Fantomas: „Ein einfacher Mörder, ein Mensch wie Sie und ich“

fantomas_coverDer geheimnisvolle und zugleich geniale Verbrecher Fantomas treibt in Paris sein Unwesen. Dicht auf seinen Fersen befindet sich der chaotische, aber hartnäckige Kommissar Juve, der fest entschlossen ist, ihm das kriminelle Handwerk zu legen. Kein leichtes Vorhaben, da der raffinierte Fantomas in die verschiedensten Masken
schlüpft und die Polizei beliebig und eiskalt austrickst. Auch der Journalist Fandor will gemeinsam mit der attraktiven Fotografin Hélène endlich das große Geheimnis um Fantomas lüften. Als die beiden einen Artikel über ein erfundenes Interview mit Fantomas veröffentlichen, rächt sich dieser auf seine ganz spezielle Weise …

Film-Blog.tv meint:
Louis de Funés fehlt! Der begnadete französische Komiker treibt auch „Fantomas“ von 1964 mit seinem einzigartigen Charakter an, und es ist schade, dass sein komödiantisches Schauspiel heute nur noch zur Filmgeschichte gehört. In dieser nimmt der 1983 verstorbene Schauspieler jedoch einen unverrückbaren Platz ein. Und bleibt uns mit Medien wie diesem Film zum Glück erhalten.
„Fantomas“ durchmischt – heute possierlich wirkenden – Horror mit Komik und wandelt sich von einem frühen „Mystery-Drama“ zu Actionkino. Die Produktion strahlt bis heute Charme aus.


Der Juwelier freut sich auf den Handel seines Lebens: Lord Sheldon mit seiner Gemahlin fährt im Rolls Royce vor. Er wählt drei exquisite Stücke im Wert von 5,5 Millionen Francs und tauscht sie gegen einen Scheck. Das Entsetzen ist groß, als zuerst der Kunde und dann die Schrift auf dem Scheck verschwindet. Kurz nach dem Verblassen des Text erscheint ein neuer Name auf dem manipulierten Scheck: Fantomas.

Kommissar Juve heftet sich an die Fersen des Phantoms, das Unglücke und Morde verantwortet. Hochmotiviert und de Funés-haft hektisch, dabei immer etwas tapsig.

Journalist Fandor macht sich die Prominenz des Verbrechers zu nutze und verfasst ein erfundenes Zeitungsinterview mit Fantomas, das dem Blatt großen Zulauf bringt. Und Fandor in die Hände von Fantomas: er fordert zunächst eine Gegendarstellung auf der Titelseite, und droht, als diese nicht erscheinen kann, das Gehirn des Journalisten für einen „perfekten“ neuen Menschen zu nutzen. Diesen will Fantomas erschaffen. Zuvor nimmt Verwandlungskünstler Fantomas die Gestalt Fandors an und begeht in dessen Identität eine Reihe von Verbrechen. Danach nimmt das Chamäleon die Identität seines Widersachers Juve an und diskreditiert den Kommissar in der Öffentlichkeit. Seine Handlungen bringen beide in das Gefängnis. Fantomas greift sich die beiden, denn mit ihnen winken nun zwei Gehirne für seinen Retortenmenschen. Und ab hier gewinnt der Film vermehrt Dynamik, denn die beiden Entführten befreien sich und eine wilde Verfolgungsjagd beginnt…

In einem Film, der zu seiner Zeit auch gruselig gewirkt haben mag, ergänzt Louis de Funes humoristische Elemente. Nicht den vollen lauten, schrillen Humor, den der große kleine Mann in den Produktionen zeigt, die ihn in den Mittelpunkt stellen; aber genug davon, um den verschreckten Zuschauer der sechziger Jahre nach dem „Horror“ zu versöhnen. Daneben unterhalten heute vor allem Slapstickelemente. Etwa dort, wo der Zeitungsmann mit einem Schlag auf den Hinterkopf niedergestreckt wird. Der Maskenmann Fantomas wird gerne mit dramatischer Orgelmusik dramatisiert. Dieser dicke akustische Auftrag lässt uns heute ebenfalls schmunzeln. Auch die Photozellen und das „Elektrogehirn“ wirken heute anders auf uns, als es die Produzenten 1964 wohl intendierten. Still bleibt es, als Fantomas in der Rolle Fandors auf einen Kranausleger flieht. Der stille Hintergrund erzeugt eine andere Wirkung als wir sie von heutigen, akustisch dramatisierten Actionszenen gewohnt sind. Hinein platzt das Lachen des Verfolgten, der mit dem Verfolger Katz und Maus spielt. Filmgeschichtlich ist solch eine Umsetzung spannend, und sie wirkt durchaus.

Das Bild ist für einen 50 Jahre alten Film sehr ansehnlich, die Farben sind satt, die Konturen scharf abgegrenzt. Der Ton entspricht einem synchronisierten Film seiner Zeit. Teils sind Passagen etwas schrill, dann ein wenig dumpf. Das ist kein Nachteil, die Dialoge in der synchronisierten Fassung sind deutlich, der Gesamteindruck ist dem Alter des Films entsprechend authentisch. Die Lippensynchronizität ist nicht immer ganz auf den Punkt, auch bei Geräuscheffekten fällt hier und da eine Verschiebung von Bild und Ton auf. Das trübt das Filmvergnügen allerdings nicht. Und dafür glänzt das deutsche Skript von Ursula Buschow mit Sprachperlen wie dem Attribut „künftighin“. Herrlich!

Die Universum Film GmbH präsentiert „Fantomas“ auf DVD und Blu-ray Disc™. Das Rezensionsexemplar wurde von der Universum Film GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Fantômas
Land / Jahr: Frankreich, Italien / 1964
Genre: Krimi, Komödie
Darsteller: Jean Marais: Fantômas/Fandor; Louis de Funès: Kommissar Juve; Mylène Demongeot: Hélène; Marie-Hélène Arnaud: Lady Beltham; Robert Dalban: Chefredakteur; Jacques Dynam: Inspektor Bertrand; Pierre Collet: Polizist
Regie: André Hunebelle, Haroun Tazieff
Drehbuch: Pierre Souvestre, Marcel Allain (Vorlage), Jean Halain, Pierre Foucaud
Produktion: Cyril Grize
Kamera: Marcel Grignon
Schnitt: Jean Feyte
Musik: Michel Magne
FSK: 12

Blu-ray
Laufzeit: ca. 104 Min.
Bildformat: 16:9 – 2.35:1
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Sprachen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Französisch
Extras: Making Of, Musikvideo, Making Of „The Music“, Kinotrailer, Animierte Bildergalerie

Webseite zum Film: Fantomas

Louis de Funés wäre am 31. Juli 100 Jahre alt geworden. Zum Jubiläum veröffentlicht Universum Film am 02. Oktober 2014 fünf neue Sammelboxen, die einen umfassenden Einblick in das Werk des französischen Starkomikers geben