Im August in Osage County: Heile Welt, Familie und andere Irrtümer

osage_coverNach dem rätselhaften Tod von Beverly Weston kommt die Familie zurück nach Osage County. Mutter Violet, bissig und verbittert, trauert auf ihre eigene, unversöhnliche Weise. Sie schluckt mehr Schmerzmittel, als ihr gut tun, und lässt an nichts und niemandem ein gutes Haar. So dauert es nicht lange, bis alte und neue Konflikte aufbrechen und man sich buchstäblich an die Kehle geht. Für die Töchter Barbara, Karen und Ivy ist klar, dass etwas geschehen muss. Aber Violet ist längst nicht so hilflos, wie alle glauben. Besser als jeder andere durchschaut sie, was sich hinter den Kulissen abspielt. Und sie kennt auch die intimsten Familiengeheimnisse …

Film-Blog.tv meint:
Es ist schwül und heiß, im August, in Osage County. Dort, „in the middle of nowhere“. Die Einsamkeit der weiten Landschaft spiegelt sich im Leben der Protagonisten wieder. Es ist Tracy Letts großartig gelungen, ihr Theaterstück in ein Drehbuch zu konvertieren. Unter der Regie von John Wells liefern Meryl Streep, Julia Roberts, Julianne Nicholson, Juliette Lewis und Margo Martindale eine Vorstellung ab, die Sondersgleichen sucht. Vor allem Streep, mit dem Mut zur Hässlichkeit, mimt die tablettensüchtige und vom Krebs gezeichnete Violett so intensiv, dass sie für diese Rolle den Oskar verdient hat.
„Im August in Osage County“. Betörend schöne, einfache und wohl komponierte Landschaftsbilder legen die heillos zerstrittene Seelenlandschaft einer Familie bloß. Bedrückend ehrlich, mit einem kleinen Schuss schwarzem Humor. Kein Wohlfühlkino, aber mit viel Anspruch.

„Ich hab keinen Nerv mehr für Märchen über Familie und Geschwisterliebe. Wir sind einfach nur Menschen, und manche von uns haben zufällig die gleichen Gene. Eine willkürliche Kombination von Zellen.“ (Ivy)

Der in die Jahre gekommene Schriftsteller Beverly Weston (Sam Shepard) ist müde und resigniert. Seine Frau Violet (Meryl Streep) leidet an einem Mundhöhlenkarzinom und lebt in einer Wolke aus Schmerzmitteln und Psychopharmaka. Mal gebärdet sie sich wie ein verbitterter Hausdrache, mal wie ein bedröhnter Junkie. Die angespannte Atmosphäre auf der Farm im ländlichen Oklahoma lässt sich nur mit Hilfe einer unausgesprochenen Übereinkunft ertragen: er trinkt, sie schluckt Tabletten.osage01
Kurz nachdem Beverly die neue Haushälterin Johnna (Misty Upham) engagiert hat, verschwindet er spurlos. Um Violet zu unterstützen, versammelt sich der größte Teil der Familie im schwülheißen Osage County: die Töchter Barbara (Julia Roberts), die lange Zeit
nicht mehr hier war, und Ivy (Julianne Nicholson), die immer in der Nähe der Eltern geblieben ist, dazu Violets rigorose Schwester Mattie Fae (Margo Martindale) mit ihrem Mann Charles (Chris Cooper). Es dauert nicht lange, bis Barbara im Clinch mit Violet liegt. Das Verhältnis der beiden ist schon lange angespannt.

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Die Besucher bringen ihre eigenen komplizierten Familiengeschichten mit. Barbara leidet darunter, dass ihr Mann Bill (Ewan McGregor) eine Affäre mit einer seiner Studentinnen hat. Und mit ihrer pubertierenden Tochter Jean (Abigail Breslin) zickt sie sich bei jeder Gelegenheit an. Auch Mattie Fae und Charles streiten in einer Tour. Meist geht es dabei um ihren Sohn Little Charles Aiken (Benedict Cumberbatch), von dem Mattie Fae keine sonderlich hohe Meinung hat, während Charles loyal zu ihm steht.

