Im Weißen Rössl: Na also, geht doch!

roessl_cover „Die ganze Welt ist himmelblau, wenn ich in Deine Augen schau“. Nicht für Ottilie Giesecke. Gerade per SMS von ihrem Freund verlassen, lässt sie sich von ihrem Vater Wilhelm überreden, ihn für einen Kurzurlaub ins „Weiße Rössl“ an den Wolfgangsee zu begleiten …

Film-Blog.tv meint:
Na also, geht doch! Nur ein wenig Mut, dann können wir Deutsche es auch. Was wir können? Uns selbst in herrlich kitschigen Komödien auf den Arm nehmen. Völlig unsentimentale Heimatfilme drehen, die das Genre zitieren um es dann genüsslich durch den Kakao, pardon – den Almdudler – zu ziehen. Dass wir dazu die Hilfe unserer österreichischen Nachbarn brauchen, um so besser. Denn mit ein bisserl Schmäh klingt’s doppelt so schön: „Die ganze Welt ist himmelblau, wenn ich in Deine Augen schau…“

Wilhelm hat nämlich noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen. Die Urne seiner verstorbenen Frau, der Mutter Ottilies, soll nicht im harten, grauen Berlin bleiben. Sie soll dort ihre letzte Ruhestätte finden, wo sie am glücklichsten war: In den Bergen am Wolfgangsee. Dort, wie wir später erfahren, auch Ottilie gezeugt wurde: „Du bist ein Kind der Berge, Lilchen!“

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Doch das will die Großstadtpflanze Ottilie so ganz und gar nicht wahrhaben. Beruflich ist sie in Berlin zwar einigermaßen erfolgreich, doch glücklich scheint sie nicht zu sein. Ausgerechnet bei dem Date, bei dem sie einen Heiratsantrag erwartet, macht ihr Freund per SMS Schluss mit ihr. Obwohl sie noch eine wichtige Präsentation fertig stellen muss, begleitet sie Ihren Vater mit der Urne zum Wolfgangsee.

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An der Grenze zum Salzkammergut bricht plötzlich die Sonne hervor, die Welt ist himmelblau, gute Laune und ausgesuchte Höflichkeit brechen sich unaufhaltsam Bahn. Als Ottilie dann auch noch von Dr. Otto Siedler einen Heiratsantrag erhält, ist sie sich absolut sicher zwischen lauter Verrückten in der Kitschpostkartenhölle gelandet zu sein. Nur in Leopold, dem Oberkellner des „Weißen Rössls“, findet sie einen Seelenverwandten. Hadert er doch wie sie selbst mit der Liebe. Leopold ist hoffnungslos in seine Chefin, die Rössl-Wirtin Josepha verliebt, die das Rössl an Sigismund Sülzheimer verkaufen will, nichtsahnend, dass er diese Keimzelle ungezählter glücklicher Verbindungen, aus enttäuschter Liebe heraus abreißen möchte. Während Ottilie Leopold mehr Selbstbewusstsein und Kampfgeist lehrt, hilft er ihr, den Glauben an die Liebe wieder zu finden …

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Was auf den ersten Blick nach einer lauwarmen Neuauflage eines Klassikers, der schon zu Peter Alexanders Zeiten verstaubt war klingt, hat mich sehr positiv überrascht. Denn den Staub hat Christian Theede mit dem Fön gründlich weggeblasen. Elemente aus der Operette, die den Stoff lieferte und diversen Heimatfilmen werden genüsslich, teils überdeutlich und manchmal wunderbar subtil, zitiert. Dabei ist Theede nichts heilig. Der Vollmond wird auf einer Stange durch den Nachthimmel getragen, Peter Alexander blickt auf einem Portraitfoto verschmitzt in den Gastraum des Rössls. Gesungen wird natürlich auch. „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schöööööööööööön ist?“ Langweilig, abgedroschen? Nicht als Rap. Dass der Sigismund einem österreichischen Nationalhelden ähnelt, der es in Kalifornien bis zum Gouverneur brachte? Was soll’s? Schmäh halt. Herrlich.

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Dazu Wortspiele, die das Zeug zum Klassiker haben. Ottilie hat auf der Reise in die Vergangenheit natürlich keinen Internet-Empfang in ihrem Zimmer. Sie ruft in der Rezeption an, die mit dem Begriff W-LAN natürlich überhaupt nichts anfangen kann. Ottilie, schon halb verzweifelt: „Ja, was heißt denn Internet auf Österreichisch? Google-Hupf?“ Da wundert es niemanden, dass Sarah Wiener einen kleinen Kurzauftritt als Wirtin einer Almhütte hat.

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Betrachtet man das Interieur im Rössl, unternehmen Ottilie und ihr Vater Wilhelm eine Reise vom Berlin von Heute ins Österreich der 60iger Jahre. Dementsprechend ist auch die Farbabstimmung des Films. Regnerisch, düster und kalt in der Großstadt wird hinter dem Schild „Willkommen im Salzkammergut“ alles hell, sonnig, warm und schön kitschig in Bonbonfarben getaucht. Der 5.1-Surroundklang kommt sehr räumlich und, auch bei den Gesangspartien, gut verständlich aus den Boxen.

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Senator Entertainment AG präsentiert „Im weißen Rössl“ ab 11. April 2014 auf Blu-ray Disc™, DVD und VoD.
Das Rezensionsexemplar wurde von der Senator Entertainment AG zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Im weißen Rössl
Land / Jahr: Deutschland / 2013
Genre: Komödie
Darsteller: Diana Amft: Ottilie Giesecke; Tobias Licht: Dr. Siedler; Fritz Karl: Oberkellner Leopold; Edita Malovčić: Rössl-Wirtin Josepha; Gregor Bloéb: Sigismund; Armin Rohde: Wilhelm Giesecke u. a.
Regie: Christian Theede
Drehbuch: Jan Berger
Produktion: Regina Ziegler, Stefan Wieduwilt, Klaus Graf
Kamera: Stephan Schuh
Musik: Dominik Giesriegl
Schnitt: Martin Rahner

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 103 Min.
Bildformat: Full HD 16:9 (1,85:1)
Tonformat: DTS-HD 5.1
Sprachen: Deutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: Interviews, Making of
FSK: 6

Webseite zum Film: Im weißen Rössl