Grüße aus Fukushima: „Vermissen ist, wie mit Geistern zu leben.“

fukushima_cover00Gewinnspiel_rotDie junge Deutsche Marie ist eine, die auszieht, das Fürchten zu lernen. Auf der Flucht vor ihren zerplatzten Lebensträumen und dem Verlust ihrer großen Liebe reist sie für die Organisation „Clowns4Help“ in die Präfektur Fukushima. Zusammen mit dem Clown Moshe will sie den überlebenden Opfern der Dreifachkatastrophe von 2011, die auch Jahre später immer noch in Notunterkünften leben, ein wenig Freude bringen. Schweres leichter machen. Eine Aufgabe, für die Marie, das muss sie sich schon bald eingestehen, überhaupt nicht geeignet ist.
Doch bevor sie erneut davon läuft, beschließt Marie, ausgerechnet bei der störrischen alten Satomi zu bleiben, der letzten Geisha Fukushimas, die auf eigene Faust in ihr zerstörtes Haus in der Sperrzone zurückziehen will. Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, die aber beide – jede auf ihre Art – in der Vergangenheit gefangen sind und lernen müssen, sich von ihren Schuldgefühlen und der Last ihrer Erinnerungen zu befreien.

Film-Blog.tv meint:
Marie: „You are so elegant.“ – Satomi: „You are an elephant.“ Größer als zwischen der großen, jungen Marie aus Deutschland, die sich erst Mal reichlich ungeschickt anstellt, und der feinsinnigen, ehemaligen Geisha aus Japan können die Unterschiede zwischen zwei Frauen kaum sein. Und dennoch haben sie ein Schicksal, das sie zusammenführt. “Grüße aus Fukushima”, komplett in schwarzweiß gedreht und mit Originalton untertitelt, ist ein leiser, poetischer Film. Vielleicht der persönlichste von Doris Dörrie. Unterstützt von einem meditativen Soundtrack, der tief unter die Haut geht.

„Ich möchte euch ein paar Dinge fragen, die mich beschäftigen: Oft gerate ich in Panik, wenn ich daran denke, welche Richtung mein Leben nimmt. Bin ich mit dem richtigen Menschen zusammen? Habe ich die richtige Arbeit?
Sehe ich richtig aus? Verdiene ich genug Geld? Mache ich genug aus meinem Leben? Bin ich glücklich?
Sollte ich anders leben? Und immer und immer so weiter. Eine endlose Flut von Fragen, die mich überrollt und mich ängstigt. Ich kann nicht anders, als mir ständig Sorgen zu machen. Was wäre wenn? Was wäre, wenn ich alles verlöre, was mir lieb ist? Wie tief kann ich fallen? Wie fange ich von vorne an? Und wie kann ich mich daran erinnern, dass dies mein Leben ist, mein einziges? Wie?“

Viele Fragen stellt sich Marie auf ihrer Fahrt nach Tokio, auf der sie von Albträumen über ihre gescheiterte Hochzeit geplagt wird. Am Bahnhof angekommen, verlässt sie den Zug mit einem großen Paket, das sie vor sich durch die Straßen Tokios trägt. An der Shinjuku Station ist sie mit dem Clown Moshe verabredet. Bevor sie ihn trifft, schlüpft sie in ihr Clownkostüm und schminkt sich entsprechend. Nach einer Begrüßung auf Fantasie-Japanisch machen sie sich auf die Reise. Ihr Ziel: Fukushima.

Im Zug ist Marie immer noch sehr nachdenklich. Zur Aufheiterung lässt Moshe einen kleinen Schaumstoffball in der Hand „verschwinden“, um ihn dann wieder „auszuniesen“. In Fukushima angekommen, prüft Marie als erstes mit einem Geigerzähler die Strahlungswerte. Alles okay. Die beiden Clowns werden von Nami abgeholt, einer jungen Japanerin, die ebenfalls als Clown unterwegs ist, um ein wenig Freude in Fukushima zu verbreiten – keine leichte Aufgabe. Das spüren die drei schon während der Taxifahrt durch die verlassene Stadt. Marie erschrickt vor den hohen Strahlenwerten auf ihrem Geigerzähler. Panisch kurbelt sie das Fenster hoch und zieht ihren Mundschutz an.

