Honig im Kopf: Reise zur Erinnerung

honig-kopf_cover„Honig im Kopf“ erzählt die Geschichte der ganz besonderen Liebe zwischen der elfjährigen Tilda und ihrem Großvater Amandus. Das humorvolle, geschätzte Familienoberhaupt wird zunehmend vergesslich und kommt mit dem alltäglichen Leben im Hause seines Sohnes Niko nicht mehr alleine klar. Obwohl es Niko das Herz bricht, muss er bald einsehen, dass für Amandus der Weg ins Heim unausweichlich ist. Doch Tilda will sich auf keinen Fall damit abfinden. Kurzerhand entführt sie ihren Großvater auf eine chaotische und spannende Reise, um ihm seinen größten Wunsch zu erfüllen: Noch einmal Venedig sehen!

Film-Blog.tv meint:
An Til Schweiger scheiden sich die Geister. Während die einen, auch nach meiner Meinung völlig zu Recht, seine Arbeit immer wieder kritisieren, scheint ihn das breite Publikum zu mögen. Nicht von ungefähr sind fast alle seine Filme, zumindest in Deutschland, Kassenschlager. Auch an „Honig im Kopf“ scheiden sich die Geister. Ich sehe das etwas differenziert. Denn Schweiger ist es gelungen, das Tabuthema „Alzheimer“ einem breiten Publikum auf humorvolle Weise näher zu bringen. Das Highlight des Films ist sicher die schauspielerische Leistung von Dieter Hallervorden. Wegen ihm alleine lohnt es sich schon, sich „Honig im Kopf“ anzuschauen.

Schon bei der Beerdigung seiner geliebten Frau Margarethe fällt auf, dass Amandus Rosenbach Gedächtnislücken hat. Der pensionierte Tierarzt wohnt etwas abseits auf dem Land. Sein Sohn Niko besucht ihn zwar hin und wieder, ist aber, wie dessen Ehefrau Sarah, beruflich und gesellschaftlich zu eingespannt. Sie sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, können sich nicht einmal richtig um die 11-jährige Tochter Tilda kümmern.

honig-kopf_01

Bei einem Routinebesuch wird Niko von einem Anruf Sarahs überrascht: Amandus sitzt auf dem Polizeirevier und hat eine Vermisstenanzeige für die verstorbene Margarethe aufgegeben. Mit einem Foto, das er von ihr auf der Hochzeitsreise vor vielen Jahrzehnten gemacht hat. Er lässt sich von der Polizei im Streifenwagen nach Hause bringen. Dort wartet er schon auf Niko und Tilda, die ihn vom Revier abholen wollten.

honig-kopf_02

Die Wohnung von Amandus ist stark vermüllt. Die Putzfrau hat er entlassen, weil er glaubte, sie hätte den Schmuck gestohlen. Was natürlich nicht der Fall war. Die Schatulle steht auf einem Schrank, mitten im Chaos. Dafür hat Amandus einem der Polizisten die Dienstwaffe gemopst und hat jetzt einen Riesenspaß daran, in der Wohnung auf das Hirschgeweih an der Wand zu ballern. Für Niko ist klar: Opa kann nicht alleine bleiben. Er organisiert, gegen die Einwände von Sarah und zur Freude Tildas, den Umzug in die noble Villa von Familie Rosenbach junior.

honig-kopf_03

Der Zustand von Amandus verschlechtert sich zusehends. Er benötigt Betreuung. Das spätestens nachdem er einen Kuchen backen will und stattdessen Schuhe in den Backofen schiebt und damit fast das Haus in Brand setzt, offensichtlich. Tilda bekommt mit, dass Opa ins Heim soll. Das will sie verhindern. Und plant eine Reise nach Venedig. Damit sich Amandus an die schöne Hochzeitsreise erinnert und sein Gedächtnis wieder gesund wird.

honig-kopf_04

Gesagt, getan. Der Trip mit dem Auto der Eltern, dann mit der Bahn, zu Fuß und mit diversen anderen Transportmitteln wird, das ist zu erwarten, mit einigen Hindernissen verbunden. Dass Schweiger hier maßlos übertreibt und es mit der Logik nicht allzu genau nimmt, sei ihm verziehen. Es kommt zu Szenen, die einerseits Spaß machen und andererseits auch angenehm berühren. Manchmal schrammt er hart am Kitsch vorbei. Aber noch öfter übertreibt er es dann doch mit der Rührseligkeit. Erträglich werden die Situationen durch das immer noch ausgeprägte komödiantische Talent von Dieter Hallervorden. Bis zum Showdown in Venedig. Was danach kommt, … naja.

honig-kopf_05

Mein Hauptkritikpunkt ist, dass „Honig im Kopf“ eine gute Viertelstunde zu lang ist. Wer die DVD nach dem Familientreffen in Venedig aus dem Player nimmt, erspart sich einigen Kitsch, den Schweiger besser rausgeschnitten hätte.

