High Rise: Abgründiges im Hochhaus

high rise_coverGewinnspiel_rotDr. Robert Laing zieht nach seiner Scheidung in das Hochhaus. Die vierzig Etagen des glamourösen Gebäudes sind klar aufgeteilt: Die Upperclass hat die oberen Stockwerke für sich reserviert, während Familien sich mit den Untergeschossen zufrieden geben müssen. Der 30-jährige Laing hat sein Appartement im mittleren Bereich und freundet sich mit dem Fernsehjournalisten Richard Wilder aus dem zweiten Stock an. Seine große Faszination gilt aber Anthony Royal, dem Architekten und Schöpfer des Ensembles, der ganz oben über allen residiert. Schon bald beginnt es, hinter der glitzernden Oberfläche des Wolkenkratzers zu rumoren. Mysteriöse Schlafprobleme machen den Bewohnern zu schaffen. Dazu kommen Konflikte zwischen der „Oberschicht“ und der „Unterschicht“, die immer größere Kreise ziehen. Während eines Stromausfalls brechen die Aggressionen im Haus offen aus. Laing muss mitansehen, wie Verwahrlosung und Anarchie mehr und mehr um sich greifen und in nackte Gewalt umschlagen. Als sein Freund Wilder sich entschließt zu handeln und Anthony Royal zu stürzen, muss sich der junge Doktor entscheiden: Auf welcher Seite steht er?

Film-Blog.tv meint:
James Graham Ballard hat „High Rise“ 1975 als Science-Fiction-Roman geschrieben. Auch wenn Ben Wheatley den Zeitcholorit sehr gut eingefangen hat – nur beim ganz genauen Hinschauen entdeckt man z.B. Autos, die erst Mitte der 80iger über die Straßen rollten – das Thema wurde mittlerweile von der Wirklichkeit ein-, teilweise sogar überholt. In der Handlung ähnlich, aber visuell nicht annähernd so beeindruckend ist beispielsweise „Snowpiercer“. Lange Zeit galt das Buch als nicht verfilmbar, die Handlung zu dicht für dieses Medium. In dieser Hinsicht hat Wheatley ein Meisterstück abgeliefert. An der Kameraführung hätte auch Fritz Lang seine wahre Freude, Zitate aus „Metropolis“ sind unverkennbar. Die Inszenierung erinnert phasenweise an Fellini oder aus kürzerer Vergangenheit an Sorrentinos „La Grande Bellezza“. Mit letzterem hat „High Rise“ gemein, dass der Inszenierung nach ungefähr einer Stunde Laufzeit ein wenig die Luft ausgeht. Knappe zwei Stunden sind, bei aller Materialfülle, ein wenig zu opulent. Ein etwas strafferer Schnitt hätte die Aussage sicher präziser auf den Punkt gebracht.

Love it or leave it

„High-Rise“ erhitzt seit seiner Premiere beim Toronto Film Festival im vergangenen September die Gemüter. Niemandem, der ihn gesehen hat, ist dieser Film gleichgültig. Entweder liebt oder hasst man ihn – findet den Look und Kosmos dieser Hochhaus-Dystopie entweder absolut faszinierend oder ist abgestoßen von dem bizarren und bösartigen Blick auf eine Welt ohne Empathie und Moral.

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Der Film bietet so gut wie keine positiven Charaktere, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann. Robert Laing, die Hauptfigur, ist ein Antiheld, ein kultivierter, aber skrupelloser Opportunist und Konformist, der sich der fortschreitenden Verrohung nicht entgegenstellt, sondern sich Eskalation für Eskalation in sie einfügt und alles unternimmt und geschehen lässt, was seinem eigenen Überleben dient. Dass er zum Schluss einen Hund grillt und verspeist, ist nicht nur für Tierfreunde ein höchst verstörendes und schockierendes Szenario. Wie die meisten Bücher des britischen Romanautors J.G. Ballard galt auch „Hochhaus – High-Rise“ als eigentlich unverfilmbar. Zu monströs und monumental schien die von ihm entworfene Welt in der Wohnmaschine am Rande Londons, die sich in ein vertikales Horroruniversum verwandelt. Doch Ballards Sozial und Technologiekritik, die sich durch den größten Teil seines Werkes zieht, ist heute so lebendig und gültig wie damals in den Siebzigern. Wie dem im Jahr 2009 verstorbenen Briten wohl die Filmadaption von Ben Wheatley gefallen hätte?

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In gewisser Weise erinnert Wheatleys schonungslos brutaler und bezwingender Trip durch die menschlichen Abgründe und die kontroversen Reaktionen der Kritik darauf an „A Clockwork Orange“. Als Stanley Kubricks Film über den kaltblütigen Gangleader Alex 1971 in die Kinos kam, schwankte die Resonanz zwischen totaler Begeisterung und absoluter Abscheu. Dazwischen gab es so gut wie nichts.

