Hans Kloss – Spion zwischen den Fronten: Größer als ein Leben?

kloss_coverKönigsberg, 1945. Getarnt als Agent der deutschen Abwehr ist Hans Kloss, Codename J-23, einem der größten Geheimnisse des Dritten Reiches auf der Spur: Dem von den Nazis gestohlenen Bernsteinzimmer, das von Königsberg aus verschifft werden soll. Doch in den Irrungen der letzten Tage des Krieges interessieren sich viele für die unschätzbar wertvolle Fracht, unter ihnen auch Hans´ alter Gegenspieler, SS-Sturmbannführer Hermann Brunner. Ein tödliches Duell beginnt…
Hans Kloss ist zurück! Ehemals als „roter James Bond“ in der TV Serie „Sekunden entscheiden“ im gesamten Ostblock gefeiert, erlebt der Doppelagent in der actiongeladenen Neuverfilmung sein fulminantes Comeback. In seiner Heimat war „Hans Kloss“ ein Nummer-1-Kinohit.

Film-Blog.tv meint:
„Mein Name ist Kloss. Hans Kloss.“ – „Hans, … wer bitte?“. Hierzulande ist dieser Charakter kaum bekannt, im östlichen Nachbarland Polen ist Kapitan Kloss eine Ikone. Er ist ein polnischer Agent, undercover unter den Nazis. Die TV-Serie „Stawka wieksza niz zycie“ (Ein Einsatz, größer als ein Leben) aus den sechziger Jahre findet dort einen jahrzehntelangen Nachhall. Neben zahllosen Wiederholungen der 18 Episoden gibt es Figuren, ein Computerspiel und Comics – aus dem selben Verlag wie Reich-Ranickis Erinnerungen.
„Hans Kloss – Spion zwischen den Fronten“ bringt uns Actionkino mit zeitgemäßen Effekten, und erinnert als Agententhriller ein wenig an James Bond. Auch hier mit einem universal begabten Titelhelden. Der auch schöne Frauen treffen darf, aber insgesamt braver erscheint. Während er hehre Zielen verfolgt und von bösen Menschen bedrängt wird, ist er weniger in eigener Sache beschäftigt als der Doppelnull-Agent aus England.
Der Agententhriller kann mit seiner ungewohnten Erzählperspektive durchaus unterhalten. Den Zuschauer erwartet mit den Charakteren viel Schwarz-Weiß, und die Aktion kommt nicht zu kurz.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

1945, kurz vor der Kapitulation des Dritten Reichs, lassen Nazioffiziere von KZ-Häftlingen mysteriöse Kisten bewegen. Es handelt sich, welch Überraschung bei Film-Nazis, um das Bernsteinzimmer.

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Madrid 1975, in Francos Spanien. Bei der Beerdigung eines Obersturmbannführers suhlt sich die Trauergemeinde in Insignien des Dritten Reichs, Erwachsene und Kinder zeigen den Hitlergruß und singen die erste Strophe des Liedes der Deutschen. Der Film verschont uns vom Horst Wessel-Lied, das aus historischer Sicht folgen müsste. Hans Kloss ist anwesend und wird als vermeintlicher polnischer Agent enttarnt. Die Nazis wollen das Bernsteinzimmer finden, dessen Wert dabei helfen soll ein „Viertes Reich“ zu finanzieren.

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Der Film beginnt zu changieren. Er zeigt, wie Kloss 1945 als polnischer Agent in Wehrmachtsmaske auf der Spur des Bernsteinzimmers ist, das die Nazis vor den Russen retten wollen. Aufgrund einer vorgetäuschten Fährte verliert sich die Spur.

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In den siebziger Jahren setzt sich die Suche fort. Agent J-23 alias Hans Kloss wird fündig; aber am Ort des Verstecks stehen ihm seine jahrzehntealten Widersacher gegenüber, die zu allem entschlossen sind. Und während sich beim Öffnen der ersten Kisten aus dem Versteck eine große Überraschung ergibt, kündigt sich ein gewaltiger Showdown an…

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Der Agententhriller von Patryk Vega funktioniert. Er schafft es, auf zwei im Wechsel gezeigten zeitlichen Ebenen schlüssig zu bleiben, und er führt die 50 Jahre alte polnische Kultserie in modernes Actionkino. Der Gute steht selbstlos für sein Heimatland Polen ein, seine Zuneigung zu einer im Jahr 1945 siebzehnjährigen jungen Frau ist unschuldig. Die Hauptfigur ist idealisiert und dient als Projektionsfläche. In einer klaren Polarisierung sind die bösen Nazis, eigennützige und skrupellose SS-Männer, unbefangen und deutlich projiziert. Damit dürfte der Film im Produktionsland ebensogut funktionieren wie die TV-Vorlage seit Jahrzehnten, und er funktioniert auch bei uns.

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In Polen lief die Produktion sehr erfolgreich in den Kinos an. Und für die Fans der klassischen Serie gibt es eine schöne Reminiszenz: Die Gegenspieler Hans Kloss und Sturmbannführer Hermann Brunner werden in der filmischen Handlungsebene 1975 von Stanislaw Mikulski und Emil Karewicz gespielt, den Helden der Fernsehrserie aus den sechziger Jahren.

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Pandastorm Pictures präsentiert „Hans Kloss – Spion zwischen den Fronten“ auf Blu-ray.
Das Rezensionsexemplar wurde von Pandastorm Pictures zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Hans Kloss. Stawka wieksza niz smierc
Land / Jahr: Polen / 2012
Genre: Kriegsfilm/ Agententhriller / Action
Darsteller: Stanislaw Mikulski, Emil Karewicz, Tomasz Kot, Piotr Adamczyk, Daniel Olbrychski, Marta Zmuda Trzebiatowska, Anna Szarek u.a.
Regie: Patryk Vega
Drehbuch: Wladyslaw Pasikowski, Przemyslaw Wos
Produktion: Przemyslaw Wos
Kamera: Miroslaw Brozek
Schnitt: Tomasz Ostrowski
Musik: Lukasz Targosz

Blu Ray-Disc ™
Laufzeit: ca. 104 Min. + Bonus
Bildformat: 2,10:1 / 1080p25 / AVC
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Polnisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonus: Interviews, Originaltrailer, Trailershow
FSK: 16