Denn grade von diesem Kitsch – Postkartenmotive aus Südtirol und von Venedig, der Kurzauftritt von Samuel Koch oder die Nacht am Lagerfeuer – gibt es im Film selbst genug Szenen, die dank Hallervorden immer wieder aufgefangen werden und dank ihm auch noch (einigermaßen) erträglich sind. Es sind vor allem die „Alten“, die „Honig im Kopf“ herausreißen. Neben Didi brilliert Katharina Thalbach als schrullige Vivian, die nicht nur ihre Filmtochter Sarah (erschreckend flach: Jeanette Hain) an die Wand spielt. Schweiger agiert wie immer. Er ist für mich kein Schauspieler, da er sich seit seiner Zeit als Jo Zenker in der „Lindenstraße“, mehr oder weniger selbst spielt. Überraschend gut ist Emma Schweiger, die erfreulich natürlich, für ihr Alter fast schon eine Spur zu professionell, agiert.

Zur Rezension stand mir die DVD zur Verfügung. Die Bildqualität möchte ich deshalb nicht beurteilen, bei Großprojektion ist das Medium der Blu-ray doch zu sehr unterlegen. Da es sich um eine recht junge Produktion von 2014 handelt, gehe ich davon aus, dass die BD auf aktuellem Stand ist. Der Ton der DVD, Dolby Digital, ist zwar komprimiert, bietet aber keinen Grund zur Klage. Alle fünf Schallquellen des Surroundsystems werden fleißig beschickt und sorgen für eine recht gute akustische Atmosphäre.

honig-kopf_06

Warner Bros. Entertainment GmbH präsentiert „Honig im Kopf“ ab dem 27.08.2014 auf Blu-ray Disc™, DVD und alsVoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von Warner Bros. Entertainment GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Honig im Kopf
Land / Jahr: Deutschland / 2014
Genre: Drama, Komödie
Darsteller: Dieter Hallervorden: Amandus Rosenbach, Emma Schweiger: Tilda Rosenbach, Til Schweiger: Niko Rosenbach, Jeanette Hain: Sarah Rosenbach, Katharina Thalbach: Vivian, Tilo Prückner: Dr. Ehlers, Mehmet Kurtuluş: Dr. Holst, Violetta Schurawlow: Nonne, Pasquale Aleardi: Polizeioffizier, Jan Josef Liefers: Serge, Fahri Yardim: Erdal, Claudia Michelsen: Oberin, Lilly Liefers: Smylla, Anneke Kim Sarnau: Heimleiterin, Samuel Koch: Ticketverkäufer, Dar Salim: Restaurantbesitzer, Helmut Zierl: Restaurantgast, Dorothea Walda: Hildegard, Arnel Taci: Emre, Tim Wilde: Schaffner, Luca Zamperoni: Bootsführer, Samuel Finzi: Kellner, Clelia Sarto : Arzthelferin, Zarah McKenzie: Arzthelferin, Thomas Fehlen: Zugführer, Udo Lindenberg: er selbst u.a.
Regie: Til Schweiger
Drehbuch: Hilly Martinek, Til Schweiger
Romanvorlage: xx
Produktion: Til Schweiger, Thomas Zickler
Kamera: Martin Schlecht
Schnitt: Constantin von Seld
Musik: Dirk Reichardt, Martin Todsharow, David Jürgens

DVD
Laufzeit: ca. 133 Min. zzgl. Bouns
Bildformat: Full HD 16:9 (2,35:1)
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprache: Deutsch
Untertitel: Deutsch (Untertitel für Hörgeschädigte), Englisch
Bonus: Audiokommentar von Til Schweiger und Hilly Martinek, Teamfilm, Hinter den Kulissen, Outtakes, Musikvideos: „Go Solo“ von Tom Rosenthal & „I’ll Call Thee Hamlet“ von Woods of Birnam, Audiodeskription für Blinde: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Trailer
FSK: 6

Webseite zum Film: Honig im Kopf