Jarhead 2 – Willkommen im Dreck: John Wayne hatte es leichter

jarhead2_coverKampferprobt und ziemlich ernüchtert durch den Krieg, wird Unteroffizier Chris Merrimette erneut auf eine harte Probe gestellt: Im hintersten Winkel des taliban-kontrollierten Territoriums soll er mit seiner Einheit eine wichtige afghanische Widerstandskämpferin befreien und nach Washington bringen. Ohne Panzer und ohne Unterstützung durch die Luftwaffe rücken die Jarheads zu ihrer gefährlichen Mission aus. Bewaffnet mit ihrem Mut und der Munition, die sie tragen können, kämpfen sie nicht nur um das Leben der Aktivistin …

Film-Blog.tv meint:
Universal bringt „Jahrheads 2“ als Direct-to-Video-Produktion auf den Markt und umgeht damit die Kinoleinwand. Das ist schade, denn der professionell produzierte Film um US Marines im Afghanistaneinsatz ist kein heroisierender Kriegsfilm, sondern vermittelt ein realistisches Bild des Konflikts. Dabei nehmen Menschen eine wesentliche Rolle in der Handlung ein: mit den Auswirkungen des Taliban-Regimes für die Bevölkerung einerseits, und den traumatischen Belastungen auf die Kombattanten andererseits. Mit einer spannenden Handlung und einem ausgewogenen Mix von Dialog und Action ist Jarheads 2 durchaus für einen ansprechenden Filmabend geeignet.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Sie sind US Marines, und sie werden in Afghanistan in der Supply Management Unit für Logistik eingesetzt: Cpl Danny Kettner, Lance Corporal Danielle ‚Danni‘ Allen, Private Rafael Soto und Private Justin Li. Die jungen Soldaten erhalten den Auftrag, Material über die riskante „Route 605“ zu transportieren. Zu ihrer Unterstützung wird ihnen Private Khalid Hassan abu Faisal von der Nationalen Afghanischen Armee an die Seite gestellt. Der Einsatz ist riskant, aber keine Gefechtsmission. Die Einheit rüstet sich mit überschaubaren Munitionsmengen ein. Nur Danni lädt eine größere Menge in das Fahrzeug.

Die Leitung der Einheit erhält Chris Merrimette. Als Squad Leader soll er den Versorgungstransport über die riskante Route führen. Auch eine Beförderung zum Sergeant steht an. Doch seine Frau ist im achten Monat schwanger, er will seine Verpflichtung nicht verlängern. Die Marines scherzen während der Fahrt. Sie wissen um das Risiko von Angriffen aus dem Hinterhalt und wollen ihre Anspannung überspielen.

En route ergibt sich eine Wendung: Navy SEAL Special Operations Senior Chief Fox fordert die Hilfe des Transportkommandos an. Seine Aufgabe ist, die von der Taliban verfolgte Menschenrechtsaktivistin Anoosh sicher außer Landes zu bringen. Sie setzt sich für das Recht der Frauen auf Bildung ein. Die Taliban wollen sie deshalb steinigen, denn sie bricht in ihren Augen die Sharia. Die Oxford-Absolventin ist eine Hoffnungsträgerin für ihr Land, erklärt auch der afghanische Begleiter der Marines. Es seien Menschen wie sie, die eine Veränderung herbeiführen können, nicht das Blut und die Kugeln. Sie ist als Keynote speaker bei einer Veranstaltung der Vereinten Nationen vorgesehen und dabei Ehrengast des amerikanischen Präsidenten. Es bleiben 36 Stunden, um sie aus der afghanischen Wüste über Washington nach New York zu bringen.

Ein Angriff von Talibankriegern fordert den ersten Tribut, Li fällt im Kampf. Die Marines verlieren ihr Fahrzeug und den Kontakt zur Basis. Am nächsten Tag werden die Soldaten in einen weiteren Kampf mit Taliban verwickelt. Merrimette und Fox töten die Scharfschützen in einem Kampf Mann zu Mann. Für den jungen Marine war der Einsatz am Vortag die erste Kampfhandlung, und nun hat er das erste Mal einen Menschen getötet. Seine Handlung belastet ihn. Fox verdeutlicht ihm, dass der eigene Tod die einzige Alternative gewesen wäre.

