Große Jungs – Nicht jeder will erwachsen werden: Kindsköpfe

Gewinnspiel_rotgrossejungs_cover Als der etwas durchgeknallte Möchtegern-Musiker Thomas seine Freundin Lola mit einem Verlobungsring überrascht, sagt sie sofort ja. Doch als sie ihn ihren Eltern vorstellt, nehmen die Dinge einen anderen Lauf, als sie gedacht hatte. Thomas‘ zukünftiger Schwiegervater Gilbert, der eine gefühlte Ewigkeit verheiratet ist, verbringt die Tage neuerdings gefrustet auf dem Sofa. Er hat seine Firma verkauft, aber was seine Situation noch schlimmer macht, ist für ihn ganz klar: seine Ehe. Anstatt sich über seinen neuen Schwiegersohn zu freuen, warnt er Thomas vorm Heiraten, dem größten Fehler, den ein Mann machen kann!
Thomas lässt sich von Gilberts schlechter Laune aber nicht abschrecken, und schon der erste Ausflug zu zweit weckt den großen Jungen in Gilbert. Von da an lässt er keine Gelegenheit aus, Thomas dazu zu bringen, nicht an die bevorstehende Hochzeit zu denken, sondern lieber mit ihm die Sau raus zu lassen. Die beiden starten in ein neues Leben voller Partys, Frauen und Blödsinn und es dauert nicht lange, bis Lola und ihre Mutter die Nase voll von ihnen haben. Gilbert und Thomas müssen erkennen, was der Preis für ihre neu gewonnen Freiheiten ist. Doch ist jetzt schon alles zu spät?

Film-Blog.tv meint:
„Die geistige Entwicklung der Männer ist im Alter von sieben Jahren abgeschlossen. Danach wachsen sie nur noch. Zuerst in die Höhe, dann in die Breite“. Und, weil’s so schön ist, gleich die passende Antwort dazu: „Ohne den Spiel- und Jagdtrieb der Männer würde die Menschheit noch heute auf Bäumen sitzen und sich von Obst ernähren“.
An diese beiden Sprüche, in denen sicher ein Funken Wahrheit steckt, musste ich während der eineinhalb Stunden „Große Jungs – Nicht jeder will erwachsen werden“ immer wieder denken. Zum einen ist der Film herrlich (oder furchtbar?) albern. Stellenweise geradezu albern platt. Und dennoch steckt eine Botschaft dahinter, die uns, typisch französisch, spritzig, leicht und mit lockerer Hand präsentiert wird: Es ist nie zu spät, seine Träume zu verwirklichen!

Thomas träumt mit offenen Augen von einer Karriere als Hitschreiber und Popstar, doch in Wahrheit ist dieser Zug wohl längst abgefahren. Was wohl auch an seinem Talent als Sänger liegt. Denn, Hand auf’s Herz: Mit seinem Gejaule kann er rolligen Katern Konkurrenz machen und jeden Saal innerhalb weniger Sekunden räumen. Was ihm auch immer wieder gelingt…Mit seinen 30 Jahren hält sich der schlaksige Pariser vor allem durch Auftritte bei spießigen Hochzeiten oder öden Geburtstagsfeiern über Wasser. So lernt er auch Lola kennen, eine junge Frau, die anders als er schon mitten im Leben steht und vergleichsweise richtig erwachsen ist. Doch trotz oder gerade wegen aller Gegensätze verlieben sie sich ineinander. Es vergehen allerdings ein paar Jahre, bis sie ihn ihren Eltern vorstellt.

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Thomas nutzt die Gelegenheit, um Lola vorher schnell noch mit der Frage zu überraschen, ob sie ihn heiraten möchte. Natürlich will sie, und Thomas hat sogar noch eine weitere Überraschung in petto: Als er zum Antrittsbesuch bei seinen Schwiegereltern in spe erscheint, verspricht er ihr am Esstisch, endlich Verantwortung zu übernehmen, den Traum von der Musikerkarriere an den Nagel zu hängen und bei einer Inkassofirma anzuheuern.

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Lola und ihre Mutter Suzanne sind begeistert, doch Gilbert, Lolas Vater, kann seine Geringschätzung nur mühsam verbergen. Um die 50 und bereits Rentner, seit er seine gutgehende Firma verkauft hat, weiß Gilbert nichts mehr mit sich anzufangen. Lustlos verbringt er die Zeit vor der Glotze und ist nur noch genervt von Suzanne, die sich, wie er findet, um alles kümmert – hungernde Kinder in Afrika und sonstige bedauernswerte Randgruppen –, nur nicht um ihren Gatten. Hätte er bloß nie geheiratet, dann wäre das Leben nicht an ihm vorbeigerauscht! Aber noch ist es nicht zu spät, und Gilbert beschließt, von vorne anzufangen und seine verlorene Jugend nachzuholen. Und weil alles zu zweit dann doch mehr Spaß macht, stiftet er Thomas an, sich ihm anzuschließen. Warum denn unbedingt heiraten? Sein Fall, findet Gilbert, sollte dem jungen Mann doch wohl hinreichend als warnendes Beispiel dienen.

