Fedora: Eine Legende muss leben. Um jeden Preis.

fedora_coverDer mit Liquiditätsproblemen kämpfende Filmproduzent Barry „Dutch“ Detweiler besucht die legendäre Filmdiva Fedora auf der griechischen Insel Korfu, um sie von seinem neuen Film und einem Comeback zu überzeugen. Er findet sie in einer abgelegenen Villa, die ihm als seltsam anmutendes Exil erscheint. Dort lebt sie zusammen mit der alten Gräfin Sobryanski, der argwöhnischen Krankenschwester Balfour und dem plastischen Chirurgen Dr. Vando. Sie alle scheinen sehr bemüht Fedora vor der Außenwelt abzuschirmen. Die Gräfin schmettert Barrys Anfrage mit der Begründung ab, die Diva sei zu krank und ihre Karriere definitiv vorüber.
Enttäuscht will der Produzent abreisen, Fedora jedoch sucht ihn zuvor in seinem Hotel auf. Sie berichtet ihm, dass sie wie eine Gefangene gehalten wird und hofft aus ihrem Exil entfliehen zu können. Doch das misslingt und Detweiler erfährt kurze Zeit später von ihrem rätselhaften Tod. Er stellt sich die Frage, ob die jugendlich frisch wirkende Frau, der er auf Korfu begegnete, tatsächlich Fedora war.

Film-Blog.tv meint:
„Fedora“ ist Billy Wilders vorletzter – und wahrscheinlich bissigster Film. Gnadenlos rechnet er mit den Machenschaften der Filmbranche, dem Starkult und den Machenschaften der „ewigen Jugend und Schönheit“ ab. Inszenatorisch nimmt er viele Stilelemente kommender Filme vorweg. Spielt mit Rückblenden und Zeitebenen, lässt die Sonneninsel im Regen die Stimmung der Protagonisten wiederspiegeln. Die Kurzgeschichte von Thomas Tryon wurde sehr ansprechend verfilmt. Wilder klagt nicht an, er erklärt. Und lässt den Zuschauer bedrückt und nachdenklich zurück.

Ein kleiner Bahnhof in einem Vorort von Paris. Eine Frau reißt sich los, läuft auf die einfahrende Lokomotive zu und springt. Schnitt. Eine Nachrichtensprecherin verkündet den Selbstmord der einstigen Hollywood-Diva Fedora, man sieht ein paar Filmausschnitte.

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Schnitt. Barry „Dutch“ Detweiler, freier Filmproduzent aus Hollywood – er wird die Hauptrolle spielen und erzählt aus dem Off – checkt in ein kleines Hotel auf Korfu ein. Er reiste der Filmdiva Fedora hinter. Um ein neues Filmprojekt finanziert zu bekommen, muss die Diva die Hauptrolle spielen.

 

Er findet heraus, dass sie, zusammen mit der undurchsichtigen Gräfin Sobriansky, dem Schönheitschirurgen Dr. Vando, der Krankenschwester Miss Balfour und dem wortkargen Diener Kritos auf einer kleinen, vorgelagerten Insel ein von der Außenwelt total abgeschottetes Leben in einer großen Villa führt. Versuche, sie telefonisch zu erreichen, werden vom Personal abgewimmelt.

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In einer weiteren Rückblende ist Dutch ein junger Regieassistent, Anfang der 30iger Jahre, in Hollywood. Bei einem Dreh kommt er der unnahbaren Fedora kurz näher, verbringt mit ihr eine Nacht. Im alten Ford Convertible, am Strand von Santa Monica. Er schafft es zwar, Fedora kurz unter vier Augen zu sprechen, aber sie kann sich an nichts erinnern. Macht einen seltsamen Eindruck, als wenn sie unter Drogen stünde.

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Doch die kurze Unterhaltung in einem Fotoladen verschafft ihm eine Einladung auf die Insel. Das Gespräch mit der Gräfin verläuft enttäuschend. Sie ist verbittert, das Drehbuch hält sie für Schund. Unverrichteter Dinge muss Dutch die Insel verlassen.

Doch schon kurz darauf steht Fedora höchtspersönlich in seinem Hotelzimmer. Erklärt völlig aufgebracht, dass sie von der Gräfin und deren Clan gefangen gehalten und mit Drogen gefügig gemacht wird. Das Auftauchen des Doktors, der Fedora eine Spritze geben möchte, verstärkt diesen Eindruck.