Die Gegend sei wieder bewohnbar, versucht Nami zu beruhigen. Doch Marie hat kein gutes Gefühl bei dem Gedanken. Sie fahren bis zu einem Dorf aus provisorischen Häusern, dessen Bewohner die drei Clowns bereits erwarten und herzlich willkommen heißen. In den Notunterkünften leben noch die Alten. Die Jungen haben Fukushima längst verlassen.

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Am Abend geben die drei ihre erste Vorstellung. Marie hat dafür eine Nummer vorbereitet, in der sie auf der Bühne vergeblich dem Lichtschein von Moshes Taschenlampe hinterher jagt. Sie gibt sich bei ihrem Auftritt größte Mühe, doch niemand klatscht, als sie sich verbeugt. Moshe hingegen erntet Beifall für seine Darbietung als Plastiktüten-Jongleur. Am nächsten Tag kommt Marie auch nicht besser an. Sie hat Hula-Hoop-Reifen für alle Dorfbewohner mitgebracht, doch die machen sich nicht viel aus Maries Freizeitangebot. Ratlos und kichernd folgen die Alten Maries Anweisungen. Frustriert vom vergeblichen Vorturnen, bricht sie die Sportstunde ab. Die alte und grantelnde Satomi hat die Szenerie beobachtet und nur ein Wort für Maries lächerliche Bemühungen übrig: „Bullshit“.

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Marie bereut es, hergekommen zu sein. Wütend auf sich selbst will sie Fukushima verlassen. Sie hatte gehofft, angesichts der Menschen, die alles verloren haben, ihr eigenes Leben wieder auf die Reihe zu kriegen. Jetzt sieht sie ein, wie egoistisch diese Idee war. Nami kann sie überreden zu bleiben, doch in der Nacht kann Marie nicht schlafen. Vor den Baracken trifft sie auf einen Mönch, der ihr Sake einschenkt, mit dem sie ihren Kummer betäuben kann.

Am nächsten Morgen wird sie von Satomi geweckt, die eine Fahrerin sucht. Wohin die Reise gehen soll, versteht Marie leider nicht. Trotzdem erfüllt sie der Alten den Wunsch und fährt mit ihr los. Satomi leitet sie direkt in die gesperrte Zone: Zu ihrem zerstörten Haus. Marie kann sie nicht davon abbringen, ihre Habseligkeiten und einen Wasservorrat aus dem Wagen zu laden. Sie will von nun an in ihrem Haus bleiben. Marie muss alleine zurück in die Siedlung fahren.

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Satomi: Als ich nach Hause kam, war nichts mehr da. Was würdest du tun, wenn dir das geschieht? Die Leichen überall verstreut herumliegen? Die Kleider und Bücher, die Fotos und Möbel. Wenn alles nicht mehr da wäre?
Wenn deine Welt komplett nicht mehr existieren würde? Wenn du alles verloren hättest? Was würdest du dann tun?

Zurück in der Notunterkunft hält nun auch Marie die ganze Clownerie für eine Farce. Sie schnürt ihren Rucksack, und verabschiedet sich bei ihren beiden Kollegen. Als sie den Zug gen Heimat betritt, erkennt sie, dass sie vor Ort doch noch gebraucht wird. Sie steigt wieder aus und fährt zu Satomi. Die alte Japanerin ist gerade dabei, ihr zerstörtes Haus wieder herzurichten. Nach anfänglicher Skepsis darf Marie ihr helfen. Gemeinsam schmeißen sie kaputte Möbel raus, reparieren die Wände und machen das Haus wieder bewohnbar. Beim Fegen benötigt Marie noch ein wenig Nachhilfe. Satomi zeigt ihr, nach welchem System sie den Besen schwingen soll.

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Nach und nach weiht Satomi ihren deutschen Gast in die Geheimnisse der japanischen Lebensweise ein: Sie kocht Essen, zeigt ihr, wie man korrekt isst und dabei richtig sitzt. Als es Nacht wird, bittet Marie um einen Schlafplatz auf Satomis Fußboden. Vor dem Einschlafen bestreut Satomi ihre und Maries Schultern mit Salz. Das soll gegen Geister helfen.

