Kleine Ziege, sturer Bock: Ein Roadmovie mit Schaf und Emotion

ziege_coverGewinnspiel_rotJakobs Chancen mit Ende 30 wieder zu Hause bei seinen Eltern zu landen stehen nicht schlecht: Als Elvis-Imitator ist er nicht gerade gut bei Kasse… Da taucht völlig überraschend seine 12-jährige Tochter Mai auf, von der er bislang nichts wusste, und will ihren Erzeuger kennenlernen. In Wahrheit möchte das verzogene Mädchen jedoch nur ihrer Mutter eins auswischen und stellt Jakobs eh schon chaotische Welt auf den Kopf. Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig, hat Jakob doch gerade einen Job als Fahrer angenommen. Das Auto: ein klappriger Kastenwagen. Die Fracht: ein Schafbock. Das Ziel: Norwegen. Jakob bleibt keine Wahl: Mai muss ihn begleiten… Und so beginnt für beide in Begleitung eines muffelnden, eigensinnigen, musikalisch jedoch äußerst versierten Schafs ein turbulenter
Road Trip.

Film-Blog.tv meint:
„Du bist nur mein Vater!“: Die verwöhnte 12-jährige Mai hat große Probleme, als sie ihrem Vater Jakob im Alter von zwölf Jahren zum ersten Mal begegnet. Doch auch der, aus einer anderen Welt stammende, Gelegenheitsjobber und Elvis-Imitator Jakob muss den Zugang zu seiner Tochter finden. Dass die Familiengeschichte alle Kitschschlaglöcher souverän umfährt, ist vor allem der Verdienst der sehenswerten Darsteller Wotan Wilke Möhring und besonders Sofia Bolotina – das junge Talent spielt ausgesprochen glaubwürdig durch alle Facetten der Entwicklung! „Kleine Ziege, sturer Bock“ überzeugt durch eine angesichts des vorhersehbaren Plots überraschend durchgängige Unterhaltung und liefert herrliche Landschaftsaufnahmen der norwegischen Fjorde und Berge als spektakuläre Kulisse in der zweiten Filmhälfte.

Den Beitrag verfasste unser Autor Peter Schrandt.

Opernsängerin Julia Dellamare und ihre 12-jährige Tochter Mai haben ein Problem: Julia will wieder einen Mann in ihrem Leben, doch Mai will keinen „neuen Vater“ akzeptieren. Erst recht keinen, der mit seinen zwei Söhnen einzieht, wie „Marc mit seinen zwei Vollpfosten“. Dann will sie lieber ihren richtigen Vater Jakob, den sie noch nie gesehen hat, denn Julia hat ihm die Schwangerschaft vor gut zwölf Jahren verschwiegen. Und heute weiß sie nicht einmal, wo er steckt; gerade zwei Monate war sie mit Mais Vater Jakob zusammen. „Finde ihn!“, fordert Mai ihre Mutter auf. Das gelingt Julia auch, und sie setzt Mai widerwillig in den Flieger von München nach Hamburg.

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Doch das aus Trotz zustande gekommene Treffen verläuft anders, als die verwöhnte Mai es erwartet hat. Der legere Mann ohne sichtbare Verbindlichkeit entspricht in keiner Weise der ihr vertrauten Welt, und seine Überraschung über die Existenz einer Tochter ist mit Unsicherheit gepaart. Dass die Reise in einem klapprigen Transporter mit einem Schafbock als Fracht an Bord fünf Tage durch Norddeutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen geht, entspricht ebenfalls so gar nicht den Erwartungen der jungen Hobbycellistin mit dem hochwertigen Instrument im Gepäck. In Genf, London, Berlin, Brüssel, München hat sie gelebt, nun reisen ihr Vater und sie mit einem Zelt im Gepäck. Zur kleinen Insel Lykøya, um einen Schafbock abzuliefern.

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„Sie sind für nichts zu gebrauchen“, schleudert sie ihrem Vater schon bald enttäuscht entgegen, und spürt noch nicht einmal genug Nähe für ein „Du“. Die Distanz bleibt erhalten; als sich Jakob mit dem Zeltaufbau abmüht, übt Mai stoisch ihr Cellospiel. Doch je weiter die Reise nach Norden geht, desto mehr schmilzt die Kühle zwischen Tochter und Vater…

