Inside Llewin Davis: Poesie eines Loosers

llewyn_coverGewinnspiel_rotNew York, 1961. Was macht ein erfolgloser New Yorker Musiker ohne ein Zuhause? Was passiert, wenn er fast jede Nacht auf einer anderen Couch schläft und dabei mal die Frau eines Freundes schwängert und mal die geliebte Katze eines anderen aussperrt? Und was, wenn er diese Katze dann einfach nicht mehr los wird? Llewyn Davis lebt für die Folkmusik, doch der große Durchbruch lässt auf sich warten. Während sich in den Clubs von Greenwich Village aufstrebende Musiker die Klinke in die Hand geben, pendelt Llewyn zwischen kleinen Gigs und Songaufnahmen. Nacht für Nacht sucht er einen neuen Platz zum Schlafen und landet dann meist bei befreundeten Musikern wie Jim und Jean, mit denen ihn mehr als eine oberflächliche Freundschaft verbindet. Doch Llewyn kann seine Gefühle nur in der Musik und nicht im echten Leben äußern, und so lässt er sich weitertreiben – von New York bis Chicago und wieder zurück, ganz wie die Figuren in den Folksongs.

Film-Blog.tv meint:
Inside Llewin Davis ist kein Film, der jedem auf Anhieb gefallen wird. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Betrachter für keine der Figuren übermäßig Sympathie entwickeln kann. Die Charaktere sind sperrig, die meisten Protagonisten zum Scheitern verurteilt. Ja, „Inside Llewin Davis“ ist ein Film über das Scheitern. Mit klarem Blick und ohne um Verständnis oder gar Entschuldigungen zu betteln. Dennoch sehr sensibel, differenziert. Ein Film, der erst beim Nachdenken über das, was man gesehen hat, seine volle Wucht entfaltet. Nach dem Abspann beginnt die Nachspielzeit im „Kopfkino“. Wer sich nicht darauf einlassen will, wird sich eher langweilen. Verpasst aber ein großartiges Filmerlebnis mit Nachhall.

Februar 1961. Greenwich Village, New York. Auf der Bühne des Gaslight Cafés beendet Llewyn Davis seinen Auftritt mit einem letzten Song und den Worten: „Den habt ihr vermutlich schon mal gehört, aber egal – wenn es niemals neu war und niemals alt wird, dann ist es ein Folksong … .“ Als er die Bühne verlässt, erfährt Llewyn, dass jemand draußen vor der Hintertür auf ihn wartet. In der Gasse trifft er auf einen dünnen Mann, der sich im Schatten bewegt und dessen Züge nicht erkennbar sind. Der Mann tritt seine Zigarette aus, nähert sich Llewyn und schlägt ihm ohne Vorwarnung ins Gesicht. „Wiedergutmachung“, sagt der Mann.

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Am nächsten Morgen erwacht Llewyn auf dem Sofa seiner Freunde Mitch und Lillian Gorfein, schöngeistige Akademiker, die in der Upper West Side von New York leben. Weil er selbst keine Wohnung hat, kein Geld, keinen Wintermantel, der ihn gegen die schneidende Kälte schützen könnte, zieht er sich regelmäßig auf ihr Sofa zurück. Er ist noch gar nicht richtig wach, als Llewyn in den Hausgang stolpert und die Tür hinter sich zufallen lässt. Er ist ausgesperrt. Und mit ihm die Katze der Gorfeins. Weil ihm kein anderer Ausweg bleibt, nimmt er den roten Kater mit ins Village. Er zieht weiter zu seinem besten Freund, Jim Berkey, ebenfalls ein Folksänger, und dessen Frau Jean.

Die Situation spitzt sich zu, als Jean Llewyn sagt sie sei schwanger – von ihm. Er müsse für die Abtreibung aufkommen. In dem winzigen Büro seines Musiklabels, Legacy Records, erfährt Llewyn, dass sein neues Album – seine erste Soloplatte, seitdem sein Gesangspartner Selbstmord begangen hat – wie Blei in den Regalen liegt.

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Ohne Geld und ohne Möglichkeiten nimmt Llewyn die U-Bahn zum bescheidenen Häuschen seiner Schwester Joy in Queens. Er will sich Geld von ihr leihen, was Joy sich allerdings kaum leisten kann. Llewyn wundert sich, ob noch Geld übrig ist vom Verkauf des Hauses seiner Eltern. Aber Joy sagt ihm, es sei auf einem Treuhandkonto angelegt. Außerdem bräuchte man das Geld, um die Rechnungen des Pflegeheimes ihres Vaters zu begleichen. Joy erinnert daran, dass er – wie ihr Vater – die Genehmigung besitzt, für die Handelsmarine in See zu stechen. Llewyn könne jederzeit anheuern, wenn die Finanzen eng werden.

