Erbarmen: Endstation Sonderdezernat „Q“

erbarmen_coverNach einem gescheiterten Einsatz wird Carl Mørck in die neu gegründete Sonderabteilung Q abgeschoben. Sein Auftrag ist klar: Er darf nicht mehr selbst ermitteln, sondern soll ungelöste Fälle möglichst schnell und geräuschlos zum Abschluss bringen. Doch es dauert nur wenige Tage, bis seine Sturheit ihn und seinen Assistenten Assad auf die Spur von Merete Lynggaard führt. Die bekannte Politikerin ist vor Jahren auf mysteriöse Weise von einer Passagierfähre verschwunden. Und der einzige Zeuge, ihr Bruder, ist nicht vernehmungsfähig.
Der Fall wurde als wahrscheinlicher Selbstmord zu den Akten gelegt, doch Carl und Assad finden Hinweise, die sie an dieser Version zweifeln lassen. Trotz anders lautender Anweisungen nehmen sie eigene Ermittlungen auf, tauchen in die Tiefen von Merete Lynggaards Vergangenheit ein – und beginnen langsam aber sicher zu verstehen, dass das Böse manchmal nur auf den richtigen Zeitpunkt wartet, bis es sich voller Grausamkeit und Horror in ein Leben drängt…

Film-Blog.tv meint:
Es ist ein guter Film, spannend bis zum Schluss. Für den ganz großen Wurf reicht es nach meiner Meinung dennoch nicht. Denn, den von seinen Kollegen missverstandenen, Kommissar, dem nur sein Assistent – der natürlich Migrationshintergrund hat und deshalb auch ein Außenseiter ist – als einsame Wölfe gegen die Ignoranz des Beamtenapparats – natürlich präsentiert von einem aalglatten Karrierefiesling – kämpfen zu lassen, hat man schon zu oft gesehen. Ebenso dessen verständnisvollen Vorgesetzten, der ihm zunächst den Rücken frei hält, sich dann den Sachzwängen beugt, ihn fallen lässt und am Ende dann doch unterstützt.

Ein Krimi wie das Land, aus dem er kommt: Nordisch, klar und doch hintersinnig. In der Tradition der skandinavischen Thriller herrscht eine eher düstere Grundstimmung, der Ermittler ist nicht unbedingt ein Sympathieträger. Aber man spürt, dass hinter seiner unnahbaren Fassade die Sturheit letztendlich zu seinem größten Trumpf wird.
„Kvinden i buret“, so der dänische Originaltitel, heißt wörtlich übersetzt „Die Frau im Käfig“ und passt damit deutlich besser als der deutsche Titel „Erbarmen“.

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Die Kollegen haben es nicht leicht mit Carl Mørck. Er ist stur, egozentrisch, rechthaberisch. Als Teamplayer kann man ihn wirklich nicht bezeichnen. Bei einem Einsatz, den er zu verantworten hat, werden er und zwei seiner Kollegen in einen Hinterhalt gelockt und angeschossen. Einer, sein bester Freund, überlebt schwer verletzt, wird den Rest seines Lebens vom Kopf abwärts gelähmt bleiben. Mørck ist nach langer Reha wieder einsatzfähig. Glaubt er. Denn dessen Vorgesetzter will das Risiko, ihn mit Waffe im Außeneinsatz ermitteln zu lassen, nicht eingehen. Auch die anderen Polizisten wollen nicht mehr mit Carl zusammen arbeiten.

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Um ihn irgendwie zu beschäftigen, wird kurzerhand „Dezernat Q“ ins Leben gerufen. Im Keller der Behörde schlummern Aktenregale voller ungeklärter Fälle. Mørck soll sie endgültig abschließen. Im Klartext: Einschlafen lassen und archivieren. Als Assistent soll ihm Assad dabei eher Gesellschaft leisten als bei der Aufklärung helfen.