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Ein paar Tage nach Beverlys Verschwinden wird seine Leiche aus einem See gezogen – vermutlich Selbst mord. Zur Beerdigung reist auch die dritte WestonTochter an, die exaltierte Karen (Juliette Lewis) mit ihrem Verlobten Steve (Dermot Mulroney), einem halbseidenen Geschäftsmann, der bald ein Auge auf die junge Jean wirft. Der etwas einfältige, aber gutherzige Little Charles kommt zu spät und ist untröstlich, weil er die Beisetzung verpasst hat.
Die Trauerfeier gerät zum Fiasko. Schüsseln gehen zu Bruch, Handys klingeln zum ungünstigsten Zeitpunkt, die Reden nerven. Und Violet, benebelt wie üblich, zeigt sich von ihrer garstigsten Seite: Sie flucht, raucht und schießt Giftpfeile in alle Richtungen ab. Sie stellt Barbara und Bill bloß, die ihre Trennung bislang geheim gehalten haben. Und in Richtung Ivy und Charles macht sie vielsagende Andeutungen. Mit ihren Tiraden reizt Violet alle bis aufs Blut. Schließlich verliert Barbara die Nerven und stürzt sich auf ihre Mutter. Die anderen müssen sie zurückhalten, bevor Schlimmeres passiert.

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Für die drei Schwestern, die sich zuletzt nicht sehr nahe standen, ist nun der Zeitpunkt zum Handeln gekommen. Als erstes konfiszieren sie sämtliche Tabletten, die sie im Haus finden können. Sie statten Violets Doktor einen Besuch ab, damit er keine weiteren Mittel verschreibt. Und dann ist es Zeit für ein. Gespräch über die Zukunft. Dabei verrät Ivy ihren Schwestern, dass sie und Little Charles gemeinsam nach New York City gehen wollen. Dass Charles ihr Cousin ist, stört Ivy nicht, liebt er sie doch abgöttisch und komponiert sogar Liebeslieder für sie.

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Doch schon am nächsten Tag gerät das zarte Glück in Gefahr. Als Mattie Fae von den Plänen ihres Sohnes erfährt, sieht sie die Zeit gekommen, ein dunkles Familiengeheimnis
zu lüften…

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UNIVERSAL PICTURES GERMANY GmbH© präsentiert „Im August in Osage County“ auf Blu-ray Disc™, DVD und als Download.
Das Rezensionsexemplar wurde von UNIVERSAL PICTURES GERMANY GmbH© zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: August: Osage County
Land / Jahr: USA / 2013
Genre: Drama
Darsteller: Meryl Streep: Violet Weston, Julia Roberts: Barbara Weston, Chris Cooper: Charlie Aiken, Ewan McGregor: Bill Fordham, Margo Martindale: Mattie Fae Aiken, Sam Shepard: Beverly Weston, Dermot Mulroney: Steve Huberbrecht, Julianne Nicholson: Ivy Weston, Juliette Lewis: Karen Weston, Abigail Breslin: Jean Fordham, Benedict Cumberbatch: „Little Charles“ Aiken, Misty Upham: Johnna u. a.
Regie: John Wells
Drehbuch: Tracy Letts
Theaterstück: Tracy Letts
Produktion: George Clooney, Jean Doumanian, Grant Heslov, Steve Traxler, Harvey Weinstein
Kamera: Adriano Goldman
Musik: Gustavo Santaolalla
Schnitt: Stephen Mirrione

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 121 Min. + Bonus
Bildformat: Full HD 16:9 (2,40:1)
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1 (D, GB)
Untertitel: D, GB für Hörg.
Extras: Audiokommentar von John Wells und Adriano Goldman, US-Making-of, Mini-Making-of, Deleted Scenes, Featurettes, Interviews, B-Roll, Bildgalerie, Trailer
FSK: 12

Webseite zum Film: Im August in Osage County