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Beim Aufräumen findet Marie alte Fotos unter den Trümmern, die Satomi mit verschiedenen Männern zeigen. Auf einem Foto trägt sie ein traditionelles Gewand. Satomi erklärt, dass sie die letzte Geisha Fukushimas sei. Auf einem weiteren Foto erkennt Satomi ihre letzte und einzige Schülerin, für deren Tod sie sich verantwortlich fühlt. In der Nacht überwältigen Satomi die Erinnerungen. Sie nimmt zum Einschlafen Maries Hand. Marie hingegen kann nicht schlafen, da sie vom Gesang trauriger Geister heimgesucht wird. Hektisch überschüttet sie sich mit Salz. Am nächsten Morgen soll Marie ihre nächste Lektion in japanischer Kultur lernen. Satomi weist sie in die strengen Regeln der Teezeremonie ein. Marie ist eine lernwillige Schülerin.

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Satomi spielt ein altes Lied auf ihrer Schamisen, während sie Marie von ihrer Vergangenheit erzählt. Sie ist die letzte Geisha, die dieses Lied noch kennt. Es wird mit ihr sterben. Sichtlich berührt, traut sich Marie von ihrer schlaflosen Nacht zu erzählen.

Marie: Ich sehe Geister.
Satomi: Ich weiß. Du ziehst sie an, weil du unglücklich bist. Du trägst einen Geist auf deinem Rücken, jemanden, den du verloren hast.
Marie weint.
Satomi: Es ist alles ein Traum. Unser Leben ist ein Traum.
Marie: Ich will aufwachen.
Satomi: Dann wach auf.
Marie: Aber wie?

Als Marie die Geister in der Nacht wieder erscheinen, wacht auch Satomi auf und erklärt, dass es die Geister ihrer Vergangenheit sind, die Marie nichts anzugehen haben. Am nächsten Morgen wird der Mönch zur Hilfe gezogen um die Geister mit beschwörenden Gebeten auszutreiben. Die drei haben einen ausgelassenen Abend mit Sake, Tanz und Scherzen. Zum ersten Mal nach langer Zeit können Satomi und der Mönch wieder lachen. Satomi fragt den Mönch, ob er nicht ein Mädchen kenne, das zur Geisha ausgebildet werden möchte.

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Marie gelingt es am nächsten Tag, einen alten Motorroller wieder zum Laufen zu bringen und macht eine Spritztour. Satomi schaut ihr nach und befürchtet zum ersten Mal, dass Marie sie verlassen könnte. Umso erleichterter ist sie über Maries Rückkehr. Ihr Scooter macht Marie frei, jederzeit zu gehen. Satomi hingegen könnte diesen Ort nie verlassen.

Satomi: Jeder Stein erinnert mich an mein Leben.
Marie: Das ist schmerzhaft.
Satomi: Erinnerungen sind schmerzhaft.
Marie: Keine Erinnerungen wären also besser.
Satomi: Es gibt keinen Ausweg. Dies ist dein einziges Leben. Vermissen ist, wie mit Geistern zu leben.

Marie übernimmt an diesem Tag die Teezeremonie, die sie mittlerweile fast beherrscht. Satomi ist gerührt von Maries großen Fortschritten. In der Nacht kehren die Geister zurück, unter denen sich auch der Geist von Satomis Geisha-Schülerin Yuki befindet, die während der Tsunami-Katastrophe tödlich stürzte. Satomi gesteht Marie unter Tränen, dass sie das Mädchen vom Baum vor ihrem Haus gestoßen hat.

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Am nächsten Morgen tut Satomi so, als wäre nichts gewesen. Obwohl ihr Wasservorrat noch reicht, schickt sie Marie mit ihrem Scooter los, an der Tankstelle neues zu holen. In ihrer Tasche findet Marie einen Brief in japanischer Schrift. Die Frau aus der Tankstelle übersetzt die Zeilen mit „Goodbye“.

Marie rast zurück und kommt gerade noch rechtzeitig, um Satomi aus der Schlinge zu retten, in der sie sich an dem Baum, von dem Yuki abstürzte, erhängen will. Nachdem sich beide von dem Schock erholt haben, entschuldigt sich Satomi und schlägt einen kurzen Urlaub in die Natur – raus aus der Radioaktivität – vor. Im Wald beginnt auch Marie ihr Herz zu öffnen und erzählt von der Schuld, die sie umtreibt. Ihre Hochzeit ist geplatzt, weil sie zuvor mit dem besten Freund ihres zukünftigen Mannes geschlafen hat, der sie daraufhin für immer verlassen hat.

