Kandahar Journals: Verdammt nah dran …

kandahar_coverGewinnspiel_rot„Je mehr ich sehe, desto weniger verstehe ich.“ Louie Palu, kanadischer Fotojournalist, wird bei seinem ersten Aufenthalt in Afghanistan Zeuge eines Selbstmordanschlags. Die Grausamkeit brennt sich in sein Gedächtnis ein. Er verbringt die nächsten fünf Jahre in der Region Kandahar, begleitet NATO-Truppen und das afghanische Militär bei ihren gefährlichen Einsätzen. Mit seinen Tagebuchaufzeichnungen kommentiert Palu die schonungslosen Bilder menschlichen Leids und die Absurdität des militärischen Alltags. Dem Ausnahmezustand stellt er die Dokumentation seiner „normalen“ Realität gegenüber – eine Gegensätzlichkeit, die verstört. Der Krieg bleibt unbegreiflich, für den Zuschauer wie für den Filmemacher.
Philipp Großmann, Dok.fest München

Film-Blog.tv meint:
Robert Capa sagte einst: „Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.“ Wenn das der Maßstab guter Bilder ist, sind die Aufnahmen von Louie Palu Meisterwerke. Er war selbst fünf Jahre in Afghanistan, die meiste Zeit in der Gegend um Kandahar. Und kam dem Schrecken des Kriegs nah. Verdammt nah sogar. Bei aller Grausamkeit stellt er die Opfer nicht bloß, schafft es, nicht Partei zu ergreifen. Lässt die Soldaten der ISAF ebenso zu Wort kommen, wie die Bevölkerung. Afghanische Jungen, die sich beim planschen in einem Fluss vergnügen. Und die Opfer auf beiden Seiten. Opfer eines sinnlosen Krieges. Denn der kanadische Sergeant bringt es auf den Punkt: Es ist der Kampf um ein Land, das eigentlich niemand will …

Fünf Jahre lang hat Louie Palu, Kriegsreporter und –fotograf aus Kanada, die ISAF-Truppen in Afghanistan begleitet. War bei Patrouillenfahrten dabei, ist mit ihnen durch die Wüste gewandert und hielt mit seiner Nikon im Kreuzfeuer der Taliban drauf. „Ich habe keine Angst vor einem Feuergefecht. Ich habe Angst, dass mir eine Mine die Beine zerfetzt“ hört man ihn öfter sagen. In sengender Hitze, bepackt mit seiner Ausrüstung und von einer kugelsicheren Weste aus Kevlar trotzt er dem Staub. Und zeigt uns mit seinen Fotos ein sehr persönliches Tagebuch eines Krieges, der hier schon so gut wie vergessen ist.

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Die erste Stunde plätschert der Film ein wenig dahin. Loui erzählt von seiner Kindheit, den Eltern. Italienische Immigranten, die nach dem 2. Weltkrieg nach Kanada auswanderten. Zeigt die Gegensätze des Lebens zu Hause, einem Auftrag im Weißen Haus zwischendurch. Und dann immer wieder Kandahar. Wir erfahren, warum dieser Ort eine so große strategische Bedeutung hat. Wie die dort stationierten Truppen den Kontakt zur Bevölkerung suchen. Und immer wieder in Feuergefechte oder Sprengstoff-Attentate verwickelt werden.

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Zwischen den Filmaufzeichnungen immer wieder Fotos. Die leider ein wenig zu kurz eingeblendet sind. Wer da länger verweilen möchte, muss halt immer wieder die „Pause-Taste“ der Fernbedienung bemühen. Manchmal stellt Loui seine Nikon auch auf höchste Serienbildgeschwindigkeit und lässt die Einzelbilder dann in einer Art Zeitraffer am Betrachter vorbei ziehen.

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Die letzte Viertelstunde des Films hat es dann in sich. Loui zeigt die Arbeit der Sanitäter im Feldlazarett. Wir sehen Bilder, die mit FSK 16 noch großzügig bewertet wurden. Hier braucht man starke Nerven….

Der Ton ist zwar auch auf der Blu-ray „nur“ Dolby Digital Stereo, aber angesichts der Produktionsweise darf man hier natürlich keinen 5.1-Surround-Sound erwarten. Das ginge sicher auch zu Lasten der Authentizität. Dennoch war ich überrascht, dass nicht nur die Sprache bei den Interviews, sondern auch die Umgebungsgeräusche des O-Tons erfreulich plastisch und mit guter Dynamik aus den Boxen kommen. Das Bild, überwiegend mit der Handkamera aufgezeichnet, vermittelt einen sehr direkten Eindruck vom Erlebten. Dass da die Schärfe nicht auf Hollywood-Niveau ist, kann man verkraften. Denn auch das trägt zur Authentizität bei.

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Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
1.) Nennt uns den Kriegsfilm, der Euch am meisten beeindruckt (hat)! Schön wäre eine kurze Begründung.
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Die Teilnehmerdaten werden nur für die Zustellung eines eventuellen Gewinns bis zum Einsendeschluss gespeichert und anschließend vollständig gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

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Das Rezensions- und das Verlosungsexemplar wurden von Studio Hamburg Enterprises zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Kandahar Journals
Land / Jahr: Afghanistan, Kanada / 2009-2015
Genre: Dokumentation
Darsteller: Loui Palu u. a.
Regie: Devin Gallagher (II), Louie Palu
Drehbuch: Loui Palu, Murray Brewster
Produktion: Loui Palu
Kamera: Loui Palu
FSK: 16

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 76 Min. + ca. 30 Min. Bonus
Bildformat: 16:9 – 1.77:1
Tonformat: Dolby Digital 2.0 Stereo
Sprache(n): Englisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Interview mit Louie Palu, Wendecover

Webseite zum Film: Kandahar Journals