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Er plündert das gemeinsame Konto, gibt Suzanne und Lola den Laufpass (die beide überzeugt sind, dass er sich ganz schnell wieder einkriegt) und zieht in die alte Studentenbude seiner Tochter. Zwischen unausgepackten Kartons und seinem Schlagzeug, das er seit einer Ewigkeit nicht mehr angerührt hat, dreht Gilbert richtig auf. Seine Vorstellung vom süßen Leben beinhaltet kiffen, Party machen, ausschlafen und ansonsten heiße Frauen flachlegen. Letzteres will zwar nicht so recht gelingen, aber immerhin lernt Gilbert auf einer Fete die schöne Irène kennen, die ihm ihrerseits den Manager einer Plattenfirma vorstellt. Und plötzlich hat Gilbert auch wieder eine Aufgabe: Er setzt es sich in den Kopf, Thomas zur ersehnten Musikerkarriere zu verhelfen, koste es, was es wolle. Der hat unterdessen Ärger im Job, für den er schlichtweg nicht gemacht ist, und lässt sich von Lola widerwillig zu Wohnungsbesichtigungen mitschleppen. Sein Frust wächst, alles geht ihm zu schnell. Das Fass zum Überlaufen bringt schließlich ein Streit, in dessen Verlauf Lola Thomas an den Kopf wirft, dass er mit seiner lächerlichen Musik nie auf einen grünen Zweig kommen werde. Verletzt und wütend zieht Thomas zu Gilbert. Was denn jetzt mit der Hochzeit sei, fragt sein Schwiegervater in spe nicht ohne Hintergedanken. Ist geplatzt, erwidert Thomas deprimiert – und gibt damit genau die Antwort, auf die Gilbert gehofft hatte.

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Immerhin sieht es ganz danach aus, als würde Thomas dank Gilberts tatkräftiger Unterstützung wenigstens karrieretechnisch durchstarten. Die Plattenfirma möchte den Song, mit dem er sich vorgestellt hatte, unbedingt für ihr erfolgreichstes Pferd im Stall, den Teeniestar Mimi Zozo. Thomas sperrt sich, will den Song für sich behalten, doch Gilbert überzeugt ihn damit, dass selbst Leute wie Serge Gainsbourg für andere schrieben, bevor sie selbst ins Rampenlicht traten. Der Videodreh in Marrakesch erweist sich allerdings als Anfang vom Ende ihrer gemeinsamen Eskapade. Denn im Wüstensand unter Palmen geht so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann. Obwohl Gilbert ihm versprochen hatte, dass seinem Song kein Haar gekrümmt wird, sieht die Wahrheit anders aus: Als Thomas ans Set kommt, wo die aufgetakelte Mimi Zozo vor der Kamera sexy Verrenkungen macht, muss er feststellen, dass man seinen Folk-Pop-Song in ein massenkompatibles 08/15-Produkt umgemodelt hat. Thomas rastet völlig aus. Kleinbeigeben, wie Gilbert nahelegt, und sich damit trösten, dass er bald sein eigenes Album aufnehmen kann?

Auf keinen Fall! Thomas sorgt mit einer wüsten Tirade dafür, dass der Dreh abgebrochen werden muss und Mimi Zozo ihn vom Set wirft, und seinen Manager Gilbert gleich hinterher. Doch der völlig vergeigte Trip ist zumindest für eines gut: Er öffnet ihnen die Augen dafür, was im Leben wirklich zählt. Zurück in Paris, hat der entzauberte Gilbert nur noch ein Ziel: Suzanne zurückzuerobern. Die hat sich zwar in der Zwischenzeit von ihrem kultivierten Nachbarn Claude, den Gilbert noch nie leiden konnte, den Hof machen lassen – was ihrem verletzten Ego extrem schmeichelt. Doch als Gilbert mit einem ehrlichen „mea culpa“ wieder vor ihr steht, zerknirscht und geläutert, wie er ihr glaubhaft versichert, nimmt sie ihn sofort zurück – mit blutiger Nase.