So war für die einen „A Clockwork Orange“ etwa eine „überaus raffiniert geschriebene Bibel der sinnlosen, ultrabrutalen Gewalt“ (Ronald Hahn und Volker Jansen). Andere sahen darin hingegen eine „Glorifizierung sadistischer Gewalt“ (Pauline Kael), kritisierten, Grausamkeit würde „pseudokritisch und mit dem Air des Sensationellen versehen vorexerziert“ (Ulrich Gregor), oder fanden den Film schlicht „faschistisch“ (Susan Sontag). Heute gilt „A Clockwork Orange“ über fast alle Fraktionen hinweg als ein Meilenstein des Kinos und hat seinen festen Platz im Pantheon der Filmgeschichte. Ben Wheatley selbst sieht die polarisierte Debatte um „High-Rise“ realistisch. Für ihn hat der Chor der Pro- und Contra-Stimmen auch mit der ausdifferenzierten Medien- und Meinungslandschaft zu tun, mit den unzähligen Blogs und Postings, die neben die traditionellen Publikationsformen getreten sind. „Früher“, sagte er in einem Interview mit Indiewire, „gab es drei Zeitungen, das war’s. Heutzutage ist es so, als würdest du permanent das gesamte Publikum hören.“ Und weiter: „Für jeden Film wirst du daher einen Kommentar oder eine Rezension finden, die sagt, dass er großartig ist, und eine andere, die ihn für das Mieseste hält, was jemals gemacht wurde.“

Zum Inhalt:
Nach seiner Scheidung zieht Dr. Robert Laing in das Hochhaus. Als Dozent für Physiologie an der nahegelegenen Universität kann sich der 30-Jährige ein Appartement in dem imposanten Gebäude leisten. Der Wolkenkratzer ist mehr als nur ein Wohnturm. Er ist eine eigene, in sich abgeschlossene Welt auf vierzig Etagen mit Ladengeschäften, Banken, Schulen, Fitnessstudios und Schwimmbädern.

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Die Bewohner – Ärzte, Rechtsanwälte, Universitätsangestellte, Piloten und Kreative – kommen ausschließlich aus der Ober- und Mittelschicht. Wer wo wohnt, entscheidet das Geld und der gesellschaftliche Status. Die zumeist kinderlose Upperclass hat die fünf oberen Stockwerke für sich reserviert, während Familien sich mit den unteren Geschossen zufrieden geben müssen. Ganz oben im vierzigsten Stock residiert Anthony Royal, der Architekt und Schöpfer des exklusiven Ensembles. Laing, der in einer der mittleren Etagen wohnt, genießt den Mix aus unterschiedlichen Menschen und das ausgelassene Partyleben in seiner neuen Behausung. Schnell freundet er sich mit dem charismatischen Fernsehjournalisten Richard Wilder und dessen Frau aus dem zweiten Stock an, fühlt sich aber auch magisch zur feinen Gesellschaft über ihm und insbesondere zu Anthony Royal hingezogen.

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Doch hinter der glitzernden Oberfläche des Skyscrapers rumort es. Rätselhafte Schlafprobleme machen den Bewohnern zu schaffen. Dazu treten die Ressentiments zwischen den verschiedenen Fraktionen im Haus immer offener zutage. Vor allem zwischen den oberen fünf und den unteren zehn Etagen kracht es.

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Die „Oberschicht“ sperrt die Kinder vom Spielplatz auf dem Dach und vom Schwimmbad aus, weil sie sich von ihnen gestört fühlt, und benutzt die Aufzüge der „Unterschicht“ als Hundeklo. Diese kippt im Gegenzug ihren Müll auf die teuren Reichen-Autos, die unterhalb von ihren Wohnungen geparkt sind. Laing findet diese Gehässigkeiten und Scharmützel über und unter ihm kleinkariert und schüttelt über sie nur den Kopf. Er sieht sich als unbeteiligter Zeuge und will mit all dem nichts zu tun haben. Das aber ändert sich, als es in dem hochmodernen Gebäude zu einer Serie von technischen Problemen kommt: Störungen der Klimaanlage, defekte Müllschächte, stehende Aufzüge und Stromausfälle verschlechtern das Klima im Haus erheblich. Schlimmer noch: Während des ersten Stromausfalls, der nur gerade einmal zwanzig Minuten dauert, lassen viele Bewohner ihren Aggressionen freien Lauf. Die Bilanz sind eine Vielzahl von belästigten Frauen, gewalttätige Übergriffe in den Liften und ein ertränkter Hund in einem Pool.

