Journey to Jah: That’s now our story, man!

jah_coverDie Dokumentarfilmer Noël Dernesch und Moritz Springer begleiteten die bekannten Reggae-Stars Gentleman und Alborosie sieben Jahre lang auf Reisen nach Jamaika, der Heimat von Reggae und Rastafari.
Dabei treffen der Deutsche und der Italiener auf Künstler der Szene – wie das Reggae-Urgestein Jack Radics -, werfen darüber hinaus jedoch nicht nur einen Blick auf das karibische Idyll, das sich den Touristen darbietet, sondern auch auf die Schattenseiten, die Armut, Perspektivlosigkeit, aber auch Umweltverschmutzung und Gewalt mit sich bringen.
Sie treffen jedoch auch die aufstrebende Sängerin Terry Lynn, lassen sich von ihr neben ihrer Musik auch einen Einblick in das Leben Kingstons geben und begleiten sie in die Berliner Club-Szene. Bei allen bestehenden Problemen spielen Reggae und Spiritualität in Jamaika immer eine wichtige Rolle und geben den Menschen Halt und Hoffnung.

Film-Blog.tv meint:
Tilmann Otto nennt sich Gentleman, und er hat im Reggae Jamaikas seine spirituelle Heimat gefunden. Nach Jamaika und zum Reggae zog es auch den Italiener Alberto D‘Ascola alias Alborosie, der früh die Schule verlassen musste und dessen Bruder in Sizilien auf offener Straße erschossen wurde. „Journey to Jah“ begleitet die beiden Künstler über sieben Jahre. Dort ist Reggae mehr als Musik: Reggae ist ein Lebensgefühl. Die Musik ist in dem armen Land mit vielerlei Problemen ein wichtiger Anker; Reggae stiftet dort Sinn, Identität und gibt Zuversicht.
Der ambitionierte Film gibt authentische Einblicke, indem er ungeschminkt auch die Probleme des Landes dokumentiert und Stimmen ergänzt. Hierzu zählen die Kulturwissenschaftlerin Carolyn Cooper, die an der University of the West Indies in Jamaika lehrt, und Künstler wie Natty, Richie Stephens, Gentlemans Mentor Jack Radics und die junge Terry Lynn. Sie alle geben Einblick in den Geist der Rastafaribewegung und den oftmals harten jamaikanischen Alltag. Dafür wurde „Journey to Jah“ beim Zurich Film Festival mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Der Film eignet sich nicht nur für Reggaekenner; er gibt einen authentischen Einblick in ein Lebensgefühl und die Rastafarikultur.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Goldene Schallplatten, eine Nummer Eins in den deutschen Albumcharts und zwei Echos: Gentleman feiert in Deutschland große Erfolge. Doch selbst im Mutterland des Reggae findet der talentierte Musiker Anerkennung wie nur sehr wenige Europäer neben ihm. Seine Liebe zu den Menschen und zur Kultur beinhaltet auch, dass er Parois lernte, die lokale Variation der englischen Sprache. Dies bracht dem Kölner besonderen Respekt der Jamaikaner ein. Wer Englisch spricht, versteht Patois grundsätzlich; aber immer wieder entgleitet einem das Verständnis der teils deutlich anders ausgesprochenen Worte. Und der Blick auf die deutschen Untertitel verrät dem verwirrten Zuschauer, was im Englischen gemeint war.

Spiritualität, sagt Tilmann, war die Triebfeder in die fremde Kultur einzutauchen. Der Sohn eines Pastors fand in den christlichen Predigten keinen Zugang zu ersehnten spirituellen Einblicken, wohl aber in der Musik. Diese Brücke führte ihn zu den Rastafari.

Er lebt in beiden Welten, und vermisst nach seinen Worten regelmäßig den jamaikanischen Geist, nachdem er nach Deutschland zurückkehrt. Hier, wo alles gegeben sei, herrsche eine Angstatmosphäre. Dort, in Jamaika, lebe man für den Moment, und Spiritualität sei allgegenwärtig. Frage man nach dem Weg zur Schule, finde man sich auch einmal in einer zweistündigen Diskussion mit einem Fremden. Darüber, dass es immer einen Weg gibt.

Jamaika ist kein reines Touristenparadies, das verschweigen die Interviewpartner nicht. Der Weg aus dem Ghetto ist schwer, sagt Sängerin Theresa Williams alias Terry Lynn; und Alborosie erzählt, wie er sich zwischen zwei Gruppen sehr junger Menschen fand, die M16- und AK47-Sturmgewehre bereithielten. Rastafari Natty hätte ihn hinter einen Blechzaun geführt, aus der Schusslinie heraus, und das sei echter Reggae gewesen.

Und auch die Armut ist immer wieder ein Thema des Films. Gentleman will beobachtet haben, dass in der größten Armut die größte Spiritualität und Schönheit entsteht.

Carolyn Cooper spricht über die Spiritualität und Kultur der Menschen in Jamaika. Die Hochschullehrerin und Autorin erklärt, dass die weltweit populäre Dancehallmusik Aspekte wie Waffengewalt und Homophobie aufgreift und damit ein weltweites Image der Jamaikaner aufbaut.

„Wir wollten keinen Film uber die Geschichte von Reggae und Rastafari machen, sondern Menschen begleiten, die einen Schritt in eine andere Kultur machen“, sagen Noël Dernesch und Moritz Springer. Das ist den beiden Regisseuren sehr gut gelungen. Insbesondere Tilmann Otto zeigt uns diesen Weg transparent. Wir wissen recht gut, woher Tilmann kommt, und wir erleben, wohin er geht. Zu Jah, zu Gott. In Jamaika, mit den Jamaikanern, durch die Musik, und durch die Spiritualität,

good!movies präsentiert „Journey to Jah“ auf DVD.
Das Rezensionsexemplar wurde von good!movies zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Journey to Jah
Land / Jahr: Deutschland, Schweiz / 2013
Genre: Dokumentarfilm, Musikfilm
Darsteller: ‚Gentleman‘ alias Tilmann Otto, ‚Alborosie‘ alias Alberto D´Ascola u.a.
Regie: Noel Dernesch, Moritz Springer
Drehbuch: Noel Dernesch, Moritz Springer
Produktion: Jan Krüger, Rene Römert
Kamera: Marcus Winterbauer, Felix Leiberg, Simon Guy Fässler
Schnitt:
Musik: Gentleman, Alborosie

DVD
Laufzeit: ca. 92 Min. + Bonus
Bildformat: 16:9 (1:2,35)
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonus: Titelsong-Trailer, Filmtrailer
FSK: ohne Altersbeschränkung

Webseite zum Film: Journey to Jah