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Wieder in Manhattan wartet eine Nachricht auf Llewyn. Er hat einen Job. Weil ein Musiker kurzfristig bei einer Studiosession für Columbia Records absagen musste, könne er die Anstellung haben, wenn er sie haben wolle. Als Jim, Llewyn und ein weiterer Musiker, Al Cody, „Please, Mr. Kennedy“ einüben, spottet Llewyn über das Lied, einen ulkigen Novelty-Song über ein Wettrennen im Weltall. Nur um zu erfahren, dass es von Jim geschrieben wurde. Schließlich lässt er sich mit 200 Dollar ausbezahlen und verzichtet auf jegliche Rechte an der Aufnahme, was sich später noch bitter rächen soll.

Bei einem Zwischenstopp bei Legacy, um seine Post abzuholen, fragt Llewyn die Sekretärin Ginny, ob sie irgendetwas von Bud Grossman gehört hat. Ein Monat ist vergangen, seitdem Llewyn ein Exemplar seines Albums an den einflussreichen Musikproduzenten geschickt hat. Bisher hat er sich noch nicht zurückgemeldet. „Nichts“, sagt Ginny zu ihm und schickt ihn mit einem Karton seiner Platten seiner Wege.

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Als ihm die verschwundene Katze der Gorfeins unerwartet in der MacDougal Street über den Weg läuft, glaubt Llewyn, dass ihm das Glück fortan hold sein wird. Mit der namenlosen Katze und den unverkauften Exemplaren von „Inside Llewyn Davis“ unterm Arm steuert er die Wohnung von Al Cody an, um dort die Platten abzuladen und auf Als Sofa zu schlafen. Aber Al schickt ihn wieder weg, er erwartet Besuch von seiner Freundin und kann daher eine Gäste gebrauchen.

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In der Praxis von Dr. Ruvkin erwartet Llewyn sogleich der nächste Rückschlag. Llewyn will einen Termin für Jeans Abtreibung klären und gleich dafür zahlen, als er von dem Arzt erfährt, er habe noch eine Abtreibung „vom letzten Mal“ gut: Vor einem Jahr hatte er für den Eingriff an Diane gezahlt, aber, so erzählt Dr. Ruvkin, sie habe sich in letzter Minute umentschieden.

Llewyn fährt zurück nach Uptown, um endlich die Katze wieder zu den Gorfeins zu bringen, und nimmt eine Einladung zum Abendessen von Mitch und Lillian an. Als Mitch eine Gitarre hervorholt und Llewyn bittet, ein Lied für seine Gäste zu spielen und Lillian ankündigt, die Harmonien zu übernehmen, die früher sein toter Partner Mike übernommen hat, rastet Llewyn aus. Schnell kippt die Stimmung. Und während noch gestritten wird, entdeckt Lillian, dass die Katze, die Llewyn mitgebracht hat, nicht die ihre ist.

Ohne Schlafplatz und mit der herrenlosen Katze im Arm steuert Llewyn die Wohnung von Al Cody an, der ihm erzählt, dass zwei Freunde nach Chicago fahren wollen und noch nach einem Mitfahrer suchen, der sich am Benzingeld beteiligen will. An einem tristen und eisigen Straßeneck im Greenwich Village hält ein riesiger viertüriger Personenwagen an. Llewyn riskiert einen Blick durch die Windschutzscheibe. Drinnen befindet sich Roland Turner, ein übergewichtiger Jazzmusiker. Am Steuer sitzt sein cooler Kompagnon, Johnny Five. Nur diese Fahrt nach Chicago trennt Llewyn vor einem Vorspieltermin für Bud Grossman in dessen Club, dem Gate of Horn. Alle Hoffnungen Llewyns ruhen darauf. Mit seiner Gitarre im Gepäck und die Katze an den Körper gepresst, setzt er sich neben Roland ins Auto und ist fortan gezwungen, den endlosen, frei assoziierten Tiraden des Nebenmannes zu lauschen.

