Heaven’s Gate: Anomalie in der Western-Landschaft

 

Ende des 19. Jahrhunderts in Wyoming: Der Harvard-Absolvent James Averill kehrt als Federal Marshal zurück nach Johnson County, das zum Anziehungspunkt für arme osteuropäische Einwanderer geworden ist. Den mächtigen, von der Regierung unterstützten Rinderbaronen sind die Neuankömmlinge jedoch ein Dorn im Auge. Sie erstellen eine Todesliste mit den Namen von 125 Siedlern, die sie des Viehdiebstahls und der Anarchie bezichtigen. Averill stellt die Rechtmäßigkeit dieser Liste infrage und beschwört damit unausweichlich einen blutigen Kampf herauf.

Film-Blog.tv meint:
Was für grandiose Schauspieler! Was für sehnsuchts-satte Bilder! Was für ein rauschhafter Soundtrack…. Was für ein merkwürdiger Film… “Heaven’s Gate” hatte und hat alles, was ihn zu einem, vielleicht zu DEM klassischen Western überhaupt hätte machen können. Doch “Heaven’s Gate” blieb eine Anomalie in der Western-Landschaft, ein verstörendes, schwarzes Loch von einem Film, das Western-Freunde und Cineasten gleichzeitig anzieht und abstößt. Begeisterung, Wut, Verehrung, Ablehnung, Langeweile… die Reaktionen auf diesen überlangen, unbehauenen Klotz von einem Film sind vielfältig und nicht immer erklärbar. Nichtsdestoweniger ist die Beschäftigung mit “Heaven’s Gate” ein überaus lohnender, wenn auch überlanger Ausflug in die Filmgeschichte.

Auf den hier vorgestellten Veröffentlichungen von capelight pictures ist natürlich auch eine Deutsch synchronisierte Tonspur enthalten

Den Beitrag verfasste unser Kollege Chris Kurbjuhn.

Harvard, 1870. Wir sehen die Abschlussfeier eines Studentenjahrgangs. Junge Männer, unter ihnen Jim Averill und Billy Irvine. Feiern ausgelassen. Sie sind jung, sie sind stark, sie sind unsterblich: bald wird die Welt ihnen gehören.

20 Jahre später treffen sich Jim und Billy wieder. Jim ist mittlerweile Sheriff von Johnson County, Billy gehört zu einer Gruppe einflussreicher Rancher. Johnson County gleicht einem Pulverfass. Den einheimischen Rinderzüchtern sind die armen europäischen Einwanderer, die sich in Johnson County eine Existenz aufbauen wollen, ein Dorn im Auge. Billy informiert Jim in angetrunkenem Zustand über die Existenz einer “Todesliste”: 125 Immigranten sollen – mit Billigung des Gouverneurs – von texanischen Auftragskillern ermordet werden. Organisiert wird der Massenmord von Ranchervorstand Frank Canton.

Zu Jims Ärger steht auch Ella Watson auf der Todesliste, die Betreiberin des örtlichen Bordells. Ella sympathisiert mit den Einwanderern, und akzeptiert von ihnen auch gelegentlich gestohlenes Vieh als Bezahlung für ihre Dienste. Ihre wirklichen Sympathien gelten zu gleichen Teilen Sheriff Jim und Nathan Champion, einem Scharfschützen, der von den Viehzüchtern bezahlt wird.

Die texanischen Killer treffen ein, überfallen als erstes Ellas Bordell und vergewaltigen sie. Averill tötet die Vergewaltiger. Nathan Champion wechselt die Seiten, als er von der Vergewaltigung erfährt, wird jedoch kurze Zeit später bei einer Schießerei getötet. Jim führt die Siedler zu einem großen Showdown mit Cantons Mordbrennern, es kommt zu einem wilden Gemetzel, in dem auch Billy Irvine stirbt. Die US Army rückt an und beendet das Blutvergießen. Als Ella und Jim Johnson County verlassen wollen, geraten Sie in einen Hinterhalt. Ella wird getötet, aber auch Canton stirbt.

Weitere 20 Jahre später sieht man Jim Averill auf einer luxuriösen Yacht in Newport. Er hat alles erreicht, was ein Mann erreichen kann, ist aber trotzdem zutiefst unglücklich.