Kurz darauf greifen die Taliban ein weiteres Mal an, Fox wird tödlich verwundet. Vor seinem Tod überträgt er den unerfahrenen Soldaten die Aufgabe, Anoosh zum Polizeichef in der Stadt Minar zu bringen. Ohne Kontakt zur Base und mit wenig Munition ausgerüstet machen sich die verbleibenden Marines zu Fuß auf den Weg.

Sie erreichen die Polizeistation in Minar, ein Mann filmt sie aus dem gegenüberliegenden Haus. Kurz darauf treffen schwerer bewaffnete Taliban ein und greifen die Polizeistation an. Soto und der Polizist sterben im Feuergefecht, die Taliban-Kämpfer feuern eine RPG-Granate in die Station und bringen Anoosh in ihre Gewalt.

Die verbleibenden Mitglieder der Einheit nehmen ihre Mission ernst und rücken zu den Taliban vor. Sie riskieren ihr Leben, um die Aktivistin zu befreien, denn in der Hand der Extremisten droht ihr der sichere Tod durch Steinigung bei Tagesanbruch…

Bereits der erste Teil, „Jarhead“ aus 2005, wurde von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden als „wertvoll“ bezeichnet. Der Nachfolger muss sich nicht dahinter verstecken.

Ein Monolog spricht zu Beginn und Ende des Films über die Bedeutung und Konsequenz, Soldat, insbesondere US Marine zu sein. Die Einführung könnte noch zu Kubricks „Full Metal Jacket“ passen, der Epilog trifft bereits den Duktus in der Reflektion am Ende von „A Few Good Men“. Die Einsichten darin sind durchaus tief, und thematisieren zugrundeliegende Werte sowie die Folgen des soldatischen Handelns für Menschen. Auch die Bedeutung für die Familien derer, die den Beruf des Soldaten gewählt haben und das „finale Opfer“ in Kauf nehmen.

Eine Filmrezension ist nicht der geeignete Ort für eine Diskussion der ISAF-Mission in Afghanistan. Und auch Jarhead 2 hebt nie den Zeigefinger. Dennoch zeigt der Film den humanitären Aspekt des militärischen Einsatzes, in dem er Unrechtsopfern authentisch ein Gesicht verleiht und verdeutlicht, was die Interpretation der Sharia durch Extremisten für die Menschen bedeutet. Auch die US Marines werden als Menschen mit Ängsten und Sorgen gezeigt, die durch das Töten eine Belastung erfahren. Und als Väter und Mütter, deren Familien zuhause in Ungewissheit leben: Danni ist Mutter einer fünfjährigen Tochter, Chris wird in einem Monat Vater. Der Film hebt seine Akteure nicht auf ein Podest und verherrlicht Kampfhandlungen nicht. Die Belastung des Tötens, vor allem im Kampf von Mann zu Mann, wird glaubhaft thematisiert. Ebenso wird der Sinn der Mission ohne Pathos angesprochen.

Das Bild der brandneuen Produktion ist sehr klar und dynamisch, die Ausleuchtung einwandfrei. Der Ton ist ausgewogen und klar.

In dem uns vorliegenden Presseexemplar ist das Menü bereits toll gestaltet, die Funktionen sind noch nicht vollständig eingerichtet.

Universal Pictures präsentiert „Jarhead – Willkommen im Dreck“ ab dem 25. September 2014 auf Blu-ray Disc™, DVD und als VoD. Das Rezensionsexemplare wurde von Universal Pictures zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Jarhead 2: Field of Fire
Land / Jahr: USA / 2014
Genre: Kriegsfilm
Darsteller: Fox: Cole Hauser; Major Gavins: Steven Lang; Jason Wong: Justin Li; Kettner: Bookem Woodbine; Cpt. Jones: Esai Morales; Merrimette Josh Kelly u.a.
Regie: Don Michael Paul
Drehbuch: Berkeley Anderson, Ellis Black
Produktion: John Cappilla, Cherise Honey
Kamera: Alexander Krumov
Schnitt: Julian Minkov
Musik: Frederik Wiedmann
FSK: 16

Blu-ray Disc
Laufzeit: ca. 102 Min. + Bonus
Bildformat: 2.40:1 Widescreen
Tonformat: Englisch DTS-HD Master Audio 5.1 // alle anderen Sprachen DTS Digital Surround 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Japanisch
Untertitel: D, GB, F, I, E, J, DK, NL, FIN, IS, N, P, S, AR, HIN
Extras: Zwei unveröffentlichte Szenen