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Laing erfährt am eigenen Leib, wie der Kampf der verfeindeten Lager langsam auch auf die mittleren Stockwerke übergreift. Bei seinem wöchentlichen Squashspiel auf der Terrasse des Penthouses von Anthony Royal stellt sich ihm plötzlich – unter dem gleichgültigen Blick des Gastgebers – eine Gruppe von Partygästen aus den oberen Etagen entgegen und drängt ihn gefährlich nahe Richtung Abgrund.

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Nur dank des Eingreifens eines befreundeten Juweliers geht für Laing die Sache glimpflich aus. Genau dieser Juwelier „fällt“ wenig später aus dem 35. Stock. Er ist das erste Opfer einer Gewaltspirale, die sich nun immer schneller dreht. Anders als Laing entschließt sich sein Freund Richard Wilder zu handeln. Er hat die Zustände in seiner Etage satt, die zugemüllten Gänge, die kaputten Aufzüge voller Hundekot und die offenkundig unfähige Hausverwaltung, die keinerlei Gegenmaßnahmen ergreift. Der Fernsehjournalist will eine Dokumentation drehen und sich mit der Kamera zu den „Schuldigen“ in den oberen Stockwerken durchkämpfen. Sein Ziel ist der seiner Meinung nach Hauptverantwortliche für die ganze Misere: Anthony Royal.

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Derweil schreitet die allgemeine Verwahrlosung und Verrohung im Haus unaufhaltsam voran. Banden ziehen raubend, prügelnd und vergewaltigend durch die Etagen. Die Vorräte gehen zur Neige. Doch trotz der sich anbahnenden Katastrophe kommt keiner der Bewohner auf die Idee, die Polizei zu rufen. Die meisten scheinen im Gegenteil Gefallen zu finden am Zusammenbruch der Ordnung und am Rückfall in ein archaisches Zeitalter, das es ihnen erlaubt, ihre urzeitlichen Triebe auszuleben und sich zu stammähnlichen Verbänden zusammenzuschließen. Und während die Partys munter weitergehen, kämpft nur ein Mann mit allen Mitteln um sein Recht und schlägt sich wie besessen Treppe für Treppe Richtung vierzigsten Stock hoch, um seinen Todfeind vom Thron zu stoßen – Richard Wilder.
Robert Laing hat sich von seinem Freund längst abgewandt. Aber auch er spürt, wie sich der Ring um ihn immer enger schließt und er in der Orgie aus Gewalt und Anarchie zu versinken droht. Der junge Doktor muss sich endlich entscheiden: Auf welcher Seite steht er?

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Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
1.) Nennt uns die Literaturverfilmung, die Euch am meisten beeindruckt! Schön wäre eine kurze Begründung, warum Euch ausgerechnet dieser Film so gut gefällt.
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Dazu habt ihr bis zum 30.09.2016 bis 24.00 Uhr Zeit.

Das Gewinnspiel wird von www.film-blog.tv veranstaltet, die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahre mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie von www.film-blog.tv dürfen nicht mitmachen. Gehen mehr richtige Antworten ein, als Preise zur Verfügung stehen, lassen wir das Los entscheiden, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Teilnehmerdaten werden nur für die Zustellung eines eventuellen Gewinns bis zum Einsendeschluss gespeichert und anschließend vollständig gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

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dcm Film Distribution GmbH präsentiert „High-Rise“ ab dem 18. November 2016 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD.
Das Rezensionsexemplar und die Verlosungspreise wurden von dcm Film Distribution GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: High-Rise
Land / Jahr: GB / 2015
Genre: Drama, Literaurverfilmung
Darsteller: Tom Hiddleston: Dr. Robert Laing; Jeremy Irons: Anthony Royal; Sienna Miller: Charlotte Melville; Luke Evans: Richard Wilder; Elisabeth Moss: Helen Wilder; James Purefoy: Pangbourne; Keeley Hawes: Ann Royal; Dan Renton Skinner: Simmons; Sienna Guillory: Jane Sheridan; Enzo Cilenti: Adrian Talbot; Peter Ferdinando: Cosgrove; Reece Shearsmith: Nathan Steele; Augustus Prew: Munrow; Stacy Martin: Fay; Leila Mimmack: Laura; Tony Way: Hauswart Robert u.a.
Regie: Ben Wheatley
Drehbuch: Amy Jump
Roman-Vorlage: „High Rise“ von James Graham Ballard
Produktion: Jeremy Thomas
Kamera: Laurie Rose
Musik: Clint Mansell
Schnitt: Amy Jump, Ben Wheatley

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 119 Min. + 60 Min. Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (2,40:1)
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Vom Roman zum Film, Interviews mit Cast & Crew, Kinotrailer, Trailershow, Wendecover
FSK: 16

Webseite zum Film: High-Rise