Im Prinzip ist das eine kleine, zynische Geschichte. Ford oder Hawks hätten nebenbei was Lakonisches mit Mitchum gemacht, Sergio Leone hätte in Spanien mit Eastwood einen 90-Minüter billig und schnell runtergekurbelt… Regisseur Michael Cimino war damals auf dem Höhepunkt seines Ruhms und wollte aus dieser Geschichte sein Magnum Opus machen, den Film, der Amerika erklärt und verändert. Aber für so ein Opus brauchst du komplexe Charaktere und eine ebensolche Handlung, du brauchst lange Erzählbögen, verschiedene Motivationen, Backstories usw. All das hatte Cimino nicht, als er einen Bildersturm sondersgleichen entfesselte.

Tatsächlich hat man Bilder wie in “Heaven’s Gate” weder vorher noch nachher wieder auf der Leinwand gesehen. Dieses beinahe vierstündige optische Trommelfeuer aus Schießereien, Morden, Landschaften, Gemetzel und wilden oder poetischen Tanzszenen lässt einen erschöpft und ein wenig ratlos zurück. Ich kenne eigentlich kaum jemanden, der in Ciminos Bilderhölle den Überblick über die an sich überschaubare Handlung behalten hätte. Irgendwann, früher oder später verliert man sich im Bildgewitter und braucht nach den Schlusstiteln eine Weile, um sich den Film zurechtzuklamüsern. Was hab‘ ich da eigentlich gerade gesehen, verdammt noch mal?

Was bleibt von diesem Film, wie kommt er bei uns Western-Fans an? Die User-Kritiken auf der Imdb sprechen Bände, da ist von 1 bis 10 Punkten alles dabei, vom “herausragenden Meisterwerk” bis zu “prätentiösem Murks”. Was natürlich auch der vollkommen zerfledderten Editions-Geschichte des Films geschuldet ist. Michael Ciminos erste Fassung dauerte über 5 Stunden, die erste “vermarktungsfähige” Fassung, die in die US-Kinos kam, dauerte immer noch satte 3 Stunden 40 Minuten. Die Fassung, die ich vor dreißig Jahren hier im Kino sah, war stark geschnitten und nahezu unverständlich. Am zugänglichsten ist wohl die als “Director’s Cut” bekannte, 217 Minuten lange Version des Films.

Womit wir bei der vorliegenden “3-Disc Limited Collector’s Edition” wären. Diese Edition bringt dem interessierten Fan die volle Dröhnung “Heaven’s Gate”, nämlich auf Blu-ray den oben erwähnten, 217 Minuten langen Director’s Cut, den 154 Minuten langen Recut und auf DVD die ursprüngliche Kinofassung (englisch mit deutschen Untertiteln, die deutsche Synchro dieser Fassung konnte nicht lizenziert werden). Zusätzlich sind einige Extras auf der Scheibe, u. a. Interviews mit Regisseur Michael Camino und einigen Schauspielern, ein Audiokommentar mit verschiedenen Filmhistorikern und die üblichen TV-Spots und Kinotrailer.

capelight pictures präsentiert „Heaven’s Gate“ am 23. März 2018 als Limited Collector’s Edition im hochwertigen Mediabook sowie als Single-DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von capelight pictures zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Heaven’s Gate
Land / Jahr: USA / 1980
Genre: Drama, Western
Darsteller: Kris Kristofferson: James Averill, Christopher Walken: Nathan D. Champion, John Hurt: Billy Irvine, Sam Waterston: Frank Canton, Brad Dourif: Mr. Eggleston, Isabelle Huppert: Ella Watson, Joseph Cotten: Reverend Doctor, Jeff Bridges: John L. Bridges, Mickey Rourke: Nick Ray, Terry O’Quinn: Capt. Minardi, Richard Masur: Cully, Geoffrey Lewis: Trapper Fred u. a.
Regie: Michael Cimino
Drehbuch: Michael Cimino
Produktion: Joann Carelli
Kamera: Vilmos Zsigmond
Schnitt: Lisa Fruchtman, Gerald B. Greenberg, William H. Reynolds, Tom Rolf
Musik: David Mansfield
FSK: 16

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 217 Min. + Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (2,40:1)
Tonformat und Sprachen: DTS-HD Master Audio 5.1 (Englisch), PCM 2.0 Stereo (Deutsch)
Untertitel: Deutsch

{{ reviewsOverall }} / 5 Nutzer (0 votes)
Spannung
Action
Anspruch
Humor
Erotik
Was Nutzer sagen ... Schreiben Sie Ihre Bewertung!
Order by:

Be the first to leave a review.

User Avatar
Verified
{{{ review.rating_title }}}
{{{review.rating_comment | nl2br}}}

Show more
{{ pageNumber+1 }}
Schreiben Sie Ihre Bewertung!

Your browser does not support images upload. Please choose a modern one