Finding Vivian Maier: Spurensuche

vivian-maier_cover„Finding Vivian Maier“ berührt das Mysterium einer Frau, die ihr Leben für die Photographie lebte und dies bis zu ihrem Tod mit Niemand teilte. Heute gilt Vivian Maier als eine der wichtigsten Street Photographer des 20. Jahrhunderts.
Vivian Maier lebte als Nanny in Chicago und New York. Sie galt als exzentrische Frau, die nie ohne ihre Kamera das Haus verlies. Mit den in ihre Obhut gegebenen Kindern unternahm sie Streifzüge auch in die Teile der Stadt, in der die weniger Privilegierten lebten. Zahlreiche Fotos zeigen Menschen in einem zufälligen, aber höchst berührenden Moment. Neben der überwältigenden Anzahl von Fotos, die der Regisseur John Maloof zufällig bei einer Versteigerung entdeckte, hinterließ Vivian Maier ihre Filme und eine große Anzahl an Zeitungsausschnitten. Die Person Vivian Maier bleibt ein Geheimnis.

Film-Blog.tv meint:
Ansel Adams, einer der besten Fotografen des letzten Jahrhunderts, hat einmal gesagt: „Das Negativ ist die Partitur, der Abzug die Konzertaufführung“. Nun ist nicht jeder Komponist ein gleichermaßen perfekter Virtuose am Instrument. Genau wie nicht jeder Fotograf in der Lage ist, seine Abzüge perfekt zu vergrößern. Henri Cartier-Bresson ist ein Musterbeispiel dafür. Er überließ die Dunkelkammerarbeit meist den Laboranten von Magnum.
Vivian Maier war eine Sammlerin. Sie wollte möglichst viele Erinnerung der Nachwelt – oder sich selbst – so ganz werden wir das wohl nie herausfinden, erhalten. Sie sammelte Zeitungen, Erinnerungsstücke, O-Tonaufzeichnungen mit ihrem Cassettenrekorder, selbst gedrehte Super-8-Filme und: Fotos. Weit über 150.000 Negative und unzählige unentwickelte Filme umfassen ihren Nachlass. Abzüge gibt es nur wenige. Warum, darüber können wir nur mutmaßen. Meine Vermutung: Ihr fehlten die Möglichkeiten, ihre Bilder selbst zu vergrößern. Und das Geld, dies professionellen Laboren zu übertragen.
Was bleibt ist ein Schatz, den John Maloof gefunden hat. Ein sehr persönliches Portrait einer ungewöhnlichen Frau, die beeindruckende Fotos hinterlassen hat.


Die DVD, die wir hier vorstellen, hat selbstverständlich eine deutsch synchronisierte Tonspur.

John Maloof und Charlie Siskel zeichnen das Porträt dieser Frau, zeigen ihre Fotos und Filme. Dem Mensch Vivian Maier versuchen sie durch Interviews mit ihren ehemaligen Auftraggebern und deren Kindern näher zu kommen.
„Finding Vivian Maier“ ist die spannende Spurensuche im Leben einer Frau, die ihre Umwelt und sich selbst in bewegenden Momenten auf ihren Fotos festhielt – selbst aber keine Spuren hinterließ.

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Hier ein Statement vom Regisseur Charlie Siskel, dem nichts hinzuzufügen ist:

Wir alle bestimmen, was die Welt über uns erfährt. Doch ob wir wollen oder nicht – am Ende müssen wir Farbe bekennen. Es ist gut möglich, dass wir nichts über Vivian Maiers Leben und ihre Fotos wissen würden, wenn es nach ihr gegangen wäre. Sie entschied sich für eine heimliche Existenz und versteckte ihre Kunst, solange sie lebte.
Doch wer seine Kunst verbirgt, vernichtet sie eben nicht. Vivian Maier bewahrte ihr Werk auf und überließ dessen Schicksal anderen. Es erging ihr wie Kafka, der bestimmt hatte, dass seine Schriften ungelesen verbrannt werden sollten: Falls sie sich – ausdrücklich oder unausgesprochen – gewünscht hat, dass ihr Werk unsichtbar bleibt, dann hat man diesen Wunsch ignoriert.

Auch wir Dokumentarfilmer entscheiden, welche Geschichten wir erzählen wollen. Wir haben uns jahrelang durch Maiers Lebenswerk und ihren umfangreichen persönlichen Nachlass gearbeitet – herausgekommen ist ein Film, der die Geschichte einer Künstlerin erzählt, die sich als Nanny verkleidete und deren Entdeckung ihr Anerkennung und den längst fälligen Ruhm sicherten.

Maier war eine Art Spionin. Sie dokumentierte das Leben auf der Straße – oft mit den ihr anvertrauten Vorortkindern im Schlepptau. Sie nahm die Menschen auf, wie sie aussahen und wo sie sie fand – in den Viehhöfen, Slums und auch in den Wohnvierteln selbst.
Als Künstlerin war Maier eine Außenseiterin – deshalb entwickelte sie Sympathie für die Randexistenzen, die sie oft fotografierte. Doch die Besessenheit, mit der sie ihre Kunst betrieb, forderte einen hohen Preis.

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Scherzhaft bezeichnete sie sich als geheimnisvolle Frau. Vehement verteidigte sie ihre Privatsphäre und bewahrte sich ihre Unabhängigkeit von den bürgerlichen Werten jener Familien, bei denen sie wohnte. Doch insgeheim hat sie sich vielleicht nach jener Familienbindung gesehnt, die sie jahrzehntelang hautnah miterlebte – eine Bindung, auf die sie selbst schon als Kind verzichten musste.

Unser Film beleuchtet Maiers dunkle Seite, die sie anderen vielleicht nicht hätte zeigen wollen – sie ist düsterer als das, was bisher über sie bekannt war. Doch das ist nur ein Apsekt ihrer Story. Ihr Werk ist heute Teil der Geschichte der Fotografie und unbestreitbar ein großer Schatz. Dass Maiers Werk entdeckt wurde, setzt nicht nur einen Schlussstrich unter ihre Geschichte – ohne dieses Werk würde es auch die Geschichte nicht geben.

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NFP marketing & distribution GmbH präsentiert „Finding Vivian Maier“ ab 09. Oktober 2014 auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von NFP marketing & distribution GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Finding Vivian Maier
Produktionsland / -jahr: USA / 2013
Genre: Dokumentation
Darsteller: Mary Ellen Mark, Phil Donahue u.a.
Regie: John Maloof, Charlie Siskel
Drehbuch: John Maloof, Charlie Siskel
Produktion: John Maloof, Charlie Siskel
Musik: J. Ralph
Kamera: John Maloof
Schnitt: Aaron Wickenden
FSK: 0

DVD
Laufzeit: ca. 81 Min. zzgl. Bonus
Bildformat: 16:9 (1,77:1)
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras Blu-ray: Original 8-mm Filmaufnahmen von Vivian Maier, Kinotrailer

Webseite zum Film: Finding Vivian Maier