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Denn zuvor fordert „Nebenbuhler“ Claude ihn auf offener Straße zum Duell heraus, eine spontane Schlägerei unter älteren Herren, die Gilbert spektakulär verliert. Nichtsdestotrotz begreift er dankbar, dass es nicht zu spät ist, zusammen mit seiner Frau einen Neubeginn zu starten, und deshalb möchte er auch Thomas wieder in die Spur bringen. Doch das ist leichter gesagt als getan: Thomas hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit, dass Lola einen neuen Freund hat (der, wie er beim ersten Date gesteht, eigentlich auf reifere Frauen steht). Eine schmerzhafte Entdeckung, die Thomas an dem Tag macht, als er sie mit einem Blumenstrauß in der Hand um Verzeihung bitten will, denn dummerweise treffen beide Männer gleichzeitig vor ihrer Wohnungstür zusammen. Von Lolas „Verschwinde aus meinem Leben!“ noch mehr in Verwirrung gestürzt und überzeugt, dass alles vorbei ist, weil er privat und beruflich einfach nichts auf die Reihe kriegt, will sich Thomas umbringen, na ja, vielleicht. Doch Gilbert redet ihm den Selbstmord aus, lädt ihn zu sich und Suzanne nach Hause ein, wo er in Ruhe seine Wunden lecken soll, und verspricht ihm, alles dafür zu tun, dass Lola zu Thomas zurückkehrt.

Als Gilbert seine Tochter unter einem Vorwand telefonisch nach Hause lockt, erleben er und Suzanne freilich eine böse Überraschung: Lola hat überraschend ihren neuen Freund mitgebracht! Thomas versteckt sich panisch im Badezimmer, während Gilbert herumstottert, er habe Lola – die an diesem Abend noch einen wichtigen beruflichen Termin wahrnehmen muss – nur herbestellt, um ihr mitzuteilen, dass ihre Mutter und er wieder zusammen seien. Unterdessen verschwindet Lolas Freund ins Bad, wo er zufällig ein Foto von Suzanne entdeckt, das ihn sofort anmacht. Nicht ahnend, dass Thomas hinter dem Duschvorhang in der Badewanne kauert, holt er sich spontan einen runter.

Das Finale ist naturgemäß explosiv, aber irgendwie doch anders als erwartet – weshalb Thomas letzten Endes keine andere Wahl bleibt, als Lola zu ihrem Jobtermin, einer internationalen Nuklearkonferenz, zu folgen. Er weiß, dass es seine letzte Chance ist, ihr seine unsterbliche Liebe zu gestehen. Also schleicht er sich in eine Dolmetscherkabine, während ein hysterischer Vertreter der iranischen Regierung gerade am Rednerpult zetert, und drückt auf ein paar Knöpfen herum…

Das Bild der DVD ist auf dem aktuellen Stand der Technik, da gibt es nichts auszusetzen. Auch bei Großprojektion ist es relativ scharf, die Auflösung ist dem Medium entsprechend. Auf Blu-ray wäre sicher eine Schippe mehr drin gewesen. Die Farben und Kontraste sind jedoch ausgewogen und stimmig. Der Ton, komprimiertes Dolby Digital, ist dennoch recht kraftvoll und kommt recht räumlich aus dem 5.1-System.

Gewinnspiel
Folgende Frage gilt es zu beantworten: Nennt uns einen weiteren Film mit Mélanie Bernier! Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

2 x DVD „Große Jungs – Nicht jeder will erwachsen werden“

Schickt einfach eine Mail mit der, hoffentlich richtigen, Antwort und Eurer Adresse an gewinnspiel@film-blog.tv

Dazu habt ihr bis zum 15.12.2014 bis 24.00 Uhr Zeit. Gehen mehr als eine richtige Antworten ein, lassen wir das Los entscheiden. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie film-blog.tv dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

NFP marketing & distribution GmbH präsentiert „Große Jungs – Nicht jeder will erwachsen werden“ ab 04. Dezember 2014 auf DVD und als VoD.
Das Rezensions- und die Gewinnspielexemplare wurde von NFP marketing & distribution GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Originaltitel: Les gamins
Produktionsland / -jahr: Frankreich / 2013
Genre: Komödie
Darsteller: Alain Chabat: Gilbert, Max Boublil: Thomas Brenner, Sandrine Kiberlain: Suzanne, Mélanie Bernier: Lola, Arié Elmaleh: Carl, Elisa Sednaoui: Irène, Alban Lenoir: Romain, François Dunoyer: Claude, Nicolas Briançon: Bruno, Mélusine Mayance: Mimi Zozo, Iggy Pop: er selbst, Patrick Bruel: Patrick Bruels Doppelgänger, Kheiron: Reza Sadeqi, Darius Kehtari: Übersetzer, Jean-Philippe Puymartin: Lolas Chef, Grégoire Bonnet: Thomas’ Chef, Sébastien Castro: Dédé. Thomas Solivéres: Augustin alias Abdelkader, Kevin Chamotte: Opernsänger u.v.a.
Regie: Anthony Marciano
Drehbuch: Anthony Marciano, Max Boublil
Produzenten: Simon Istolainen, Ilan Goldman
Kamera: Jean-Paul Agostini
Schnitt: Virgine Brunant
Musik: Anthony Marciano
FSK: 6

DVD
Laufzeit: ca. 97 Min. zzgl. Bonus
Bildformat: 16:9 (2,35:1)
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprache(n): Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of (5 Min.), Kinotrailer

Weitere Infos: Große Jungs