Kill Billy: „Entdecke die Möglichkeiten“

billy_coverGewinnspiel_rotSeit mehr als 40 Jahren schuftet Harold gemeinsam mit seiner Frau Marny in seinem Möbelgeschäft „Lunde Furniture”. Doch damit ist es nun vorbei. IKEA eröffnet eine große Filiale direkt nebenan und zerstört dadurch sein Lebenswerk. Harold und Marny verlieren nicht nur das Geschäft, sondern auch ihr Haus an die Bank. In seiner Wut und Verzweiflung denkt Harold nur an eins: Rache. Er besorgt sich eine Pistole und setzt sich in seinen alten Saab. Er hat nur ein Ziel: Er will den IKEA-Gründer Ingvar Kamprad entführen. Entgegen allen Erwartungen gelingt der Plan, doch die Aktion nimmt schon bald eine unerwartet komische Wendung.

Film-Blog.tv meint:
„Kill Billy“ präsentiert sich an manchen Stellen durchaus situationskomisch, wenngleich trotz seines don quijotischen Entführungsmotivs weniger schwarzgefärbt als manch andere Produktion aus dem Norden. Anstelle des „Bisses“ von Produktionen wie „Kraftidioten“ oder des agilen Humors von „Lillyhammer“ ergänzt „Kill Billy“ eine sentimentale Note und später eine neue Perspektive für seinen Protagonisten. Damit steht die humoristische Unterhaltung nicht alleine im Fokus von Gunnar Vikenes Produktion, die vor allem die menschliche Perspektive aus der Sicht eines alternden Mannes bedient, der einen Grund für die substantiellen Änderungen in seinem Leben sucht.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Harold Lunde hat „die Hälfte aller Häuser in Åsane eingerichtet“. Der Möbelhändler ist stolz auf seine Verankerung in der norwegischen Kleinstadt und er ist ein Traditionalist, der Qualitätsware und Maßarbeit schätzt. Harold identifiziert sich mit seiner Arbeit und seinen Idealen. Als ein riesiger Ikea-Markt neben „Lunde møbler“ seine Türen öffnet, ist es damit allerdings vorbei: Die Kunden bleiben aus. Harold verliert alles; nicht nur seine wirtschaftliche Existenz und das, wofür er sich berufen fühlt, auch nach über 40 Jahren Ehe seine Frau Marny. Der Kontakt zu seinem nach Schweden gezogenen Sohn Jan ist nur noch lose, Harold fühlt sich einsam. Die Schuld für seine letzten Schicksalsschläge sieht Harold bei IKEA-Gründer Ingvar Kamprad, und so fasst er einen Plan: Auf nach Schweden, in die Gemeinde Älmhult, wo er den vermeintlichen Übeltäter entführen will, als Don Quijote gegen das Weltimperium mit Köttbullar und Småland…

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Demokratische Einheitsware gegen Tradition und Stolz, und eine existenzielle Krise, die einen Sündennock sucht: Gunnar Vikene zeigt einen strauchelnden Mann, der aus einer soliden Welt in ein tiefes Loch fällt.

Sicher, es gibt die skandinavische Situationskomik: Bei Harolds Versuch, sich selbst und sein leeres Möbelhaus anzuzünden, springt die Sprinkleranlage an. Die Luftpolsterfolie unter der Kleidung, die Harold gegen den Schäferhund schätzen soll, der das vermeintliche Anwesen Ingvar Kamprads bewacht, stammt aus dem Ikea-Markt. Leider ist es dann das falsche Haus. Der Humor steht nicht im Vordergrund, und er ist nicht so schwarz wie in „Kraftidioten“, nicht so spielerisch wie „Lillyhammer“. Norwegens größte Zeitung „Aftenposten“ nennt die 2014er Produktion „halbdunkel“, Christoph Schröder spricht in der „ZEIT“ von einem „grundmelancholischen Film mit heiteren Einsprengseln“.

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Einen ernsten Hintergrund haben dann auch die Gespräche, die Harold mit Ingvar führt, nachdem ihm dieser zufällig in seinen alten Saab springt und der Entführungsplan aufgeht: Steuersparmodelle im großen Stil, Kinderarbeit, das Sympathisieren mit einer nationalistischen Gruppierung in jungen Jahren. Die Kommentare des Film-Kamprads sollen Zitate des realen Ikea-Gründers sein. Mit dessen Eigenheiten Autor Gunnar Vikene daneben auch humorvoll spielt, wenn er „seinen“ Kamprad wiederholt nach „Snus“ fragen lässt, den schwedischen Kautabak, dessen hohe Besteuerung der echte Ingvar Kamprad kritisierte. Auch die leichte Aversion der Nachbarn Norwegen und Schweden tritt hier und dort subtil zutage.