Uli Aselmann und Sophia Aldenhoven gelingt ein schönes Roadmovie um die Annäherung von Vater und Tochter. Sicher: „Kleine Ziege, sturer Bock“, in Zusammenarbeit mit dem ZDF und arte entstanden, ist familienkompatible Unterhaltung für das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit überzeugt das Buch von Petra K. Wagner mit einer Handlung, deren Spannung durchhält. Und eine interessante Paarung aufeinandertreffen lässt: Ein anfänglich arrogant-kühles Mädchen mit einem prestigeträchtigen Verhalten, das eine nicht unbedingt sympathische erwachsene Dimension anklingen lässt mit einem Vater, der beinahe kindlich unbeschwert in den Tag hineinlebt und mit der Elvis-Imitation einem Spiel nachgeht. Zu erleben, wie beide die Rollen tauschen, wie das übererwachsene Kind zum Kind an der Schwelle zu Erwachsenen werden darf und der unerfahrene Vater in seine Rolle wächst, macht Spaß. Amüsant sind die Gegenpole im Buch und den Requisiten: Eine Opernsängerin mit cellospielender Tochter und ein Elvis-Imitator; ein Cabrio und ein klappriger Transporter mit einem Schafbock im Laderaum; eine Münchener Luxuswohnung und ein Enddreißiger, dem aus Geldnot der erneute Einzug bei den Eltern droht.

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Besonders fällt die tolle darstellerische Leistung von Sofia Bolotina als anfangs divenhaft verdorbene Tochter Mai auf. Legt sie ihre Rolle zunächst ohne eine Spur von Kindlichkeit an, zeigt sie bald schon Verletzlichkeit und Ängstlichkeit. Im Dialog mit Wotan Wilke Möhring gelingen den beiden authentisch-emotionale Momente, ohne jede Spur von Kitsch. Auch die geringer präsente Julia Koschitz als Mais Mutter spielt ihren Charakter zwischen Arroganz und ehrlicher Unsicherheit sehenswert und rundet damit das kleine Ensemble der jungen Produktion schön ab. Neben dem sehenswert mitspielenden Schafbock mit Elvis- und Cola-Vorliebe geht der Preis für die beste Nebenrolle an die norwegische Landschaft mit ihren Bergen, Fjorden und dem Polarlicht.

Das Bild ist konturiert und balanciert gesättigt. Die visuelle Qualität kommt auch den herrlichen Landschaftsaufnahmen in Norwegen sehr entgegen. Der Ton ist ausgewogen, die bestimmenden Dialoge sind durchgängig klar festgehalten. Der Ton präsentiert auch die Coverversionen der Elvis-Stücke, die Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring selbst einsingen dürfte. So schlecht macht er das nicht, wobei die Wahl des Schauspielberufs schon eine sehr gute Entscheidung war. 😉

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Gewinnspiel
Folgende Fragen gilt es zu beantworten:
1.) Nennt uns Euren Lieblingsfilm mit Wotan Wilke Möring! Schön wäre eine kurze Begründung, warum Euch ausgerechnet dieser Film so gut gefällt.
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Schickt einfach eine Mail mit der, hoffentlich richtigen, Antwort und Eurer Adresse an gewinnspiel@film-blog.tv

Dazu habt ihr bis zum 30. April 2016 bis 24.00 Uhr Zeit. Gehen mehr als eine richtige Antworten ein, lassen wir das Los entscheiden. Mitarbeiter der beteiligten Firmen und Agenturen sowie film-blog.tv dürfen nicht mitmachen, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Majestic Filmverleih GmbH präsentiert „Kleine Ziege, sturer Bock“ ab dem 24. März 2016 auf Blu Ray-Disc™ und DVD.
Das Rezensions- und die Verlosungsexemplare wurden von Majestic Filmverleih zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich.

Originaltitel: Kleine Ziege, sturer Bock
Land / Jahr: Deutschland / 2015
Genre: Komödie, Drama, Familie
Darsteller: Wotan Wilke Möhring: Jakob, Sofia Bolotina: Mai, Julia Koschitz: Julia; Wanda Perdelwitz: Pflegerin Seniorenheim, Karin Heine: Jakobs Mutter, Tilo Prückner: Jakobs Vater, Oliver Törner: Kurierunternehmer, Andreas Windhuis: Schafzüchter u. a.
Regie: Johannes Fabrick
Drehbuch: Petra K. Wagner
Produzenten: Uli Aselmann, Sophia Aldenhoven
Kamera: Helmut Pirnat
Schnitt: Tobias Haas
Musik: Christoph Zirngibl (Komponist), Andreas Kirnberger (Musikberatung)
FSK: ohne Alterseinschränkung

Blu-ray Disc™
Laufzeit: ca. 98 Min.+ ca. 20 Min. Bonus
Bildformat: 16:9 (2.35:1) 1080p/24
Tonformat: DTS-HD Master Audio 5.1
Sprachen:Deutsch, Hörfilm für Sehbeeinträchtigte
Untertitel: Untertitel für Hörgeschädigte, Englisch
Extras: Interviews mit Wotan Wilke Möhring und den Produzenten Uli Aselmann und Sophia Aldenhoven, Featurettes: Trailer, TV-Spot, Hörfilm für Sehbeeinträchtigte, Untertitel für Hörgeschädigte, Wendecover

Webseite zum Film: Kleine Ziege, sturer Bock