Hawking: Das menschliche Portrait eines Riesen

hawking_cover„Mehr als zwei Drittel meines Lebens habe ich unter dem Damoklesschwert meines nahen Todes gelebt. Ich habe das Verlangen entwickelt, aus jeder einzelnen Minute alles herauszuholen.“ Und das macht Stephen Hawking! Das Tempo, mit dem der berühmte Physiker durch sein Leben braust, ist atemberaubend. Bis heute forscht der 72jährige, der mit seinem Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“ auch Millionen von Laien begeistert hat, hält Vorträge, schreibt Bücher und besucht Parties. Er war zweimal verheiratet und hat drei Kinder. Und all das, obwohl eine Nervenkrankheit seinen Körper völlig gelähmt hat und er nur noch durch einen Sprachcomputer kommunizieren kann. Jetzt erzählt er selbst die Geschichte seines ungewöhnlichen Lebens.

Film-Blog.tv meint:
Ich gebe es zu: durch den Physik-Grundkurs in der Oberstufe bin ich nicht ohne Anstrengung gekommen, und „Eine kurze Geschichte der Zeit“, das berühmte Buch von Stephen Hawking, war mir zu hoch. Anderes ging es mit bei „Hawking“, der filmischen Biographie dieses in jeder Hinsicht besondere Menschen. Der Film erzählt warm und optimistisch. Die Einstellungen, das Licht und die Musik stützen diesen Eindruck, ganz besonders aber die Gespräche mit Angehörigen, Pflegenden und Begleitern seines Lebens. Sie kommen ebenso zu Wort wie wissenschaftliche Kollegen und seine Studenten — und natürlich Stephen selbst, der pointiert und kurzweilig über sein bemerkenswertes Leben mit drastischen Einschnitten und historischen Höhen erzählt. Ansehen. Mitfühlen. Bewundern.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Wie sehr sich der physische Eindruck von der geistigen Freiheit dieses Genie unterscheidet! „Hawking“ bringt uns diesen brillanten Geist als Menschen nahe und zeichnet seine Biographie. Ein Mensch mit gewaltigen körperlichen Einschränkungen, der in der Schwerelosigkeit fliegt, unter der See unterwegs war; der Partys besucht, Ehen führt, Kinder gezeugt hat. Ein Mensch, der täglich an der Cambrige University arbeitet, der auf dem Olymp der Wissenschaft angelangt ist und dabei so manchen großen Geist rätselnd hinter sich ließ. Und sich damit noch nicht am Ziel sieht.

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Zwei Drittel meines Lebens verbrachte ich in Todesnähe, sagt der 71-jährige Hawking, und er möchte das beste aus jeder verbleibenden Minute seines Lebens machen

Der Film von Stephen Finnigan führt uns in die Kindheit mit intellektuellen Eltern, einem Haus voller Bücher; das exzentrisch auf Außenstehende wirkte, sagt Stephen. Seine Eltern ermutigten ihn, stetig zu hinterfragen und groß zu denken. Er folgte nicht dem Beispiel seines Vaters, der Mediziner war, als Kompromiss wurde ein anderer naturwissenschaftlicher Studiengang gewählt, der dabei half, Stephen zu dem werden zu lassen als der wir ihn heute so gut kennen.

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In seinem letzten Studienjahr an der Oxford-Universität werden seine Bewegungen ungelenk, und eine Zäsur tritt ein, als er die volle Länge der Treppe hinunterstürzt. Er verliert das Bewusstsein und weiß vorübergehend nicht mehr wer er ist.

Er findet sich im Rollstuhl wieder, den er anfangs durch die Hand bewegt, und bei schwindender Kontrolle später über Bewegungen der Wange; denn deren Muskel kann er noch steuern. Mit der Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) eröffnen ihm die Ärzte eine Lebenserwartung von zwei bis drei Jahren.

