Idee und Umsetzung der Serie.

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Studio Hamburg Enterprises präsentiert „Episodes“ ab 26. Juni 2015 auf DVD. Das Rezensionsexemplar wurde von Studio Hamburg Enterprises zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Episodes
Land / Jahr: USA, UK / 2011
Genre: Comedy
Darsteller: Matt LeBlanc als Matt LeBlanc, Tamsin Greig als Beverly Lincoln, Stephen Mangan als Sean Lincoln, John Pankow als Merc Lapidus, Kathleen Rose Perkins als Carol Rance, Mircea Monroe als Morning Randolph, Genevieve O’Reilly als Jamie Lapidus, Joseph May als Andy Button, Daisy Haggard als Myra Licht, Oliver Kieran-Jones als Andrew Lesley, Fiona Glascott als Diane, Demetri Goritsas als Regisseur, Eros Vlahos als „Pucks!“-Boy, Lou Hirsch als Wallace, Richard Griffiths als Julian Bullard u. a.
Regie: James Griffiths
Drehbuch: David Crane, Jeffrey Klarik
Produzenten: David Crane, Jeffrey Klarik
Kamera: Rob Kitzmann
Schnitt: Nigel Williams
Musik: Mark Thomas
FSK: 12

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 210 Min.(7 x 30 Min.) + Bonus
Bildformat: 16:9 – 1.77:1
Tonformat: Dolby Digital 2.0 Stereo
Sprachen:Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Extras: Making of (ca. 18 Min.)

Webseite zum Film: Episodes