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Hals über Kopf reisen die seltsamen Inselbewohner ab. Detweiler kann grade noch in Erfahrung bringen, dass das Ziel die mysteriöse Klinik des Dr. Vando ist…

„Fedora“ ist eine internationale Produktion. Für Drehbuch und Regie zeichnet Billy Wilder verantwortlich, die Gräfin Sobryanski wird von einer sehr starken Hildegard Knef verkörpert. Willam Holden gibt einen souveränen Barry Detweiler. Die Schweizerin Marthe Keller ist Fedora, spielt ein wenig zu dramatisch und überzeichnet ihre Figur stellenweise ins karikative. Seltsamerweise wurde sie in der deutschen Fassung von Hilde Knef synchronisiert.

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Henry Fonda darf in einem Kurzauftritt den Oscar für’s Lebenswerk überreichen und Michael York sich selbst spielen. Was ihm nicht allzu schwer fällt. Ein wenig fällt da Mario Adorf ab. Den etwas schmierigen, aber stets hilfsbereiten Hausmeister an der Rezeption des kleinen Hotels spielt er arg hölzern. José Ferrer ist ein Dr. Vando, der auch mal Zweifel am eigenen Tun glaubhaft kommuniziert: „Man kann die Natur nicht hintergehen, ohne dafür zu bezahlen“.

Zur Rezension stand uns die DVD zur Verfügung. Wir beurteilen auf einer 3-Meter breiten Leinwand, und projizieren mit einem Full-HD-Beamer der Oberklasse. Da sieht man halt mehr, als auf dem Fernseher: Die Bildqualität der DVD ist stark schwankend. Von „für das Alter durchaus gut“ bis „naja, das hätte man besser hinkriegen können“. Einige Szenen sind viel zu hell, manche haben kaum Kontrast und am Ende wird’s richtig unscharf. Das ist auch auf dem Fernseh-Bildschirm zu sehen. Dass es besser geht, zeigt auch „Fedora“ in vielen Einstellungen, die wirklich ordentlich sind.

Der Ton – Dolby Digital 2.0 (auf der DVD, die Blu-ray bietet DTS-HD Master 2.0 in Englisch und Deutsch) ist klar und deutlich verständlich, doch die Stereobasis ist sehr eng. Der dialoglastige Film wird in erster Linie über den Center wiedergegeben.

EuroVideo Medien GmbH präsentiert „Fedora“ auf Blu-ray Disc™ und DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von EuroVideo Medien GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Fedora
Land / Jahr: Deutschland / Frankreich / 1978
Genre: Drama
Darsteller: William Holden: Barry „Dutch“ Detweiler, Marthe Keller: Fedora alias Antonia Sobriansky, Hildegard Knef: Gräfin Sobryanski, José Ferrer: Dr. Vando, Frances Sternhagen: Miss Balfour, Mario Adorf: Hausmeister in der Pension, Stephen Collins: Barry (jung), Henry Fonda: Präsident der Akademie, Michael York: er selbst, Hans Jaray: Graf Sobryanski, Gottfried John: Kritos, Arlene Francis: Nachrichtensprecherin, Jacques Maury: Platzanweiser, Ellen Schwiers: Krankenschwester, Ferdy Mayne: Regisseur, Peter Capell: 2. Regisseur, Bob Cunningham: Regieassistent, Christoph Künzler: Angestellter, Elma Karlowa: Dienstmädchen u. a.
Regie: Billy Wilder
Drehbuch: Billy Wilder, I.A.L. Diamond
Romanvorlage: Thomas Tryon
Produktion: Billy Wilder
Kamera: Pawel Lebeschew
Schnitt: Stefan Arnsten, Fredric Steinkamp
Musik: Miklós Rózsa
FSK: 12

DVD
Laufzeit: ca. 109 Min. + Bonus
Bildformat: 1,85:1 (16:9)
Tonformat: Dolby Digital
Sprachen: Deutsch, Englisch
Extras: „Swan Song: The Story of Billy Wilder’s ‚Fedora“ (87 Min.) von Robert Fischer; Interview mit Mario Adorf (ca. 15 Min.)

Webseite zum Film: Fedora