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Doch man hat die Sturheit von Mørck dabei außer acht gelassen. Denn schon nach ein paar Tagen fällt ihm die Akte Merete Lynggaard in die Hände. Sie soll Selbstmord begangen haben. Mørck findet rasch Ungereimtheiten, die ihn am Ermittlungsergebnis zweifeln lassen.

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Lebt Merete Lynggaard noch? Die junge, hübsche Nachwuchspolitikerin soll von Bord einer Fähre gesprungen und ertrunken sein. Dass sie mit ihrem scherst behinderten Bruder auf dem Schiff war, den sie aufopferungsvoll pflegte, ist für Mørck Indiz, dass an der Selbstmord-Theorie nicht viel dran ist. Er beginnt mit eigenen Ermittlungen, die ihn weit in die Vergangenheit von Merete Lynggaard führen sollen ….

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Die Rolle des Unsympathen nimmt man Nikolaj Lie Kaas als Carl Mørck nicht so ganz ab. Man leidet mit ihm, wenn er gegen die Mühlen der Bürokratie kämpft. Fares Fares gibt seinen Assad grundsolide; dass er bei einigen Beleidigungen seitens Mørcks freundlich, fast schon devot und loyal bleibt, hat er dem Drehbuch zu verdanken. Ein wenig mehr Profil, ein paar Kanten und das eine oder andere Widerwort hätten seiner Rolle gut zu Gesicht gestanden. Sensationell in ihrem Ausdruck und der Intensität ihres Schauspiels ist Sonja Richter als Merete Lynggaard. Auch Mikkel Boe Følsgaard als ihr Bruder Uffe liefert eine grandiose schauspielerische Leistung ab. Es gelingt ihm grandios, ohne ein einziges gesprochenes Wort, seinen Stimmungen und Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

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Das Bild der Blu-ray ist auf aktuellem Niveau. Auch bei Großprojektion detailreich und scharf. Die Farbabstimmung des Films ist größtenteils düster, was die bedrohliche Grundstimmung verstärkt. Dennoch darf man sich auf gute Kontraste und Schwarzwerte freuen.
Auch der deutschen Tonspur hat man das unkomprimierte DTS-HD Master Audio 5.1 gegönnt, der Sound kommt aus allen fünf Lautsprechern des Soundsystems und zieht den Betrachter förmlich in die Atmosphäre des Films.

NFP marketing & distribution GmbH präsentiert „Erbarmen“ ab 25. September 2014 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von NFP marketing & distribution GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

 

Originaltitel: Kvinden i buret
Produktionsland / -jahr: Dänemark, Deutschland, Schweden / 2013
Genre: Thriller, Krimi
Darsteller: Nikolaj Lie Kaas: Carl Mørck, Fares Fares: Assad, Mikkel Boe Følsgaard: Uffe Lynggaard, Peter Plaugborg: Lasse, Sonja Richter: Merete Lynggaard, Søren Pilmark: Marcus Jacobsen, Michael Brostrup: Børge Bak, Magnus Millang: Daniel Hale u.v.a.
Regie: Mikkel Nørgaard
Drehbuch: Nikolaj Arcel
Romanvorlage: Jussi Adler-Olsen „Kvinden i buret“
Produktion: Peter Aalbæk Jensen, Louise Vesth
Musik: Patrik Andrén, Uno Helmersson, Johan Söderqvist
Kamera: Eric Kress
Schnitt: Morten Egholm, Martin Schade
FSK: 16

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 97 Min. zzgl. Bonus
Bildformat: 16:9 (2,35:1) / 1080p/25
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprache(n): Deutsch, Dänisch (OV)
Untertitel: Deutsche Untertitel bei dänischer Tonspur (OV)
Extras Blu-ray: Making-of, Interviews mit Regisseur Mikkel Nørgaard und Hauptdarsteller Nikolaj Lie Kaas, Teaser, Trailer, TV Spots

Webseite zum Film: Erbarmen