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Im Fokus der Handlung stehen Menschen, und hier hatte Gunnar Vikene das Glück, beide Hauptrollen mit seinen Wunschdarstellern überzeugend besetzten zu können. Bjørn Sundquist (Harold) und Björn Granath (Kamprad) machen ihre Sache ausgesprochen gut und überzeugen durch ein authentisches, unterhaltsames Spiel. Bjørn Sundquist ist ein renommierter Darsteller mit langen Engagements am „Det Norske Teatret“ und am „Nationaltheateret“ in Oslo. Im Alter von 52 Jahren war er im Jahr 2000 der jüngste Empfänger des den Ehren-Amanda Award. Sein schwedisches Pendant Granath verfügt neben der Leinwanderfahrung ebenfalls über Bühnenpraxis und war zwischen 1987 und 2007 Schauspieler und Regisseur am Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm.

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Neben einer deutsch synchronisierten Fassung steht die Originalaudiospur mit Norwegisch/Schwedisch zur Verfügung. Die Untertitel liegen leider nur in Deutsch vor, nicht in den Originalsprachen für skandinavisch interessierte Zuschauer.

Das kompakte Bonusmaterial enthält ein kurzes Interview mit Regisseur Gunnar Vikene, Englisch mit deutschen Untertiteln, und den Kinotrailer.

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Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
1.) Nennt uns Euren Lieblings-Möbelstück von IKEA! Schön wäre eine kurze Begründung, warum Euch ausgerechnet dieses Teil so gut gefällt.
2.) Wie habt Ihr zu www.film-blog.tv gefunden?
Zu gewinnen gibt’s auch was, nämlich

2 x DVD „Kill Billy“

Schickt einfach eine Mail mit der, hoffentlich richtigen, Antwort und Eurer Adresse an gewinnspiel(at)film-blog.tv

Dazu habt ihr bis zum 15. November 2016 bis 24.00 Uhr Zeit.

Das Gewinnspiel wird von www.film-blog.tv veranstaltet, die Teilnahme ist kostenlos. Teilnahmeberechtigt sind Personen über 18 Jahre mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie von www.film-blog.tv
dürfen nicht mitmachen.Gehen mehr richtige Antworten ein, als Preise zur Verfügung stehen, lassen wir das Los entscheiden, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Teilnehmerdaten werden nur für die Zustellung eines eventuellen Gewinns bis zum Einsendeschluss gespeichert und anschließend vollständig gelöscht. Eine Weitergabe an Dritte ist ausgeschlossen.

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NFP marketing & distribution GmbH präsentiert „Kill Billy“ im Vertrieb von EuroVideo ab 27. Oktober 2016 auf DVD und als VoD.
Das Rezensions- und die Gewinnspielexemplare wurden von NFP marketing & distribution GmbH zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Her er Harold
Land / Jahr: Norwegen, Schweden/ 2014
Genre: Drama, Komödie
Darsteller: Bjørn Sundquist: Harold, Björn Granath: Ingvar Kamprad, Fanny Ketter: Ebba, Lena-Pia Bernhardsson: Frau Mårtensson, Evert Lindkvist: Herr Mårtensson, Olaf Heggdal: Rasmussen, Samuel Hellström: Christer, Andreas Hyttsten: Robert, Vidar Magnussen: Jan, Veslemøy Mørkrid: Solveig, Grethe Selius: Marny, Ellen Birgitte Winther: Jeanette u. a.
Regie: Gunnar Vikene
Drehbuch: Gunnar Vikene basierend auf Frode Gryttens Roman „Saganatt“ (Deutsch: „Ein ehrliches Angebot“)
Produzenten: Maria Ekerhovd
Kamera: Simon Pramsten
Schnitt: Frida Eggum Michaelsen
Musik: Janove Ottesen
FSK: 6

DVD
Laufzeit: ca. 85 Min.+ Bonus
Bildformat: 2,39:1 / 16:9 – 1080 / 24p HD
Tonformat: 16:9 – 2.40:1
Sprachen: Deutsch, Norwegisch/Schwedisch
Untertitel: Deutsch
Extras: Interview mit Regisseur Gunnar Vikene, Kinotrailer, Wendecover

Webseite zum Film: Kill Billy