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Er treibt seine Arbeit voran. Die vorherrschende „Steady state theory of the universe“ stellt er mit seinem ersten wissenschaftlichen Projekt in Frage, das ihn über die Frage „Hat das Universum einen Anfang?“ zur „Big bang theory“ führt. Er will seinen PhD erreichen, seinen Doktorgrad, um so wissenschaftlich arbeiten zu können. Seine Thesis, die Doktorarbeit, begründet einen herausragenden Ruf in der Kosmologie.

Ist es die Arbeit und die Anerkennung, die diesen Ausnahmewissenschaftler die Krankheit überwinden lässt? Nein. Stephen Hawking sagt, es war die Liebe zu seiner ersten Frau, die ihm den Antrieb für das Leben gab. Hier wirft der Film ein interessantes Licht und lässt uns vom Biographierten selbst erfahren, was wohl nur wenige wussten.

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Während seine körperlichen Fähigkeiten sich weiter reduzieren, nimmt sein Verstand an Schärfe zu. Seine Arbeit über die Effekte sich verbindender schwarzer Löcher verstehen anfangs nur wenige Physiker. Seine Erkenntnis über das Verhalten von Partikeln am Rand schwarzer Löcher, und deren mögliches Verschwinden schockiert anfangs die Welt der Wissenschaft. Später wird dieses Phänomen als „Hawking’s radiation“ bezeichnet. Diese Leistungen führen zur Aufnahme in die Royal Society, in einer Reihe mit Isaac Newton und Charles Darwin.

Während der Arbeit am Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ erkrankt der Wissenschaftler an einer Lungenentzündung, in deren Folge er in ein künstlich induziertes Koma versetzt wird. Der damit einhergehende Verlust seiner Stimme lässt ihn an ein Karriereende denken. Die nun rund um die Uhr notwendige Pflege bedeutet auch das Ende der Privatsphäre.

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Er nutzt in der Folge ein neues Computersystem, das zur Unterstützung von ALS-Patienten entwickelt wurden.

Und er ist weiter aktiv: sein Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ hält sich vier Jahre in den Bestsellerlisten, und begründet damit einen Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde. Mehr als zehn Millionen Exemplare weltweit werden verkauft.

Die daraus erwachsende Popularität und Lebhaftigkeit gefiel Stephen, erzählt seine Biographin in „Hawking“ und ergänzt, das auch sein Familienleben davon profitierte. Das allerdings nicht gleichförmig verlief und zwei Scheidungen beinhaltete, von denen insbesondere die zweite Schlagzeilen machte. Darin werden polizeiliche Ermittlungen aufgrund von vermuteter häuslicher Gewalt erwähnt.

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Die Reportage zeigt, wie Stephen auf einem Parabelflug, einem „Zero Gravity flight“, das Gefühl von Freiheit erfährt und die Restriktionen seines Körpers in der Schwerelosigkeit überwindet. Sein Traum von einem Flug in das Weltall könnte sich erfüllen. Denn „Virgin“ arbeitet an Touristenflügen in das All, und kommt gegen Ende der Reportage zu Wort: wenn es irgendjemand geben wird, der eine Freikarte erhält, dann ist es der berühmte Astrophysiker.

„I am not afraid of dying, but I am in no hurry to die“, kommt der Biographierte am Ende zu Wort. Es bleibt ihm zu wünschen, dass er noch lange wirken kann. Ihm und uns, die wir von seinem Genie so sehr profitieren.

Ascot Elite Home Entertainment präsentiert „Hawking“ auf Blu-ray™ und DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Ascot Elite Home Entertainment zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Hawking
Land / Jahr: UK / 2013
Genre: Reportage, Dokumentation
Darsteller: Stephen Hawking, Buzz Aldrin, Richard Branson, Jim Carrey
Regie: Stephen Finnigan

Blu Ray-Disc ™
Laufzeit: ca. 95 Min. + Bonus
Bildformat: 1,77:1 (16:9)
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonus: Audiokommentar mit Stephen Finnigan, Trailer, Trailershow
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung

Webseite zum Film: Hawking