Bei einem Zwischenstopp in einem einsamen Schnellimbissrestaurant findet Llewyn den leblosen Körper Rolands im Herrenklo. Gemeinsam mit Johnny Five gelingt es ihm, den riesigen Mann wieder aufzurichten und zum Auto zu bringen. Aber damit beginnen die Probleme erst so richtig. Mitten in der Nacht werden sie von einem Polizisten geweckt, dem es nicht gefällt, dass die drei Männer am Straßenrand im Auto schlafen. Als Johnny sich zur Wehr setzt, wird er festgenommen und weggebracht. Er hat immer noch die Schlüssel bei sich.

Mit dem komatösen Roland Mitten im Nirgendwo gestrandet, hat Llewyn endgültig genug. Er lässt das Auto und die Katze zurück und nimmt einen Greyhound Bus nach Chicago. Jetzt, vor Bud Grossman, soll sich sein Schicksal entscheiden …

Die Blu-ray ist technisch auf aktuellem Stand. Das Bild ist, auch bei Großprojektion, scharf, und detailreich. Die Farbabstimmung ist, dem Zeitkolorit der Epoche in der Inside Llewin Davis spielt entsprechend, eher etwas verwaschen und blass. Was aber sehr gut zur Stimmung, die der Film hat, passt. Der Ton kommt recht räumlich und, wie es sich für einen Film über einen Musiker gehört, sehr dynamisch, klar und perfekt abgemischt aus den Surroundboxen.

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Bei der hier vorgestellten „Special Edition“ ist auf einer zweiten Blu-ray „Another Day, Another Time“ entahlten. Inspiriert von der Musik in „Inside Llewyn Davis“ begleitet die Dokumentation die Vorbereitung und das Konzert im September 2013 im Rathaus von New York. Das Line-Up des von den Coen Brüders und T Bone Burnett produzierten Films gleicht einem Who-Is-Who der amerikanischen Musikszene mit Künstlern wie den Avett Brothers, Joan Baez, Marcus Mumford, Patti Smith oder Jack White sowie den Stars aus dem Film, Oscar Isaac und Cary Mulligan.

STUDIOCANAL GmbH präsentiert „Inside Llewin Davis“ ab 10.04.2014 auf Blu-ray™, DVD und als Video on Demand.
Das Rezensions- und das Verlosungsexemplar wurden von STUDIOCANAL GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

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Gewinnspiel
Folgende Frage gilt es zu beantworten: Nennt uns einen weiteren Film der Coen Brüder! Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

1 x Blu-ray Inside Llewyn Davis Special
inklusive der Konzertdokumentation Another Day, Another Time

1 x DVD Inside Llewyn Davis Special
inklusive der Konzertdokumentation Another Day, Another Time
Schickt einfach eine Mail mit der, hoffentlich richtigen, Antwort und Eurer Adresse an gewinnspiel@film-blog.tv

Dazu habt ihr bis zum 30.04.2014 bis 24.00 Uhr Zeit. Gehen mehr als eine richtige Antworten ein, lassen wir das Los entscheiden. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie film-blog.tv dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Originaltitel: Inside Llewin Davis
Land / Jahr: USA, Frankreich / 2013
Genre: Drama, Musik
Darsteller: Oscar Isaac: Llewyn Davis; Carey Mulligan: Jean; Justin Timberlake: Jim; Ethan Phillips: Mitch Gorfein; Robin Bartlett: Lillian Gorfein; Max Casella: Pappi Corsicato; Jerry Grayson: Mel Novikoff; Adam Driver: Al Cody; Stark Sands: Troy Nelson; John Goodman: Roland Turner; F. Murray Abraham: Bud Grossman u. a.
Regie: Ethan und Joel Coen
Drehbuch: Ethan und Joel Coen
Produktion: Ethan und Joel Coen, Scott Rudin
Kamera: Bruno Delbonnel
Schnitt: Joel Coen und Ethan Coen (unter beider Pseudonym „Roderick Jaynes“)
Musik: T-Bone Burnett, Todd Kasow, Marcus Mumford
FSK: 12

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 105 Min. (Hauptfilm) + ca. 101 Minuten „Another Day, Another Time“
Bildformat: Full HD 16:9 (2,35:1)
Tonformat: 5.1 DTS-HD Master Audio, Stereo PCM
Sprachen: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Extras: „Another Day, Another Time“ auf zweiter Blu-ray (nur Special Edition), Making of; Trailer

Webseite zum Film: Inside Llewin Dawis