Zwar ist niemand gestorben, aber ihren Schmerz empfindet sie als ähnlich unerträglich. Ihr nächstes Ausflugsziel führt die beiden in einen Club, in dem Satomis Tochter Toshiko mit einer futuristischen Bühnenperformance auftritt. Mutter und Tochter haben sich seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen. Bei Toshiko zuhause erzählt Satomi, wie sie Marie kennengelernt und warum sie die Notbehausungen verlassen hat. Es ist nach all den Jahren eine vorsichtige Annäherung von Mutter und Tochter, auch wenn beim Abschied noch vieles unausgesprochen bleibt.

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Nachts singt wieder der Geist von Yuki. Satomi bittet Marie, sie mit einer Puppe zu besänftigen, damit sie endlich Frieden mit ihrer ehemaligen Schülerin schließen kann. Zu Satomis Überraschung fährt am nächsten Morgen der Mönch mit Besuch vor dem Haus vor. Eine Geisha und ihre Schülerin, die von Satomi das Geisha-Lied erlernen möchte. Die drei Frauen beginnen sofort mit dem Unterricht. Satomi ist glücklich.

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Für Marie gibt es hier nichts mehr zu tun, bis auf eine Sache: Sie sägt den Ast vom Baum, damit Satomi auf keine dummen Gedanken mehr kommen kann. Sie packt ihre Sachen, verabschiedet sich und macht sich auf den Heimweg. Als Satomi das Fehlen des Astes bemerkt, muss sie lächeln und schaut in die Ferne, wo Marie bereits nicht mehr zu sehen ist.

Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
1.) Nennt uns Euren Lieblingsfilm von Doris Dörrie! Schön wäre eine kurze Begründung, warum Euch ausgerechnet dieser Film so gut gefällt.
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Dazu habt ihr bis zum 30.09.2016 bis 24.00 Uhr Zeit.

Das Gewinnspiel wird von www.film-blog.tv veranstaltet, die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahre mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie von www.film-blog.tv dürfen nicht mitmachen. Gehen mehr richtige Antworten ein, als Preise zur Verfügung stehen, lassen wir das Los entscheiden, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Teilnehmerdaten werden nur für die Zustellung eines eventuellen Gewinns bis zum Einsendeschluss gespeichert und anschließend vollständig gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

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Majestic Filmverleih GmbH präsentiert „Grüße aus Fukushima“ ab dem 08. September 2016 auf Blu Ray-Disc™ und DVD.
Das Rezensions- und die Verlosungspreise wurden von Majestic Filmverleih zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Grüße aus Fukushima
Land / Jahr: Deutschland / 2014
Kinostart: 10. März 2016
Genre: Komödie, Drama
Darsteller: Marie: Rosalie Thomass, Satomi: Kaori Momoi, Nami: Nami Kamata, Moshe: Moshe Cohen, Jushoku: Honsho Hayasaka, Yuki: Nanoko, Toshiko: Aya Irizuki u.a.
Regie: Doris Dörrie
Drehbuch: Doris Dörrie
Produzenten: Harry Kügler, Molly von Fürstenberg
Kamera: Hanno Lentz
Schnitt: Frank Müller
Musik: Ulrike Haage

Blu Ray-Disc™
Laufzeit: ca. 104 Min. + ca. 97 Min. Bonus
Bildformat: 16:9 – 2,39:1
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1 inkl. Hörfilm für Sehbeeinträchtigte
Sprache(n): Deutsch, Englisch, Japanisch (immer OV mit UT)
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte
Bonus: Making-of (10’43), Verleihung des Bayerischen Filmpreises an Rosalie Thomass (11’10), Pressekonferenz Berlinale (52’53), Interviews mit Doris Dörrie, Rosalie Thomass, Kaori Momoi (14’31), Deleted Scenes (5’26), Trailer (2’) und TV Spot (15’’), Fotogalerie, Wendecover
FSK: 12

Webseite zum Film: Grüße aus Fukushima